Rentenzahlung ohne ständigen Wohnsitz

von
Frager

Ich würde gerne wissen, ob bzw. unter welchen Bedingungen es möglich ist, eine unbefristete Erwerbsminderungsrente bzw. eine Altersrente auch dann weiter zu beziehen, wenn man seinen ständigen Wohnsitz hier in D aufgibt, sich daraufhin nicht nur kurzfristig im Ausland aufhält, jedoch keinen ständigen Wohnsitz im Ausland besitzt. Wie könnte derlei Vorhaben praktikabel umgesetzt werden? Gäbe es finanzielle bzw. krankenversicherungsrechtliche Einbußen? Auf welchem Wege erhalten obdachlose Rentner durch die RV ihre Rente?
Vielen Dank im Voraus für die Beantwortung meiner Fragen.

von
MSC

Hallo,

obdachlose Rentner geben in der Regel eine Alternativadresse an (z.B. Obdachlosenheim, Betreuer, Verwandte, Bekannte). An diese Adresse wird die Korrespondenz geschickt. Sollte der obdachlose Rentner k e i n Bankkonto haben, erhält er an diese Anschrift einen Postscheck, welchen er auf jeder Postfiliale in Deutschland einlösen kann. Es würde natürlich auch die Möglichkeit bestehen, sich diesen Postscheck an die nächste Beratungsstelle der DRV schicken zu lassen und sodann monatlich gegen Vorlage des Personalausweis abzuholen.

In bezug auf den nicht ständigen Wohnsitz im Ausland dürfte es bei einer Überweisung auf ein Konto dahingehend keine Probleme geben. Diese entstehen erst dann, wenn der Postrentenservice einen Brief als unzustellbar zurückerhält. Sodann würde die Rente bis zur Ermittlung der aktuellen Anschrift eingestellt werden.

In bezug auf die finanziellen Einbußen empfehle ich eine Besuch bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle.

Die krankenversicherungsrechtlichen Sachverhalt bitte direkt mit der Krankenkasse klären.

Als kleiner Nachtrag: Sogenannte Arbeitsmarktrenten entfallen, sobald der Wohnsitz in Deutschland aufgegeben wurde.

LG MSC

von
Achill

Obdachlose erhalten Ihre Rente per Barauszahlung an der Kasse des Rentenversicherungsträgers.

Auf die andere Frage kann ich Ihnen leider nicht antworten.

von
D.

Zitiert von: Achill

Obdachlose erhalten Ihre Rente per Barauszahlung an der Kasse des Rentenversicherungsträgers.

Aus der Praxis: Dem stimme ich zu. Obdachlose kommen dann (in der Regel zum 1. eines Monats) zur Rentenversicherung, erhalten das Bargeld und quittieren, dass Sie es erhalten haben.

Sofern im Ausland eine Rente bezogen wird, muss wenigsten ein mal im Jahr eine Lebensbescheinigung (z.B. bei einem Konsulat oder Botschaft) nachgewiesen werden, da man sonst nie wüsste, ob derjenige bereits verstorben ist.

Sollte die Rente aus FRG-Zetien bestehen, wird dieser Teil der Rente zur Auszahlung eingestellt, wenn der Leistungsbezieher ins nicht EU/EWR*-Ausland zieht.

*bzw. Ländern, mit denen kein SV-Abkommen besteht, wie z.B. Russland, Kasachstan, etc.

Sollte eine volle Erwerbsminderungsrente auf Grund eines verschlossenen Arbeitsmarktes gezahlt werden, birgt der Verzug ins Ausland definitiv eine Überprüfung in sich. Ggf. besteht dann nur noch ein Anspruch auf eine teilweise Erwerbsminderungsrente.

von
Frager

Danke für die Infos an MSC, Achill und D

Habe ich es richtig verstanden, dass (in den Fällen: Meldeadresse in D oder obdachlosenstatus) die Rente stets innerhalb D bereitgestellt würde (d.h. D-Konto, Postscheck an Meldeadresse in D bzw. Barkasse RV in D)? Und die Rente
dann im zweiten Schritt von dort zu dem jeweiligen Auslandsaufenthaltsort transferiert werden müsste?

