Rentenantrag verpasst!

von
Skipper

Ich habe folgendes Problem:
Bin 72 Jahre alt und habe es am 65 Geburtstag verpasst, einen Rentenantrag zu stellen, weil ich der Meinung war, keinen oder nur minimalen Anspruch auf Rente zu haben, weil ich gut 30 Jahre selbständig war und in dieser Zeit keine Beiträge geleistet habe und außerdem 1987 geschieden wurde und einen Teil der erworbenen Ansprüche auf den ehemaligen Ehepartner übertragen wurde. Von der Knappschaft habe ich bei erreichen des Rentenalters 65 nach meiner Erinnerung auch keine Benachrichtigung über Ansprüche erhalten.

Nunmehr habe ich auf anraten meines Bruders einen Antrag gestellt und zu meinen Erstaunen einen Bescheid über 788 € Altersrente sowie 57 € Zuschuss zur PKV beginnend zum 1.10.2016 erhalten.

Auf anraten eines Freundes habe ich gegen den Rentenbeginn 1.10 2016 Widerspruch eingelegt und beantragt, den Beginn rückwirkend auf den 1.10 2009 festzusetzen, weil ich damals nur deshalb keinen Antrag gestellt habe, weil ich der Ansicht war keine Ansprüche zu besitzen und von der Knappschaft auch keine anderslautende Benachrichtigung erhalten habe.

Ist dieser Anspruch berechtigt?
Sollte ich einen Rentenfachmann einschalten?
Vielen herzlichen Dank im Voraus für entsprechende Hinweise.

von
SuchenundFragen

Bevor Sie 65 wurden, hätten Sie eigentlich schon jahrelang jährliche Renteninformationen bekommen müssen, aus denen der Rentenanspruch hervorging. Deshalb verstehe ich das Ganze jetzt nicht.

Ich denke nicht, dass Sie einen rückwirkenden Anspruch haben werden. Ihr verspäteter Rentenantrag ging ja nicht auf einen Irrtum irgeneinder behördlichen Stelle zurück sondern auf Ihren eigenen Irrtum. Das ist dann persönliches Pech.

von
=//=

Wenn Sie damals versäumt haben, einen Rentenantrag zu stellen, ist das Ihr persönliches "Pech". Ob Sie einen Rentenanspruch haben, hätten Sie selbst erfragen können/sollen. Vermutlich haben Sie wegen der langen Beitragslücke während der Selbständigkeit keine Renteninformationen/Rentenauskünfte (mehr) bekommen. Die RV-Träger haben natürlich gar nicht die Möglichkeit, ALLE Versicherte, die die Regelaltersgrenze erreichen, zur Antragstellung aufzufordern.

Ein früherer Rentenbeginn ist daher nicht möglich.

Dafür wird aber für jeden Monat, in dem die Rente wegen Alters trotz erfüllter Wartezeit nicht in Anspruch genommen wurde, der Zugangsfaktor um 0,005 höher als 1,0 (§ 77 Abs. 2 Ziffer b SGB VI).

Sehen Sie dazu in Ihre Rentenberechnung bzw. lassen Sie sich diese bei einer der Beratungsstellen der DRV erklären.

von
Oldenburger

Moin, Skipper.

Es bestehen seitens der DRV durchaus gewisse Hinweispflichten bezüglich eines Rentenanspruchs mit Vollendung des 65. Lebensjahres. Wenn Sie also tatsächlich NIEMALS seitens der DRV auf einen möglichen Rentenanspruch hingewiesen worden sind, obwohl nach den dort vorliegenden Versicherungszeiten die allgemeine Wartezeit bei Vollendung des 65. Lebensjahres bereits erfüllt war, bestehen durchaus berechtigte Chancen, im Rahmen eines sozialrechtlichen Herstellungsanspruchs doch noch zu einem rückwirkenden Rentenanspruch zu kommen.

Ein Widerspruch gegen den Rentenbescheid in Bezug auf den Rentenbeginn kann also nicht schaden. Dann wird man eine möglicherweise fehlende Beratung noch einmal prüfen, wenn das noch nicht überprüft wurde.

Die laufende Rente wird dann aber aufgrund des nicht mehr erhöhten Zugangsfaktors geringer ausfallen. Aber eine mögliche Nachzahlung dürfte in Ihrem Fall durchaus günstiger sein.

