Reha -Probleme mit Oberarzt

von
Walli

Hallo,
ich befinde mich zur Zeit in einer psychosomatischen Rehamaßnahme, nach einer Eilverfügung. Der Abschlußbericht von hier soll entscheiden ob mir eine Erwerbsminderungsrente bewilligt wird, da die vorherigen Gutachter nicht einer Meinung sind.
Es ist Urlaubszeit und außer dem Oberarzt (Psychiater) und einer unerfahrenen Psychologin gibt es keine Therapeuten hier. Das bedeutet zwei Gruppengespräche /Woche -Depression und Einzelstunden nur auf Anfrage und bei notwendigem Bedarf. Aber gerade bei Therapeuten muß das Verhältnis Arzt/Patient stimmen. Es muß Vertrauen da sein. Stimmt es nicht wie bei mir jetzt habe ich keine Ausweichmöglichkeit weil eben Urlaubszeit ist. Das machte sich unlängst während eines Gruppengesprächs bemerkbar. Mir ging es nicht gut . Ich war still mir liefen aber die Tränen . Der Oberarzt fragte mich ob es mir schlecht geht und ob ich darüber sprechen wollte. Ich lehnte es ab zu sprechen, konnte es nicht mit ihm. Er wandte sich daraufhin an die Gruppe und fragte die Gruppe, wie sie sich fühlen wenn sie in ihrer Mitte eine Person haben der es schlecht geht und die nicht reden will. Auch nicht mit ihnen. Einige reagierten empört über seine Frage. Sie meinten, Walli hat sich bisher soviel eingebracht das es respektiert werden sollte wenn sie still ist. Ich fühlte mich auch an den Pranger gestellt und bot an die Gruppe zu verlassen.
Dabei konnte ich nicht reden weil es um den Konflikt mit besagtem Arzt ging. ES gab einige Sachen die so gravierend sind das ich das Vertrauen verloren habe. Die Chemie stimmt eben nicht. Aber er wird den Abschlußbericht schreiben und von ihm hängt es ab wie er ausfällt. Das ist doch nicht gerecht. Denn aus seinen Bemerkungen schliesse ich das er für mich nicht gut sein wird. Frage an den Experten, ist so eine Frage an die Gruppe ok? Anschließend kamen alle zu mir und meinten sie empfanden die Frage als gemein. Was für Möglichkeiten hat man wenn keine Vertrauen da ist aber auch keine Ausweichmöglichkeit. Viele Grüße Walli

von
Heike W

Hallo, mir ging es in meiner psychosomatischen Reha fast genauso, nur, dass ich das Problem mit meiner Bezugstherapeutin hatte. Ich bat erst den Arzt, mir jemand anderen zuzuweisen, danach bin ich zum Oberarzt und dann noch zur chefärztin. Es hat leider nichts genutzt. Nach Abschluss der Reha habe ich einen eigenen von mir verfaßten Bericht geschrieben, in dem ich die Probleme dargestellt habe. Aus der Reha bin ich zwar arbeitsunfähig mit anschließender Wiedereingliederung entlassen worden, diese musste ich aber nach ein paar Wochen wieder abbrechen.

Ich kann Ihnen nur raten, die Probleme aufzuschreiben und der DRV zur Verfügung zu stellen. Gut wäre auch, wenn der Therapeut/Arzt zu Hause noch was über den Zustand nach der Reha schreibt.

Es ist auch nicht gesagt, dass die DRV die Rente nur von dem Bericht der Reha-Klinik abhängig machen wird, da kommen schon mehrere Faktoren zusammen.

Experten-Antwort

Hallo Walli,

zu den Inhalten und den Ablauf der Therapie während der medizinischen Rehabilitationsleistung kann in diesem Forum keine Stellung genommen werden.

Im Rahmen des stattfindenden Abschlussgespräches besteht die Möglichkeit ihre gegebenenfalls abweichende Einschätzung der Bewertung Ihrer Leistungsfähigkeit sowie des Therapieverlaufes und –erfolges einfließen zulassen.

