Riesten für Junge

von
Kasi

Also ich bin 20 Jahre und mache mir jetzt schon Gedanken über meine Rente. Nur für mich stellt sich die Frage was nehme ich für ein Angebot, dass viel Rendite bringt und nicht mehr als 80€ im Monat kostet. Ich steige einfach nicht durch was nun besser ist: - Versicherung
- Fonds
- etc.
ich würde mir mal eine Unabhängige Meinung wünschen. Es wäre schön, dass wenn man sich schon als junger Mensch, mit noch nicht ganz so viel Ahnung, um so ein Thema kümmert nicht immer über den Tisch gezogen wird!! DANKE

von
Maria L.

Hallo Kasi,

das ist gut, daß Sie sich schon in jungen Jahren über die Altersvorsorge Gedanken machen, denn der wichtigste Parameter für eine erfolgreiche Vorsorge ist die zur Verfügung stehende Ansparzeit.

Um nicht über den Tisch gezogen zu werden, bauen Sie am besten eigene finanzielle Kompetenz auf.

Mehr oder weniger unabhängige Informationen bekommen Sie hier, von der Stiftung Warentest, den Verbraucherzentralen, dem Bund der Versicherten, dem Bund der Sparer usw.

Die beste Empfehlung, die ich Ihnen geben kann, ist aber folgende Website:

http://www.finanzuni.org

Sie finden dort eine systematische und logisch nachvollziehbare Argumentation, der ich nach langer und intensiver Beschäftigung damit schließlich für meine eigene Altersvorsorge folgen konnte: die beste Altersvorsorge ist der Aufbau eines eigenen frei verfügbaren Vermögens, von dessen Erträgen man schließlich leben kann.

Vermögen bildet man schnell und - bei Beachtung einiger Voraussetzungen - sicher durch regelmäßiges Ratensparen in weltweit gestreute Aktienfonds, wobei man mind. 20 Jahre auf das investierte Geld verzichten muß. Das kurbelt gleichzeitig auch die Wirtschaft an (durch Investition in Aktien wird der Wirtschaft Eigenkapital zur Verfügung gestellt) und hilft somit der gesamten deutschen Volkswirtschaft. Die als Folge der Investition erwirtschafteten Erträge kommen Ihnen als Rendite zugute.

Die mit Beteiligungspapieren (insb. Aktien, wegen der Risikostreuung sind Aktienfonds aber zunächst zu bevorzugen) erzielbaren Renditen übersteigen die Renditen aller anderen Vorsorgeformen. Um das zu verstehen, muß man sich allerdings länger mit der Thematik beschäftigen.

Vor der Investition in Aktienfonds sollte man sich intensiv damit auseinandergesetzt haben und verstanden haben, was man da tut, und es muß ebenfalls ein sofort verfügbares Finanzpolster von mind. 6 Netto-Monatsgehältern vorhanden sein.

Wenn Sie das Thema interessiert, können Sie hier im Forum nach früheren Beiträgen von mir suchen, Suchbegriff z.B. "Aktienfonds".

Gruß,
Maria L.

von
Ulf

Hi Kasi,

ersteinmal cool, dass Sie sich Gedanken machen!

Desweiteren kann ich die Finanztest empfehlen.
(www.finanztest.de) Mir persönlich hat diese am meisten gebracht. Ich spare in Riesterfonds (einfach ausgedrückt), schien für mich persönlich eine gute Alternative, da ich nicht mehr 20 bin, sondern schon ein wenig "reifer" ;-))

Wichtig wäre m.E. eine stattlich geförderte Altersvorsorge plus Zusatzversicherung hinsichtlich Berufsunfähigkeit.
Riesterbeitrag errechnet sich aus dem Vorjahresbrutto (Sozialversicherungspflichtiges Brutto)

Bsp.:
30000,- € Brutto im Jahr
hiervon 4 % (2008)
ergibt 1200,- € Beitrag im Jahr.
Nun wird die Zulage abgezogen (154,- €) verbleibt eine Eigenleistung i.H.v. 1046,- € : 12 = 87,17 € Monatsbeitrag.
Das ist jetzt mal ohne Kinderzulage berücksichtigt, da ich davon ausgehe, dass Sie noch Kinderlos sind.
Wenn Sie nun einen Riesterfondssparplan machen für die nöchsten sagen wir mal 40 Jahre, dann kommt ne ganze Stange Geld zusammen. Weiterhin können Sie diese Geschichte auch steuerlich geltend machen. Auch hier Vorteile, da das zu versteuernde Einkommen weniger wird.
Also Ihre Entscheidung.