Oder ist es ohne weiteres möglich direkt im Ausland (auch ohne eine dortige ständige Meldeadresse) ein Konto zu errichten? Ist die Lebensbescheinigung allein für die deutsche RV vonnöten oder braucht man diese ggf. auch als Grundlage für eine Kontoeröffnung im Ausland?

von
MSC

Rentenzahlung können grundsätzlich auch auf ein Konto im Ausland überwiesen werden. Entsprechende Gebühren im Ausland sind allerdings vom Rentenbezieher zu tragen.

Ob die ausländische Bank eine feste Adresse benötigt, bitte direkt dort erfragen.

Mit der Lebensbescheinigung erhält der RV-Träger nur Kenntnis darüber, dass die Leistungen weiter gezahlt werden können, da der Rentenbezieher noch lebt. Ob die ausländische Bank dies ebenfall benötigt wäre ebenfalls direkt dort zu erfragen.

LG MSC

von
E.

Zitiert von: Frager

Oder ist es ohne weiteres möglich direkt im Ausland (auch ohne eine dortige ständige Meldeadresse) ein Konto zu errichten?

Da sollten Sie sich bei der Bank erkundigen, bei welcher Sie das Konto eröffnen wollen

Zitiert von: Frager

Ist die Lebensbescheinigung allein für die deutsche RV vonnöten oder braucht man diese ggf. auch als Grundlage für eine Kontoeröffnung im Ausland?

Die Lebensbescheinigung ist für die Rentenversicherung/Unfallversicherung gedacht, um nachzuweisen, dass der Leistungsbezieher noch lebt. Denn anders als im Ausland, meldet in Deutschland das Einwohnermeldeamt den Tod eines Versicherten automatisch dem Post Renten Service um die Zahlung einzustellen.
Eine solche Meldung erfolgt nunmal nicht aus dem Ausland.

Zitiert von: Frager

Habe ich es richtig verstanden, dass (in den Fällen: Meldeadresse in D oder obdachlosenstatus) die Rente stets innerhalb D bereitgestellt würde (d.h. D-Konto, Postscheck an Meldeadresse in D bzw. Barkasse RV in D)? Und die Rente
dann im zweiten Schritt von dort zu dem jeweiligen Auslandsaufenthaltsort transferiert werden müsste

Sofern eine Überweisung oder eine Zusendung per Scheck im Inland erfolgt, weist der Post Renten Service zu 98 % aller Fälle die Rente an.
Auch ins Ausland würde vom Post Renten Service die Zahlung auf ein ausländisches Konto erfolgen (in 100% der Fälle).
Schecks ins Ausland ist so ne Sache: Nach meinem Kenntnisstand richtet es sich danach, ob bzw. wie in welches Land der Scheck gesandt werden soll. Da gibt es unterschiedliche Regelungen (selbst innerhalb der EU).
Z.B. können auf Grund der - derzeitigen - Kapitalverkehrskontrolle keine Schecks nach Griechenland gesandt werden.

von
W*lfgang

Zitiert von: MSC
Als kleiner Nachtrag: Sogenannte Arbeitsmarktrenten entfallen, sobald der Wohnsitz in Deutschland aufgegeben wurde
änzend: nur bei Verzug ins Nicht-EU-Ausland. Bei Wohnsitz in der EU entfällt die örtliche Bundeslandprüfung/verschlossener Teilzeitarbeitsmarkt - die Prüfung wird nunmehr auf das ganze Bundesgebiet ausgedehnt ...und da können die Karten für den Erhalt der 'Arbeitsmarktrente' schon mal ganz schlecht aussehen.

Gruß
w.
PS: Bei wechselseitigem Wohnsitz in diversen Ausländern wäre generell zu prüfen, ob der dauernde Aufenthalt in D überhaupt aufgegeben worden ist (genaue Ursachenermittlung ...der reist ja nur in 80 Tagen um die Welt ;-)), wann erstmals der dauerhafte Wohnsitz in ein anderes/welches Land verlegt worden wäre.
PPS: warum sollte das Konto in D aufgegeben werden? Gibt es Länder, die nicht von dtsch. Geldinstituten 'abbuchen'/auszahlen/Kreditkarte? ...mal die heimische Bank befragen und die Reiseroute mit Verfügbarkeit der Geldmittel abgleichen!

von Experte/in Experten-Antwort

Sehr geehrter Frager,

die von Ihnen geschilderten Umstände betreffen verschiedenste Themenbereiche. Um eine durchgehende Rentenzahlung sicherzustellen, ist es am sinnvollsten, sich rechtzeitig mit Ihrem Rentenversicherungsträger in Verbindung zu setzen und zu besprechen, auf welchem Weg die weitere Rentenzahlung erfolgen kann und wie der Rentenversicherungsträger Sie erreichen kann.

