Reha-Ort für ambulante Maßnahme

von
Olivia

Hallo, habe eine ambulante Reha beantragt, eine stationäre Reha in einem über 400 km entfernten Ort wurde mir bewilligt. Aus familiären Gründen bat ich um Umwandlung in eine ambulante Reha in einem Reha-Zentrum ca. 15 km von mir entfernt. Erst erhielt ich eine Ablehnung, nach erneutem Widerspruch dann einen neuen Bescheid über eine ambulante Reha. Der neue Reha-Ort liegt nun ca. 35 km von meinem Heimatort entfernt, ist jedoch nur sehr umständlich mit Bus und Bahn (Fahrzeit ca. 1 1/4 Stunde + Fußweg zur Klinik )zu erreichen. Mit den PKW kann ich aufgrund meiner Verletzung nicht fahren und es wurde auch darum gebeten,das Auto zu Hause zu lassen, da keine Parkplätze vorhanden seien. Nach einem Anruf in der Klinik erfuhr ich dann, dass für mich dort eine stationäre Reha statt der mir bewilligten ambulanten geplant war. Also legte ich aufgrund der langen Fahrzeit sowie der Tatsache, dass ich wieder stationär bleiben solle, erneut Widerspruch ein und bat um Um-Einweisung in das Reha-Zentrum bei mir in der Nähe, welches ich in ca. 15 Minuten erreichen könnte. Desweiteren verfügt dieses Zentrum über einen kostenlosen Fahrdienst, der mich abholen und auch wieder nach Hause bringen würde. So hätte ich als Selbständige auch noch die Möglichkeit, z. B. bei meiner Bank vorstellig zu werden. Außerdem würde es der DRV einige Kosten sparen - "kostenloser Fahrdienst". Leider habe ich jedoch auf mehrere Schreiben per Fax noch immer keine Antwort erhalten und da ich nun schon ca. 7 Wochen seit der ersten Antragstellung auf die Genehmigung meiner Reha in meinem Wunsch-Zentrum warte, habe ich heute nochmals bei der DRV angerufen und mich nach dem Stand der Dinge erkundigt.
Dort teilte man mir mit, dass mein Vorgang in die Rechtsabteilung weitergeleitet worden sei und die von mir gewünschte Einrichtung nicht von der DRV belegt würde, obwohl mir von der Einrichtung bereits mehrfach bestätigt wurde, dass Mitglieder meiner zuständigen DRV dort behandelt worden sind.
Mittlerweile steht meine Existenz auf dem Spiel. In einer Broschüre der DRV habe ich gelesen, dass es ein Wunsch und Wahlrecht gibt und der Reha-Ort in 45 Minuten zu erreichen sein muss.
Doch das scheint dort niemand wirklich zu interessieren. Habe im Internet versucht eine Liste mit den Einrichtungen zu finden, die von der DRV belegt werden. Doch ich fand nur einige wenige und selbst die Klinik, die 35 km von mir entfernt liegt, erscheint dort nicht. Wo kann ich denn eine vollständige Liste abrufen?
Hat jemand ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht? Soll ich nun die Reha gänzlich ablehnen und mir lieber von der privaten Krankenversicherung noch mal Krankengymnastik verordnen lassen, damit ich vielleicht doch noch mal meine berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen und meine Familie ernähren kann? Wäre für Eure Antworten dankbar, denn ich weiß nun wirklich nicht mehr weiter!

von
Hopser

Leider ist es so, dass Reha-Maßnahmen Ermessensleistungen der DRV sind, d. h. die DRV entscheidet nach pflichtgemäßen Ermessen, ob, was und wie. Wünsche werden nach Möglichkeit berücksichtigt, Anspruch auf das Gewünschte besteht leider nicht. In Ihrem Fall scheint Einiges schiefgelaufen zu sein, und wenn erst die Rechtsabteilung beteiligt ist, dann dauert es auch ziehmlich lange bis entschieden wird.

von
Tschacka

Hallo Olivia,
die DRV versucht natürlich immer erst eigenen Häusern zu belegen. Stichtwort: Wirtschaftlichkeit!

Tipp:
Lassen Sie sich von der "Wunschklinik" schriftlich bestätigen, dass dort bereits mehrfach Patienten aufgenommen und behandelt wurden, wo die DRV Kostenträger war (und ggf. ist) und faxen diese Bestätigung an die "Rechtsabteilung" der DRV. Dann kann das Argument, dass dort keine "Patienten" von der DRV behandelt/aufgenommen würden nicht zum Tragen kommen!!!

