Rente nach Arbeitslosigkeit

von
Paternoster

Bin arbeitslos ohne Leistungsbezug, am 16.01.1950 geboren,Vertrauensschutz wg. Vereinbarung vor dem 01.01.2004 von der RV bestätigt.
Alle sonstigenAnspruchsvoraussetzungen für Rente mit 60 sind erfüllt, bis auf die 8 von 10-Jahresregelung. ALG-I-Leistung endete 30.08.2007 (90 Monate erfüllt). Vom 01.09.2007 bis 31.12.2007 weitere 4 Monate erfüllt, es fehlen noch 2 Monate bis 96 Monate (8Jahre).
Frage: Bei weiterer Arbeitslosmeldung und Arbeitslosigkeit ohne Leistungsbezug (!) ab dem 01.01.2008: Verlängert sich der 10-Jahreszeitraum in meinem Fall (da nach dem 02.01.1950 geboren) nach vorne (Vergangenheit), sodaß ich mit 60 in Rente gehen kann?

Diese Frage betrifft sehr viele Arbeitslose meines Jahrgangs, bis jetzt konnte mir niemand hierauf eine sichere Auslegung der gesetzlichen Regelung geben.

Vielen Dank.

von
KSC

sprechen Sie doch bitte bei der nächsten Beratungsstelle der RV vor und klären, ob bei weiterer Arbeitslosigkeit die Voraussetzungen erfüllt sind.

Die Berater dort haben Zugriff auf Ihre Zeiten und können das klären.

Online läßt sich das aus Ihren Angaben nicht beantworten.

Und die Zeit für ein Beratungsgespräch sollte doch übrig sein?

von
Paternoster

Vielen Dank für Ihre Antwort, KSC.

Leider unterscheidet sie sich nicht von den Antworten, die ich über mehrfache persönliche telefonische Beratung bei der RV erhalten habe. Die letzte Antwort der RV Stralsund war ein ohne Unterschrift an mich adressiertes Schreiben mit den Gesetzestexten, deswegen wende ich mich ja an das Forum.

Scheinbar trauen sich selbst die RV-Experten nicht, hier eine klare Stellung zu beziehen. Warum, ist mir unerklärlich.

Als Fachmann muß man meine Frage auch online beantworten können, sofern man die Gesetzetexte des §237 SGB VI (hier insbesondere Absatz (2), 1. Arbeitslosigkeitszeiten nach Satz 1) interpretieren kann.
Ich bin Laie, ich kann das nicht.
Die Zeiten sind jedoch ganz klar: Ich habe 90 Monate Pflichtbeitragszeiten (durch Beschäftigung+ALG-I), 4 Monate Beitragzeiten ALG-II ohne Bezug. Somit fehlen 2 Monate zu den 96 von 120 Monaten.

Die Frage ist, ob die fehlenden 2 Monate ab dem 1. Januar 2008 bei ALG II ohne Bezug den 10-Jahreszeitraum verlängern oder nicht (da ich nach dem 02.01.1950 geboren bin).

Vielen Dank.

von
no name

Bei der Berechnung des 10-Jahres-Zeitraums wird immer vom möglichen Rentenbeginn ausgegangen (hier also der Monat nach Vollendung Ihres 60. Lebensjahres). Man kann Ihn somit nicht verschieben.

Sollten Sie sich jedoch entscheiden, die Rente erst mit 60 Jahren und 2 Monaten in Anpruch zu nehmen (also einfach zwei Monate später) wird der 10-Jahreszeitraum von diesem Zeitpunkt an berechnet und Sie haben die Chance, dass noch 2 Monate hinzukommen (bei Leistungsbezug). Sie haben dann auch 0,6 % weniger Abschlag.

