Riester-warum?

von
Walter

Habe Riesterrente,26J. verh. 1 Kind. Werde jetzt diesen Vertrag wieder kündigen. Warum? Vor diesem Vertrag hat uns das Geld gerade so gereicht,jetzt noch weniger.Ohne Urlaub usw. aber wir sollen ja für das Alter vorsorgen. Jetzt kenn ich erst unsere Gesetze. Ein Bekannter gleiche Lage wie wir,Frau und Kind,bekommt mit Hartz 4 ca. genau das gleiche Geld vom Staat wie ich verdiene. Das kann nicht war sein,nur ein Beispiel. Wir Rauchen nicht könnten es uns gar nicht leisten. Das andere Ehepaar kauft seine Zigaretten von den Steuern die ich bezahle. Ich finde das so toll, das ich meinen Riestervertrag kündige. Der Staat macht immer mehr Milliarden Schulden. Ich habe bestimmt im Alter auch nicht mehr Geld,wie Die wo nie arbeiten. Das zu Riester,viele Kollegen denken auch so. Niemand glaubt das unser System noch 40 J. hält. Was sagen Sie dazu. Danke

von
Schiko.,

Sicher kennen Sie den Spruch " Jeder soll nach seiner Fasson selig werden"

Hoffe, Sie wissen ,dies meine ich nicht böse. Es trifft auch zu, mancher Hartz
Bezieher hat am Schluss mehr in der Tasche als der Arbeitende. Es gibt aber
auch viele umgekehrte Beispiele, maßgebend ist der monatliche Verdienst.
Da helfen 8 Euro Mindestlohn nicht weiter.

Eines weiß ich aber sicher, gerade bei Hartz IV wird oft gelogen dass sich
die Balken biegen. Deshalb auch hier ein Musterbeispiel, dies muss nicht
immer so sein:

351 Regelsatz
316 Ehefrau ( 90 % )
211 Kind bis 14 Jahre
450 Miete
80 Heizung
1.408 minus
154 Kindergeld
1.254
Gehe mal davon aus, Sie verdienen 1680 Brutto bleiben Netto 1.335.18 übrig.

Dies bedeutet aber auch, auf das Jahr gerechnet sind es 20.160 Jahresbrutto
und deshalb mit 4% 806,,40 Riesterbeitrag.
Gehe davon aus, auch Ihre Frau hat einen Vertrag abgeschlossen damit die 154
Grundzulage nicht verloren sind. Als unmittelbare Zulagenberechtigte zahlt
die Frau hierfür keinen Cent.

Der eigene Beitrag ermäßigt sich durch 154, 154, und 185 Zulagen auf jähr-
lich 313,40 Eigenleistung im Jahr. Kommt noch ein Zuwachs hinzu
sind dies noch mal 300 Kinderzulage.

So ganz nebenbei, bei angenommen 20,160 Jahresverdienst erhalten Sie nach
45 Jahren Beitragszeit 780 Bruttorente. Da tut eine Riesterrente gut.

Sowohl jährliche Rentenerhöhungen, aber auch Inflation ist hierbei nicht berücksichtigt.
Blicken Sie in die Zukunft und lassen Sie sich nicht von Dummschwätzer
aus der Ruhe bringen, lösen Sie den Vertrag nicht auf.

Mit freundlichen Grüßen.

von
-_-

Den Vertrag jetzt aufzulösen macht wenig Sinn. Nach Abzug von Provisionen und Verwaltungskosten bleibt da nicht viel übrig. Erkundigen Sie sich vorher beim Anbieter schriftlich, was Sie bei einer derzeitigen Kündigung heraus bekämen. So etwas muss man sich eigentlich vorher überlegen, vor dem Vertragsabschluss.

Was Sie jetzt machen wollen, ist etwa so, als würde jemand seinen Hausstand auf einen Möbelwagen packen, seine alte Wohnung verlassen und dann mit dem Möbelwagen zur Wohnungsbesichtigung herumfahren. Irgend wie falsch herum, oder?

von
Koulchen

Kündigen würde ich den Vertrag auch auf keinen Fall, höchstens beitragsfrei stellen. Mit einer Kündigung wird der Vertrag zu einem üblen Verlustgeschäft, weil die Provisions- und Abschlußkosten meines Wissens immer noch am Anfang anfallen (gezillmerte Tarife) und nicht auf die gesamte Laufzeit verteilt werden.

Was einen aber wirklich ärgern kann, ist die Tatsache, daß die Riesterrente später im Fall der Fälle auf die Grundsicherung angerechnet wird. Die, die sich - wie die beschriebene Hartz IV-Familie - um rein gar nichts kümmern, bekämen im Alter die komplette Grundsicherung vom Staat, ein braver Riesterer aber nur bis zu dem Betrag, ab dem die Riesterrente die Differenz zum Grundsicherungsbetrag aufstockt. Wer damit rechnen kann, später eine brauchbare Altersrente zu erhalten, für den ist das natürlich kein Thema. Für riesternde Geringverdiener bedeutet das aber schon eine haarsträubende Ungerechtigkeit.