Zunächst einmal gilt, dass Renten der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung grds. auch bei gewöhnlichem Aufenthalt im Ausland und auch auf ausländische Bankverbindungen gezahlt werden. Dies gilt natürlich erst recht für einen vorübergehenden Auslandsaufenthalt, wobei für eine Unterscheidung zwischen vorübergehend und dauerhaft keine festen Grenzen gelten, sondern die jeweiligen Umstände im Einzelfall zu prüfen sind.

Je nachdem, ob mit dem ausländischen Staat vertragliche Beziehungen bestehen (EU-/EWR-Staaten, Sozialversicherungsabkommen) gelten ggf. unterschiedliche Regelungen (z.B. in Bezug auf Renten wegen Erwerbsminderung, die aufgrund der Arbeitsmarktlage gezahlt werden).

Bevorzugt soll die deutsche Rente auf ein Konto des Berechtigten überwiesen werden. Dies kann grds. auch ein Konto im Ausland sein. Welche Voraussetzungen für die Eröffnung eines Kontos im Ausland bestehen, kann Ihnen jedoch nur die jeweilige Bank sagen. Es besteht ggf. auch die Möglichkeit, sich seine Rente auf das Konto einer Vertrauensperson überweisen zu lassen. Besteht kein Konto, gibt es auch die Möglichkeit, sich die Rente mittels Postscheck oder ggf. auch bar beim zuständigen Rentenversicherungsträger auszahlen zu lassen (diese Möglichkeiten werden häufig von den von Ihnen angesprochenen „Obdachlosen“ genutzt).

Bei gewöhnlichem Aufenthalt im Ausland sind ggf. Einschränkungen in Bezug auf die Rentenhöhe zu beachten, soweit keine vertraglichen Beziehungen (EU-/EWG-Staaten, SV-Abkommen) mit diesem Staat bestehen. Dies gilt insbesondere, wenn die Rente auf sogenannten FRG-Zeiten (ins deutsche Rentenversicherungssystem eingegliederte Zeiten aus fremden Staaten, z.B. Russland, Polen) oder auch Zeiten aus dem ehemaligen Deutschen Reich (sogen. Reichsgebietszeiten) beruht.

Wichtig ist, dass der Rentenversicherungsträger Sie erreichen kann. Wie in den Vorbeiträgen bereits erwähnt, ist bei gewöhnlichem Aufenthalt außerhalb Deutschlands i.d.R. jährlich eine sogenannte „Lebensbescheinigung“ einzureichen. Diese wird Ihnen vom Renten Service der Deutschen Post (dieser zahlt i.d.R. für uns die Renten aus) übersandt und Sie müssen diese dann ausgefüllt und ggf. amtlich bestätigt zurücksenden. Sind Sie postalisch nicht erreichbar, wird der Renten Service die Rentenzahlung bis zur weiteren Klärung Ihres Aufenthalts einstellen. Soweit Sie keine eigene feste Adresse haben, wäre es auch möglich, die Adresse einer Vertrauensperson anzugeben.

Auch Ihre Frage nach den Auswirkungen auf Ihre Krankenversicherung hängt von verschiedenen Faktoren ab (Aufenthaltsort, EU-/EWR-Staat, SV-Abkommen, Rente nur aus Deutschland oder auch vom ausländischen Staat). Hier bitte ich Sie, sich rechtzeitig bei Ihrer Krankenkasse zu erkundigen.

Wie Sie sehen, hängt die Beantwortung Ihrer Fragen von verschiedensten Umständen ab. Ich möchte Ihnen daher nochmals dringend empfehlen, sich rechtzeitig mit Ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger in Verbindung zu setzen und die einzelnen Fragen konkret zu besprechen. Nur so kann gewährleistet werden, dass Ihre Rentenzahlung durchgehend erfolgt.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 23.07.2015, 09:29 Uhr]