Rentenantrag EM stellen vor Ergebnis Widerspruchstelle

von
g-lad

Hallo,

vor 7 Monaten bin seitens der KKasse aufgefordert worden den Rehaantrag zu stellen. Durch DRV abgelehnt, Widerspruch, Gutachter vor mehreren Wochen. Trotz mehrfacher Versuche bekomme ich die medizinischen Unterlagen nicht, auch beim Arzt nichts angekommen. Soll warten bis Widerspruchstelle entscheidet (angeblich ca 2 Monate). Wollte die Tage den EM-Rentenantrag stellen ohne das Ergebnis abzuwarten da
(1) die Zeit läuft und mit meiner Gesundheit wirds nicht besser. habe tierischen Angst vor dem Stress mit dem Arbeitsamt oder wie heute heissen
(2) wollte das "Spielchen" der DRV nicht ganz mitmachen da ich das Gefühl habe, man spielt auf Verzögerung und das macht mich auch verrückt

Was spricht dagegen bzw. dafür?

Viele Grüsse

von
Wolfgang Amadeus

Hallo g-lad,

zur Beantwortung wäre wichtig zu wissen, mit welcher Begründung der Reha-Antrag abgelehnt wurde.

Könntest Du uns diese Information noch liefern?

von
g-lad

die Begründung lautet:
Ihre letzte Leistung zur medizinischen Rehabilitation liegt noch keine 4 Jahre zurück...die Auswirkungen, der bei Ihnen festgestellten Gesundheitsstörung (XXX) auf das Leistungsvermögen sind aber nicht so schwerwiegend, dass vorzeitige Leistungen zur medizinischen rehabilitation aus medizinischen Gründen zwingend erforderlich sind.

Meine letzte Reha war Sommer 2007. Der Antrag stamm - wie gesagt- vom herbst 2008.
In meiner Selbsthilfe-Gruppe habe ich erfahren, dass praktisch jeder diese Art von Ablehnung erhält und man sollte sich daraus nichts machen. Die Ablehnung kam sehr schnell nach ca 3 Wochen. jetzt aber nehmen sich die Damen und Herren bei der DRV reichlich Zeit.

von
Wolfgang Amadeus

Grundsätzlich erhält man eine medizinische Reha nur alle vier Jahre.

Ausnahme: wenn Erwerbsminderung unmittelbar droht oder wenn Erwerbsminderung bereits vorliegt und durch die Reha möglicherweise wieder behoben werden kann.

Allerdings sieht man Dich nach der Ablehnungsbegründung bei der Deutschen Rentenversicherung offenbar nicht als so schwer krank, dass diese Ausnahmeregelung erfüllt wäre. Auch stuft man Dich offensichtlich gegenwärtig nicht als erwerbsgemindert ein, sonst hättest Du bereits eine Aufforderung zur Rentenantragstellung bekommen.

Kannst nur hoffen, dass man im Rahmen des Widerspruchsverfahrens zu einer anderen Einschätzung kommt.

Jedenfalls hast Du das gesetzliche Recht auf Akteneinsicht und kannst Dir auch somit die ärztlichen Bewertungen ansehen.

Die Deutsche Rentenversicherung darf eine solche Akteneinsicht nicht bis zur Entscheidung über den Widerspruch hinauszögern.

Du kannst natürlich, ohne das Widerspruchsverfahren abzuwarten, vorab bereits die Erwerbsminderungsrente beantragen, hast dann aber voraussichtlich nur Erfolg, wenn die nochmals untersucht wirst und man zu einer anderen Beurteilung hinsichtlich Deines Leistungsvermögens kommt als bisher.

Wenn sich bei der Rentenversicherung gar nichts rührt, kann es sinnvoll sein, einen Rechtsanwalt zu nehmen, insbesondere wenn Du rechtsschutzversichert bist.

Eine andere Alternative wäre der Gang zu einer Beratungsstelle der Rentenversicherung, um dort nähere Informationen zum aktuellen Verfahren zu erhalten.

von
Wolfgang

Hallo g-lad,

> Soll warten bis Widerspruchstelle entscheidet

welche DRV ? ...Interesse halber

Ich (die Versicherte natürlich) wartet in einem Fall seit 6 Monaten auf die Entscheidung der Widerspruchsstelle - trotz wiederholter Nachfragen (...sind überlastet, Hartz4-Widersprüche in Massen, das schaffen wir kaum - vielleicht nächsten Monat in den Ausschuss).

Untätigkeitsklage ? - wenn man sich mehr davon (positiv) verspricht, ansonsten werden nur Akten verschoben und es dauert noch länger.

