Rente mit 63 nach mindestens 35 Versicherungsjahren

von
Rheiner

In einer Trennungsunterhaltssache verlangt die Unterhaltsempfängerin höheren Trennungsunterhalt, könnte aber schon schon seit November 2018 Rente nach 35 Versicherungsjahren mit 9,9% Abschlag beantragen.
Diese 35 Versicherungsjahre enthalten 34 Jahre allein für Kindererziehungszeiten für 5 Kinder.
Sie ist schon seit 1980 nicht mehr berufstätig, bezahlt auch keine freiwilligen Beiträge zur Rente.

Nun nach 13 Monaten versäumter Rentenantragsstellung würde der Abschlag jetzt 6 % betragen.
Wie würde sich dieser Abschlag für noch 20 Monate auf die Rentenzahlung insgesamt auswirken, wenn berücksichtigt wird, dass ja auch der für 20 Monate frühere Rentenbezug mit diesen 6 % Abschlag gegengerechnet werden muss.

Würde nicht erst nach fast 30 Rentenzahljahren ca. in 2050 sich der erstmalige Vorteil der Rentenzahlung durch den 20 Monate früheren Rentenbezug ins Gegenteil auswirken.
Können Sie mir meine Berechnung bestätigen?

von
Rentenschmied

Hallo,
also meines Wissens können Sie niemanden zwingen eine vorzeitige Altersrente mit Abschlägen in Anspruch zu nehmen, also sind ihre Gedankenspiele m.E. völlig irrelevant.
Es scheint mir auch mehr eine Frage für einen versierten Eherechtsanwalt zu sein als für ein Formum der Rentenversicherung.
Mit besten Grüßen

Experten-Antwort

Hallo Rheiner,
ich kann Ihre Zahlen nicht bestätigen!!

Der einfache Überschlag könnte wie folgt lauten (KV/Pflege und Steuern mal nicht berücksichtigt):
20 Monate früher in Rente bei 6% Abzug = 94% meiner Rente bekomme ich. Macht in 20 Monaten a 94% = 1880% Rente, die ich würde haben können.
Jetzt lasse ich diesen Betrag (1880%) liegen und gönne mir später die um 6% erhöhte Rente. Wie lange müsste ich 6%/mtl. mehr beziehen, bis ich auch die 1880% zusammengetragen habe.
Ergebnis: um die 300 Monate (= 25 Jahre)

Aber ACHTUNG:
Folgende Unbekannte Faktoren machen diese Rechnung unglaubwürdig und verbieten daher ein solche Rechnung eigentlich:
1) steuerliche Veränderungen (späterer Rentenbeginn = höherer Besteuerungsanteil)
2) gesetzlich oder privat krankenversichert? (ggf. gibt´s einen Beitragszuschuss, dann ändert sich das Verh. schon kräftig). Vielleicht kann auch einfach ein späterer Rentenbeginn zur Pflichtversicherung in der KvdR führen.
3) Wie sieht das Rentenrecht in 20 Monaten aus? Besser, schlechter, unverändert?
4) Hängen andere Leistungen von der Rente ab (zB Anspruch auf Betriebsrente)?
5) Stelle ich die Amortisationsrechnung nur auf mich ab? Werden ggf Hinterbliebene profitieren?
6) Die Rente wird (sehr sicher) die nächsten 25 Jahre nicht ohne Rentensteigerungen gezahlt werden. Wie kalkuliere ich diese mit ein?
7) Kalkuliere ich mit irgendeinem Rechnungszins? Wenn ja, welchen?
....und viele weitere nicht abschätzbare Faktoren.
Daher bitte -wenn auch für sie evtl. nicht so wirklich glücklich- die Einzelfallentscheidung der/des Rentenberechtigten akzeptieren.
Alleine diese Person wird die ausschlaggebenden Gründe für die Nichtbeanspruchung der möglichen Rente beantworten können.

von
W°lfgang

Zitiert von: Experte/in
(...)