Viel Glück
Ulf

p.s. Da dieses Thema wirklich sehr umfangreich ist, beschränke ich mich auf das was ich verstanden habe. Ob das auch das Richtige für Sie ist weiß ich nicht. Maria L. wird aber sicher noch den einen oder anderen guten Tipp für Sie haben.
Vielleicht auch Immobilientechnisch vorsorgen?

von
Ulf

Ich meinte natürlich "eine Staatlich geförderte Altersvorsorge"

p.s.
wenn diese dann auch noch stattlich ausfällt, prima!

der Ulf

von
Maria L.

Hallo Ulf,

kennen wir uns, daß Sie mich hier weiterempfehlen? :-)

Riester-Fondssparpläne (aber Achtung: NICHT mit fondsgebundenen Riester-VERSICHERUNGEN verwechseln) sind nach meinem derzeitigen Wissensstand (der erweitert sich fortlaufend!) im allgemeinen noch die beste der staatlich geförderten Produktvarianten.

Besser ist meines Erachtens der Verzicht auf jegliches Schielen nach staatlichen Zulagen oder vermeintlichen Steuerförderungen, denn am Ende zählt nur die tatsächlich persönlich erreichte Durchschnittsrendite nach Kosten und nach Steuern. Und alle staatlich geförderten Produkte müssen eine Menge von Bedingungen erfüllen, die leider zu einer Verringerung der erreichbaren Renditen führen. So ist z.B. die gesetzliche Förderbedingung der Beitragserhaltungsgarantie gut gemeint, aber nutzlos. Denn garantiert wird nur der nominale Erhalt der eingezahlten Beiträge. Diese verlieren aber durch Inflation an Wert. Die Steuerförderung ist nur eine Steuerstundung, die paar Euro Zulagen fallen in der Regel kaum ins Gewicht (außer vielleicht bei den kinderreichen Geringverdienern). Usw. usw.

Selbstbewohnte Immobilien zählen zur Investmentart VermögensVERTEILUNG, nicht zu VermögensBILDUNG. Das zu begreifen, hat mich viel Zeit und die Überwindung vorhandener Vorurteile gekostet, der Aufwand hat sich für mich aber gelohnt. Für den Einstieg:

http://www.finanzuni.org/phpBB/viewtopic.php?t=27

Haben Sie es schonmal mit der systematischen Vorgehensweise der FinanzUni versucht? Es lohnt sich sehr, auch wenn es viel eigene Denkleistung erfordert.

Gruß,
Maria L.

von
Ulf

Nee, kennen tun wir uns nicht, aber ich habe mit Spannung Ihre wirklich guten Beiträge gelesen und gehofft, dass Sie dem Kasi noch bissel was rüberbringen können.
Hat ja geklappt ;-)

Ach ja und Sie haben natürlich Recht. Keine Riesterrentenversicherungen abschließen (nicht wenn man erst 20 ist), sondern wirklich Fonds! Das ist auch meine Meinung.
Und eine zusätzliche Berufsunfähigkeit extra absichern, nicht über den Riestervertrag (zu teuer und manchmal gar nicht möglich)

Und den Tipp mit der Finanzuni lasse ich mir mal durch meinen Kopf gehen. Der ist schon ganz schön voll gestopft, aber ein bissel Platz ist da noch...

Danke und Grüße
Ulf

von
Rosanna

JEDER kennt Sie hier als "Expertin" für die Altersvorsorge. :-))

von
Maria L.

Hallo Rosanna :-),

haben Sie nicht auch schon einmal einen Beitrag von mir kritisiert?

Es gibt hier im Forum einen langsamen Sinneswandel, den ich erfreut zur Kenntnis nehme.

Das motiviert mich, jetzt nochmal was zum Thema Risiken zu schreiben. Altersvorsorge soll ja SICHER sein, da sind wir uns vermutlich alle einig.

Ich habe auch jahrzehntelang geglaubt, daß das Sparbuch besonders sicher, und daß Aktien besonders unsicher sind. Das ist aber falsch, es stimmt einfach nicht. Es ist ein Denkfehler.

