Rente und dann Arbeit gefunden

von
Otto

Ich werde demnächst 60 Jahre alt.
Nach Jahrelanger, vergeblicher Bemühung auf der Suche nach einen Arbeitsplatz
habe ich jetzt einen Rentenantrag nach Arbeitslosigkeit gestellt. Ich lehne HartzIV
(finanziert von der Allgemeinheit) ab, möchte stattdessen lieber mein gesamtes Leben auf 18% meiner Rente verzichten.
Nachdem die Wirtschaft jetzt aber boomt und keine Fachkräfte zu finden sind, mache ich mir
doch immer noch Hoffnung als IT- Spezialist doch noch einen Arbeitsplatz zu bekommen.
Nehmen wir nun an, dass ich nach dem Rentenbescheid später dann Rente beziehe und dann Arbeit finde, kann ich den Rentenbezug wieder Rückgängig machen, bis 65,5 arbeiten, um dann doch noch die Rente ohne Abschlag zu bekommen?

von
Dick

Nein, das können sie nicht. Sobald der Bescheid bindend ist ( nach Ablauf der Widerspruchsfrist ), haben sie keine Möglichkeit mehr vom Rentenbezug zurückzutreten.

Also müssen sie sich jetzt entscheiden, entweder, oder.

von
galwien

grundsätzlich können Sie, sofern der Bewilligungsbescheid bindend wurde, nicht mehr den Rentenantrag zurücknehmen.

Was jedoch möglich ist, daß sie trotz Rentenbezug eine Beschäftigung aufnehmen. Die Hinzuverdienstgrenze für die Altersrente als Vollrente liegt bei 400,00 Euro. Verdienen Sie mit Ihrer Beschäftigung über diesem Wert (und davon gehe ich aus), gibt es noch die Möglichkeit neben ihrem Arbeitsentgelt die Rente als Teilrente zu beziehen (wenn die entsprechenden Hinzuverdienstgrenzen eingehalten werden). Die für Sie maßgebenden Hinzuverdienstgrenzen können Sie entweder aus Ihrem Bescheid entnehmen oder aber sich auch von Ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger zusenden lassen. Erst wenn Sie die Höchst-Hinzuverdienstgrenze überschritten haben fällt der Anspruch auf eine Altersrente komplett weg.

Zu einem späteren Zeitpunkt müssten Sie die Altersrente wieder neu beantragen.

Wie sich das dann mit dem Abschlag verhält wäre ganz nett, wenn sich ein Experte dazu äußern könnte.

von
Dick

Die persönlichen Entgeltpunkte sind gemindert, wenn der Bescheid bindend ist, somit macht er wenig Sinn so zu verfahren.-

Aber wer Geld zu verschenken hat, soll dies tun.

von
Knut Rassmussen

Natürlich können Sie nach § 48 SGB I auf die Rente verzichten und zu einem späteren Zeitpunkt erneut beantragen. Die Abschläge verringern für jeden Monat, den Sie die Rente nicht mehr in Anspruch nehmen.

von
Otto

Vielen Dank für die Ratschläge und Antworten.
Wie sich das dann mit dem Abschlag verhält wäre ganz nett, wenn sich ein Experte dazu äußern könnte.

von
-_-

Die Einhaltung der Hinzuverdienstgrenze ist bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze eine "negative" Anspruchsvoraussetzung für die Altersrenten. Anspruch auf eine Altersrente besteht nach § 34 Abs. 2 S. 1 SGB 6 i. d. F. ab 01.01.2008 bis zum Ablauf des Monats, in dem die Regelaltersgrenze erreicht wird, nur dann, wenn das Arbeitsentgelt aus einer Beschäftigung oder das Arbeitseinkommen aus einer selbständigen Tätigkeit oder vergleichbares Einkommen die monatlich maßgebende Hinzuverdienstgrenze (§ 34 Abs. 2, 3 SGB 6) nicht übersteigt.

Wurde die höchstmögliche Hinzuverdienstgrenze (für eine 1/3-Teilrente) überschritten und ist daher der Anspruch auf Altersrente in vollem Umfang entfallen, besteht (erneut) Anspruch auf Altersrente als Voll- oder Teilrente, wenn (erneut) sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Das setzt u. a. voraus, dass die bisher rentenschädliche Beschäftigung aufgegeben wurde bzw. sich die Höhe des erzielten Einkommens innerhalb der jeweils maßgebenden Hinzuverdienstgrenze bewegt.
Der Rentenbeginn ist nach § 99 Abs. 1 SGB 6 zu bestimmen.

Nur neben einer Regelaltersrente (§ 35, § 235 SGB 6) darf unbegrenzt hinzuverdient werden.

http://www.deutsche-rentenversicherung-regional.de/Raa/Raa.do?f=SGB6_34R0&id=%A7%2034%20Voraussetzungen%20f%FCr%20einen%20Rentenanspruch%20und%20Hinzuverdienstgrenze%20%205%20214

von
Feli

Einfach gesprochen, Sie können nach dem Rentenbeginn arbeiten soviel Sie wollen und können.
Für die Monate, in denen Sie die Rente nicht bekommen, weil sie wegen der Höhe des Hinzuverdienstes nicht gezahlt wird, wird bei der nachfolgenden Rentenberechnung der Abschlag um jeweils 0,3 geringer angesetzt.

Sollte die Rente allerdings eine Zeit nicht gezahlt werden und Sie wollen diese wieder beziehen, weil z.B. die Beschäftigung endet, müssen Sie die Voraussetzungen für die Altersrente in diesem Zeitpunkt wieder erfüllen (z.B. Arbeitslosigkeit, die nötigen Pflichtbeiträge usw.)

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Otto,

sobald der Rentenbescheid bestandskräftig ist, kann der Rentenantrag nicht mehr zurückgenommen werden.
Es besteht aber die Möglichkeit nach Bestandskraft des Rentenbescheids auf die Auszahlung der Altersrente nach § 46 SGB I zu verzichten.
Sollte nach Rentenbeginn jedoch wieder eine Beschäftigung aufgenommen werden, kann auch ohne einen Verzicht durch die Anrechnung eines dann erzielten Arbeitsentgelts bei Überschreiten der für Sie maßgebenden Hinzuverdienstgrenzen (diese werden im Rentenbescheid mitgeteilt) die Rentenzahlung gemindert werden oder der Rentenanspruch ganz wegfallen.
Solange die von Ihnen beantragte Altersrente jedoch bezogen wird bzw. ein Teilanspruch besteht, verbleibt es bei der festgestellten Rentenminderung (Abschlag) für diese Altersrente.
Bei vollständigem Verzicht bzw. Wegfall der Altersrente könnte sich dann jedoch der Zugangsfaktor bei einer zukünftigen Rente (neuer Antrag notwendig) erhöhen, was dann quasi einen geringeren Abschlag zur Folge haben könnte (0,3 % für jeden Monat der nicht vorzeitig in Anspruch genommenen vorzeitigen Altersrente).
Da ein Verzicht bzw. ein Wegfall des Altersrentenanspruchs aufgrund eines Überschreitens der Hinzuverdienstgrenzen auch Auswirkungen auf z.B. Ihre Kranken-/Pflegeversicherung oder auf Leistungen anderer Sozialleistungsträger haben kann, empfehlen wir Ihnen, für den Fall, dass Sie wieder eine Beschäftigung aufnehmen können, sich vorab nochmals persönlich beraten zu lassen.