Rente mit 60 nach Altersteilzeit bzw. Arbeitslosigkeit

von
tessistahl

Hallo,
mein Mann, der 1950 geboren ist, hat am 27.11.2003 einen Altersteilzeitvertrag unterschrieben.
Im Januar 2007 unterschrieb er einen Aufhebungsvertrag, und ist seit Oktober 2007 - nach 40 Dienstjahren - arbeitslos gemeldet.

Jetzt unsere Frage:

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, dass er mit 60 in Rente gehen kann?
Wir hatten schon mit diversen Mitarbeitern der Rentenversicherung Kontakt gehabt, doch jeder sagt etwas anderes, so dass wir nicht mehr wissen, auf welche Aussage wir bauen können.
Deshalb hoffen wir, jetzt auf diesem Wege eine kompetente Aussage zu bekommen, oder wenigstens die Anschrift eines Experten, der sich in dieser Materie sehr gut auskennt - Wohnort: Nähe Stuttgart.
Vielen Dank für Ihre Bemühungen und wir sind auf Ihre Antwort gespannt.

Mit freundlichen Grüssen

Tessi Stahl

von
Schiko.

Ob sie und ich richtig liegen erfahren wir in bälde, ob
in stuttgart oder regensburg wohnend spielt dabei keine
rolle.
Meine also, mit 60 überhaupt nicht. Frühestens mit 62
jahren und 10,8% abschlag bzw. mit 63 und 7,2% ab-
schlag.

Bei schwerbehinderung ( 50%) mit 60 jahren und 10,8%
abschlag. Für bis zum 16.11.1950 geborene und 50% am
16.11.2000 zuerkannt und weiterhin geltend sogar mit
60 jahren ohne abschlag.

Mit freundlichen Grüßen.

von
Wolfgang

Hallo Tessi,

Ihr Mann wird die Altersrente nach Altersteilzeitarbeit oder Arbeitslosigkeit ab 60 mit 18 % Abschlag erhalten können.

Voraussetzungen:
- vor 1951 geboren
- min. 15 Jahre Wartezeit (Mindestversicherungszeit)
- ATZ vereinbart
- min. 2 Jahre ATZ gearbeitet
- in den letzten 10 Jahren vor Rentenbeginn min. 96 Mon. Pflichtbeiträge (ALG I oder II zählt auch dazu)
- Vertrauensschutz in Rentenbeginn 60 besteht durch ATZ-Vereinbarung vor dem 01.01.2004

Nachlesen:
"Die richtige Altersrente" (Seite 16 ff)
http://www.deutsche-rentenversicherung-bund.de/nn_18798/SharedDocs/de/Inhalt/04__Formulare__Publikationen/02__info__broschueren/03__rente/die__richtige__altersrente__f_C3_BCr__sie,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/die_richtige_altersrente_für_sie

Gruß
w.

von
tessistahl

Hallo Wolfgang,

vielen Dank für Ihre schnelle und kompetente Antwort.
Da Sie sowohl an den Vertrauensschutz, als auch an die anderen Faktoren gedacht haben, zeigt uns, dass Sie sich mit der Materie auskennen.
Darf ich Sie - falls erforderlich - nochmals anschreiben?
Die zuständige Sachbearbeiterin meines Mannes in Berlin ignoriert den Vertrauensschutz nämlich komplett.
Einen schönen Sonntag wünscht
Tessi Stahl

von
Agnes

Hallo Tessi,

haben Sie den Fragebogen zum Vertrauensschutz (R240) schon ausgefüllt und nach Berlin gesandt?

Agnes

von
tessistahl

Hallo Agnes,

von diesem Formular wussten wir bisher nichts.
Vielen Dank für diese Information. Hab´s gleich runtergeladen.

Was noch unklar ist:

Mein Mann ist jetzt 58 geworden. Das Ende seiner aktiven Arbeitszeit liegt 8 Monate zurück.
Das heißt: ihm fehlen bis zur Vollendung seiner 58 Lebensjahres 8Monate Sozialversicherungspflicht.
Da er arbeitslos gemeldet ist, gehen wir davon aus, dass er diese 8 Monate damit überbrücken kann.
Ist das richtig oder muss er die 8 Monate noch sozialversicherungspflichtig arbeiten?
Wenn ja, in welchem Umfang ?

Gruss
tessi

von
Agnes

Hallo Tessi,
ich gehe davon aus dass Ihr Mann nicht nur arbeitslos ist sondern auch ALG1 erhält.
Für diesen Zeitraum werden Pflichtbeiträge gezahlt.
(sie auch Beitrag von Wolfgang)
Gruß
Agnes

von
tessistahl

Hallo Agnes,

durch die vom Arbeitgeber bezahlte Abfindung erhält mein Mann erst ab Juli ALG1.