Hilft Ihnen dies weiter?

von
Batrix

Sprechen Sie bitte PERSÖNLICH in einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Dt. RV in Ihrer Nähe vor. Da bekommen Sie eine genaue Auskunft - bezogen auf Ihr persönliches Versicherungskonto. Mit schriftlichen Anfragen ist es mitunter "schwierig".

von
no name

Nach nochmaliger Überprüfung Ihrer Daten habe ich gesehen, dass Ihr frühester Rentenbeginn der 01.02.2010 wäre (60. Lebensjahr). Bis dahin ist es ja noch lange hin! Wenn Sie Alg II beziehen, dann werden Sie doch wohl auch deswegen versicherungspflichtig sein! Sie haben wohl die 8/10-Belegung zum heutigen Zeitpunkt noch nicht erfüllt, aber das hat ja noch zwei Jahre hin!

Damit sind meine vorherigen Aussagen auf Ihre Situation wohl nicht mehr zutreffend, entschuldigen Sie...

von
Batrix

Sorry, aber da muss ich no name leider widersprechen:
§ 237 SGB VI: (1) Versicherte haben Anspruch auf Altersrente, wenn sie...
1. ...
4. in den letzten zehn Jahren vor Beginn der Rente acht Jahre Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit haben, wobei sich der Zeitraum von zehn Jahren um Anrechnungszeiten, Berücksichtigungszeiten und Zeiten des Bezugs einer Rente aus eigener Versicherung, die nicht auch Pflichtbeitragszeiten aufgrund einer versicherten Beschäftigung oder Tätigkeit sind, verlängert...

Das ist die sog. Streckung, die "Paternoster" meinte. Aber doch das bei ihm zur Erfüllung dieser Anspruchsvoraussetzung führt, vermag hier im Forum niemand zu sagen.

Deshalb der Hinweis auf die Beratungsstellen (s.u.)

von
no name

Ach, natürlich, das hatte ich vergessen, Verzeihung :-)

Da kann dann wirklich nur ein Termin bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle Aufschluss geben...

Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung dass hier über ungelegte Eier spekuliert wird...

von
Paternoster

Vielen Dank für Ihre Bemühungen, aber leider wurde von niemandem der Kern des Problems erkannt.

Daher in Kürze der Kern des Problems nochmals:

Stellen Sie sich vor:

1. alle sonstigen Anspruchsvoraussetzungen für "Rente mit 60 nach Arbeitslosigkeit" sind/werden erfüllt, mit Ausnahme der (8/10-Jahresregelung.

2. Ich erhalte kein ALG-II, bin also bis zum Rentenbeginn 01.02.2010 arbeitslos gemeldet, ohne Leistungsbezug.

3. Für die Erfüllung der (8/10-Jahresregelung fehlen 6 Monate. Von diesen werden 4 noch in diesem Jahr (Zeiten ohne Leistungsbezug) erfüllt, 2 davon im Januar/Februar 2008 (das war meine Meinung bis vor kurzem).

Nach §237 des SGB VI werden aber Arbeitslosigkeitszeiten (nach Satz 1, wie es dort heißt) ab 2008 nur noch herangezogen, wenn die Person vor dem 02. Januar 1950 geboren ist. Ich bin etwas später geboren.

Die Kernfrage ist aber, auf was sich der Satz "Arbeitslosigkeitszeiten nach Satz 1" bezieht.
auf die gesamte Zeit der Arbeitslosigkeit ab dem 01.01.2008 bis zur Rente oder nur auf die letzten 12 Monate vor Rentenbeginn.

Dieser Passus im Gesetz ist nicht klar definiert. Daher waren auch meine persönlichen Beratungen bei den RV-Beratungsstellen in diesem Punkt bislang erfolglos. Eigentlich müßte dies ein Jurist der RV beantworten können, wer, wenn nicht so jemand.

Nach der bisherigen Einlassung der RV würde sich erst im letzten Monat vor dem Rentenbeginn (60) entscheiden, ob ich Rente mit 60 erhalte, oder noch volle 3 Jahre überbrücken muß, dann wahrscheinlich mit Hartz-IV.
Daher ist das Problem so prekär und ich muß eine Lösung heute wissen, um mich darauf einstellen zu können.