Gruß
w.

von
g-lad

Hallo, gehöre zu DRV Bund. ich finde es schrecklich, dass Du so lange schon warten musst. Ich kann es mir gut vorstellen wie Du Dich fühlst...

Was ist Untätigkeitsklage? Ab welcher Wartezeit kann man die stellen?

lg g-lad

von
g-lad

Hallo, danke für die ausführlichen Infos.
Einige Fragen noch hierzu:
(1) wie kann ich die Akteneinsicht vor der Widerspruchstelle anfordern und wie begründe ich das?
(2) warum dauert es so lange bis der Widerspruchsaussusch entscheidet. Man sagte mir am Telefon, dass der Fall intern abgeschlossen wäre?
(3) kann es theoretisch sein, dass bei der Ablehnung des Antrages (und die kam sehr schnell, nach ca 3 Wochen) der Sachbearbeiter selbst - ohne den Medizinischen Dienst - entschieden hat: aha, der war letztes jahr schon in reha - also die übliche Paragraphenkeule, d.h. zuerst Ablehnung...??

Viele Grüsse

von
-_-

Wenn es in der streitigen Sache um eine Reha-Maßnahme geht, können Sie davon unabhängig auch bereits einen Rentenantrag stellen. Sofern der Reha-Antrag später als Rentenantrag gelten würde (§ 116 SGB 6), müssen Sie ohnehin den formularmäßigen Rentenantrag nachreichen.

http://www.ihre-vorsorge.de/Beratungsstellen.html

von
Chris

Untätigkeitsklage können Sie 3 Monate nach Einreichung des Widerspruchs einreichen. Viel Sinn macht solch eine Klage m.E. aber nicht.

von
-_-

Das finden Sie im § 88 SGG.

Hier:
http://bundesrecht.juris.de/sgg/__88.html

von
Wolfgang

Chris sagt es ...mehr als für ein bisschen Aufregung sorgt es nicht bei der DRV.

Gruß
...wiki > untätigkeitsklage - als kleiner überblick

von
Wolfgang Amadeus

1) Einfaches Schreiben an die zuständige Deutsche Rentenversicherung. Muss nicht begründet werden. Am einfachsten gibst Du an, dass die Akteneinsicht in der Dir am nächsten liegenden Beratungsstelle erfolgen soll, das geht am schnellsten. Sobald die Akte dort liegt, rufen die bei Dir an oder schreiben Dir, dass Du vorbeikommen kannst.

2) Wenn dem so ist, kann es sein, dass es eine Zeitlang dauert, bis der Widerspruchsausschuß wieder zusammenkommt. Der Widerspruchsausschuß tagt nur von Zeit zu Zeit. Im Widerspruchsausschuß befindet sich ein Vertreter der Rentenversicherung, ein Vertreter der Arbeitgeber und ein Vertreter der Arbeitnehmer.

3) Nicht sehr wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Könntest Du jedoch anhand der Akteneinsicht erkennen.

Experten-Antwort

Hallo g-lad,

insbesondere den Beiträgen von Wolfgang Amadeus kann ich nur zustimmen.

von
KSC

Will mal versuchen Ihre Frage aus anderer Perspektive zu beleuchten und frage Sie, was Sie eigentlich anstreben?

Sehen Sie und Ihre Ärzte einen Sinn in der Reha, die Sie auf Aufforderung der Kasse beantragt haben (Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, Abwendung der EM Rente)?

Wenn ja sollten Sie mit möglichst guter ärztlicher Hilfe begründen, warum Sie die erneute Reha anstreben....

Wenn Sie eher die Rente anstreben (Zitat: wollte dieser Tage den Rentenantrag stellen), dann glauben Sie doch eher daran nicht mehr arbeiten zu können - das würde es ja bedeuten, wenn die Rente bewilligt würde?

Dann verstehe ich aber nicht, dass Sie den Widerspruch gegen die Rehaablehnung betreiben. Denn um eine Reha zu kämpfen, die man gar nicht will, weil man sich für rentenreif hält und die man nur beantragt hat, damit die Krankenkasse Ruhe gibt, ist nicht gerade logisch, oder?

Es wäre in diesem Fall doch konsequent, den Widerspruch zurückzuziehen und die Rente zu beantragen.

Könnte es denn sein, dass nicht die "DRV ein Spielchen mit Ihnen spielt", sondern Sie vielleicht "Spielchen spielen" um jeden Monat des höreren KG zu retten?
Ist nur so ne Vermutung von mir,,,,, wie gesagt entscheident ist das was Ihr Ziel ist (in Absprache mit Ihren medizinischen Ratgebern).