Hochachtung - perfekte Analyse!!! Lassen Sie sich auf das Berater-Clone-Programm setzten :-))

Gruß
w.
PS: ja, der (weiterhin) verzögerte Rentenbeginn - wegen des Rentenabschlags - führt zu einer immer längeren Amortisierungsphase (25+ Jahre) und lässt sich 'einfach-mathematisch' berechnen. Neben den vielen 'klitzekleinen' anderen aufgeführten Aspekten/insbesondere Rentenanpassungen, eben auch etwas geringer ausfallend.

...zur Frage: 'MUSS die Betroffene zwingend wegen einer Unterhaltssache die Rente (mit Abschlag) beantragen', kann keine Antwort aus der DRV erwarten werden – Privatrecht!

Aus Sicht Rente: es gibt keinen Zwang eine vorgezogene Rente mit Abschlägen beantragen zu müssen.

Die ggf. Folgewirkungen/Kombinationsfolgen: vorzeitige Rente ./. abschlagsfreier Rentenbeginn sind hervorragend dargestellt - individuell steckt es im Detail ...und man ist nicht wirklich 'erbaut', hier eine Einzelfalllösung/Dank etwaiger nützlicher Randkenntnisse, zu prognostizieren. Schaltjahre sind öfter, als diese Frage/Bewertung ... ;-)

von
kama

Zitat: "Aus Sicht Rente: es gibt keinen Zwang eine vorgezogene Rente mit Abschlägen beantragen zu müssen."

Auch nicht, wenn jemand Vollerwerbsminderungsrentner ist? Wird er dann nicht "gezwungen" mit Abschlag in die Frührente (63) zu gehen?

von
kama

Zitat: "Aus Sicht Rente: es gibt keinen Zwang eine vorgezogene Rente mit Abschlägen beantragen zu müssen."

Auch nicht, wenn jemand Vollerwerbsminderungsrentner ist? Wird er dann nicht "gezwungen" mit Abschlag in die Frührente (63) zu gehen?

von
W°lfgang

Zitiert von: kama
Zitat: "Aus Sicht Rente: es gibt keinen Zwang eine vorgezogene Rente mit Abschlägen beantragen zu müssen."

Auch nicht, wenn jemand Vollerwerbsminderungsrentner ist? Wird er dann nicht "gezwungen" mit Abschlag in die Frührente (63) zu gehen?

Hallo kama,

wie kommen Sie darauf? Würden Sie Ihre Nachfrage bitte näher erläutern? Hier lesen auch viele mit, die sich sicher mit ähnlicher Frage beschäftigen ...

Erneut: aus Sicht DRV gibt es keinen Zwang für diese Rente/überhaupt eine Rente beantragen zu müsse *). Aus Sicht anderer Sozialleitungsträger sieht das anders aus ...wenn man deren Leistungsansprüche nicht (vorübergehend/dauerhaft) verlieren will ...Krankenkasse, AfA, JC - da wird die Option dann doch zum 'Zwang' ;-)

*) Vollerwerbsminderungsrentner/innen werden seitens der DRV nur dahingehend 'gezwungen' die Regelaltersrente zu beantragen, weil die vorlaufenden BU/EU/EM-Rente über dieses Alter nicht weiter gezahlt werden kann. Ist auch kein Zwang, da ohne Mitwirkung von Amtswegen in die Regelaltersrente 'umgeswitscht' wird.

Gruß
w.

von
kama

Ich weiß nicht, ob dieses Thema unter dieser Themenüberschrift noch passt, aber ich will trotzdem kurz erläutern:

Bei uns stellte sich die Frage, ob ein Familienmitglied, momentan Teilerwerbsminderungsrentner (unbefristet), bald arbeitslos und voraussichtlich zukünftig dem Arbeitsmarkt verschlossen bleibt, in die Arbeitsmarktrente geschickt wird, die ja nichts Anderes ist als Vollerwerbsminderungsrente (wenn ich mich richtig informiert habe-?-).

