Rente für Freiberufler

von
Georg

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin als Freiberufler 25 Stunden pro Woche bei einem Auftraggeber beschäftigt. Ich arbeite seit 1 Jahr ausschließlich für diesen einen Auftraggeber, mit festen Arbeitszeiten in den Räumen dieses Auftraggebers.

Meine Frage: wie hoch ist mein Rentenbeitrag bei einem Einkommen von 1500 €?

Vielen Dank im voraus.

von
Biene

Hallo Georg,

es muss erstmal geklärt werden, ob Sie Versicherungspflichtig werden aufgrund Ihrer selbstständigen Tätigkeit mit nur einem Auftraggebers.

Sollte Sie Versicherungspflichtig werden, können Sie sich für einen Zeitraum von längstens drei Jahren nach der erstmaligen - ggf. auch nach einer zweiten - Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit, die die Merkmale für die Versicherungspflicht als Selbstständiger mit einem Auftraggeber erfüllt, kann auf Antrag eine Befreiung von dieser Versicherungspflicht erfolgen. Die Befreiung ist auf den Zeitraum von drei Jahren nach der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit, die zur Versicherungspflicht für Selbstständige mit einem Auftraggeber führt, befristet und gilt ausschließlich für diese Tätigkeit.

Die Befreiung würde aber erst mit Eingang des Antrages erfolgen, da diese nicht innerhalb von 3 Monaten nach Aufnahme der Tätigkeit beantragt wurde.

Dazwischen müssten Sie Beiträge zahlen.

Bis zum Ablauf von 3 Kalenderjahren nach dem Jahr der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit ist von Ihnen der halbe Regelbeitrag in Höhe von monatlich 254,22 EUR (2009 = 250,74 EUR) zu zahlen, der einem Arbeitseinkommen von 1.277,50 EUR (2009 = 1.260,00 EUR) entspricht.

Auf Antrag kann auch der Regelbeitrag in Höhe von 508,45 EUR (2009 = 501,48 EUR) gezahlt werden, der einem Arbeitseinkommen in Höhe der monatlichen Bezugsgröße von 2.555,00 EUR (2009 = 2.520,00 EUR) entspricht.

Darüber hinaus kann ein vom (halben) Regelbeitrag abweichender Beitrag gezahlt werden, wenn das Arbeitseinkommen aus Ihrem Gewerbebetrieb von der (halben) Bezugsgröße abweicht. Für diese einkommensgerechte Beitragszahlung bitten wir, Nachweise der Einkünfte (z. B. Bescheinigung des Steuerberaters, Erklärung über Privatentnahme) vorzulegen.

lg Biene

von
MINI

Zunächst sollten Sie eventuell bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Feststellung des sozialversicherungsrechtlichen Status nach § 7 a Abs. 1 SGB IV stellen. Dann wird geklärt, sind sie abhängig beschäftigt und der Arbeitgeber muss auch Beiträge zahlen oder sind Sie selbständig tätig und selbst für die Beitragszahlung verantwortlich.

Experten-Antwort

Hallo Georg,

so wie der Sachverhalt geschildert wurde, ist sehr zweifelhaft, ob es sich in ihrem Fall überhaupt um eine selbständige Tätigkeit handelt. Die räumliche Einbindung und die Vorgabe von festen Arbeitszeiten bei ihrem einzigen Auftraggeber spricht eher für ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis.
Wir empfehlen ihnen, bei ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger ein Statusfeststellungsverfahren einzuleiten.
Sollte im Rahmen dieses Verfahrens eine selbständige Tätigkeit festgestellt werden, läge der Rentenversicherungsbeitrag mit einem Bruttoreingewinn von 1500 Euro bei 298,50 Euro im Rahmen einer Pflichtversicherung als Selbständiger mit einem Auftraggeber. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, einkommensunabhängig den halben Regelbeitrag i.H.v. 254,22 Euro/ mtl. bis zum Ablauf von 3 Kalenderjahren nach dem Jahr der Aufnahme der selbständigen Tätigkeit zu zahlen.
Gegebenenfalls bestünde auch eine Befreiungsmöglichkeit von der Versicherungspflicht für die ersten drei Jahre nach Aufnahme der Tätigkeit. Dies allerdings frühestens ab Antragstellung und nicht für die Vergangenheit.

von
Georg

Hallo Expertin,

vielen Dank für Ihre Einschätzung, die ich voll und ganz teile. Ich bin Dozent in einem Integrationskurs und das Thema betrifft ca. 12.000 Integrationskurslehrer. Im Moment beziehe ich noch aufstockendes ALG II, deshalb bin ich über die ARGE rentenversichert.

Eine Kollegin (Roswitha Haala) klagt derzeit beim Sozialgericht Hannover gegen die Statusfeststellung der Deutschen Rentenversicherung, die sie als freiberuflich eingestuft hat. Die Pflicht zur Rentenbeitragszahlung wird bis zum Urteil aufgeschoben. Müsste die Kollegin ihren Rentenbeitrag zahlen blieben ihr noch 602 € im Monat, d.h. sie könnte dann wieder ALG II beantragen.

Verschiedene Gerichte haben bereits einige Kursträger dazu verurteilt, die Sozialabgaben der Dozenten nachträglich zu entrichten, was einer Anerkennung des Angestelltenverhältnisses nahekommt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das verbindlich für alle gilt.

Am sinnvollsten wäre es, wenn die Rentenversicherung ihre (Nach-)zahlungsaufforderungen an Integrationslehrer bis zum Ergebnis des Urteils aufschieben würde. Jeder Dozent hat die Möglichkeit, sich an die Klage anzudocken um damit eine aufschiebende Wirkung zu erzielen.

Viele Grüße
Georg