Klar ist auch - das haben schon andere user geschrieben - dass jede Bitte um Akteneinsicht, um Übersendung von Gutachten, Erhebung von Untätigkeitsbeschwerde, etc. zwar Ihre gutes Recht sind, aber auch todsicher nicht zur Beschleunigung des Falles beitragen.

Wie gesgt: wenn Sie die Rente anstreben, brauchen Sie nur den Widerspruch zurücknehmen und den Rentenantrag stellen...

von
g-lad

Hallo KSC,

danke für Ihren sehr mutigen Ansatz. Eigentlich haben Sie die ganze Problematik sehr nüchtern und zutreffend beschrieben - nur mit einem Teil, der sehr logischen Ausführung bin ich nicht einverstanden, aber dazu später.

Tatsächlich, bei meinem Krankheitsbild kann man innerhalb von 3 Wochen meine Gesundheit nicht wiederherstellen, damit ich dauerhaft arbeiten könnte und ich trenne mit von meinem Arbeitsleben nicht leicht. C'est la vie...

Anderseits ist mir diese Richtung und Vorgehensweise seitens der KKasse aufgezwungen worden und soweit ich weiss, darf ich ohne Zustimmung der KKasse nichts anderes unternehmen. Juristisch bin ich in der ganzen Angelegehneit überfordert; die Anwälte, die mich unterstützen sollten waren mehr Belastung als Hilfe und mich auch sehr viel Aufwand und Nerven gekostet. Dazu kommt noch der beleidigte Arbeitgeber, für den ich jetzt keinen Cent mehr bei Kunden verdiene und versucht mich, Schwerbehinderten, zu kündigen... . Darunter leidet meine Restgesundheit noch mehr.

Es ist mir von allen gesagt worden, dass ich den Widerspruch machen muss: wegen der KKasse, Arbeitgeber und der DRV, damit ich guten Willen zeige und nicht widersprüchlich handele ! Und soweit ich weiss gibt es immer offiziell den Grundsatz "Reha vor Rente".

Leider habe ich das Expertenforum viel zu spät entdeckt ! Auf die Untätigkeitsklage werde ich verzichten -Ihre Argumentation sehe ich ein. Für das Zurückziehen des Widerspruchs in diesem Stadium ist es zu spät, denke ich, auch wenn instiktiv erkenne ich, dass Ihr Ansatz sehr direkt aber auch ehrlich ist. Ich denke im mom habe auch nicht die Kraft einen anderen Weg einzuschlagen.

Was ich aber widersprechen muss ist die Vermutung, dass ich es wegen des Kgeldes mache. Ich würde am liebsten alles sofort endgültig abschliessen wollen, um endlich etwas Ruhe in meinem Leben erfahren zu können - sonst glaube ich nicht, dass ich viel Zeit habe eine EM-Rente zu beziehen. Es belastet einen schon SEHR.

Vielen lieben Dank für Ihren Beitrag - das war echt eine ganz andere Perspektive für mich!!

von
KSC

Braucht es wirklich Kraft um die Reha zurückzuziehen und stattdessen die Rente zu beantragen?

Das wird doch jeder verstehen- vor allem weiß jeder, was Sie wirklich wollen (momentan muss man ja von verwaltungsseits glauben, Sie wollten unbedingt in eine Reha-warum sonst der Widerspruch?).

Und der Kasse ist das doch gerade Recht - die sind dann doch genau dort wo sie landen wollten, nämlich beim Rentenantrag.

PS 1: Reha vor Rente gilt zwar, aber das kann auch beim Rentenantrag geprüft werden, ob eine Reha vorrangig angezeigt wäre.

PS 2: Die Kasse kann Sie zur Rehaantragstellung zwingen nicht aber zum Widerspruch gegen die abgelehnte Reha.

PS 3: Ein Arbeitgeber macht in aller Regel keinen "Stress" mehr, wenn er weiß, dass sein arbeitsunfähiger Mitarbeiter in Rente gehen will, weil er nicht mehr arbeiten kann.

von
g-lad

Ich wollte mich nochmals vergewissern: kann ich den Widerspruch zurückziehen auch dann wenn ich bereits ein Sachverständigengutachten über mich erstellen liess? Hält man mich dann nicht für beschränkt oder sonst was bei der DRV?

von
Felix

Bei der Rentenversicherung ist man über jeden zurückgenommenen Widerspruch froh.