Für kurze Zeiträume stimmt das zwar. Für lange Zeiträume (etwa > 15-20 Jahre) ist es aber genau umgekehrt!

Denn für lange Zeiträume nimmt das Inflationsrisiko überproportional zu, das entwertet die gering verzinsten Sparguthaben. Bei Aktienfonds gilt umgekehrt, daß die Volatilität, die üblicherweise als "Risiko" bezeichnet wird, auf lange Sicht Chancen auf besonders hohe Wertsteigerungen beinhaltet, also das Gegenteil von "Risiko". Wer über lange Zeiträume zu schwankenden Preisen (darunter auch viele Schnäppchen-Preise, wenn es gerade einen Börsencrash gibt) Fondsanteile einkauft, erhöht seine Chancen auf überdurchschnittliche Wertsteigerungen, wenn nur IRGENDWANN während der Ansparzeit eine hohe Wertsteigerung des Fonds innerhalb eines oder einiger aufeinanderfolgender Jahre erfolgt. Wer ein Finanzpolster hat und seiner Altersvorsorge die notwendige lange Zeit einräumt, muß nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt seine Fondsanteile veräußern, sondern kann dies dann tun, wenn der Kurs gerade relativ hoch liegt.

Und daß im Durchschnitt und langfristig ALLE Aktienfonds steigen, liegt in der Natur der Sache. Das erkläre ich vielleicht ein anderes Mal.

Man investiert dann noch gestreut in mehrere möglichst voneinander unabhängige Aktienfonds, um zu vermeiden, mit EINEM Fonds Pech zu haben.

Wenn man es einmal begriffen hat, ist Altersvorsorge = Vermögensbildung SO EINFACH, daß man sich wundert, daß man nicht früher daraufgekommen ist.

Gruß,
Maria L.

von
Maria L.

Hallo Ulf,

noch auf die Schnelle, muß zum Fußball gucken ;-)

Berufsunfähigkeitsversicherung: ganz wichtig! Dazu private Haftpflichtversicherung.

Und für die wichtigen Dinge im Leben ist auch im Kopf noch Platz - wetten?

Aber bitte nicht abschrecken lassen: wenn man erstmals mit fremdartig und neu erscheinenden Fakten konfrontiert wird, bekommt man leicht "komische Gefühle". Die verschwinden aber, wenn der Groschen gefallen ist.

Gruß,
Maria L.

von
Detlev

Guten Tag!

Nachdem Sie geschrieben haben, dass Riesterverträge unsinnig sind, habe ich meinen gekündigt. Jetzt will die Versicherung 180 EURO Gebürh einbehalten. Ist das in Ordnung?

von
Rosanna

"....haben Sie nicht auch schon einmal einen Beitrag von mir kritisiert?" - NEIN!!!!

Ich kenne mich viel zu wenig aus, um irgend jemanden, der sich besser auskennt, zu kritisieren. :-)

Ich habe neben meiner Zusatzrente von der VBL noch eine andere, sehr alte Altersvorsorge (vermietete Immobilie) und kümmere mich deshalb nicht mehr so sehr darum.

Das Einzige, was ich hier im Forum kritisiert habe, ist das, wenn sich manche in Hinsicht auf Grundsicherungsleistungen keinen Kopf über ihre Altersvorsorge machen.

MfG Rosanna.

von
Amadé

Von Maria L. haben Sie ja schon hervorragende Informationen erhalten. Wenn Ihnen das Anliegen Altersvorsorge wirklich was Wert ist, beschäftigen Sie sich unbedingt mit der von Maria L. angegebenen Seite! Das ist aber nicht einfach so nebenher zu erledigen.

Wenn Sie vorab im Schnelldurchlauf gute Informationen lesen wollen, studieren Sie die Seite

http://www.gegen-altersarmut.de

Da werden Ihnen die Zusammenhänge über eine gute Altersvorsorge in Kurzform verständlich nahe gebracht. Die nicht unerheblichen Risiken der auch in diesem Forum viel gepriesenen "sicheren" Anlageformen werden verständlich erläutert. Hinter der genannten Seite steht natürlich ein Anbieter. Auch dieser will verdienen - bevor Sie erwägen, einen übereilten Abschluss zu tätigen, prüfen Sie gleiche Anlageformen bei anderen Anbietern, um einen Kostenvergleich zu haben. Schauen Sie insbesondere bei Direktbanken und Fondsvermittlern nach. Google macht´s möglich.

