Riester Rente Ehepaar

von
Jana

Hallo! wir habe vor 4 Jahren einen Riester_Renten Vertrag abgeschlossen. Beim Durchsehen der Unterlagen ist mir aufgefallen, das mein Mann nicht die volle Grundzulage erhalten hat, weil er den Mindestbeitrag nicht eingezahlt hat.
Erstmal die Fakten: Jahresverdienst meines Mannes ca. 35000 Euro. Ich habe einen 400 Euro Job Sozialversicherungsfrei (also auch ohne Rentenversicherungsbeiträge).
- mein Mann zahlte z.B. im Jahr 2005 283,92 Euro ein (mtl. 23,66Euro)
- ich bezahlte 60 Euro ein
Mein Mann hat eine Zulage von 34,25 € erhalten.
Meine Zulage beträgt 70 € Grundzulage und 184 € Kinderzulage für 2 Kinder.
Lohnt sich für meinen Mann überhaupt einen Vertrag zu haben, weil er mehr Gebühren dafür zahlt, als er Zulagen bekommt?
Wäre es nicht sinnvoller, wenn ich freiwillig meine Rentenversicherung von 4,9% von 400€ (19,60€) bezahle und somit selber unmittelbar zulageberechtigt wäre?
Dann steht als Ergebnis Ihres Förderrechners Riester-Rente das, wenn ich 260 € einzahle meine Förderquote bei 100 % liegt.
Da ich so genau Bescheid weiß, könnten Sie mir bitte einen Tipp geben ob unsere Verträge sinnvoll abgeschlossen sind.

Vielen Vielen Dank erstmal (ich hoffe ich hahe mich verständlich ausgedrückt)
Jana

von
Bernhard

Sie liegen völlig richtig mit der Annahme, dass bei Riester-Verträgen die Kosten ein sehr wichtiges Kriterium für die Rendite sind, denn gerade in diesem Bereich sind die Kosten im Vergleich zu anderen kapitalbildenden Versicherungen oder Kapitalanlagen sehr hoch.

Aus der Tatsache, dass Sie im Gegensatz zu Ihrem Mann die vollen (nicht nur anteiligen wie er) Zulagen bekommen haben, und überhaupt einen Sockelbetrag (anstatt nichts) einzahlen mussten, schließe ich, dass Sie direkt förderberechtigt sind, und zwar wahrscheinlich aufgrund der Kindererziehungszeiten für Ihre beiden Kinder.

Wann (Monat/Jahr) wurden die Kinder geboren?

Erst nach Ablauf der Kindererziehungszeit sind Sie nicht mehr automatisch pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung, und dann wäre es in der Tat möglich, durch Aufstocken der Beiträge aus dem Minijob wieder eine direkte Förderberechtigung zu erhalten.

Die Förderquote bei Ihrem Mann ist dann wirklich nicht mehr aufregend, da die Zulage bei einem so hohen Einkommen im Promillebereich liegt und sich aufgrund der familiären Situation auch keine hohe Steuerersparnis ergibt.

von Experte/in Experten-Antwort

Die volle Zulage wird nur dann gewährt, wenn sichder Zulagenberechtigte mit einem Eigenbeitrag beteiligt.

Dieser beträgt einen gewissen Prozentsatz des Vorjahreseinkommens ( 2004/2005: 2%, 2006/2007: 3%, ab 2008: 4%).

Von diesem Beitrag kann man die Förderung abziehen und erhält so den zu zahlenden Mindesteigenbeitrag. Wenn der Ehegatte einen sog. "Huckepack"-Vertrag besitzt, d.h. in eigener Person nicht die Fördervoraussetzungen erfüllt (z.B. nicht versicherungspflichtig beschäftigt ist), kann man zusätzlich noch die Grundzulage des Ehegatten und ggf. weitere Kinderzulagen abziehen.

Hier in diesem Fall:

Beitragsjahr 2006

Vorjahreseinkommen 2005 ca. 35.000 EUR

Beitrag (3 % von 35.000): ca. 1050 EUR

abzügl. 2 Grundzulagen (2006) : 2 x 114 EUR = 228 EUR
abzügl. 2 Kinderzulagen (2006): 2 x 138 EUR = 276 EUR

Mindesteigenbeitrag somit: 1050 - 228 - 276 = 546 EUR

Es ist dabei unerheblich, ob der nicht direkt zulagenberechtigte Ehegatte einen Beitrag leistet oder nicht.