Viel Erfolg und alles Gute
Tschacka

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Olivia,

vorrangiges Ziel von Rehabilitationsleistungen in der gesetzlichen Rentenversicherung ist nach wie vor die wesentliche Besserung oder Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit bzw. die Eingliederung in das Erwerbsleben. Diese Ziele legt der RV-Träger u.a. bei seiner Ermessensausübung zu Grunde.

Dieses Bestimmungsrecht des Rentenversicherungsträgers wird durch das Wunsch- und Wahlrecht des Versicherten nicht eingeschränkt; kann aber nach erfolgter Prüfung einem Wunsch nicht entsprochen werden, ist dies zumindest sachlich und für den Betroffenen nachvollziehbar zu begründen.

Insofern erscheint in dem geschilderten Fall klärungsbedürftig, ob nach Auffassung des Trägers das Rehabilitationsziel in der gewünschten Einrichtung grundsätzlich überhaupt erreicht werden kann; denn nur wenn die inhaltliche Ausrichtung der gewünschten Rehabilitationseinrichtung geeignet erscheint für die Behandlung der hier maßgeblichen Indikation (was an dieser Stelle jedoch nicht beurteilt werden kann) kommt eine Belegung in Betracht.

Hierzu sollte unbedingt nochmals Kontakt mit dem zuständigen Rentenversicherungsträger aufgenommen werden auch im Hinblick darauf, dass eine nachgewiesene Fahrtzeit von 1 ¼ Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln tatsächlich nicht den Anforderungen an die Erreichbarkeit einer ambulanten Einrichtung entsprechen würde. Bei der zeitlichen Grenze von 45 Minuten ist aber auch zu bedenken, dass eine gewünschte ambulante Durchführungsform die grundsätzliche Reisefähigkeit des Versicherten voraussetzt.

von
Olivia

Vielen Dank für die vielen Rückantworten.
Die von mir gewünschte ambulante Reha sollte in einer Einrichtung erfolgen, die in nur 15 Minuten zu erreichen ist und Mitglied des Bundesverbandes ambulanter medizinischer Rehabilitationszentren ist. Es erfolgt eine Betreuung durch interdisziplinäre Teams aus Ärzten, Physio- und Ergotherapeuten, Masseuren, Sportlehrern, Psychologen, Sozial- und Ernährungsberatern.
Ich denke daher, dass diese Einrichtung genau das Richtige für mich ist und auch den Anforderungen der DRV entsprechen wird.
Ich werde nun einfach mal abwarten, was kommt, denn ich habe keine Lust auf ein erneutes Gespräch mit den doch recht unfreundlichen Mitarbeitern meiner zuständigen RV.

von
Olivia

Habe nun endlich eine Antwort von der DRV erhalten!
Die von mir von Anfang an beantragte ambulante Reha in meiner Wunsch-Einrichtung, die, wie man mir mehrfach mitteilte, nicht von der DRV belegt wird und auch noch nie (!) (lt. telef. Auskunft der DRV)eine Reha dort bewilligt wurde, (ich jedoch mehrfach gegenteilige Auskünfte von der Einrichtung erhielt) wurde mir nun doch bewilligt!!!!!
Nur leider kann ich mir als Selbständige nicht leisten, drei Monate ohne Einkommen zu sein. Meine Fixkosten laufen leider weiter und ich war nun gezwungen, meine berufliche Tätigkeit ohne Reha wieder aufzunehmen, da mir ansonsten der Konkurs drohte und ich Haus und Hof verloren hätte. Zwar habe ich noch immer Schmerzen und bin in meiner Bewegungsfreiheit etwas eingeschränkt, doch habe ich mir in der langen Zwischenzeit von meiner Krankenkasse Krankengymnastik verschreiben lassen, so dass es mittlerweile wieder einigermaßen geht.
Ich ärgere mich fürchterlich, dass ich die Reha, für die ich nun so lange gekämpft habe, aus zeitlichen und vor allem finanziellen Gründen nicht machen kann und den Bescheid ablehen muss, doch hoffe ich für alle anderen, die gerne an den gleichen Reha-Ort zur ambulanten Behandlung möchten, dass ich ihnen den Weg dazu vielleicht ein wenig freigekämpft habe.
Meinen Rat an alle - nicht aufgeben !
Wunder gibt es immer wieder ! (Wenn für mich auch leider zu spät!) Aber so kann die DRV schließlich auch Kosten sparen!!!