Fallen Sie nicht auf staatliche Propaganda herein - Riester schenkt Ihnen nichts!

Lesen Sie unbedingt hierzu den folgenden Beitrag eines kompetenten users:

http://www.ihre-vorsorge.de/Expertenforum-Thema.html?id=30228&dekade=1

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Kasi,

die Deutsche Rentenversicherung kann und darf Ihnen keine Anlageempfehlung geben. Wir können Ihnen nur im Rahmen unserer Wegweiserfunktion hinweise zu den Förderwegen und -möglichkeiten geben.

Beachten Sie bei der Wahl Ihrer Anlageform, dass Sie eine höhere Rendite auch nur mit einem größeren Risiko erreichen können.

Im Rahmen der Riester-Förderung stehen Ihnen grundsätzlich drei förderfähige Produkttypen zur Verfügung.

Eine private Rentenversicherung verbindet Kapitalanlage und Versicherung. Sie gewährt eine lebenslange Leibrente. Die Leistungen der priv. Rentenversicherung bestehen in der Regel aus einer garantierten Mindestverzinsung zzgl. einer Überschussbeteiligung. Bei der priv. Rentenversicherung handelt es sich nach allgemeiner Einschätzung um eine Altersvorsorgeanlage mit vergleichsweise geringem Risiko, mittleren Ertragschancen und einer lebenslangen Leistung.

Ein Banksparplan besteht im langfristigen Ansparen von Bankguthaben mit festgelegter Verzinsung. Dabei kann der Zinssatz von der Laufleistung oder dem Sparbetrag abhängig sein oder sich nach einem Referenzwert richten. Diese Altersvorsorgeform ist eine Anlage mit sehr geringem Risiko, dem jedoch auch nur vergleichsweise geringe Erträge gegenüberstehen.

Auch Fondsprodukte können zur geförderten Altersvorsorge eingesetzt werden. Man unterscheidet prinzipiell Aktienfonds, Rentenfonds, Geldmarktfonds und Kombinationen dieser Formen. Bei den verschiedenen Fondsparplänen handelt es sich um die risikoreichste Anlagemöglichkeit der geförderten Altersvorsorge, das heißt um die mit den größten Ertragschancen und zugleich den größten Verlustgefahren.

Deshalb werden in der Praxis auch Mischformen zwischen Versicherungs- und Sparprodukten angeboten werden. So können zum Beispiel die Überschüsse aus Versicherungen ebenso wie die Zinserträge aus Bankguthaben in Investmentfonds angelegt werden. Zudem müssen alle Vorsorgeverträge spätestens ab dem 85. Lebensjahr eine Leibrente garantieren, was auch den Bank- und Fondsprodukten einen Versicherungscharakter verleiht.

Um die Riester-Förderung in Anspruch nehmen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So erhalten u. a. Personen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert oder Verbeamtet sind, eine Förderung wenn sie der unbeschränkten Einkommenssteuerpflicht in Deutschland unterliegen. Gefördert werden Sie in Form von Zulagen und zusätzlichem Sonderausgabenabzug. Jeder Förderberechtigte erhält ab 2008 eine Grundzulage in Höhe von 154 Euro. Sofern Kindergeldberechtigte Kinder vorhanden sind, erhalten Sie für jedes Kind eine Zulage in Höhe von 185 Euro. Bei Kindern die nach dem 31.12.2007 geboren wurden, erhöht sich die Kinderzulage auf 300 Euro pro Jahr. Im Gegenzug zur Förderung sind die Leistungen einer Riester-Rente im Alter voll zu versteuern.

Neben der Riester-Förderung steht Ihnen, als private Altersvorsorge mit staatlicher Förderung die Rürup-Rente zur Verfügung. Entstanden ist die Rürup-Rente im Zuge des Alterseinkünftegesetzes zum 01.01.2005. Der Vorteil bei der Rürup-Rente ist, dass die Aufwendungen in großen Umfang steuerlich geltend gemacht werden können und sie nicht an Voraussetzungen wie der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung gebunden ist. Hierfür muss der Vertrag jedoch alle folgenden Kriterien erfüllen, um steuerlich begünstigt zu werden.