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass die Entscheidung bezüglich der Bewilligung einer Rente wegen Erwerbsminderung erfolgt unter Berücksichtigung aller vorliegenden (auch medizinischen) Unterlagen.

von
Sozialrechtler

Zitiert von: Walli

Hallo,
ich befinde mich zur Zeit in einer psychosomatischen Rehamaßnahme, nach einer Eilverfügung. Der Abschlußbericht von hier soll entscheiden ob mir eine Erwerbsminderungsrente bewilligt wird, da die vorherigen Gutachter nicht einer Meinung sind.
Es ist Urlaubszeit und außer dem Oberarzt (Psychiater) und einer unerfahrenen Psychologin gibt es keine Therapeuten hier. Das bedeutet zwei Gruppengespräche /Woche -Depression und Einzelstunden nur auf Anfrage und bei notwendigem Bedarf. Aber gerade bei Therapeuten muß das Verhältnis Arzt/Patient stimmen. Es muß Vertrauen da sein. Stimmt es nicht wie bei mir jetzt habe ich keine Ausweichmöglichkeit weil eben Urlaubszeit ist. Das machte sich unlängst während eines Gruppengesprächs bemerkbar. Mir ging es nicht gut . Ich war still mir liefen aber die Tränen . Der Oberarzt fragte mich ob es mir schlecht geht und ob ich darüber sprechen wollte. Ich lehnte es ab zu sprechen, konnte es nicht mit ihm. Er wandte sich daraufhin an die Gruppe und fragte die Gruppe, wie sie sich fühlen wenn sie in ihrer Mitte eine Person haben der es schlecht geht und die nicht reden will. Auch nicht mit ihnen. Einige reagierten empört über seine Frage. Sie meinten, Walli hat sich bisher soviel eingebracht das es respektiert werden sollte wenn sie still ist. Ich fühlte mich auch an den Pranger gestellt und bot an die Gruppe zu verlassen.
Dabei konnte ich nicht reden weil es um den Konflikt mit besagtem Arzt ging. ES gab einige Sachen die so gravierend sind das ich das Vertrauen verloren habe. Die Chemie stimmt eben nicht. Aber er wird den Abschlußbericht schreiben und von ihm hängt es ab wie er ausfällt. Das ist doch nicht gerecht. Denn aus seinen Bemerkungen schliesse ich das er für mich nicht gut sein wird. Frage an den Experten, ist so eine Frage an die Gruppe ok? Anschließend kamen alle zu mir und meinten sie empfanden die Frage als gemein. Was für Möglichkeiten hat man wenn keine Vertrauen da ist aber auch keine Ausweichmöglichkeit. Viele Grüße Walli

Das ist eben das grundsätzliche Problem mit den Reha-Berichten und der Tatsache, daß die Behandler Gutachter in eigener Sache sind.

Allerdings ist das seitens der DRV so gewollt, denn so bekommt man im vorauseilenden Gehorsam die Gutachten, die man haben will, um "sparsam" mit dem Geld der Beitragszahler umgehen zu können.

Die einzige Waffe, die ein Patient solcher Einrichtungen hat, ist es den Ärzten und Psychologen unter Hinweis auf die Schweigepflicht einen ungefilterten Reha-Bericht zu versenden. Dazu empfiehlt es sich ein sehr genaues Tagebuch zu führen und wenn es Gruppensitzungen gab, sich z.B. diesen Vorfall schriftlich bestätigen zu lassen.

Über den Reha-Bericht kann man dann notfalls per Rechtsanwalt bzw. Sozialverband streiten und die Fakten richtig stellen lassen.

Es gilt unbedingt zu beachten:
Ist ein Reha-Bericht erst einmal zur DRV gelangt, ist es fast unmöglich diesen wieder aus den Akten zu entfernen. Bisher ist nur ein Fall im Internet dokumentiert, wo es gelang den Reha-Bericht aus den Akten der DRV herauszuklagen.

Laut Readers Digest (Das Beste) soll es in den 90er Jahren einem Betroffenem nach Jahren und Zwangsverrentung gelungen sein falsche Gutachten nach Aktenlage (ihm wurde Schizophrenie bescheinigt) durch den ärztlichen Dienst des Arbeitsamtes aus den Akten zu entfernen.

