Rentenbewertung in der gesetzlichen Rentenversicherung

von
Fragen

1.) ein Minijobber vor 2013 hat keine Beiträge entrichtet in die gesetzliche Rentenversicherung. Bezog aber gleichzeitig Jahre vorher ALG 2 als Aufstocker. Einmal war er über ALG 2 rentenversichert bis 2010 und als auch diese Beitragszahlungen über ALG 2 eingestellt wurden ab 2011, war er gar nicht mehr gesetzlich rentenversichert. Er hatte dadurch erst Beitragsjahre bis 2010 und später ab 2011 nur noch Anrechenjahre, ist das so?
2.) ein Minijobber ist gleichzeitig ALG 2 - Aufstocker und hat in die gesetzliche Rentenversicherrung pflichtversichert eingezahlt. War er in den Jahren bis 2010 doppelt rentenversichert durch den Minijob und ALG 2? Wie wird das rententechnisch bewertet?
3.) Vice versa: ein Selbständiger geringfügig und ALG 2-Aufstocker ohne eigene Beitragsentrichtung bis 2010 über ALG 2 rentenversichert und ab 2011 gar nicht mehr rentenversichert .

Beide Gruppen 1.) - 3.) s.o., ob nicht selbständig oder selbständig, sind erwerbstätig mit ALG 2 aufstockend - und das zählt rententechnisch wie?

von
jonny

Was bitte soll ein ALG 2 - Aufstocker sein?

Wer ALG 2 bezogen hat, war 2005 und 2006 für ein Jahresentgelt von 4800 € pflichtversichert, von 2007 bis 2010 für ein Jahresentgelt von 2460 €.

Ab 2011 zählen ALG 2 -Zeiten nur noch als Anrechnungszeiten, die aber nicht direkt bewertet werden. Sie können aber indirekt für andere beitragsfreie oder beitragsgeminderte Zeiten von Vorteil sein.

Wer neben dem ALG 2 Bezug noch geringfügig versicherungsfrei beschäftigt war, für den wurden vom Arbeitgeber "Teil"beiträge gezahlt, die zusätzlich in der Rente berechnet werden.

Beispiel:
Für ALG 2 Beiträge in 2005 mit einem versicherten Entgelt von 4800 € gibt es 0,1644 Entgeltpunkte, für die geringfügige Beschäftigung außerhalb von Privathaushalten bei 4800 € entsprechend dem niedrigeren Beitragssatz von 12 % statt 19,5 % gibt es noch 0,1012 Entgeltpunkte.

Jeder volle Entgeltpunkt ergibt heute eine Regelaltersrente von 28,07 € im Westen.

Ob bei der geringfügigen Beschäftigung ALG 2 überhaupt in dem Umfang versichert werden konnte, lasse ich einmal dahin gestellt.

von
Fragen

Die Antworten treffen auch noch nicht vollständig den Kern der Fragestellungen.
P.S.: Ein ALG 2 - Aufstocker soll ein Erwerbstätiger nicht selbständig / selbständig und geringfügig sein, der unter Hartz 4 fällt und beim Jobcenter aufstockt, um zu überleben.

von
High

Zitiert von: Fragen

Die Antworten treffen auch noch nicht vollständig den Kern der Fragestellungen.
P.S.: Ein ALG 2 - Aufstocker soll ein Erwerbstätiger nicht selbständig / selbständig und geringfügig sein, der unter Hartz 4 fällt und beim Jobcenter aufstockt, um zu überleben.

Bietet das Jobcenter jetzt Survivaltrainig an ?

von
KSC

Da aus ALG II seit 2011 keine Beiträge mehr bezahlt werden, erwirbt diese Aufstocker nur noch die Entgeltpunkte, die er aus seinem ganz normalen Job erwirtschaftet. Nicht mehr und nicht weniger.

von
Fragen

Entgeldpunkte sind ausschließlich bestimmt für die Höhe der Rente, falsch oder richtig?
Wenn ein Minijobber beispielsweise monatlich 250,-Euro von seinem Arbeitgeber erhält, der Minijobber Beiträge in die gesetzliche Rente abführt, was er seit 2013 muß auch bei 250,-Euro monatlichem Gehalt (?) und vom Jobcenter ALG 2 gezahlt wird, so hat der Minijobber Monat für Monat eine Beitragszeiterhöhung für seine spätere Rente und nicht nur Anrechenzeit durch Bezug von ALG 2. Die finanzielle Auswirkung auf die Rente kann er vernachlässigen, richtig oder falsch geraten?
Es kann ja immerhin sein, daß der Minijobber noch ein paar Jahre Beitragszeit bis zum Renteneintrittsalter braucht, er aber keine sozialversicherungspflichtige Arbeit mehr bekommt die letzten Jahre mit über 60 Jahren.

von
Schade

Lass doch die ganze "Hatz 4 Geschichte" weg und frage, was ein Minijobber erwirbt, der 250 Euro Gehalt hat!

Wäre aber wahrscheinlich zu einfach.

Und dann kriegst du die Antwort, dass mit jedem Jahr dieses Minijobs sich seine Rente um bombige 2 Euro (oder so) steigert......und wenn er aufstockt indem er sich 3,9% abziehen laässt, sind es halt 50 Cent mehr.....

Experten-Antwort

Hallo „Fragen“,

Ihre fast schon ein wenig an eine Klausur oder Hausarbeit erinnernde Fragestellung versuchen wir wie folgt zu beantworten:

Zu 1: Ja! Wegen § 58 Abs. 1 Nr.6 SGB VI stellt der ALG-II-Bezug ab 2011 eine Anrechnungszeit dar, die aber im Rahmen des § 74 Nr. 1a SGB VI nicht zu bewerten ist.

Zu 2: Wegen § 58 Abs. 1 Nr. 6 e) SGB VI ist die Zeit ab 01.01.2011 keine Anrechnungszeit, sofern er durch die Aufstockung als Minijobber in der gesetzlichen Rentenversicherung weiterhin versicherungspflichtig ist. „Rententechnisch“ liegt somit weiterhin eine ganz normale Beitragszeit aufgrund des Minijobs vor.

Zu 3: Es liegt eine Anrechnungszeit nach § 58 Abs. 1 Nr. 6 SGB VI vor.

Es gilt also immer, sobald Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung, egal ob aufgrund der Selbständigkeit, der Beschäftigung oder des Minijobs mit Aufstockung vorliegt, dass keine Anrechnungszeit mehr nach § 58 SGB VI Abs. 1 Nr. 6 SGB VI gegeben ist.

Zur neu aufgeworfenen Frage der Bewertung der Minijobzeit, schließen wir uns den Ausführungen von „Schade“ an.

Aufgrund der vielschichtigen Fragestellungen sollten Sie sich eventuell auch bei einer unserer Auskunfts- und Beratungsstellen persönlich beraten lassen. Die Ihrem Wohnort am nächsten gelegene Auskunfts- und Beratungsstelle können Sie unter dem Link " Beratungsstellen finden" ermitteln.