Gruß, Oldenburger

von
Oldenburger

Wenn folgender Sachverhalt jedoch auf Sie zutreffen sollte, dann wäre ein Widerspruch sicher nicht von Erfolg gekrönt:

Von einem geeigneten Fall für eine Hinweispflicht ist jedoch nicht auszugehen,
für Versicherte der Geburtsjahrgänge vor 1947, die nach dem 31.12.1972 keine (weitere) rentenversicherungspflichtige Beschäftigung/Tätigkeit mehr ausübten und nach dem Ausscheiden aus dieser Beschäftigung/Tätigkeit keinen Kontakt mehr zum Rentenversicherungsträger aufgenommen haben. In diesen Fällen bestand keine gesetzliche Verpflichtung zur Vergabe einer Versicherungsnummer (Urteil des Bayerischen LSG vom 09.07.2008, AZ: L 16 R 694/07).

von
Linus

Die DRV kann Sie nur dann auf einen bestehenden Rentenanspruch hinweisen, wenn dort Ihre aktuelle Anschrift bekannt ist.
Wenn Sie also fünfmal umgezogen sind und der DRV nie eine Adressänderung mitgeteilt haben, wird das Verschulden nicht bei der DRV zu suchen sein.

Freuen Sie sich doch einfach über den Zuschlag für die verspätete Beantragung.

von
Pauling

Zitiert von: Linus

Die DRV kann Sie nur dann auf einen bestehenden Rentenanspruch hinweisen, wenn dort Ihre aktuelle Anschrift bekannt ist.

Genauso wird es wohl hier auch sein.
Ohne Anschrift -> keine Infos.

Experten-Antwort

In einem solchen Fall kann ich nur raten, den früheren Rentenbeginn geltend zu machen, was Sie ja bereits im Rahmen Ihres Widerspruches getan haben. Ob der Anspruch berechtigt ist, kann ich von hier aus nicht beurteilen. Dies hängt von den Umständen des Einzelfalles ab, die mir nicht bekannt sind. Einen Rentenberater o. Ä. hinzuzuziehen ist sicherlich nicht schädlich.

von
=//=

Es könnte nur dann ein sozialrechtlicher Herstellungsanspruch geltend gemacht werden, wenn @Skipper IRGENDWANN MAL nach dem 65. Geburtstag auf irgendeinem Amt oder Rathaus vorgesprochen und nach einem Rentenanspruch gefragt hätte. Dann könnte von einer falschen oder fehlenden Beratug ausgegangen werden.

Das war ja aber offensichtlich nicht der Fall. Woher um Himmels Willen soll der RV-Träger, der -zigtausende Versicherte zu betreuen hat, wissen, dass @Skipper einen Rentenanspruch hat, aber noch keinen Rentenantrag gestellt hat? Da hätte der RV-Träger wirklich viel zu tun. Soweit geht die Beratungspflicht nicht.

Außerdem wurden doch 1987 nach der Scheidung Anwartschaften übertragen. In einem solchen Fall erhalten Ausgleichspflichtige(r) und Ausgleichsberechtigte(r) jeweils ein Schreiben der DRV über die Auswirkung. Wenn das - wie so vieles andere auch - nicht beachtet und/oder fortgeschmissen wird, hat ALLEINE der betroffene Versicherte zu vertreten, wenn er/sie etwas verpaßt.

von
W*lfgang

Zitiert von: =//=
Außerdem wurden doch 1987 nach der Scheidung Anwartschaften übertragen.
:

Skipper: ist die Anschrift 1987 noch dieselbe wie heute, als der Versorgungsausgleich umgesetzt worden ist?

> Sollte ich einen Rentenfachmann einschalten?

Haben Sie hier doch bereits einige damit 'beschäftigt' :-)

Gruß
w.

von
Skipper

Zitiert von: =//=

Es könnte nur dann ein sozialrechtlicher Herstellungsanspruch geltend gemacht werden, wenn @Skipper IRGENDWANN MAL nach dem 65. Geburtstag auf irgendeinem Amt oder Rathaus vorgesprochen und nach einem Rentenanspruch gefragt hätte. Dann könnte von einer falschen oder fehlenden Beratug ausgegangen werden.

Das war ja aber offensichtlich nicht der Fall. Woher um Himmels Willen soll der RV-Träger, der -zigtausende Versicherte zu betreuen hat, wissen, dass @Skipper einen Rentenanspruch hat, aber noch keinen Rentenantrag gestellt hat? Da hätte der RV-Träger wirklich viel zu tun. Soweit geht die Beratungspflicht nicht.

Außerdem wurden doch 1987 nach der Scheidung Anwartschaften übertragen. In einem solchen Fall erhalten Ausgleichspflichtige(r) und Ausgleichsberechtigte(r) jeweils ein Schreiben der DRV über die Auswirkung. Wenn das - wie so vieles andere auch - nicht beachtet und/oder fortgeschmissen wird, hat ALLEINE der betroffene Versicherte zu vertreten, wenn er/sie etwas verpaßt.

...also "fortgeschmissen" geht mir doch ein wenig zu weit und einen Hinweis auf erreichte, aber noch nicht in Anspruch genommene Anwartschaft beherrscht jede 10 € Software. Sicher auch bei der DRV Gell!

von
Skipper

Zitiert von: W*lfgang

Zitiert von: =//=
Außerdem wurden doch 1987 nach der Scheidung Anwartschaften übertragen.
:

Skipper: ist die Anschrift 1987 noch dieselbe wie heute, als der Versorgungsausgleich umgesetzt worden ist?

