Rente mit 63 oder 63,8 Jahre

von
Stromi

Hallo Forum. Ich bin 1956 geboren und habe nun die Möglichkeit am 01.01.2020 die Rente mit 10,2% Abschlag u beantragen oder noch bis zum Sep. 2020 zu warten und dann die Rente ohne Abschläge u bekommen. Nun mein Gedanke und die Frage an das Forum ob ich was übersehen habe: Wenn ich die Rente erst ab Sep.2020 beantrage, verzichte ich auf 8 Monate Rentanzahlung. Um diese 8 Monate Rentenbezug mit den dann nicht enthaltenen 10,2% Rentenabschlag abudecken, habe ich eine Zeit von ca. 12 Jahren errechnet.Das heisst ich bin dann 75 bis ich eine Patt-Situation erreicht habe, wo dann dieser Nichtabug der 10,2% erst wirksam wird.Bei einer Lebenserwartung von 75Jahren für Männer muss ich also die Rente mit 63 annehmen :-)Es ist ja auch zu beachten dass bei der höheren Brutto-Rente, höhere Lohnsteuer-Krankenkassenbeiträge usw zu bezahlen sind und somit der Unterschied der Nettorente keine 10,2% sind. Habe ich was übersehen bei meiner Betrachtung??
Vielen Dank

von
suchenwi

Hallo Stromi,
ich bin auch 1956 geboren und habe seit 1.8. die "Rente für langjährig Versicherte" mit 63 und 10.2% Abschlag.
Ich habe das auch lange hin- und herüberlegt, aber letztlich hat das Argument KVdR, und "Take the money and run" gewonnen. Zur Minderung der Abschläge habe ich einige Ersparnisse an freiwilligen Beiträgen eingezahlt (Stichwort V0210). Amortisiert sich nach 21 Jahren...
Versicherungsmathematik ist halt so'ne Sache. In der "Sterbetafel" steht als Lebenserwartung z.B. 75, aber trotzdem wird der eine nur 64, und der andere über 90...
Wenn du länger arbeiten kannst und willst, vermindert das natürlich die Abschläge, um 0.3%/Monat. Bei mir war der Altersteilzeitvertrag auf Ende mit 63 festgeschrieben.

von
Stromi

Hallo suchendwi,
danke für die Info....Ich glaube das " Take the money and run" ist das schlagende Argument...Dann habe ich wohl nicht´s wichtiges bei meiner Betrachtung der Situation übersehen und werde die Rente zum 01.01. beantragen..
Länger arbeiten um die Abschläge zu reduzieren wäre unsinnig da ja ab Sep. Rente ohne Abzug möglich wäre...
Noch einen schönen Sonntag

von
Jonny

Grundsätzlich gehen die Überlegungen in die richtige Richtung. Versuchen wir es mal an einem Beispiel darzustellen, bei dem nur noch Zeiten bis Dez 2019 berücksichtigt werden.
Würde in diesem Fall die AR für besonders langjährig Versicherte ab Sep 2020 dann brutto 2000 € betragen, ergeben sich bei der AR für langjährig Versicherte ab Jan 2010 lediglich 1796 €. Vom Jan – Aug 2020 ergäbe das einen „Gewinn“ von 8 * 1796 € = 14368 €. Dem steht dann allerdings auch ab Sep 2020 ein „Verzicht“ auf monatlich 204 € gegenüber, weil die abschlagsfreie Rente ab Sep 2020 ja schon 2000 € betragen hätte.

Ohne weitere Beiträge nach Dez 2019 würde auch die Regelaltersrente ab Nov 2022 mtl. 2000 € betragen.
Berechnet man den Rentenertrag für beide Altersnativen bis zur Regelaltersgrenze im Okt 2022, ergibt sich beim gewählten Rentenbeginn Jan 2020 ein Gesamtbetrag von 61064 €, beim Rentenbeginn im Sep 2020 immerhin noch 52000 €. Man darf dabei nicht vergessen, dass die wegen des Abschlags fehlenden 204 € ja auch vom Sep 2020 bis Okt 2022 fehlen. Und was wichtig ist, sogar darüber hinaus bis zum unbekannten Ende.

Meine Berechnung ergibt, dass der vorzeitige Rentenertrag bei einem Beginn im Januar 2020 im Alter von 69+6 aufgezehrt ist. Bei einem - sicherlich nicht zu wählenden - Rentenbeginn im Aug 2020 wäre er bereits mit 64+7 aufgezehrt. Demgegenüber kann der Vorteil einer abschlagsfreien Rente ab Sep 2020 nie aufgezehrt werden.