Es ist Ihr gutes Recht als Erste den Reha-Bericht lesen und prüfen zu dürfen. Und es ist auch Ihr gutes Recht zu verhindern, daß falsche Tatsachen und unbegründete Wertungen im Bericht enthalten sind. Und deshalb hat der Gesetzgeber Ihnen das Recht eingeräumt erst nach einem Konsens über die Inhalte des Berichtes diesen frei zu geben. Ohne genaue Kenntnis des Inhaltes (Schriftform) und anwaltliche Beratung (oder Beratung durch Sozialverband) sollte niemand der Offenbarung von Reha-Entlassungsberichten zustimmen. Gerade im psychiatrischen bzw. psychosomatischen Bereich ist die Fehlerquote von Diagnosen etc. exorbitant hoch. Im Frühjahr 1985 gab es darüber mal einen Bericht im Fernsehen.

von
Walli

Zitiert von: Sozialrechtler

Das ist eben das grundsätzliche Problem mit den Reha-Berichten und der Tatsache, daß die Behandler Gutachter in eigener Sache sind.

Allerdings ist das seitens der DRV so gewollt, denn so bekommt man im vorauseilenden Gehorsam die Gutachten, die man haben will, um "sparsam" mit dem Geld der Beitragszahler umgehen zu können.

Die einzige Waffe, die ein Patient solcher Einrichtungen hat, ist es den Ärzten und Psychologen unter Hinweis auf die Schweigepflicht einen ungefilterten Reha-Bericht zu versenden. Dazu empfiehlt es sich ein sehr genaues Tagebuch zu führen und wenn es Gruppensitzungen gab, sich z.B. diesen Vorfall schriftlich bestätigen zu lassen.

Über den Reha-Bericht kann man dann notfalls per Rechtsanwalt bzw. Sozialverband streiten und die Fakten richtig stellen lassen.

Es gilt unbedingt zu beachten:
Ist ein Reha-Bericht erst einmal zur DRV gelangt, ist es fast unmöglich diesen wieder aus den Akten zu entfernen. Bisher ist nur ein Fall im Internet dokumentiert, wo es gelang den Reha-Bericht aus den Akten der DRV herauszuklagen.

Laut Readers Digest (Das Beste) soll es in den 90er Jahren einem Betroffenem nach Jahren und Zwangsverrentung gelungen sein falsche Gutachten nach Aktenlage (ihm wurde Schizophrenie bescheinigt) durch den ärztlichen Dienst des Arbeitsamtes aus den Akten zu entfernen.

Es ist Ihr gutes Recht als Erste den Reha-Bericht lesen und prüfen zu dürfen. Und es ist auch Ihr gutes Recht zu verhindern, daß falsche Tatsachen und unbegründete Wertungen im Bericht enthalten sind. Und deshalb hat der Gesetzgeber Ihnen das Recht eingeräumt erst nach einem Konsens über die Inhalte des Berichtes diesen frei zu geben. Ohne genaue Kenntnis des Inhaltes (Schriftform) und anwaltliche Beratung (oder Beratung durch Sozialverband) sollte niemand der Offenbarung von Reha-Entlassungsberichten zustimmen. Gerade im psychiatrischen bzw. psychosomatischen Bereich ist die Fehlerquote von Diagnosen etc. exorbitant hoch. Im Frühjahr 1985 gab es darüber mal einen Bericht im Fernsehen.