Die Rürup-Rente ist eine Leibrente, die sich an der gesetzlichen Rentenversicherung orientiert. Sofern Sie ein Leben lang in ein solches Produkt einzahlen und bereits im ersten Jahr des Ruhestandes versterben, fällt das von Ihnen angesparte Vermögen an das Versicherungskollektiv.

Wie wird die Rürup-Rente gefördert?
Im Jahr 2008 können 66 Prozent, maximal 13.200 Euro der Aufwendungen zur Rürup-Rente von der Steuer abgesetzt werden. In den Jahren danach steigt der anrechenbare Anteil der Beiträge um jährlich zwei Prozentpunkte. Ab dem Jahr 2025 können die gesamten Beiträge bis zur Grenze von 20.000 Euro Steuerlich geltend gemacht werden.

Im Gegenzug müssen die ausgezahlten Rentenbeträge versteuert werden. Die Besteuerung von Alterseinkünften beginnt im Jahr 2005 mit zunächst 50 Prozent der Auszahlungen. In den darauf folgenden Jahren erhöht sich dieser Prozentsatz ebenfalls jährlich um zwei Prozent bis zum Jahr 2020 und ab da um jährlich ein Prozent, so dass ab dem Jahr 2040 die Rentenzahlungen vollständig der Steuer unterliegen.

Neben der geförderten Altersvorsorge können Sie auch ein Produkt wählen, bei dem Sie in der Ansparphase keine Förderung erhalten. Der Vorteil solcher Produkte ist die geringere steuerliche Belastung im Alter. Bei einer privaten Rentenversicherung werden z.B. bei Rentenbeginn mit dem 65. Lebensjahr nur 18 Prozent der Rentenleistung steuerpflichtig.

von
Maria L.

Hallo Detlev,

Sie haben sich offenbar für ein Ende mit Schrecken anstelle eines Schreckens ohne Ende entschieden ;-).

Leider kenne ich mich mit der Gebührenfrage nicht so gut aus, deshalb meine Auskunft unter Vorbehalt: bei der Kündigung eines Riester-Vertrags darf der Vertragspartner Stornogebühren einbehalten, die aber bei Vertragsabschluß schon genannt worden sein müssen. Sie sollten sich das vom Anbieter genau erklären lassen. Vielleicht beantwortet auch die ZfA solche Fragen - ich glaube, die haben eine Hotline.

Außerdem gilt die Kündigung als sogenannte schädliche Verwendung, d.h. es müssen alle staatlichen Zulagen zurückgezahlt werden - diese werden vom Anbieter vor der Auszahlung an Sie abgezogen und an die ZfA zurückgezahlt. Außerdem müssen alle erhaltenen Steuervorteile zurückgezahlt werden. Meines Wissens wird das nicht vom Anbieter direkt erledigt, sondern von Ihrem Finanzamt - vermutlich im Rahmen Ihrer nächsten Lohn-/Einkommensteuererklärung - Sie müssen da also mit einer nachträglichen Steuerforderung rechnen.

Diese gesetzlichen Regelungen zur schädlichen Verwendung sind in meinen Augen gerade ein wichtiger Kritikpunkt an der Riesterrente. Als "schädliche Verwendung" gilt auch, wenn der Riester-Sparer stirbt! Sehr makaber! Nur ein zu diesem Zeitpunkt vorhandener und lebender Ehegatte kann die Zulagen auf einen eigenen Riester-Vertrag übertragen lassen, andere Erben gehen leer aus (für minderjährige Kinder gibt es wohl noch einige komplizierte Sonderregelungen).

Mit einem Riester-Vertrag erwirbt man kein Vermögen (auch nicht mit Riester-Fondssparplänen), sondern nur den Anspruch auf eine Rentenzahlung. Wer erstmal ein Vermögen aufbaut, kann später immer noch entscheiden, einen Teil davon zu verrenten (Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag), wenn er bei Eintritt ins Rentenalter noch von einer hohen Lebenserwartung ausgeht, also sehr gesund ist.