Steuerliche Vorteile eines früheren oder späteren Rentenbeginns gibt es nicht, da in beiden Fällen im Jahr 2020 der Besteuerungsanteil 80 % beträgt.

All diese Überlegungen werden natürlich erheblich komplizierter, wenn man von einer weiteren Beschäftigung über Dez 2019 ausgeht. Dann erhöhen einerseits die weiteren Beiträge die mögliche Altersrenten ab Sep 2020 und erst recht die ab Nov 2022. Andererseits kann der Hinzuverdienst dazu führen, dass nur noch eine Teilrente zu zahlen ist. Letzteres hat aber wieder den Vorteil, dass ja nicht so viel Rente vorzeitig in Anspruch genommen wird und die „lebenslangen“ Abschläge geringer ausfallen.
Keine leicht zu treffende Entscheidung meint mit besten Grüßen
Jonny

von
DvD

Hallo Stromi,

Ich rechne mal anders, alles fiktive Werte :
Wie Jonny schreibt Rente 2.000€. Und ich rechne laut Statistik bis 80 Jahre.
Rente mit 63 und 10% Abschlag
Ab 63 bis 80 sind es 17x12x1800= 367.200€
Rente mit 63+8 bis 80 sind es ( da sind jetzt noch 8.000€ Verdienst in den 8 Monaten dabei ) 16x12+4x2000= 400.000€
Unterschied = 32.800€ wegen 8 Monate.
Natürlich muß jeder selber wissen ob ihm die Arbeit noch Spass macht und wie Gesund das er ist und er allein oder zu zweit von dem Geld leben muß.
Jeder ist seines Glückes Schmied.
gruss DvD

von
stromi

Vielen lieben Dank für eure ausführlichen Bderechnungen und Darstellung der Sache.
Was mir aber bei der BETRACHTUNMG der Angelegenheit fehlt ist einfach die Tatsache dass um bei den Zahlen zu bleiben, ich dei der Rente von 2000€ eine höhere Lohnsteuer und einen höheren Krankenkaswsenbeitrag zahle als bei einer Rente von 1796€. Somit sehen doch die Nettozahlen anders aus, es sind nicht 204€ im Monat sondern weniger und es ist mit Sicherheit ein Zeitraum von 75 Jahren anzunehmen bis wenn überhaupt mal die Patt Situation erreicht ist....oder sehe ich das nicht richtig.
Danke für eure rege Diskusion, noch einen schönen Sonntag.

von
Jonny

Ja DVD, das ist auch eine Möglichkeit aufzuzeigen, dass ein späterer Beginn im angenommenen Alter von 80 Jahren dann doch mehr bringt als ein früherer Beginn. Allerdings erhöht der Verdienst von 8000 € für die 8 Monate (im Durchschnitt also nur 1000 €) ja auch die Rente ab 63 + 8 um knapp 7€.
Und mit einem solchen Hinzuverdienst könnte auch schon ab Januar 2020 eine Teilrente in Höhe von knapp 1740 € jeden Monat bezogen werden.
Lässt man die 8000 € völlig unberücksichtigt, zeigt sich, dass im Alter 80 bei einem Rentenbeginn ab Januar 2020 ein Minus von gut 25600 € im Vergleich zum Beginn ab Sep 2020 entstehen wird. Bis Aug 2020 ergibt sich ein steigendes Plus, das danach wieder abgebaut wird. Das ganze kippt dann ab Jul 2026 (Alter 69+6) in ein Minus.

Und was die KVdR und Pflege angeht: Ob man die 7,75% und 3,05% bzw. 3,3% von den 1796 € oder den 2000 € abzieht, dürfte doch wohl ziemlich egal sein. Dann spielt sich die ganze Berechnung eben auf einem niedrigeren Niveau ab. Ob die Steuerprogression gerade zwischen 1796 und 2000 einsetzt, hängt wohl vom Einzelfall ab. Ansonsten gilt wohl auch hier das dann „noch niedrigere“ Niveau. M.E. bleibt es beim sog. Kippalter von 69+6.

Auch Ihnen noch einen schönen Sonntag und
"es wird schon klappen!"
Gruß
Jonny

von
Jonny

Kleiner Nachtrag:
Das Kippalter ändert sich definitiv nicht wegen fehlender Abzüge aufgrund von Kranken- und Pflegeversicherung. Klar sind die absoluten Beträge dann niedriger.

