Rente wg voller Erwerbslosigkeit - MiniJob - RV Beitrag?

von
Grantl-Lois

Hallo,

hoffentlich können Sie mir bei diesem Problem helfen.
Ich beziehe seit 2008 Rente wegen voller Erwerbsminderung. Diese ist genehmigt bis zum Eintritt der Regel Altersrente.
Seit 3 Wochen habe ich jetzt einen 450 Euro Job, in dem ich flexibel verdiene. Aber nie über 450 Euro, sondern je nach Stunden halt weniger.
Nun bräuchte der Arbeitgeber noch meine Entscheidung, ob ich RV Beiträge zahlen will, oder nicht.

Nur werde ich nicht schlau, weil man oft etwas schammig bei der Rentenkasse ließt, dass man bei Verzicht der Zahlung auch die Erwerbsminderungsrente verlieren kann.

Könnten Sie mich vielleicht ein wenig aufklären, wann ein Verlust droht?

Und wenn ich die Abgaben zahle, wie hoch sind sie? Muss ich auch KV, PV, etc. zahlen?

Und wenn ich dann einzahle, verliere ich irgendwann die Berechnungsgrundlage meiner Rente? Da ich zum Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsminderung so wenig Beitragsjahre hatte, dass eine Pauschale berechnet wurde. Von daher wäre mein Geld irgendwann deutlich weniger, wenn ich auf die nötigen Beitragsjahre komme, oder?

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Hier der Auszug aus dem Prospekt der Rentenversicherung:

"Pflichtbeitragszeiten sind aber beispielsweise auch
Voraussetzung für....

.... die Begründung oder Aufrechterhaltung des Anspruchs
auf eine Rente wegen Erwerbsminderung...."
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Viele Fragen, bei denen Sie hoffentlich etwas Licht ins dunkel bringen können.

MfG

Alois

Experten-Antwort

Wenn man als Bezieher einer EM-Rente keine Pflichtbeiträge für eine geringfügige Beschäftigung zahlt, verliert man den Anspruch auf diese Rente nicht.

Nur Personen, die noch keine EM-Rente beziehen, könnten bei Verzicht auf die Beitragszahlung ihre Anwartschaft auf eine EM-Rente verlieren, weil sie in den letzten 5 Jahren keine 3 Jahre Pflichtbeiträge aus einer versicherten Beschäftigung mehr haben. Die von Ihnen genannte Aussage betrifft also nur diese Personen.

Ob sich für Sie eine Beitragszahlung aus der geringfügigen Beschäftigung lohnt, ist fraglich. Wenn Sie 450 EUR verdienen, müssten Sie einen monatlichen Beitrag von 16,65 EUR entrichten. Sie wären nur beitragspflichtig in der Rentenversicherung, in den anderen Zweigen der Sozialversicherung bleiben Sie versicherungsfrei. Die geringen Beiträge werden die Höhe Ihrer Altersrente wahrscheinlich nicht wesentlich positiv beeinflussen. Die Zeit Ihres derzeitigen Rentenbezugs wird bis zum 60. Lebensjahr als Anrechnungszeit in die spätere Rente eingehen. Diese Anrechnungszeiten werden mit den Durchschnittswert Ihrer Beitragszeiten (Gesamtleistungswert) bewertet. Dieser Durchschnittswert kann sich durch die Zahlung niedriger Beiträge auch verringern. Sollten Sie eine Beitragszahlung in Erwägung ziehen, lassen Sie sich am besten vom Auskunfts-und Beratungsdienst Ihres Rentenversicherungsträgers beraten.

von
W*lfgang

Zitiert von: Grantl-Lois
Nun bräuchte der Arbeitgeber noch meine Entscheidung, ob ich RV Beiträge zahlen will, oder nicht.
Grantl-Lois,

einfache Antwort: lassen Sie die Beitragszahlung. Bei Ihrer Dauer-EM-Rente spricht rein gar nichts dafür.