Jetzt hatte ich mich gefragt, wie lange wohl diese Vollerwerbsminderungsrente gezahlt würde, wenn doch diese Person (mit 10,8 % Abschlag) mit 63 Jahren die vorgezogene Altersrente beziehen kann (welcher Fall finanziell günstiger ist, kann ich nicht sagen). Laut Ihrer Antwort wird die EM-Rente aber grundsätzlich bis zur Regelaltersrente gezahlt, verstehe ich das richtig?

"Vollerwerbsminderungsrentner/innen werden seitens der DRV nur dahingehend 'gezwungen' die Regelaltersrente zu beantragen, weil die vorlaufenden BU/EU/EM-Rente über dieses Alter nicht weiter gezahlt werden kann. Ist auch kein Zwang, da ohne Mitwirkung von Amtswegen in die Regelaltersrente 'umgeswitscht' wird."

von
Rheiner

Vielen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage.

Natürlich steht meine Frage auch im Zusammenhang mit Leistungen des Jobcenters.
Das Jobcenter hatte dieser Person die erstmaligen Leistungen für Mietzahlungen nicht zugestanden und den Antrag abgelehnt, dies auch wegen laufender Unterhaltszahlungen und größerem Vermögen.
Da der zuständige Sachbearbeiter das Jobcenter wenige Wochen nach dem Antrag der Antragstellerin beim Jobcenter ausschied hat dieser die Antragstellerin auch nicht zur Stellung des Rentenantrags verpflichtet, geschweige denn auch nicht auf diesen Aspekt angesprochen.
Diese Verpflichtung zur Rentenantragsstellung von Antragstellern zur Sozialhilfe ist durchaus gängige Praxis von Jobcentern.
Daraufhin hat die Anwältin am Sozialgericht Klage eingereicht und das Sozialgericht hat dann weiter in einem Beschluss das Jobcenter zu Zahlungen der Miete verurteilt.
Der Sozialrichter hatte von dem möglichen Rentenbezug der damals schon 64 jährigen Klägerin keinerlei Wissen.
Im Nachgang zu dem Sozialgerichtsbeschluss klagt diese Person nun auf erhöhten Unterhalt gegen ihren getrennt lebenden Ehemann.

von
Kunde

Zitiert von: Rheiner
Vielen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage.

Natürlich steht meine Frage auch im Zusammenhang mit Leistungen des Jobcenters.
Das Jobcenter hatte dieser Person die erstmaligen Leistungen für Mietzahlungen nicht zugestanden und den Antrag abgelehnt, dies auch wegen laufender Unterhaltszahlungen und größerem Vermögen.
Da der zuständige Sachbearbeiter das Jobcenter wenige Wochen nach dem Antrag der Antragstellerin beim Jobcenter ausschied hat dieser die Antragstellerin auch nicht zur Stellung des Rentenantrags verpflichtet, geschweige denn auch nicht auf diesen Aspekt angesprochen.
Diese Verpflichtung zur Rentenantragsstellung von Antragstellern zur Sozialhilfe ist durchaus gängige Praxis von Jobcentern.
Daraufhin hat die Anwältin am Sozialgericht Klage eingereicht und das Sozialgericht hat dann weiter in einem Beschluss das Jobcenter zu Zahlungen der Miete verurteilt.
Der Sozialrichter hatte von dem möglichen Rentenbezug der damals schon 64 jährigen Klägerin keinerlei Wissen.
Im Nachgang zu dem Sozialgerichtsbeschluss klagt diese Person nun auf erhöhten Unterhalt gegen ihren getrennt lebenden Ehemann.

Leistungen des Jobcenters sind immer nachrangig. Besteht ein Anspruch auf eine Altersrente, so ist diese vorrangig.