Riester

von
Udo

Hallo,
Meine Frau hat seit 2005 einen privaten Riestervertrag. Da sie ab diesem Jahr nicht mehr unmittelbar zulagenberechtigt ist, plane ich für mich auch einen Riestervertrag abzuschließen und zwar über den Arbeitgeber (Nettoentgeltumwandlung).
Um die maximale Förderung zu bekommen wird meine Einlage 2100 € sein.
Fragen:
Wie wird nun die Verteilung sein? Meine Frau bekommt sicherlich die Förderung der 3 Kinder und natürlich ihre eigene, oder? Muss sie dann auch noch die 60€ weiterhin bezahlen? Wie hoch wird mein Eigenanteil sein? Wie hoch die Förderung die auf meinem Vertrag eingeht? Wie hoch ist die gesamte Summe, die auf meinem Vertrag eingeht? Bekomme ich noch Steuervorteile bzgl. Sonderausgaben? Wie hoch sind die jeweiligen Förderquoten?
Speziell:
Wenn später die Kinderförderungen wegfallen (älter als 25Jahre) wie wird sich das auf die Einlage auswirken? Wird nur der Vertrag meiner Frau eingeschränkt? Muss die Einlage immer gleich sein? Muss ich somit den Eigenanteil erhöhen? Kann ich als Ausgleich mit erhöhten Steuervorteilen (z.B. Sonderausgaben) rechnen oder gleichen sie sogar die fehlenden Kinderförderungen zu 100% aus?
Bei Auszahlung der Riesterrente wird diese voll besteuert?!? Was kommt noch an Abzügen? Da ich freiwillig krankenversichert bin auch noch Krankenversicherung?
Was noch? Was bleibt über? Ist es dann überhaupt noch rentabel?
Sind diese Abzüge bei einer privaten Riesterrente nicht vorhanden oder gibt es dort andere Abzüge bzw. Nachteile, die man so ohne weitere nicht nachlesen kann.
Danke!

von
Maria L.

Hallo Udo,

bei der Riester-Rente gibt es generell sehr viele Nachteile, einige Stichworte:

- Doppelverbeitragung (bei Bruttoentgeltumwandlung, wie es bei Nettoentgeltumwandlung ist, weiß ich nicht)

- hohe Abschluß- und Verwaltungskosten (insb. bei Riester- Versicherungsvarianten)

- renditeschädliche Förderbedingungen (Beitragserhaltungsgarantie)

- schädliche Verwendung
(Rückzahlung von Zulagen und Steuervorteilen bei vorzeitiger Kündigung oder vorzeitigem Tod, ebenso bei späterem Umzug ins Ausland; keine Vererbung des Kapitals oder nur unter bestimmten Voraussetzungen)

Wenn die Kinderzulagen wegfallen, müssen Sie Ihren Eigenanteil erhöhen (4% des sozialvers.pflichtigen Vorjahreseinkommens), um die volle Förderung (bei Ihnen: Steuerförderung) zu erhalten.

Ich habe nicht mehr so viel Zeit, hier lange Beiträge zu schreiben, bitte suchen Sie nach älteren Beiträgen von mir zum Thema Riester über die Suchfunktion.

Wenn Sie freiwillig krankenversichert sind, also sogenannter "Besserverdiener", dann sollten Sie sich alternativ mit Altersvorsorge über freies Aktienfondssparen informieren - ohne staatliche Förderung, dafür aber mit höherer Renditeerwartung.

Gruß,
Maria L.

von
Schiko.

Mir scheint, bei ihren ausführungen muß man doch etliches gerade rücken.
Zunächst die bemerkung"Da sie ab diesem jahr nicht mehr un-
mittelbar zulagenberechtigt ist"

Da taucht doch die frage auf, wer war bisher mittelbar zulagen
berechtigt? Sie können es wohl nicht gewesen sein, sonst bräuch-
ten sie doch keinen neuen vertrag abschließen.
Sind sie riesterfähig können sie einen vertrag abschließen und
müssen zur erlangung der grundzulage den mindestbeitrag(keine
einlage ) einzahlen, höchstens 2100 ansonsten 4 % aus ihrem
vorjahresbrutto, minus 154 grundzulage euro 1946 eigenanteil.