Der Gesetzgeber setzt nach meiner Meinung leider auf die falschen Produkte. Wer sich davon frei macht und selbständig seine Altersvorsorge aufbaut, muß leider inkaufnehmen, im Fall von unvermeidbarer Langzeitarbeitslosigkeit seine Altersvorsorge vorzeitig angreifen zu müssen. Die Freibeträge sind hier VIEL zu gering. Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, wer gesund ist und eine abgeschlossene Berufsausbildung hat, sollte zukünftig bei zunehmendem Fachkräftemangel und entsprechender eigener Flexibilität in der Lage sein, einen Arbeitsplatz zu finden. Notfalls im europäischen Ausland.

Gruß,
Maria L.

von
Maria L.

Hallo Amadé,

willkommen zurück im Forum :-).

Sie haben da einen sehr guten Beitrag von Bernhard wieder ausgegraben. Wenn er noch hier schreiben würde, würde ich aber gerne mit ihm über die vermeintliche "Sicherheit" von Forderungspapieren sowie die Investition in ETFs diskutieren.

Zitat Bernhard: "Sie müssen daher wenigstens etwas höhere Risiken eingehen, um eine möglichst hohe Rendite zu erreichen, denn auch schon in der Vergangenheit war eine ausreichende Altersvorsorge mit geringen Renditen unmöglich bzw. sinnlos. Alles was unter 3 % (nominaler) Rendite liegt, können Sie glatt vergessen."

Es geht nicht nur um die höhere Rendite, es geht auch um die höhere Sicherheit bei der Investition in Beteiligungspapiere im Unterschied zu Forderungspapieren (bei regelmäßiger und langfristiger Investition). Auch Bernhard hätte hier noch etwas dazuzulernen.

Wer seine Altersvorsorge über die Investition in ETFs aufbaut, macht nach meiner Einschätzung nicht allzu viel falsch. Die Kosten sind zwar besonders niedrig, allerdings ist die Investition in die Nachbildung eines Aktienindexes weniger zielorientiert als bei freier Auswahl eines Aktienfonds. Der Cost-Average-Effekt kommt wegen der geringeren Schwankungen weniger stark zu tragen. Aber das sind Details. Die Hauptsache ist, in Beteiligungspapiere zu investieren, und das trifft auf ETFs zu. Allerdings nicht auf Zertifikate, das sind Schuldverschreibungen und damit Forderungspapiere.

Gruß,
Maria L.

von
Maria L.

Hallo Rosanna :-),

mit einer vermieteten Immobilie beziehen Sie ein regelmäßiges Einkommen, aber Sie bauen meines Erachtens kein Vermögen auf. Wenn Sie noch mindestens 15-20 Jahre Zeit haben, sollten auch Sie über Aktienfonds nachdenken. Das geht auch mit kleinen monatlichen Sparraten.

Sich hauptsächlich auf gesetzliche Rente und VBL-Rente zu verlassen, ist fahrlässig. Wir wissen nicht, was hier an weiteren Kürzungen noch auf uns zukommt - zusätzlich zu den bereits gesetzlich umgesetzten Kürzungen. Ab irgendwann zwischen 2020 und 2035 muß EIN Arbeitnehmer mit seinen Beiträgen EINEN Rentner finanzieren. Wie soll das gehen? Selbst mit drastisch weiter erhöhten Steuerzuschüssen kann da keine hohe Durchschnittsrente herauskommen. Wir erwerben mit unseren Beiträgen nur einen relativen Anspruch auf einen Teil des zukünftigen Beitragseinkommens (plus Steuerzuschüssen), keinen Anspruch auf eine Rente in bestimmter Höhe. Daß uns auch die Eigentumsgarantie des Grundgesetzes nicht schützt, hat mir ein Beitrag von Bernhard klargemacht (habe ihn gerade nicht zur Hand).

Die Sache mit der Anrechnung privater Altersvorsorge auf mögliche Grundsicherungsleistungen ist einfach ein rationales Verhalten von Geringverdienern. Der Gesetzgeber setzt hier falsche Anreize. Ich bin auch für Selbstverantwortung, aber dann sollte die Gesetzeslage auch dazu passen. D.h. die Vermögensfreibeträge und auch die Einkommensfreibeträge vor dem Bezug von Sozialleistungen müßten deutlich erhöht werden.