Achten Sie darauf, dass Sie die Minijob-Grenze max. 2x im laufenden Jahr überschreiten. Ein 3. Monat zu viel, und Ihre EM-Rente wird sofort um 1/4 gekürzt. Zu bedenken ist, dass ggf. tarifliche Leistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld auch im Minijob zustehen - wären schon 2 Monate; noch einen Monat aus Gefälligkeit ein paar Überstunden und schon kommt die Rentensensenmann ;-)

Gruß
w.

von
Herr Z.

Auch für Mini-Jobs gilt:

2015 Untere Lohn-Gruppe für 'Arbeit' wäre EUR 11,75 netto/Stunde - sonst: Hobby-Helfer

Würden Jobcenter sich nicht so hartnäckig weigern, in Arbeit zu vermitteln, würde es gar nicht so viele ARME geben.

Wessen Geschäfts-Modell nicht mal die Bezahlung für "untere Lohn-Gruppe" ermöglicht, hat offenkundig keine auf Gewinn-Erzielung ausgerichtete Unternehmung und betreibt somit nach Finanz-Amt-Standards lediglich ein Hobby.

Weshalb sollten "Behörden" Hobby-Helfer vermitteln dürfen, zudem noch mit Rechts-Folgen-Belehrung ?

Für die Berechnung des Leistungs-Anspruchs bei der ARMEN-Fürsorge wurde früher auf "Lohn-Abstand" zu "unteren Lohn-Gruppen" abgestellt und behauptet, das Leben in der Stadt sei teurer als auf dem Land.

"Untere Lohn-Gruppe" plus Kinder-Geld war doch wohl früher Hartz-IV-fuer-2-Eltern-plus-3-Kinder-plus-Lohn-Abstand.

Ergibt bei Regel-Bedarf somit EUR 360 + 360 + 234 + 234 + 234 = EUR 1.422

Für die Land-Bevölkerung wäre dann auf niedrige Mieten abzustellen:

Wohn-Geld Mieten-Stufe 1 (EUR 561) plus 10 % bei 5 Personen: EUR 617,10

EUR 1.422 + EUR 617,10 = EUR 2.039,10

EUR 2.039,10 - EUR 184 - EUR 184 - EUR 190 = EUR 1.481,10

Fehlt nur noch der Lohn-Abstand.

Bei einem Lohn-Abstand in Höhe von ca. 25 % des Lohnes, müsste dieser Lohn unterer Lohn-Gruppen ca. EUR 1.975 netto pro Monat betragen, bei 168 Stunden pro Monat somit oberhalb von ca. EUR 11,75 netto pro Stunde.

EUR 2.600 brutto pro Monat bringt bei Steuer-Klasse III und 3 Kindern monatlich ca. EUR 1.942 netto.

"Sozialgesetzbuch (SGB) Erstes Buch (I) - Allgemeiner Teil - (Artikel I des Gesetzes vom 11. Dezember 1975, BGBl. I S. 3015)

§ 1 Aufgaben des Sozialgesetzbuchs

(1) Das Recht des Sozialgesetzbuchs soll zur Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit Sozialleistungen einschließlich sozialer und erzieherischer Hilfen gestalten. Es soll dazu beitragen,

ein menschenwürdiges Dasein zu sichern,
gleiche Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, insbesondere auch für junge Menschen, zu schaffen,
die Familie zu schützen und zu fördern,
den Erwerb des Lebensunterhalts durch eine frei gewählte Tätigkeit zu ermöglichen und
besondere Belastungen des Lebens, auch durch Hilfe zur Selbsthilfe, abzuwenden oder auszugleichen."

§ 1 Abs. 1 SGB I

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_1/__1.html

"36

1. a) Art. 12 Abs. 1 GG gewährleistet dem Einzelnen die Freiheit der Berufsausübung als Grundlage seiner persönlichen und wirtschaftlichen Lebensführung.

Die Norm konkretisiert das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit im Bereich individueller beruflicher Leistung und Existenzerhaltung (vgl. BVerfGE 54, 301 ; 75, 284 ; 101, 331 ) und zielt auf eine möglichst unreglementierte berufliche Betätigung ab (vgl. BVerfGE 59, 302 ).

Sie verbürgt außerdem das Recht, für die berufliche Leistung eine angemessene Vergütung zu fordern (BVerfGE 54, 251 ; 68, 193 ; 88, 145 ; 101, 331 ; 110, 226 )."

