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Riester-Vertrag

von
Kaffeepause

Liebes Forum,

eine Riester-Rente lohne sich nicht, sagte ein Kollege. Doch seine Argumente waren für mich nicht überzeugend (Besteuerung der Rente, zu geringe Renditekraft, weil zu viel Geld für Anlagesicherheit verwendet wird). Er sagte aber auch, dass man ihm hier im Forum weitere Nachteile genannt habe, an die er sich nicht erinnern könne. Deswegen explizit meine Frage: Welche Nachteile gibt es noch?

von
Schade

nutzen Sie Ihre nächste &#34;Kaffeepause&#34; um in der Suchfunktion dieses Forums unter Riesterrente nachzulesen, da finden Sie hunderte von Meinungen.

Letztendlich müssen aber Sie entscheiden, ob es für Sie lohnt oder nicht.

von
Riester-Fan

Ihre Frage ist ein gefundenes Fressen für die User &#34;Maria L.&#34; und &#34;Amadé&#34;, die sich schon bald mit größter Freude daran machen werden, an der &#34;Riester-Rente&#34; kein gutes Haar zu lassen. (Z.B. die eventuelle Anrechnung derselben auf steuerfinanzierte staatliche Fürsogeleistungen, falls die eigene Altersrente nicht ausreicht.) WAS FÜR EIN SKANDAL ABER AUCH!

Ich bin allerdings sehr zufrieden mit meinem &#34;Riester-Vertrag&#34;, auch wenn es lukrativere Anlageformen geben sollte!

von
Schiko.

Freue mich über ihre anmer-
kungen.
Hoffe aber, deswegen brau-
chen wir keine extra verbindung zueinander.

MfG.

von
Maria L.

Hallo Kaffeepause,

machen Sie doch mal ein paar Angaben zu Ihrer Person: wie viele Jahre haben Sie noch Zeit bis zur Rente, sind Sie Single oder verheiratet, mit oder ohne Kinder, eher Gering-, Mittel- oder Gutverdiener? Haben Sie große Angst vor Langzeitarbeitslosigkeit - oder haben Sie eher einen sicheren Job? An was für einen Riester-Vertrag hatten Sie bisher gedacht? Abschluß bei einer Bank, Versicherung oder Fondsgesellschaft? Mit oder ohne Aktienfonds? Haben Sie Angst vor der Börse?

Ich halte die Riester-Rente generell für unwirtschaftlich - mit vielleicht einigen wenigen Ausnahmefällen, es gibt aber deutliche Unterschiede je nach Art des Vertrags.

Wenn für mich ersichtlich wird, daß Sie ein starkes Interesse an einer ausführlichen Aufklärung haben, würde ich mir die Zeit nehmen, Ihnen ausführlich zu antworten (allerdings vermutlich erst Sonntag oder Montag).

Über die Suchfunktion können Sie, wie von Schade beschrieben, vorab auch fündig werden.

Der größte Renditekiller ist die vom Gesetzgeber so hochgelobte Beitragserhaltungsgarantie. Dazu kommt die unwirtschaftliche Verrentung des Kapitals - Rentenversicherungen lohnen sich generell nur für jemanden mit einer besonders langen Lebenserwartung. Weitere Stichpunkte:

- schädliche Verwendung (Rückzahlung der gesamten Förderung, wenn Sie ins Ausland ziehen, wenn Sie den Vertrag kündigen oder wenn Sie sterben).
- hohe Abschluß- und Verwaltungskosten (insb. bei Versicherungen)
- geringe Erträge (insb. bei Versicherungen, aber auch bei allen anderen Verträgen wegen der Beitragserhaltungsgarantie)
- hohes politisches Änderungsrisiko (heute sind die Betriebsrentner bei Entgeltumwandlung die Gelackmeierten, die unerwartet doppelte KV-/PV-Beiträge zahlen müssen, morgen sind es vielleicht die Riester-Rentner)
- Bindung an die Ertragskraft nur eines Unternehmens, dadurch fehlende Risikostreuung
- es gibt entweder Zulagen oder Steuerstundung, für letzteren Fall gibt es KEINE GESCHENKE des Staates

Gruß,
Maria L.

von
Kaffeepause

Dank Euch allen!

Ich sehe, es gibt hier 2 Denkschulen. Danke besonders an Maria, der ich aber folgende Anmerkungen zukommen lassen will:

Sie schreiben: &#34;schädliche Verwendung (Rückzahlung der gesamten Förderung, wenn Sie ins Ausland ziehen, wenn Sie den Vertrag kündigen oder wenn Sie sterben).&#34; MEINE ANMERKUNG: Kündigen = stimmt, Ausland = stimmt nicht ganz: wenn ich im Alter in die Toskana flüchte zahle ich 15% der Förderung zurück - das ist weniger als ich wahrscheinlich im Alter an Steuern zahlen muss (nur dass ich im Ausland keine Steuern nach Deutschland zahlen muss). Sterben = stimmt, aber da kann meine Frau sich ja meinen Vertrag unter den Nagel reißen (Förderung bleibt erhalten)

Sie schreiben: &#34;geringe Erträge&#34;. Stimmt, aber ist das nicht so bei allen sicheren Produkten?