Eines muß ich nochmal klarstellen: ich habe mir als Privatperson mein Wissen über Themen der Altersvorsorge selber angeeignet - insbesondere anhand der von mir immer wieder zitierten Quellen, ich bin also keine dafür ausgebildete "Expertin". Das ist aber andererseits gerade ein Vorteil, da ich so querdenken kann. Da auf dem Markt für Altersvorsorgeprodukte ganz besonders in Deutschland so viel Unsinn verkauft wird, muß sich leider jeder selber zum "Experten" der eigenen Vorsorge machen. Es ist anstrengend, aber es geht. Es lohnt sich sehr, für mich ist es auch befreiend, mich jetzt auf mich selbst zu verlassen.

Das Wissen über Vermögensbildung ist vorhanden, es muß nur abgerufen und nachvollzogen werden. Je schneller sich finanzielle Kompetenz in der Gesellschaft verbreitet, desto besser für uns alle. Das ist der Grund, weshalb ich mich hier engagiere.

Gruß,
Maria L.

von
Rosanna

Liebe Maria L.,

danke für Ihren Beitrag.

Ich möchte noch etwas ergänzen:

Ich habe die Wohnung jetzt seit 23 Jahren. In dieser Zeit ist sie mit Sicherheit an Wert gestiegen (Sanierung des Hauses etc.). Da es eine schöne Single-Wohnung (1-Zi.WG) ist und die Nachfrage so enorm ist, dass ich sie immer wieder sehr leicht und gut vermieten kann, werde ich damit im Alter bestimmt ein gutes Neben-Einkommen erzielen. Außerdem zahle ich in Aktienfonds einen geringen Anteil ein, der mir später auch noch zumindest ein kleines mtl. Taschengeld beschert.

Außerdem - und das ist das Wichtigste - habe ich nur noch 9 1/2 Jahre bis zur Regelaltersrente oder 7 1/2 Jahre bis zur Altersrente für langj. Versicherte (allerdings dann mit Abschlag). Da mache ich jetzt keine Purzelbäume mehr. Mit diesem Gesamteinkommen müßte ich im Alter wirklich gut auskommen!!!

Also ICH mache mir keine grossen Gedanken mehr über eine private Altersvorsorge. Und ich habe absolut kein schlechtes Gewissen, da ich durchgehend seit fast 40 Jahren mit meinen Beiträgen die Rentner finanziert habe. Dann bin ich mal dran; das habe ich mir "verdient". ;-))

Bezüglich der Grundsicherungsleistungen (Vermögensfreibeträge) gebe ich Ihnen schon teilweise Recht. Aber 1. wird sich in den nächsten 10/20/30 Jahren mit Sicherheit noch einiges ändern (wie sich das auch gerade bei der gesetzl. RV gezeigt hat), und 2. finde ich - wie Sie und einige Andere auch - eine Eigenverantwortung in Bezug auf die Altersvorsorge unumgänglich! Wenn es bei manchen finanziell gar nicht geht, dafür habe ich ja vollstes Verständnis! Aber gegen die, die heute für Handy-Rechnungen oder anderen unnötigen Schnickschnack monatlich mehrere 100 Euro ohne Augenzucken ausgeben, nichts für ihre Altersvorsorge tun WOLLEN und dann im Alter nach dem "Staat" schreien, habe ich eine absolute "Allergie"!!!

MfG Rosanna.

von
Maria L.

Hallo Rosanna,

da sind wir uns ja weitgehend einig :-), ich erinnere mich jetzt auch, in welchem Punkt wir uns uneinig waren.

Weniger als 10 Jahre Ansparzeit ist für das Ratensparen in Aktienfonds in der Tat zu kurz. Und Sie haben nach 40 Jahren Beitragszahlung die Rente selbstverständlich verdient! :-)

Es ist nur so: wer heute noch 20, 30 oder 40 Jahre Beitragszahlung vor sich hat (und am Ende auch auf 40 Jahre Beitragszahlung kommt), hat die Rente genauso verdient wie Sie! Er wird sie aber nicht bekommen, jedenfalls nicht in der Höhe wie Sie, sondern vielleicht nur in Höhe der Grundsicherung. Und unter diesen ZUKÜNFTIG geänderten Bedingungen erscheint die Anrechnung von privater Altersvorsorge doch ungerecht, denn dann wird "bestraft", wer vorsorgt.