BVerfG 2 BvR 2558/14 - Beschluss vom 28. Juli 2015

http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2015/07/rk20150728_2bvr255814.html

Herr Z.

von
W*lfgang

Zitiert von: Herr Z.
Würden Jobcenter sich nicht so hartnäckig weigern, in Arbeit zu vermitteln, würde es gar nicht so viele ARME geben.
...hmm, was meinen Sie wohl damit, der Fragesteller hat doch nur zwei?

Andererseits - verstehe ich Sie da richtig, dass Sie Dauer-EM-Rentner wieder ans JC 'übergeben' wollen, damit die mehr Arme haben?

Ok, ich weiß, dass Sie keine individuelle Antwort können, sondern nur den bedruckten T-Shirt-Text in XXXL - verkauft es sich wenigstens gut? ...die armen Unwohlgenährten werden ja immer mehr – trotz H4 ;-)

Gruß
w.

von
Konrad Schießl

Der Eigenbeitrag von 16,65 monatlich bringt nur jährlich gesehen einen kleinen Rentenvorteil,durch
folgende Rechenschritte.
Für 15% Beitrag des Arbeitgebers ergibt sich bei derzeit 36267 Euro Bruttoverdienst durch den kastrierten Beitrag mit 15% statt 18,70 % eine jährliche Rentensteigerung- 30,45 Euro : 36267 x
5400 = 4,53 Euro : 18,7 Vollbeitrag x 15 % Beitrag 3,63 Rentensteigerung im Jahr.

Somit für 16,65 Beitrag x 12 Monate 199,80 Jahresbeitrag monatlich ( 4,53-3,63) 0,90 monatlich
höhere Rente und falls notwendig der kleine Vorteil 1 Jahr Tätigkeit wird auch für 1 Jahr Vollbeitrag
gewertet.

MfG.

von
Herr Z.

Zitiert von: W*lfgang

Andererseits - verstehe ich Sie da richtig, dass Sie Dauer-EM-Rentner wieder ans JC 'übergeben' wollen, damit die mehr Arme haben?

Richter können offenkundig nicht erklären, weshalb Hartz IV verfassungs-konform
sein könnte, sonst hätte doch wohl schon mal einer von denen zumindest versucht, so etwas vorzutragen.

Auch das BVerfG lässt schon die Hosen runter:

BVerfG: auf die tatsächlichen Lebens-Verhältnisse kommt es nicht an, wenn das Jobcenter keine Leistungen zahlen will, muss es nicht zahlen.

Sofern der Existenz-Minimum verweigernde Tat-Richter keine Rechts-Grundlage kennt, die die Verweigerung des Existenz-Minimums zulassen könnte, darf der Tat-Richter seine Leistungs-Verweigerung auch auf solche Behauptungen stützen, die offenkundig unwahr sind.

Das BVerfG duldet auch solche Gerichts-Entscheidungen, von denen dem BVerfG aus eigenen Beweisen bekannt ist, dass diese auf unwahren Behauptungen der Tat-Richter beruhen.

Kirchhof, Masing, Baer, BVerfG 1 BvR 3098/14, ständige Rechtsprechung

Gaier, Schluckebier, Paulus, BVerfG 1 BvR 171/15, ständige Rechtsprechung

Auch das BVerfG kann offenkundig nicht erklären, weshalb die Verweigerung des Existenz-Minimums zulässig sein könnte und verhängt deshalb Geld-Strafen (1 BvR 2899/14, 1 BvR 3121/14, 1 BvR 3323/14, 1 BvR 3457/14, Kirchhof, Masing, Baer) gegen Opfer (also nicht gegen die Täter) derartiger Verweigerungen des Existenz-Minimums, wohl in der Hoffnung, dass Opfer sich dann nicht mehr an das BVerfG wenden und die Richter des BVerfG "Nicht-Wissen" vortäuschen können.

Neulich erklärte das BVerfG (Kirchhof, Masing, Baer), es sei für BVerfG-Richter wichtiger, Bild-Zeitung zu lesen, als das Existenz-Minimum zu verschaffen (1 BvR 2899/14 i.V.m. 1 BvR 194/13).

Herr Z.