Vielen Dank.

von
Tom

Haben sie denn, wenn heute Rentenbeginn theoretisch wäre, die 8/10 Belegung erfüllt?

Wenn ja, dann bleiben die Voraussetzung durch weitere Alo Meldung ohne Leistungsbezug auch bei einem Rentenbeginn 2010 erfüllt.

Denn sind sie heute erfüllt, dann bleiben sie durch den Verlängerungstatbestand auch weiterhin erfüllt.

Wenn das momentan nicht so wäre, rate ich ihnen zu einer Auskunfts- und Beratungsstelle zu gehen, denn nur dort kann anhand des Versicherungsverlaufes nachgerechnet werden, was sie tun müssen um die Voraussetzungen zu erfüllen und zu erhalten.

von
Knut Rassmussen

Machen Sie sich bitte wegen dieser Formulierung keine Sorgen. Diese "Zeite" sind solche, in denen sich Arbeitslose eben nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen (§428 SGB III bzw. §65 Abs. 4 SGB II). Diese Regelungen der eingeschränkten Verfügungsbereitschaft können Sie aber gar nicht in Anspruch nehmen! Melden Sie sich weiter arbeitslos, dann kommt es zu der bereits angesprochenen Streckung des 10-Jahreszeitraums. Liegen dort am Anfang ausreichend Beiträge vor, klappt es auch mit der Rente.

von
pittt

Das Problem betrifft mich auch.Sehe die Sache wie Knut R. War selber bei einer Beratung. Die müssen ja alles zum Thema Rente wissen, gaben sich auch sehr viel Mühe,der Knackpunkt wie unterschiedliche Zeiten gewertet werden dafür gab es leider nicht 1 Gesetz oder 1 Tabelle aus der das klar hervorgeht.Tipp:Bei der Deutschen Rv. giebt es den Link Vorträge. Hier halten dann Spezialisten diese Vortr. und man kann ? stellen.
Gruß

von
Paternoster

Vielen Dank für die Infos, Tipps und Beiträge.

Das Kernproblem scheint wirklich zu sein, wie die RV die einzelnen Arbeitslosigkeitszeiten rentenrechtlich bewertet.

So stellt sich ab dem 58. LJ die Frage: Ich melde mich unter "erleichterten Bedingungen" arbeitslos.
Für die Arbeitsagentur falle ich dann aus der Statistik, aber wie geht die RV mit dieser Zeit um ?.
Wird sie zur Streckung herangezogen (Zeiten ab 2008 werden in meinem Falle nicht mehr bewertet, da ich nach dem 02.01.1950 geboren bin). Ist diese Einschränkung anwendbar?
Die gleiche Frage stellt sich dann für die letzten 12 Monate vor Rentebeginn (=Arbeitslosigkeit).
"Schlägt man damit 2 Fliegen mit einer Klappe", da man dann die 8/10-Jahresregel als auch die 12-Monate-Arbeitslosigkeitsregel" erfüllt?

Fragen über Fragen.

Natürlich melde ich mich umgehend nochmals zur Beratung bei der RV an.

Wenn noch jemand entscheidende Hinweise hat, so freue ich mich darüber. Ansonsten, nochmals Vielen Dank.

von
TCK

Hallo Paternoster,

Sie machen einen entscheidenden Denkfehler! Nachdem Sie nach dem 2.1.1950 geboren sind, können Sie sich gar nicht unter den "erleichterten Bedingungen" arbeitslos melden (vgl. § 428 SGB III).
Sie müssen sich damit ganz normal bei der Agentur für Arbeit arbeitlos und arbeitsuchend melden. Ein Problem mit der 8/10 regelung haben Sie dann nicht, wenn diese Zeiten als Anrechungszeiten (weil sie den 10-Jahreszeitraum strecken) zu berücksichtigen sind. Wenn sie keine Lücken haben ist das wirklich problemlos.