Ob ihre frau - da es bisher ein privater vertrag war- einen neuen vertrag
abschließen muss gilt es mit der zulagenstelle noch abzuklären.
Hat also ihre frau ohne eigenes einkommen einen extra vertrag gilt sie
als unmittelbar zulagenberechtigte ohne eigene beitragsleistung.

Auf diesen vertrag wird die zulage von 154 und die 555 der kinder
gutgeschrieben.

Auf den steuerlichen freibetrag von höchstens 2100, immer aber nur
4% des vorjahresbrutto, werden die zulagen angerechnet. Mit 154 + 154
und dreimal 185 = 555, insgesamt also 863 euro, Dies entspricht bei
einem höchstverdienst von 52.500 ( 52500 zu 4 %= 2100) eine förder-
quote von 41,10 %..
Von der rechnerischen steuererstattung bleibt durch die insgesamt 863
zulagen nichts mehr übrig.

Natürlich wird die rieserrente später voll versteuert, mit anderen worten
dem steuerpflichtigen teil der gesetzlichen rente- in 2008 56% vom brutto dazugeschlagen.
Der zunächst errechnete steuerpflichtige betrag beider rentenarten ist um absetzbare beträge wie kranken/pflegeversicherung,haftpflicht, pauschbetrag
für rente und sonderausgaben zu kürzen.
Bei entsprechenden nachweisen beim rentner sogar bis 5069 /10138 led/vh.
jährlich möglich da für die berechnung kein vorwegabzug mehr gilt.

Egal ob sie gesetzlich versichert, freiwillig in der gesetzlichen versichert
oder gar privatversichert , vermindern dies beträge das zu versteuernde ein-
kommen entsprechend.
Zur kranken/pflegeversicherung gilt derzeit als höchtbetrag 3.600, in 2009
3.675 als bemessungsgrenze des monatseinkommens.
Übersteigt- derzeit geltend- das existensminimum von 7664 / 15328 led/vh.
nicht, fällt keine steuer an. Um in etwa zu überblicken wie hoch der steueranfall
sein wird nenne ich hierzu beträge.

12.000( statt 7664) beim ledigen, 25.000 ( statt 15328 ) beim verheirateten als
zu versteuerndes einkommen , also nicht das bruttoeinkommen.

Der ledige zahlt 816 im jahr plus soli,der verheiratete 1864 euro plus soli.
Für die aufzeigung von nach-
teilen- die es sicher auch gibt
mögen sich andere hier für zuständig erklären.

Mit freundlichen Grüßen.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Udo,

Sie beabsichtigen einen Riestervertrag abzuschließen, weil Ihre Ehefrau ab diesem Jahr nicht mehr selbst zulagenberechtigt ist. Sie nehmen den Vertrag Ihrer Ehefrau dann sozusagen "Huckepack", das heißt, dass Sie als unmittelbar begünstigte Person ihre Frau als mittelbar zulageberechtigte Person mit ins Boot nehmen würden. Es bestehen dann zwei Verträge. Die Einzahlung des Sockelbeitrages in Höhe von 60,-€ in den Vertrag ihrer Frau ist dann nicht mehr erforderlich, sofern Sie als unmittelbar zulageberechtigte Person Ihren Mindesteigenbeitrag von 4 % erbringen. In diesem Fall fließen in den Vertrag Ihrer Ehefrau nur noch die Zulagen.

Achtung: Wenn erst im Laufe dieses Jahres die unmittelbare Zulagenberechtigung Ihrer Frau entfallen ist, wäre im kommenden Jahr noch der Mindesteigenbeitrag ( 4% des Vorjahreseinkommens ), mindestens jedoch noch der Sockelbeitrag von 60,- € zu entrichten, um die Zulagen zu erhalten.

