Rente ab 60 planen

von
Rene Backes

ich werde dieses jahr 54 Jahre alt und möchte als Angestellter nach dann über 33 Arbeitsjahren mit 60 Jahren in Rente gehen. Zur Überbrückung der Lücke zwischen 60 und 65 Jahren + 11 Monaten plane ich Erspartes einzusetzen. Da für mich eine vorgezogene Rente wohl außer Frage steht (nicht schwerbeschädigt) müsste ich mit 60 Jahren kündigen.
Wirkt sich die Kündigung mit 60 in irgendeiner Weise negativ auf den Bezug der Regelaltersrente mit 65 Jahren + 11 Monaten aus, außer dass natürlich keine weiteren Entgeltpunkte mehr angesammelt werden können? Als Rentenversicherungen sind vorhanden: 1. gesetzliche 2. Betriebsrente 3. Riester (Höchstsumme mit derzeit noch 2 Kinderzulagen), 4. Entgeltumwandlung/Eichel (Höchstsumme).
Kann ich während der "Übergangszeit" weiter freiwillige Leistungen in diese Versicherungen einbezahlen?
Macht es Sinn, sich nach der Kündigung beim Arbeitsamt "arbeitslos" zu melden?

von
W*lfgang

> ich werde dieses jahr 54 Jahre alt und möchte als Angestellter nach dann über 33 Arbeitsjahren mit 60 Jahren in Rente gehen.

Hallo Rene Backes,

wenn Sie formuliert hätten - mit 54 hab ich in 6 Jahren genug Knete, um die viel später erwarteten Leistungen abzuschöpfen, wäre es richtig gewesen - auch wenn Sie sich mit 60 schon als Rentner nach Arbeitsaufgabe 'fühlen', sind Sie es aus Sicht der Rentenversicherung noch lange nicht ...dazu fehlen noch ein paar wenige Jahre mehr - Sie sind schlicht ein nicht registrierter Beschäftigungsloser ;-) Und wer weiß was ist, wenn Sie tatsächlich 60 werden und die Welt in der Rentenversicherung sich auf 70 gedreht hat.

Nein, negativ wirkt sich das Ende Ihrer versicherungspflichtigen Zeiten nicht aus - Ihre Rente steht dann eben still (kein Zuwachs mehr, das sehen Sie richtig). Freiwillige Beiträge - hmm, der Zuwachs dafür ist nicht wirklich interessant ...im Rahmen alter Übergangsregelungen können Sie damit evtl. noch einen Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente sichern, vor der passenden Altersgrenze, falls notwendig - das sollten Sie aber genauestens vor Ort abklären ...und ob es sich wirklich lohnt.

> Macht es Sinn, sich nach der Kündigung beim Arbeitsamt "arbeitslos" zu melden?

Grundsätzlich ja ...sofern Sie einen Anspruch auf ALG 1 haben, sind das versicherungspflichtige Beitragszeiten für Ihr Rentenkonto - nebst Sperrfrist für (mind.) die ersten 12 Wochen wegen 'mutwilliger' Arbeitsaufgabe. Nur, die Agentur für Arbeit wird Sie in die 'Mangel' nehmen, um Sie wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern ...und dann fangen Sie an darüber nachzudenken, warum Sie nicht bei Ihrem alten Arbeitgeber geblieben sind ;-)

Und ...denken Sie auch an Ihre Krankenversicherung, wie Sie die Zeit überbrücken und den 'billigen Tarif' als Rentner dann halten können.

Gruß
w.

von
Rene Backes

Klare Worte, dafür Danke!
Eine Nachfrage zur KV: ich bin freiwillig pflichtversichert, welche Auswirkungen hat das auf meine Planungen?

Gruß Rene

von
Anita

Sie setzen also voraus, dass bei den Renten in 6 Jahren noch das heutige Recht gilt? Würde ich nicht; wie Sie sehen, ändert es sich doch jedes Jahr, und das wird sicher nicht besser werden.
Ich würde lieber planen, zum frühestmöglichen Zeitpunkt mit Abschlägen Rente zu beantragen. Rechnet sich bei einigermaßen normaler Lebenserwartung immer.

von
Skatrentner

Zitiert von: Rene Backes

Klare Worte, dafür Danke!
Eine Nachfrage zur KV: ich bin freiwillig pflichtversichert, welche Auswirkungen hat das auf meine Planungen?

Gruß Rene

Hallo Rene,

eine freiwillige Pflichtversicherung gibt es nicht. Evtl. meinen Sie damit, dass Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwilliges Mitglied sind, oder wie soll man das verstehen ?

von
Rene Backes

Zitiert von: Skatrentner

Zitiert von: Rene Backes

Evtl. meinen Sie damit, dass Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwilliges Mitglied sind, oder wie soll man das verstehen ?

Genau so ist es! Pardon für die falsche Ausdrusksweise. Rauswerfen kann die gesetzliche Krankenversicherung mich ja wohl nicht. Aber wie hoch werden die Beiträge sein?