Bei einem Telefonat mit einer Mitarbeiterin der BfA wurde ihm mitgeteilt, dass die Pflichtbeiträge des Arbeitsamtes nicht zur Sozialversicherungspflicht angerechnet würden,
sondern nur die Beiträge, die durch ein sozialversichertes Arbeitsentgelt bezahlt werden.

Inwieweit das richtig ist, können wir nicht sagen, deshalb meine Frage, ob Ihnen das eventl. bekannt ist.

Gruss
Tessi

von
Wolfgang

> Bei einem Telefonat mit einer Mitarbeiterin der BfA wurde ihm mitgeteilt, dass die Pflichtbeiträge des Arbeitsamtes nicht zur Sozialversicherungspflicht angerechnet würden

...so ein 'Schwachsinn' hätte ich beinahe laut gedacht - für die 96 Monate Pflichtbeiträge zählen natürliche auch die ALG-Beiträge mit.

Die Zeit, wo der Anspruch auf ALG wegen der Abfindung ruht, ist auch unproblematisch. Sie zählt als Überbrückungszeit/Streckungszeit ...was jetzt im Detail zu weit führen würde. Wenn Ihr Mann bis Rentenbeginn ohne Unterbrechung alo gemeldet ist, reicht das für die Rente ab 60 völlig, wenn er bis Beschäftigungsende/Alo-Beginn 8 Jahre (96
Monate) versicherungspflichtig beschäftigt war.

Gruß
w.
PS: den Bescheid über die Ruhenszeit (wegen der Abfindung) vorsorglich gut aufheben - das Arbeitsamt 'vergisst' schon mal Zeiten der Alo zu melden :-)

von
dietso

Die wichtigsten Vorausetzungen für eine Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit sind:

* Geburtsdatum vor dem 1. Januar 1952,
* mindestens Vollendung des 63. Lebensjahres (ab Dezember 2008),
* 15 Jahren Wartezeit in der Rentenversicherung
* Arbeitslosigkeit bei Beginn der Rente beziehungsweise nach Vollendung eines Lebensalters von 58 Jahren und sechs Monaten insgesamt 52 Wochen Arbeitslosigkeit oder Reduzierung der Arbeitszeit wegen Altersteilzeit für mindestens 24 Kalendermonate

Seit 1. Januar 2006 kann diese Altersrente nicht mehr ab 60 Jahren in Anspruch genommen werden. Das Mindestalter wird bis Ende 2008 in Monatsstufen auf 63 angehoben. Ab dem Jahr 2012 wird diese Altersrentenart abgeschafft. Versicherte, die nach 1951 geboren sind, können somit keinen Anspruch auf Altersrente nach Arbeitslosigkeit mehr erwerben.

Also ich sehe es so, das es mit 60 Jahren nicht geht.

Mfg.
Dieter

von
Wolfgang

Sehen, heißt nicht wissen :-))

§ 237 SGB VI Abs. 5 beinhaltet die oben dargestellten 'Vertrauensschutzregelungen'

http://db03.bmgs.de/Gesetze/gesetze.htm

Gruß
w.

von
dietso

Gibt es eine Vertrauensschutzregelung bei der Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeit, das heißt kann die Rente weiterhin mit 60 Jahren bezogen werden?

Ja. Versicherte, die vor dem 1. Januar 1952 geboren sind und

* am 1. Januar 2004 arbeitslos waren oder

* deren Arbeitsverhältnis durch eine vor dem 1. Januar 2004 erfolgte Kündigung oder Vereinbarung nach dem 31. Dezember 2003 beendet wird

oder

* deren Arbeitsverhältnis vor dem 1. Januar 2004 beendet worden ist und die an diesem Tag beschäftigungslos waren oder

* die vor dem 1. Januar 2004 Altersteilzeit vereinbart haben,
* die Anpassungsgeld für entlassene Arbeitnehmer des Bergbaus bezogen haben,

können aus Gründen des Vertrauensschutz auch weiterhin ab 60 Jahren - allerdings mit Abschlägen von bis zu 18 Prozent - in Rente gehen.

(Stand: Januar 2007)

Deutsche Rentenversicherung

28.12.2007

Hallo Wolfgang,

spricht das nicht dagegen? Tessi Stahl schrieb: Im Januar 2007 unterschrieb er einen Aufhebungsvertrag, und ist seit Oktober 2007 - nach 40 Dienstjahren - arbeitslos gemeldet.

Mfg.
Dieter

von
dietso

Peinlich,

das habe ich glatt übersehen.

* die vor dem 1. Januar 2004 Altersteilzeit vereinbart haben,

dann sollte das doch gehen.

Mfg.
Dieter

von
Wolfgang

Hallo Dieter,

kein Problem, ich schreib manchmal auch schneller als ich lesen kann ;-)

Für den Vertrauensschutz reicht allein die Vereinbarung über ATZ vor 2004. Die ATZ muss nicht mal angetreten worden sein.

Gruß
w.