Die Förderleistungen werden nur unter Einhalten bestimmter Regeln gewährt. Der Staat fördert die zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge (Riester) durch Zulagen und Steuererleichterungen. Zu diesem Zweck hat er den sogenannten zusätzlichen Sonderausgabenabzug nach § 10a Einkommenssteuergesetz eingeführt, der in der Folge das zu versteuernde Einkommen in der Jahressteuererklärung mindert. Die Steuerersparnis kommt allerdings nur dann zum Zuge, wenn die Zulagenförderung geringer ausfällt als die zu gewährende Steuerminderung. In einer sogenannten Günstigerprüfung nimmt das Finanzamt in jedem Fall eine entsprechende Berechnung vor, die aus dem Steuerbescheid ersichtlich wird.

Zunächst einmal können Sie bei der Auswahl eines Riesterproduktes wählen, ob Sie die betriebliche oder aber die private Schiene nehmen. Bei betrieblichem Riester spricht man auch von der Nettoentgeltumwandlung, weil der Riestervertrag Entgelt, welches bereits um die Steuer- und Sozialabgaben vermindert worden ist, anspart. Zum Ausgleich geben Sie Ihre Aufwendungen später in der Einkommenssteuererklärung an, so dass die steuerliche Bemessungsgrundlage um bis zu 2.100,00 € jährlich reduziert wird. Betriebliche und private Riesterprodukte werden so gleich behandelt.

In der Auszahlungsphase unterliegen die Riesterrenten immer der Besteuerung. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass auch immer Steuern konkret zu zahlen sein werden. Entscheidend dabei ist die Höhe des im Alter zur Verfügung stehenden Einkommens nach Abzug von Steuerfreibeträgen und anderen steuermindernden Ausgaben.

Unterschiedlich fallen die Ausgaben für die Krankenversicherung ins Gewicht. Derzeit ist von den Betriebsrenten - darunter fällt auch betriebliches Riestern - der komplette Beitragssatz für Kranken- und Pflegeversicherung an die gesetzliche Krankenkasse zu zahlen. Für private Riesterverträge entfallen diese Kosten. Betriebliche Anbieter gänzlich außer Acht lassen sollte man trotzdem nicht, weil Sie häufig durch niedrige Verwaltungskosten höhere Leistungen bei Vertragende bieten können. Vergleichen Sie die Angebote.

In den Riestervertrag fließt nur die eigene Zulage, nicht die des Ehegatten. Die Regelungen zur Kinderzulage sind mit denen des Kindergeldes verknüpft. In der Regel erhält die Mutter die Zulage, gemeinsam steuerlich veranlagte Eheleute können dies mittels Erklärung anders bestimmen.

Die konkreten Berechnungen der Förderquoten bitten wir mit Hilfe des auf dieser Internetseite befindlichen Förderechners ( siehe Finanzrechner / Nettoentgeltumwandlung ) selbst zu ermitteln, bzw. sich von Ihrem Anbieter ermitteln zu lassen.

Die Deutsche Rentenversicherung hält zum Thema Altersvorsorge eine Reihe von Broschüren vor. Allgemeine Informationen zur staatlich geförderten Altersvorsorge können Sie auch im Verlauf eines Beratungsgespräches bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle erhalten. Die Ihrem Wohnort nächst gelegene Beratungsstelle können Sie unter dem Link "Service/Beratungsstellen" ermitteln. Denken Sie daran, konkrete Empfehlungen darf und kann Ihnen Ihr gesetzlicher Rentenversicherer nicht geben.

Empfehlenswert ist die Teilnahme an einem der bundesweit angebotenen Kurse "Altersvorsorge macht Schule" an den Volkshochschulen gegen geringe Teilnahmegebühr. Näheres dazu unter http://www.altersvorsorge-macht-schule.de , Kursfinder aufrufen und die Teilnahme an einen in der Nähe seines Wohnortes angebotenen VHS Kurses buchen. Ganz einfach. Sie können Ihre Fragen direkt an den Referenten / die Referentin richten und erhalten kompetente Antworten. Die Kosten für den Kurs in Höhe von 20,- Euro sind moderat, ein Handbuch im Preis inbegriffen.