Falls der Mindesteigenbeitrag unterschritten wird, wird auch die Zulage entsprechend gekürzt.

z.B. zahlt man nur 75% des Mindesteigenbeitrages, so erhält man auch nur 75% der Förderung.

Hat man über den Anbieter der Riesterrente einen Dauerzulagenantrag gestellt, ist es wichtig, diesem rechtzeitig (d.h. spätstens bis Ende des Beitragsjahres) das Vorjahresentgelt zu melden, da ansonsten der bisher eingezogene Beitrag beibehalten wird.

Grundsätzlich ist eine Risterrente alleine schon durch die gewährten staatlichen Zulagen attraktiv. Wenn man seinen Mitteilungspflichten gegenüber dem Anbieter nachkommt wird sowohl der Beitrag, als auch die Zulage rechtzeitig angepasst.

Im Übrigen ist auf den Beitrag von Bernhard hinzuweisen.

von
Jana

Vielen Dank für die schnelle Rückmeldung!!!
Ich bin schon lange raus aus der Kindererziehungszeit. Meine Kinder sind Juli 1995 und Okt.1997 geboren.
Was würden Sie uns jetzt konkret raten , die höchstmögliche lohnende Förderung zu bekommen?
-Meinen Rentenversicherung aufstocken (d.h. 19,60 € von meinem minijob aufstocken für die Rentenversicherung)
-den Vertrag meines Mannes kündigen oder Ruhen lassen? Hat das Auswirkungen auf meine Förderung? Oder bekomme ich trotzdem die volle Kinderzulage und meine Grundzulage?

Beträgt eigendlich der Beirag ab 2008 dann immer 4% vom Bruttoeinkommen?
Bringt es eigendlich einen Steuervorteil wenn ich die Riester Verträge bei der Steuererklärung angebe? Oder bin ich dazu verpflichtet?
Vielen vielen dank nochmal
Jana

von Experte/in Experten-Antwort

Wenn Sie Ihren Minijob aufstocken, werden Sie selbst unmittelbar zulagenberechtigt und müssen dann zumindest den Sockelbetrag von 60 EUR zahlen um die volle Förderung zu erhalten.

Ein Ruhen, bzw. Stornieren des Vertrages des Ehegatten sollte unter folgenden Gesichtspunkten betrachtet werden:

- wenn Sie den Vertrag des Ehemannes nunmehr förerungskonform besparen, wie sieht dann die Ablaufleistung aus?
- haben Sie die Möglichkeit die beim Ruhen, bzw. nach der Stornierung eingesparten Beträge andernorts rentabler
anzulegen ?
(hier ist besonders auf die Rentabilität durch die gezahlten Zulagen zu achten)
- bei einer Stornierung des Vertrages ist auch besonders darauf zu achten, dass die Förderung zurückgezahlt werden muss

Eine Riesterrente ist aufgrund der staatlichen Förderung rentabler als eine private nicht geförderte Anlage mit gleichem Zinssatz, da man selbst keine so hohen Eigenmittel aufwenden muss (siehe vorangegangenen Beitrag).

Es ist daher grundsätzlich von einer Stornierung abzuraten. Ein Ruhen käme in Betracht, es ist jedoch anzuraten hierzu vorher eine persönliche Beratung mit dem Anbieter zu suchen.

Dann wäre für Ihren eigenen Vertrag jedoch erforderlich, dass Sie zumindest den Minijob aufstocken und somit selbst zum unmittelbar zulagenberechtigten Personenkreis gehören (Sockelbetrag dann erforderlich). Ansonsten würde es dazu führen, dass Sie ebenfalls den Anspruch auf Förderung verlieren.

Wie bereits ausgeführt, ist es bei den sog. "Huckepack"-Verträgen nicht erforderlich, dass der Huckepack-Vertrag aus eigenen Mitteln bespart wird, er kann auch als reiner Zulagenvertrag geführt werden.

Ab 2008 bleibt es bei einer erforderlichen Sparleistung von 4% des Bruttovorjahreseinkommens um die volle Förderung zu erhalten.

Es kommt bei Riesterrenten ein zusätzlicher Sonderausgabenabzug nach § 10a Abs. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) in Betracht. Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer wird diese Prüfung von Amts wegen durch die Finanzämter vorgenommen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der Steuerpflichtige den zusätzlichen Sonderausgabenabzug im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung mit der Anlage AV beantragt und die vom Riesterrentenanbieter automatisch übersandte Bescheinigung beigefügt hat.