Dass es sich finanziell rechnet, zum frühestmöglichen Zeitpunkt mit Abschlägen Rente zu beantragen, ist mir schon klar - es fragt sich halt, wieviel einem die gewonne Lebensqualität "wert" ist. Irgendwie scheint mir das hier niemand zugestehen zu wollen, obwohl ich ja nicht "auf Kosten anderer" plane. Oder täusche ich mich?

Gruß Rene

von
ichael

Hallo Herr Backes,
meine Frau und ich werden auch in 6 Jahren aufhören zu arbeiten.
Dann bin ich 54.
Wir werden die Zeit, bis zu meiner Altersrente, bei mir 66 Jahre und 8 Monate, in der Heimat meiner Frau in Asien leben.
Haus haben wir bereits die letzten Jahre dort gebaut.
Dort werden wir uns dann günstig privat kranken versichern.
So werden wir die teure Krankenversicherungspflicht in Deutschland umgehen.
Vielleicht eine Überlegung für sie Wert ?

Michael

von Experte/in Experten-Antwort

Die Rentenanwartschaft können Sie stehen lassen bis 65/11 und vom Ersparten leben. Freiwillige KK-Beiträge belaufen sich auf ca. 133,- EUR (z.Zt.). Es wäre ratsam die fehlenden rentenrechtlichen Zeiten für die Wartezeit von 35 Jahren evtl. noch zu bekommen. Das ginge mit AloGeld 1 Bezug und evtl. freiwillige Beiträge in die RV; damit Sie die Option für die Rente mit 63 offen zu halten! Lassen Sie sich konkret bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle bearten.

von
Deutschland

Zitiert von: Rene Backes

Die Rentenanwartschaft können Sie stehen lassen bis 65/11 und vom Ersparten leben. Freiwillige KK-Beiträge belaufen sich auf ca. 133,- EUR (z.Zt.). Es wäre ratsam die fehlenden rentenrechtlichen Zeiten für die Wartezeit von 35 Jahren evtl. noch zu bekommen. Das ginge mit AloGeld 1 Bezug und evtl. freiwillige Beiträge in die RV; damit Sie die Option für die Rente mit 63 offen zu halten! Lassen Sie sich konkret bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle bearten.

Hallo Experte !
Für die Krankenkasse ist bei freiwilliger Versicherung aber das Gesamteinkommen maßgeblich.
Davon berechnet sich dann der Beitrag.
Das kann sehr teuer werden.
Über private Versicherungen in Deutschland braucht man sich gar keine Gedanken machen, im fortgeschrittenen Alter sind die als Privatier unbezahlbar.

Michael

von
W*lfgang

Hallo Rene Backes,

> Rauswerfen kann die gesetzliche Krankenversicherung mich ja wohl nicht. Aber wie hoch werden die Beiträge sein?

Nein, Rauswerfen kann Sie die Krankenkasse nicht - im Gegenteil, Sie muss Sie so oder so in der Versicherung behalten, das Mindeste ist die Berechnung der Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung nach Mindesteinkommen (rd. 850 EUR mtl., also grob 140 EUR Beitrag plus ein paar EUR mehr).

Allerdings - siehe Vorbeiträge - zählt Ihre gesamte wirtschaftliche Leistungskraft, heißt: Mieten Pachten Zinsen/Kapitalerträge für die Beitragsgrundlage. Ggf. ist auch das Einkommen der Frau/des Mannes an der (gesetzlichen verbandelten) Seite zu berücksichtigen. Informieren Sie sich dazu schon heute bei Ihrer Krankenkasse, wie das gegenwärtige freiwillige Beitragsniveau wäre. Leider kann Ihnen niemand sagen, wie die Lage dann in 6 Jahren aussieht - also immer sozialversicherungsrechtlich am Ball bleiben, das Forum hier wird’s schon erleben ;-)

> Irgendwie scheint mir das hier niemand zugestehen zu wollen, obwohl ich ja nicht "auf Kosten anderer" plane. Oder täusche ich mich?

Ich schon, ich habe da keinen 'Futterneid', wenn man es 'geschafft' hat und die letzten Jahrzehnte vorzeitig sorgenfrei genießen kann. Insofern ist es sehr positiv, wenn Sie sich schon jetzt um das Was-wäre-wenn kümmern!

(Anekdote: der Sohn einer Kollegin, dem ich noch den Schnuller mit dem Bürolocher perforiert habe, ist kraft eigener Hände Arbeit zum Millionär in nur wenigen Jahren geworden ...lags an der besseren Beatmung in der frühen Kindheitsphase ? ;-)

Tipp wie oben bleibt natürlich, die Rentensituation jetzt schon mal vorprüfen zu lassen (35 Jahre, EM-Rentenanspruch).

Gruß
w.

von
Rene Backes

an Wolfgang und die anderen Experten für die
wertvollen Infos und Tipps.