Sonst haben Sie natürlich in vielen Punkten Recht - und eine Versicherung kommt mit - jedenfalls mit Riester-Stempel - nicht ins Haus.

Schönes Wochenende.

Sie schreiben: &#34;hohes politisches Änderungsrisiko&#34;. Stimmt, aber das habe ich ja überall - selbst bei Fonds (siehe Abgeltungssteuer)

von
Maria L.

Hallo Kaffeepause,

Sie haben sich recht gut informiert.

Ich vermute mal, daß Sie einen Riester-Fondssparplan abgeschlossen haben (oder abschließen wollen), da haben Sie sich das geringste Übel ausgesucht.

Schädliche Verwendung und Toskana: ich wäre vorsichtig bei dem Versuch, dem deutschen Finanzminister ein Schnippchen zu schlagen. Zurückgezahlt werden muß die gesamte Förderung aus Zulagen und Steuerförderung und zusätzlich versucht das Finanzamt, mit einer Besteuerung der fiktiven Steuerförderung (die Sie aber zurückzahlen müssen) auch alle Erträge einzukassieren, die Sie über die Jahre mit Hilfe dieser Förderung erzielt haben. Letzterer Punkt ist völlig unbekannt, ich habe ihn aus folgendem Dokument erschlossen:

http://www.ifl-online.de/service/bmf_05-08-2002.pdf

Sehen Sie sich das Rechenbeispiel auf S. 38ff an.

Bei Verzug ins Ausland wird die Rückzahlung gestundet und ist mit 15% des Rentenbetrags zurückzuzahlen, bis die Schuld getilgt ist. Ich wäre mir da nicht so sicher, ob es bei zukünftig vielleicht vielen Toskana-Riester-Rentnern nicht zu einer Anhebung dieses Satzes kommt.

Die Ehegatten- und Hinterbliebenenregelungen sind so wahnsinnig kompliziert (typisch deutsch), daß ich sie mir im Detail nicht reinziehen will. Sie haben insoweit recht, daß ein Ehepartner die Förderung auf einen eigenen Riester-Vertrag übernehmen kann (sofern zum Zeitpunkt Ihres Todes ein überlebender Ehepartner vorhanden ist). Bei der Übertragung der Ansprüche fallen vermutlich Kosten an. Bei Tod während des Rentenbezugs geht der Ehepartner aber meines Wissens leer aus - es sei denn, es wurden renditeschädliche Garantiezeiten vereinbart (die sind aber dann fix und reichen nicht unbedingt bis zum Tod des Ehepartners - und evt. Erben gehen leer aus).

Geringe Erträge und &#34;sichere&#34; Produkte. Der für mich ausschlaggebende Punkt ist, daß ich überzeugt bin, bei Ansparung nur des Eigenbeitrags bei hoher Sicherheit höhere Erträge zu erzielen, als mit allen staatlichen Fördervarianten möglich ist (durch freies Ratensparen in Aktienfonds über mind. 20 Jahre) - und das trotz Abgeltungssteuer.

Was gemeinhin als &#34;sicher&#34; gilt, ist doch oft gar nicht sicher. Die Beitragserhaltungsgarantie z.B. sichert die NOMINALE Rückzahlung der Eigenbeiträge und Zulagen. Was habe ich davon, wenn das vielleicht nur ein Drittel oder weniger der ursprünglichen Kaufkraft beinhaltet? Inflationssicherheit erreiche ich nur mit Beteiligungspapieren, nicht mit Forderungspapieren aller Art, wozu auch die beitragsgesicherten Rücklagen gehören (bei Riester-Fondssparplänen wird das wohl meist über Rentenfonds abgedeckt).

Politisches Änderungsrisiko: ich halte das bei allen staatlich geförderten Produkten für weitaus höher als bei freiem Kapital. Der Grund ist einfach: freies Kapital ist eben frei und schneller ins Ausland zu bringen als in Verträgen gebundenes Kapital. Um verstärkte Kapitalflucht zu vermeiden, wird kein Finanzminister hier so gnadenlos zuschlagen können wie beispielsweise 2004 bei den Betriebsrentnern.

Lesen Sie sicherheitshalber noch diesen Beitrag und den zugehörigen Thread:

http://www.ihre-vorsorge.de/Expertenforum-Thema.html?id=85869&#38;dekade=1

Gruß,
Maria L.