Riester-Rente für minderjährige

von
Egemen

Sehr geehrte Experte,
sehr geehrte ForumteilnehmerIn,

mein Sohn ist 9 Jahre alt (Jahrgang 1998) und ist Schüler der Grundschule (4. Klasse).

Aufgrund seiner Talent und sozialer Engagement mit Altersgenossen in einem gemeinnützigen Einrichtung wurde uns als Eltern vorgeschlagen, unsere Einverständnis für eine geringfügige Beschäftigung von wöchentlich 4 Std. zu erteilen, welche wir auch gerne getan haben. Er wurde ab Oktober 2007 durch die Einrichtung bei der Minijob-Zentrale als geringfügig Beschäftigte angemeldet. Es wurde mit dem Einrichtung vereinbart, für ihn Pflichtbeiträge an Rentenversicherungsträger zu leisten.

Meine Frage:

Kann für mein Sohn ein eigene Riester-Vertrag aufgrund dieser versicherungspflichtige Beschäftigung abgeschlossen werden ?

(Ein Riester-Anbieter teilte mit, dass Riesterverträge erst ab 14. Lebensjahr abgeschlossen werden).

Im Voraus vielen Dank für die nützliche Hinweise!

Egemen

von
z

??

Also, dass jemand mit neun Jahren eine geringfügige Beschäftigung ausübt, bei der Pauschalbeiträge zur Rentenversicherung gezahlt werden, kann ich mir nicht vorstellen. Soweit ich weiß, dürfen unter-14 (13?)-jährige in Deutschland nicht arbeiten/ haben keine Lohnsteuerkarte.

Das entsprechende Gesetz habe ich allerdings nicht zur Hand.

Experten-Antwort

Es ist in der Tat erstaunlich, dass ein 9 jähriger Schüler einer beschäftigung nachgeht.

Abgesehen davon, dass bis zu einem vorstellbaren Beginn einer Altersrente noch mehr als 50 Jahre vergehen und sich das Erfordernis für zusätzliche AV im regelfall erst dann stellen sollte, wenn bereits Grundzüge der späteren Lebensplanung feststehen, schließe ich mich den Ausführungen von user z an.

In diesem Sinne....

MfG

von
Ruth

Gesetz zum Schutz der arbeitenden Jugend (Jugendarbeitsschutzgesetz - JArbSchG)

§ 2 Kind, Jugendlicher

(1) Kind im Sinne dieses Gesetzes ist, wer noch nicht 15 Jahre alt ist.

§ 5 Verbot der Beschäftigung von Kindern

(1) Die Beschäftigung von Kindern (§ 2 Abs. 1) ist verboten.

(2) Das Verbot des Absatzes 1 gilt nicht für die Beschäftigung von Kindern

1. zum Zwecke der Beschäftigungs- und Arbeitstherapie,
2. im Rahmen des Betriebspraktikums während der Vollzeitschulpflicht,
3. in Erfüllung einer richterlichen Weisung.

(3) Das Verbot des Absatzes 1 gilt ferner nicht für die Beschäftigung von Kindern über 13 Jahre mit Einwilligung des Personensorgeberechtigten, soweit die Beschäftigung leicht und für Kinder geeignet ist. Die Beschäftigung ist leicht, wenn sie auf Grund ihrer Beschaffenheit und der besonderen Bedingungen, unter denen sie ausgeführt wird,

1. die Sicherheit, Gesundheit und Entwicklung der Kinder,
2. ihren Schulbesuch, ihre Beteiligung an Maßnahmen zur Berufswahlvorbereitung oder Berufsausbildung, die von der zuständigen Stelle anerkannt sind, und
3. ihre Fähigkeit, dem Unterricht mit Nutzen zu folgen,

nicht nachteilig beeinflußt. Die Kinder dürfen nicht mehr als zwei Stunden täglich, in landwirtschaftlichen Familienbetrieben nicht mehr als drei Stunden täglich, nicht zwischen 18 und 8 Uhr, nicht vor dem Schulunterricht und nicht während des Schulunterrichts beschäftigt werden. Auf die Beschäftigung finden die §§ 15 bis 31 entsprechende Anwendung.

(4) Das Verbot des Absatzes 1 gilt ferner nicht für die Beschäftigung von Jugendlichen (§ 2 Abs. 3) während der Schulferien für höchstens vier Wochen im Kalenderjahr. Auf die Beschäftigung finden die §§ 8 bis 31 entsprechende Anwendung.

(4a) Die Bundesregierung hat durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates die Beschäftigung nach Absatz 3 näher zu bestimmen.