Aber:
Je nach den künftigen Rentenanpassungen tritt das Kippalter noch geringfügig früher ein. Bei völlig abwegigen 10 % jedes Jahr, läge es nicht mehr bei 69+6 sondern schon bei 68+2

von
W°lfgang

Zitiert von: Jonny
(...kippt...)

...vielleicht doch/etwas später?!

Wenn daneben KV/PV k/eine Rolle spielt (muss mich freiwillig gesetzlich versichern/verschenke etwaigen KV-Zuschuss) und eine Betriebsrente auch nicht an den Beginn einer gesetzlichen Rente gebunden ist.

8 Monate aus dem eigenen Sparbuch überbrücken - "Take the money and run" ...der ist wirklich gut/so entscheiden sich 99 % ! Das 1 % hat es erst gar nicht verstanden ;-)

Gruß
w.

von
suchenwi

Hallo W°lfgang,
meine Argumentation hatte ich arg verkürzt dargestellt.
Ich habe die Optionen verglichen:
- ARfLV im diekten Anschluß an ATZ
- ARfLV 4 Monate verzögert, um 1.2% Abschläge wettzumachen (aber noch den Rentenfreibetrag 2019 zu bekommen)

Die zweite Option hätte jedoch bedeutet, dass ich mich in der Zeit freiwillig KV-versichern müsste, im Anschluss an eine Beschäftigung wären das (AG+AN) 531€/mo gewesen,PV noch drauf. Plus Miete, Lebensunterhalt usw.
Da war Option 1 mit KVdR doch deutlich günstiger. Abschläge kaufe ich via V0210 zurück, was auch recht steuergünstig ist.
Daher entschied ich mich für "take the money and run" :)

von
Jonny

@suchewi Bei Ihnen ist der Fall doch wohl etwas anders gelagert:
Bei Rentenbeginn im Aug 2019 Abschlag von 10,2 %, 4 Monate später ab Dez 2019 immer noch ein Abschlag von 9,0 % also lediglich 1,2 % weniger. Rechnet man für den Dez 2019 ebenfalls mit 2000 €, kippt der Vorteil bei Beginn ab Aug 2019 erst ab Alter von 90+9 in einen Nachteil, bei Beginn ab Dez 2019 sogar erst ab Alter 91+1. Der Grund dafür liegt ganz einfach darin, dass Sie – offenbar wegen nicht vorhandener 45 Jahre Wartezeit - vor der Regelaltersgrenze eine abschlagsfreie Altersrente nicht hätten erhalten können.

Bei Stromi steht aber für 8 Monate eine Differenz von 10,2 % zur Debatte, weil 8 Monate später schon eine abschlagsfreie Rente gezahlt werden kann. Und das gibt dann eben ein Kippalter von schon 69+6.

von
suchenwi

Hallo @Jonny,
stimmt, die Fälle sind unterschiedlich. In meiner Rentenauskunft von 2015 (die in die ATZ-Regelung einging) stand:
ARfLV (35): erfüllt
ARfBLV (45): nicht vor Regelaltersgrenze erfüllbar
Daher ziehe ich den Äpfel/Birnen-Vergleich zurück.

Experten-Antwort

Da es über das Wochenende schon reichliche Beiträge zum Thema gab, möchte ich diesen auch kaum noch etwas hinzufügen. Ihre Entscheidung ist von zahlreichen (z.T. sehr individuellen) Faktoren abhängig! Zum Beispiel: Besteuerungsanteil aufgrund des Jahres des erstmaligen Rentenbeginns, Familienstand (ggf. abgeleitete Hinterbliebenenrentenansprüche, Höhe der Einkünfte des Partners), Spekulation der eigenen Lebenserwartung, Zufriedenheit im Beruf, gesundheitliche und familiäre Situation, Rentenhöhe (je höher, desto „schmerzhafter“ die Abschläge), sonstige Einkünfte neben der gesetzlichen Rente, Anspruch auf Betriebsrente…usw. Es bleibt eine individuelle Entscheidung!! Die Berechnungen haben Ihnen verschiedene Modelle aufgezeigt und alle bleiben trotzdem nur vage. Neben den kaufmännischen Fragen müssen doch auch Dinge beachtet werden, welche mit Geld nicht aufzuwiegen sind!