Rehaantrag in Rentenantrag umwandeln

von
Agilitus

Hallo.

Ich habe seit Oktober 2007 bis März 2008 ein medizinische Reha von der Krankenkasse bezahlt bekommen. Im Anschluß habe ich eine berufliche Reha von der Rentenversicherung bezahlt bekommen. Diese läuft noch bis zum 15. September. In der Reha hat sich herausgestellt, daß ich nur 4-5 Stunden pro Tag arbeitsfähig bin. Jetzt möchte ich deswegen einen Rentenantrag stellen wegen teilweiser Erwerbsminderung. Ich habe gehört, daß man den Rehantrag in einen Rentenantrag umwandeln kann, so daß ich rückwirkend eine Erwerbsminderungs-Rente bezahlt bekomme.
1) Bekomme ich die EM-Rente rückwirkend auch für die medizinische Reha oder erst ab der beruflichen Reha?
2) Wie gehe ich da vor, damit ich diese EM-Rente rückwirkend bekomme? Einfach einen Antrag auf EM-Rente stellen?
3) Gibt es einen Paragraphen oder eine Verordnung auf die ich mich beziehen kann, wegen der rückwirkenden Bezahlung der EM-Rente?
4) Bekommt jeder die EM-Rente rückwirkend ab Reha-Beginn, der nicht mehr voll arbeitsfähig ist? Welche Vorraussetzungen müssen erfüllt sein?

Ich danke schon im Voraus für die Antworten.

MFG

von
Nix

Stellen Sie einen formellen Rentenantrag.
Ergibt sich aus dem Rentenverfahren, dass bereits aus den Gutachten bei der medizinischen Reha Erwerbsminderung vorgelegen hat, dann wird man Ihnen die Rente nicht vorenthalten.
Es muss aus dem Gutachten und dem Entlassungsbericht hervorgehen, dass Sie erwerbsgemindert sind. Sonst haben Sie keine Chance auf rükwirkende Rentengewährung.
Nix

von
-_-

Ob der Reha-Antrag als Rentenantrag gilt, hängt vom Leistungsfall ab und wird von Amts wegen geprüft. Stellen Sie einfach einen formularmäßigen Antrag auf EM-Rente. Bei den Auskunfts- und Beratungsstellen passiert das online am Bildschirm.

Telefonische Terminvereinbarung für die Antragsaufnahme:

http://www.ihre-vorsorge.de/Beratungsstellen.html

Die Beratungsstellen werden Ihnen nach Eingabe Ihrer Postleitzahl angezeigt. Dort erklärt man Ihnen auch, was Sie mitbringen sollen.

Experten-Antwort

Es ist tatsächlich so, dass der Antrag auf Leistungen zur med. Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben, die der Rententräger erbracht hat oder die ein unzuständiger Leistungsträger gewährt hat, obwohl der Rentenversicherungsträger zuständig gewesen wäre, als Antrag auf Rente wegen Erwerbsminderung gilt, wenn die Maßnahme nicht erfolgreich gewesen ist, weil sie die verminderte Erwerbsfähigkeit nicht verhindert hat. Diese Antragsfiktion ( §116 Abs. 2 Nr. 2 SGB VI ) prüft der Rententräger von Amts wegen und bietet - soweit diese Voraussetzungen vorliegen - auch von sich aus ein Rentenverfahren an.

von
Rese

Ergänzung:
Sie haben während der bisherigen Reha-Maßnahmen sicher Übergangsgeld erhalten? Dann wird bei einer rückwirkenden Gewährung der Rente das bisher gezahlte ÜG auf die Nachzahlung der Rente angerechnet (§ 116 Abs. 3 SGB VI).
Also erwarten Sie sich von einer rückwirkenden Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung nicht zu viel. Auf keinen Fall gibt es die "oben drauf".

von
Agilitus

Ich habe während der gesamten Reha Alg2 bekommen.

von
Schade

dann wird sich der ganze Aufwand wahrscheinlich unterm Strich nicht lohnen, weil die halbe Rente i.d.R. auch nicht höher ist als das, was Sie bislang an Unterstützung haben....

Die Höhe der vollen Rente entnehmen Sie der letzten Renteninformation und halbieren den Betrag und ziehen noch ca 10% für KV und Pflege ab.

von
Agilitus

Ich werde so ca. 200 Euro an teilweiser EM-Rente bekommen. Das wird als Einkommen beim Alg2 berücksichtigt. 100 Euro Einkommen sind anrechnungsfrei bei Alg2 und von dem Rest darf man 20 % behalten. Das heißt, ich würde 120 Euro mehr pro Monat bekommen.

von
Schade

dann wünsche ich Ihnen, dass das klappt und hoffe, dass Sie genausoviel Energie bei der Suche nach einem Job aufwenden wie bei der Recherche nach den Freigrenzen neben Hartz 4.

Experten-Antwort

Ergänzend ist noch mitzuteilen, dass - sofern sich im Rentenverfahren ein 4-5-stündiges Leistungsvermögen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ergeben sollte - ein Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbsminderung auf Zeit wegen verschlossenem Arbeitsmarkt besteht. Diese Rente kann frühestens mit dem Beginn des siebten Kalendermonats nach Eintritt der Erwerbsminderung gezahlt werden.
Sofern Sie während der durchgeführten Rehabilitationsmaßnahmen Arbeitslosengeld II bezogen haben und kein Übergangsgeld zur Auszahlung kam, entfällt eine Anrechnung nach § 116 Abs. 3 SGB 6. Vielmehr wird der Erstattungsanspruch des Trägers des Arbeitslosengeldes II auf die zur Verfügung stehende Rentennachzahlung nach Benachrichtigung durch den Rentenversicherungsträger zu prüfen sein.

von
Schade

...über diese Arbeitsmarktrente würde sich Agilitus wohl riesig freuen, denn neben der vollen Rente gäbe es wohl kein AL 2 mehr und als "Arbeitsmarktrentner" kriegt er keine Grundsicherung.
Somit bliebe die gute alte ergänzende Sozialhilfe, wenn ihm die 400 € Rente nicht zum Leben reichen....