(4b) Der Arbeitgeber unterrichtet die Personensorgeberechtigten der von ihm beschäftigten Kinder über mögliche Gefahren sowie über alle zu ihrer Sicherheit und ihrem Gesundheitsschutz getroffenen Maßnahmen.

(5) Für Veranstaltungen kann die Aufsichtsbehörde Ausnahmen gemäß § 6 bewilligen.

Zulagenberechtigter Personenkreis (§ 79 Einkommenssteuergesetz)

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/nn_10990/SharedDocs/de/Inhalt/02__Rente/05__riester__rente/02__sie___20moechten___20vorsorgen/voraussetzungen/zulagenberechtigter__personenkreis.html

www.deutsche-rentenversicherung.de > Rente > Riester-Rente > Sie möchten vorsorgen > Voraussetzungen

Gruß, Ruth

von
Egemen

Die bisherigen Ausführungen kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich erlaube mir, folgende Beiträge hier wiederzugeben mit der Bitte um Klarstellung:

http://www.ihre-vorsorge.de/Expertenforum-Thema.html?id=68312&dekade=1
EM-Rente mit 13?
Beitrag von Lena, 28.09.2007, 21:39 Uhr

Ich habe in meinem Bekanntenkreis ein achtjähriges Mädchen, welches voraussichtlich regelmäßig und gegen Entgelt (und selbstverständlich unter Beachtung der entsprechenden Arbeitschutz- und -zeitbestimmungen) in einem Theater als Statistin geringfügig beschäftigt sein wird.

Wenn sie von der Möglichkeit, auf die Versicherungsfreiheit zu verzichten und durch die Zahlung von Aufstockungsbeiträgen Pflichtbeiträge zu erwerben, Gebrauch machen würde, hätte sie dann bei ununterbrochener Zahlung von 60 solcher Beiträgen mit 13 Jahren einen Anspruch auf eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit?

RE: EM-Rente mit 13?
Beitrag von Unbekannt, 28.09.2007, 22:38 Uhr

Hallo,

die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungte sind:

1. 60 Monate an Pflichtbeitragszeiten (geringfügige Beschäftigung mit Aufstockungen zählen dazu)

2. In den letzten 5 Jahren vor Eintritt des medizinischen Leistungsfall mindestens 3 Jahre an Pflichtbeitragszeiten (gringfügige Beschäftigung zählt auch hier mit).

Das Alter spielt keine Rolle.

Wenn sie das 60 Monate durchzieht, hat sie den Schutz.

RE: RE: EM-Rente mit 13?
Beitrag von Kinderreha, 28.09.2007, 22:44 Uhr

Ich kenne nicht die Intention Ihrer Anfrage, will aber nur anmerken, dass die junge Dame wohl erst mal in Kinder-Reha geschickt werden würde. Kaum bekannt, aber wahr: Auch Kinder haben Anspruch auf Reha. Hoffe allerdings, der Nachwuchs-Schauspielerin (?) wird es weiter gut gehen...

Zusatzfrage
Beitrag von Egemen, 29.09.2007, 16:55 Uhr

Darf ein Kind im Alter von 9 bzw. 10 Jahre im Rahmen einer geringfügige Beschäftigung arbeits- und sozialrechtlich beschäftigt werden ?

Treten die Regelungen gegen "Kinderarbeit" in solchen Fällen nicht ein ?

Gruß
Egemen

RE: Zusatzfrage
Beitrag von no name, 01.10.2007, 6:48 Uhr

Geringfügige Beschäftigungen dürfen meines Wissens erst ab dem vollendeten 13. Lebensjahr ausgeübt werden.

RE: EM-Rente mit 13?
Beitrag von Expertin, 02.10.2007, 10:43 Uhr

Grundsätzlich kann jede Person eine geringfügige Beschäftigung unter Beachtung aller sonstigen Bestimmungen (hier: Jugendarbeitsschutzgesetz) ausüben. Somit gibt es auch keine Beschränkung hinsichtlich der Aufstockung der Beiträge.

Wird also auf die Versicherungsfreiheit verzichtet und werden deshalb Pflichtbeiträge gezahlt, können mit diesen Pflichtbeiträgen auch die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen (allgemeine Wartezeit von 5 Jahren und 36 Monate mit Pflichtbeiträgen in den letzten 5 Jahren) für eine Rente wegen teilweiser bzw. voller Erwerbsminderung erfüllt werden.

