Rente mit 63 - erhöhte Zuverdienstgrenze

von
Tabeo

Ich werde im Juli nächsten Jahres 63 Jahre alt, bin langjährig Versicherter (35 Beitragsjahre) und möchte am 1.8.2021 mit Abschlägen in Rente gehen.

Da die Hinzuverdienstgrenze für 2021 erheblich erhöht wurde, möchte ich bis Ende des Jahres 2021 bei meinem Arbeitgeber (TVÖD-Tarif) weiterarbeiten.

Also: Rentenbeginn 01.08.21 / Kündigung bei Arbeitgeber zum 31.12.21.

Frage:
Ist so etwas möglich?
Kann der Arbeitgeber dieses Modell untersagen?

Experten-Antwort

Hallo Tabeo,

ab 01.01.2021 liegen die Hinzuverdienstgrenzen für den vollen Bezug bei einer vorgezogenen Altersrente bei 46.060 EUR jährlich, d.h. bis zu dieser Höhe wird eine vorgezogene Altersrente nicht gekürzt.
Ab dem 01.01.2022 gelten dann wieder die bekannten Hinzuverdienstgrenzen von 6.300 EUR jährlich.
Ergänzend weisen wir darauf hin, dass der Rentenabschlag erhalten bleibt und sich nicht verändert, wenn der Rentenbescheid bestandskräftig geworden ist. Ob Sie hier eventuell erst später in Rente gehen( nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses zum 31.12.2021) um die Rentenabschläge zu verringern, liegt in Ihrer eigenen Entscheidung.
Um Mißverständnissen mit Ihrem Arbeitgeber aus dem Weg zu gehen, sollten Sie jedoch unbedingt mit ihm Kontakt aufnehmen und den weiteren Sachverhalt nochmals klären.
Eine Auskunft zu arbeitsrechtlichen Belangen darf nicht durch den Rentenversicherungsträger erfolgen.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
W°lfgang

Zitiert von: Tabeo
Also: Rentenbeginn 01.08.21 / Kündigung bei Arbeitgeber zum 31.12.21.
Frage:
Ist so etwas möglich?
Kann der Arbeitgeber dieses Modell untersagen?

Hallo Tabeo,

ja, Weiterarbeit und Kündigung erst zum 31.12.2021 ist möglich - neben dem parallelen Rentenbezug ab 01.08.2021. Das eine ist das Beschäftigungsverhältnis, das andere ein bereits vorgezogene/zusätzlicher Rentenanspruch - der TVÖD schließt eine vorgezogene Altersrente nicht aus.

Zu beachten ist allerdings, dass bei einer Altersvollrente - sofern der Hinzuverdienst erwartungsgemäß für 01.08. bis 31.12. die 46060 € nicht überschreitet - KEIN Anspruch auf andere Sozialleistungen (ALG, KG, Kurzarbeiterentgelt, keine Reha-Maßnahmen) mehr besteht, ggf, ist dann hier auf eine 99%-Teilrente abzustellen. Andernfalls würden Sie bei einer Altersvollrente auch mit deren Beginn sofort die VBL erhalten - natürlich auch mit dem Abschlag der Altersrente (begrenzt auf 'nur' max. 10,8 %)

Etwas 'komisch' das ganze = zunächst könnten Sie für ein paar Jahre durch die zusätzliche Rente + VBL neben der Beschäftigung profitieren, auf längere Sicht - die Rente hat einen Abschlag, die VBL hat einen Abschlag (beide wäre bei Rentenbeginn 01.01.22 etwa kleiner) - kippt die Rechnung irgendwann um = 'lebe heute mit Mehreinkommen oder sterbe später mit weniger im Heim' ... ;-))

Ihre nächste Beratungsstelle wird Sie - nach konkreter Nachfrage - vielleicht halbwegs darüber informieren können ;-)

Tipp: da Sie eh den Abschlag ab 01.08.2021 eingeplant hatten, wählen Sie auch den Rentenbeginn ab 01.08.

Tipp2: Sie müssen den Rentenantrag nicht/üblicherweise 3 Monate vor Rentenbeginn stellen (Beschäftigungseinkommen läuft ja noch bis Jahresende, finanzielle Not entsteht nicht), sondern im Oktober reicht schon (Termin dafür im Juli/August anfragen), dann lassen sich ggf. 'Widrigkeiten' zum aktuellen Beschäftigungsstand und rückwirkendem Rentenbeginn noch 'einbauen'.

Ganz "einfach" der Flexi-Rentensche*ß und die angehobene Hinzuverdienstgrenze/hier in Kombi mit Betriebsrente/VBL *gg

Gruß
w.

von
Tabeo

Vielen Dank für die schnellen Antworten und für die Tipps!

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