> Sollte ich einen Rentenfachmann einschalten?

Haben Sie hier doch bereits einige damit 'beschäftigt' :-)

Gruß
w.

...nein, die Anschrift hat sich geändert aber meine aktuelle Anschrift war der DRV wohl bekannt, denn ich habe im Juni 2015 eine Benachrichtigung darüber bekommen, dass mein früherer Ehegatte verstorben ist!

von
Oldenburger

Zitiert von: =//=

Es könnte nur dann ein sozialrechtlicher Herstellungsanspruch geltend gemacht werden, wenn @Skipper IRGENDWANN MAL nach dem 65. Geburtstag auf irgendeinem Amt oder Rathaus vorgesprochen und nach einem Rentenanspruch gefragt hätte. Dann könnte von einer falschen oder fehlenden Beratug ausgegangen werden.

Das war ja aber offensichtlich nicht der Fall. Woher um Himmels Willen soll der RV-Träger, der -zigtausende Versicherte zu betreuen hat, wissen, dass @Skipper einen Rentenanspruch hat, aber noch keinen Rentenantrag gestellt hat? Da hätte der RV-Träger wirklich viel zu tun. Soweit geht die Beratungspflicht nicht.

Außerdem wurden doch 1987 nach der Scheidung Anwartschaften übertragen. In einem solchen Fall erhalten Ausgleichspflichtige(r) und Ausgleichsberechtigte(r) jeweils ein Schreiben der DRV über die Auswirkung. Wenn das - wie so vieles andere auch - nicht beachtet und/oder fortgeschmissen wird, hat ALLEINE der betroffene Versicherte zu vertreten, wenn er/sie etwas verpaßt.

Das sehen aber viele Träger glücklicherweise anders und dazu gibt es sehr eindeutige Rechtsprechungen.

von
=//=

Zitiert von: Skipper

Zitiert von: W*lfgang

Zitiert von: =//=
Außerdem wurden doch 1987 nach der Scheidung Anwartschaften übertragen.
:

Skipper: ist die Anschrift 1987 noch dieselbe wie heute, als der Versorgungsausgleich umgesetzt worden ist?

> Sollte ich einen Rentenfachmann einschalten?

Haben Sie hier doch bereits einige damit 'beschäftigt' :-)

Gruß
w.

...nein, die Anschrift hat sich geändert aber meine aktuelle Anschrift war der DRV wohl bekannt, denn ich habe im Juni 2015 eine Benachrichtigung darüber bekommen, dass mein früherer Ehegatte verstorben ist!

Die Mitteilung über den Tod kommt aber vom RV-Träger der geschiedenen Ehefrau und hat mit Ihrem Versicherungskonto nichts zu tun.

Übrigens, wenn Sie sich so dagegen wehren, dass Sie die Mitteilung "nicht weggeschmissen" haben, müßten Sie sie ja noch haben und alles daraus erkennen (Wartezeitmonate etc.).

von
=//=

Zitiert von: Oldenburger

Zitiert von: =//=

Es könnte nur dann ein sozialrechtlicher Herstellungsanspruch geltend gemacht werden, wenn @Skipper IRGENDWANN MAL nach dem 65. Geburtstag auf irgendeinem Amt oder Rathaus vorgesprochen und nach einem Rentenanspruch gefragt hätte. Dann könnte von einer falschen oder fehlenden Beratug ausgegangen werden.

Das war ja aber offensichtlich nicht der Fall. Woher um Himmels Willen soll der RV-Träger, der -zigtausende Versicherte zu betreuen hat, wissen, dass @Skipper einen Rentenanspruch hat, aber noch keinen Rentenantrag gestellt hat? Da hätte der RV-Träger wirklich viel zu tun. Soweit geht die Beratungspflicht nicht.

Außerdem wurden doch 1987 nach der Scheidung Anwartschaften übertragen. In einem solchen Fall erhalten Ausgleichspflichtige(r) und Ausgleichsberechtigte(r) jeweils ein Schreiben der DRV über die Auswirkung. Wenn das - wie so vieles andere auch - nicht beachtet und/oder fortgeschmissen wird, hat ALLEINE der betroffene Versicherte zu vertreten, wenn er/sie etwas verpaßt.

Das sehen aber viele Träger glücklicherweise anders und dazu gibt es sehr eindeutige Rechtsprechungen.

Wo Sie Recht haben, haben Sie Recht. :-) Obwohl ich immer noch Zweifel habe, ob hier tatsächlich ein sozialrechtlicher Herstellungsanspruch besteht, denn es gab ja offensichtlich seit 1987 (Scheidung) kein formelles Verfahren mehr.

http://lrbw.juris.de/cgi-bin/laender_rechtsprechung/document.py?Gericht=bw&nr=4741

@Skipper sollte es probieren, Widerspruch einzulegen.