Experten-Antwort

Ich kann nur an die Aussage meiner Kollegin knüpfen:

Grundsätzlich kann jede Person eine geringfügige Beschäftigung unter Beachtung aller sonstigen Bestimmungen (hier: Jugendarbeitsschutzgesetz) ausüben. Somit gibt es auch keine Beschränkung hinsichtlich der Aufstockung der Beiträge.

Wird also auf die Versicherungsfreiheit verzichtet und werden deshalb Pflichtbeiträge gezahlt, können mit diesen Pflichtbeiträgen auch die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen (allgemeine Wartezeit von 5 Jahren und 36 Monate mit Pflichtbeiträgen in den letzten 5 Jahren) für eine Rente wegen teilweiser bzw. voller Erwerbsminderung erfüllt werden.

von
Amadé

Vom Prinzip her liegen Sie ja richtig. In der Praxis scheint die Angelegnheit jedoch anders auszusehen.

Ich habe bei einigen Anbietern online eine Probeberechnung gemacht und festgestellt, das bei der Eingabe des fiktiven Geburtsdatums 01.02.1998 eine weitere Berechnung "verweigert" worden ist.

Versuchen Sie es mal:

http://www.asstel.de/asstel/de/basis/vers/rv/rie/tr_rie/verteiler_tr_rie.jsp?IM=ASSTEL&wctrlteaser=rrh_txttr

Sollten Sie mit Ihren Bemühungen mehr Erfolg haben als ich und einen Anbieter finden, der bereit ist einen Vertrag anzubieten, achten Sie aber unbedingt darauf, dass das Riester-Produkt keine bis höchstens geringe Verwaltungskosten verschlingt.
Was helfen all die wunderschönen Zulagen, wenn diese bei längerem Aussetzen der Tätigkeit, von den Kosten dann wieder "aufgefressen" werden

von
Egemen

Sehr geehrte Herr Experte,

durch bisherigen und widersprüchlichen Ausführungen bin ich durcheinander geraten und sehe mich deshalb gezwungen, meine Fragen etwas klares zu formulieren:

1. Kann und darf ein 9-jähriges Kind eine unter Beachtung aller geseztliche Bestimmungen (hier: Jugendarbeitsschutz, et.) geringfügige Beschäftigung mit Pflichtbeiträgen ausüben ?

2. Kann und darf ein 9-jähriges Kind aufgrund der geringfügige Beschäftigung mit Pflichtbeiträgen ein Riester-Produkt in Anspruch nehmen ?

Die bisherige Ausführungen von "z"/"Experte" und "Ruth" reichen leider kaum aus, hierüber ein klare und verständliche Informationen zu erhalten.

Ich würde mich über die Richtigstellung des o.g. Sachverhaltes sehr freuen und verbleibe

mit herzlichem Gruß
Egemen

von
Amadé

In den Zertifizierungskriterien kann ich keinen Passus finden, der ein Mindestalter des Arbeitnehmers verlangt.

http://www.riester-rente-online.net/kriterien/

Fragen Sie doch mal bei der BaFin nach.

http://www.bafin.de/cgi-bin/bafin.pl

http://www.bafin.de/zertifizierung/hinweis.html

von
Amadé

Von einem 9-jährigen Kind wird man nicht erwarten können, dass es die versicherungspflichtige Beschäftigung kontinuierlich bis zum Rentenbeginn durchhält. Aufgrund der schulischen Ausbildung(en) werden über kurz oder lang vermutlich längere Beschäftigungspausen eingelegt werden müssen.

Die Gier nach den vermeintlichen Geschenken des Staates sollte jedoch nun nicht dazu führen, dass in dieser besonderen Fallkonstellation ein vollkommen unwirtschaftlicher Vertrag abgeschlossen wird. Auf die folgenden Ausführungen hinsichtlich der Kosten eines Vertrages wird insoweit hingewiesen:

http://www.zeit.de/online/2006/48/finanztest-riester-rente-tipps

http://www.zeit.de/online/2006/48/finanztest-riester-rente

Das oben ausgeführte gehört meines Erachtens nach zu einer soliden Beratung mit dazu.

Nun zu meiner Frage:

Sind Riester-Anbieter verpflichtet, mit einem 9-jährigem Kind bzw. dessen gesetzlichen Vertreter einen Vertrag abzuschliessen?

Experten-Antwort

Zur Pflicht müßten Sie schon die einzelnen Anbieter befragen; aus den Bestimmungen geht diesbezüglich nichts hervor.
Zu den Bedenken teile ich Ihre Meinung!

von
Amadé

Herzlichen Dank für Ihre Stellungnahme. Sehe das genau so.

Es grüsst Sie

Amadé