Unsere Differenz beruht vermutlich nur auf unseren unterschiedlichen Annahmen: ich gehe eben davon aus, daß die gesetzliche Rente zukünftig noch weit stärker sinken wird, als aktuell den meisten bekannt oder bewußt ist.

Die Lösung, die mir vorschwebt, ist ja aber nun eine ganz andere. Wer selber effektiv Vermögen bildet, ist auf die gesetzliche Rente nicht mehr als Haupteinkommen angewiesen, sondern kann sie als Zusatzeinkommen sehen, und auf Grundsicherung muß er schon gar nicht zurückgreifen. Und das hilft dann auch der gesamten Gesellschaft.

Gruß,
Maria L.

von
Detlev

Hätte ich mich bloß nicht von Ihnen manipulieren lassen!

Nach reiflicher Überlegung habe ich meine Kündigung vorhin wieder rückgängig gemacht. Mir ist ein riesengroßer Stein vom Herzen gefallen, als man mir telefonisch versicherte, dass es noch nicht zu spät dafür war!

Ihre "guten" Ratschläge hätten mich beinahe eine Menge Geld gekostet!

von
Maria L.

Hallo Detlev,

also wirklich! Ich fordere hier immer zum eigenständigen Wissenserwerb und vor allem zum EIGENEN NACHDENKEN auf, das ist das Gegenteil von Manipulation.

Ich kann mich auch nicht erinnnern, jemals "blind" zur Kündigung eines bestehenden Riester-Vertrags aufgerufen zu haben, denn dann hätte ich ganz bestimmt auch auf die Folgen hingewiesen. Weil die Folgen einer Kündigung so nachteilig sind, wäre es halt vorteilhaft, einen solchen Vertrag GAR NICHT ERST ABZUSCHLIESSEN.

Das ist so wie früher mit den Kapitallebensversicherungen, auch "legaler Betrug" genannt. Wer die vorzeitig gekündigt hat, hat auch weniger ausgezahlt bekommen, als er eingezahlt hat. Ich sehe hier insbesondere die festverzinslichen Riester-Rentenversicherungen als "würdige" Nachfolger!

Wenn Sie komplett SELBER nachvollzogen haben, wie Vermögensbildung funktioniert, würden Sie einen unrentablen Riester-Vertrag vermutlich TROTZ der nachteiligen Folgen der schädlichen Verwendung kündigen, um nicht gutes Geld dem schlechten Geld hinterherzuwerfen. Aber das muß man dann im Einzelfall prüfen. Man muß hier in Opporunitätskosten denken: Sie müssen in einer Vergleichsberechnung feststellen, welches Ergebnis Sie nach Steuern und Kosten in Ihrem Riester-Vertrag erhalten und welches Ergebnis bei einer Alternativ-Investition des Eigenbeitrags (sowie einmalig des Rückzahlungsbetrags Ihres Riester-Anbieters) in Aktienfonds. Dabei muß man natürlich Annahmen über die erwartete Rendite treffen, und dafür muß man sich eben gründlich mit der Materie beschäftigen.

Bei einer Kündigung verlieren Sie Geld. Wenn Sie nicht kündigen, verlieren Sie aber unter Umständen noch viel, viel mehr Geld. Aber das muß man, wie gesagt, im Einzelfall prüfen.

Neben einer Kündigung gibt es übrigens auch die Möglichkeit, einen Vertrag beitragsfrei zu stellen, dabei bewahrt man die früher erhaltenen Zulagen/Steuervorteile, hier gibt es aber auch Nachteile, die im Einzelfall zu prüfen sind: die Kostenstruktur kann sich nachteilig verändern, und evt. ändert sich auch die Rendite, weil die angesammelten Sparbeiträge anders - unrentabler - angelegt werden.

Vielleicht sollte ich hier zukünftig weniger argumentieren, sondern nur noch dahin verweisen, wo einem das eigene Denken nicht abgenommen wird...

Hier nochmal zum Thema Riester, der Artikel bezieht sich hauptsächlich auf die besonders unrentablen Riester-Rentenversicherungen:

http://www.finanzuni.org/phpBB/viewtopic.php?t=29

Gruß,
Maria L.

P.S. Wenn 180 Euro Stornogebühren für Sie eine "Menge Geld" sind, dann haben Sie keine Ahnung, welche Menge Geld Ihnen entgeht, wenn Sie unrentabel sparen statt rentabel zu investieren.