Wie sieht sowas konkret aus?. Was muß ich bei dem Abschlußgespräch sagen wenn ich nicht übereinstimme mit dem Inhalt des Berichtes? Verlangen das meine Gegendarstellung zu den Papieren kommt?. Eine Freigabe nur zustimmen wenn eine Änderung erfolgt? Sagen das ich nur unter Protest dem zustimme? Denn die DRV wird ja auf alle Fälle einen Bericht erhalten ob ich will oder nicht. Einen Teil Ihres sehr interessanten Beitrags habe ich leider nicht verstanden.
Zu meiner derzeitigen Situation: Habe dem Oberarzt gesagt das ich weitere Gespräche mit ihm nicht mehr möchte, weil wir keine Basis miteinander haben. Ich ihm nicht vertraue. Das ich seine berufliche Qualifikation nicht in Frage stelle, es respektiere aber er wäre eben für mich nicht der Richtige. Das alles habe ich sehr höflich gesagt. Am nächsten Tag mußte ich sofort zu einer Psychologin kommen die bisher meistens still bei den Gruppengesprächen dabei war. Ihr sollte ich erklären was mich an dem besagen Oberarzt stört. Sie handelte klar im Auftrag. Außerdem werde ich immer wieder vertröstet weil ich um ein ärztliches Konzil gebeten habe damit meine anderen Krankheiten und deren Auswirkungen oder Wechselwirkungen mit in Betracht gezogen werden. Ich werde verströstet. Glaube auch nicht mehr das sich in den letzten Tagen da was tut. Ich war mittlerweile bei sechs verschiedenen Gutachtern. Fast immer lief es nach dem gleichen Schema ab. Sie fragen die Personalien ab und möchte man anschließend was erläutern, heißt es nur, ich kann alles den Akten entnehmen. Wie man mit mehreren Krankenheiten lebt interessiert überhaupt nicht . So ist man schnell wieder draussen und fragt sich, was das jetzt sollte.Dem Hausarzt und dem eigenen Therapeuten wird anscheinend grundsätzlich nicht geglaubt. Denn wie kann es angehen, daß ein Psychiater oder Psychologe den man nur einmal sieht (Gutachter) oder hier in der REha , mit dem man auch nur ein paar Stunden in Gruppengesprächen und max . zwei Einzelstunden verbringt, sich ein Urteil bilden darf und dem auch noch mehr geglaubt wird als dem eigenen Therapeuten????? Das finde ich unserös.Stimmt dann auch noch die Chemie nicht, hat man gleich verloren.
Ich habe übrigens, damit ich hier durchhalte, meine Therapeutin Zuhause angerufen. Sie konnte mich soweit aufbauen das ich das hier durchstehe, weil es mir sehr schlecht ging, verzweifelt war.

von
Sozialrechtler

Zitiert von: Walli

"Denn die DRV wird ja auf alle Fälle einen Bericht erhalten ob ich will oder nicht."

Wenn Sie dem Arzt bzw. der Reha-Einrichtung schriftlich gegen Empfangsbekenntnis verbieten den Reha-Bericht der DRV zu offenbaren, unter Hinweis auf § 203 StGB und die ärztliche Berufsordnung, werden die sich dran halten. Anderenfalls können Sie Strafanzeige und Strafantrag stellen und die Ärztekammer informieren.

Sie haben das Recht sich den schriftlichen Bericht aushändigen zu lassen und sich mit den Ärzten über den Inhalt zu streiten, natürlich mit Rechtsbeistand.

Ich war selbst in der Reha und die DRV hat keinen Bericht bekommen. Und einer Foristin hier, Gudrun, ist es auch gelungen zu verhindern, daß ein Bericht an die DRV geschickt wurde.

"Denn wie kann es angehen, daß ein Psychiater oder Psychologe den man nur einmal sieht (Gutachter) oder hier in der REha , mit dem man auch nur ein paar Stunden in Gruppengesprächen und max . zwei Einzelstunden verbringt, sich ein Urteil bilden darf und dem auch noch mehr geglaubt wird als dem eigenen Therapeuten????? Das finde ich unserös."

Sie haben ja Recht, aber die Beweislast liegt bei Ihnen.

Also Tagebuch führen, alles aufschreiben und der Einrichtung bei Abreise gegen schriftliche Empfangserklärung die Übersendung des Reha-Berichtes verbieten.

Wenn die rumzicken, besorgen Sie sich einen Zeugen und stellen der Einrichtung das Ding zu. Wenn das immer noch nicht hilft das Schreiben per Fax verschicken.

"Ich habe übrigens, damit ich hier durchhalte, meine Therapeutin Zuhause angerufen. Sie konnte mich soweit aufbauen das ich das hier durchstehe, weil es mir sehr schlecht ging, verzweifelt war. "

Ich hätte meinen Sozialverband angerufen, und dafür gesorgt, daß eine Abreise wegen Therapieunfähigkeit der Einrichtung und des Personals keine negativen juristischen Folgen hätte.

Gibt es eigentlich in der Einrichtung sowas wie einen Therapieplan?