Und zuguterletzt muß man sich überlegen, ob ein Riestervertrag zu den persönlichen Lebensumständen paßt. Bei mir z.B. paßt weder Riester noch Rürup (der in meinem Fall auch möglich wäre), weil ich als Selbständige JETZT liquide sein muß und nicht erst im Alter. An das Geld aus einer privaten Versicherung kommt man im Notfall schnell ran.

Das Für und Wider muß jeder für sich selbst abwägen. Aber kündigen Sie den Riestervertrag nicht einfach vor lauter Wut - das ist zu teuer.

Gruß
Koulchen

von
-_-

"Was einen aber wirklich ärgern kann, ist die Tatsache, daß die Riesterrente später im Fall der Fälle auf die Grundsicherung angerechnet wird."

Das es angerechnet wir ist schon richtig. Das würde ich gerne später begründen.

Ärgerlich ist dagegen, dass die kommerzielle Assekuranz den Vertragspartner (Kunden) sowohl darüber, als auch über die immensen Abschluss- und Verwaltungskosten sowie die gezillmerten Tarife im Unklaren lässt.

Wenn Sie heute 400gr eines Lebensmittels einkaufen, muss der Kilopreis dabei stehen. Wenn Sie sich über Jahrzehnte vertragsmäßig binden, steht das Wichtigste irgendwo im ganz Kleingedruckten und der Versicherungsbetrüger, der nur seinen Vertrag an die Frau oder den Mann bringen will, erzählt noch etwas vom Pferd, wird aber niemals auf die etwa 10-fach höheren Kosten hinweisen, verglichen mit den Verwaltungskosten der Deutschen Rentenversicherung.

Die vorrangige Berücksichtigung eigenen Einkommens vor steuerfinanzierten staatlichen Leistungen ist Grundprinzip unseres Sozialsystems. Zu dem eigenen Einkommen gehört nicht nur die eigene gesetzliche Rente. Doch auch hier sind ggf. freiwillige Beiträge enthalten, die der Rentner allein aus eigener Tasche finanziert hat. Nicht anders ist es bei den Riesterrenten. Würde man das ändern und die Riesterrente würde auf die Grundsicherung noch dazukommen, wäre das nicht nur ein Systembruch, sondern würde auch gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes verstoßen. Man müsste dann alle eigenen Leistungen außen vor lassen, denn wer einen Banksparplan dem Riestern vorzieht, würde zu Recht die Gleichbehandlung einforden und Rentner mit freiwilliger Beitragsleistung, würden zu Recht verlangen, dass die Teile ihrer Rente unberücksichtigt blieben, die auf die freiwillige Beiträge entfallen.

Zudem würde eine derartige Bevorzugung der Riesterrente eine unzulässige Verzerrung des Wettbewerbs der Altersvorsorgesysteme hervorrufen und Anbieter alternativer Altersvorsorge benachteiligen.

Ergo: Man darf zwar Fernsehsendungen ansehen, sollte die dort aufgestellten Thesen aber nicht ganz unreflektiert übernehmen und die Anrechnung der Riesterrente ungerecht finden, wenn man sich über die Folgen einer eventuellen Nichtanrechnung kein paar eigene warme Gedanken gemacht hat. Das sollte man allerdings eigentlich auch von den "Machern" derartiger Sendungen verlangen können. Eigentlich!

von
Schiko.

Was soll,s Rürup ja,Riester ge-
eignet sind Sie doch gar nicht
oder ?

MfG.

von
Koulchen

Hallo Schiko,

doch, bin ich, da in der GRV pflichtversichert über die Künstlersozialkasse. Ich hätte also die freie Auswahl.

Gruß
Koulchen

von
Koulchen

Hallo -_- ,

ich verstehe Ihre Argumentation zur Anrechnung der Riesterrente und bin grundsätzlich schon der Meinung, daß Bedürftige auch ohne Riestervertrag später die Grundsicherung erhalten sollten, um Altersarmut zu vermeiden.

Allerdings ärgert mich - genau wie Walter, den Threadstarter - die zunehmende Versorgungsmentalität einiger Bevölkerungsgruppen. Ich spreche nicht von denen, die nicht arbeiten können, sondern von denen, die es könnten, aber nicht wollen, weil der Staat es ja schon richten wird. Daß es einen Riestersparer ärgert, falls er im Alter weniger vom Staat bekommt als jemand, der sich schon in jungen Jahren kräftig beim Staat, sprich: an den Steuern u.a. des fleißigen Riestersparers, bedient hat, dürfte nachvollziehbar sein.

In meinem unmittelbaren Bekanntenkreis gibt es sowohl Leute, die sich für einen Lohn knapp oberhalb des Existenzminimums den A**** aufreißen, als auch die Sorte, die sich (mit Ende 20, Anfang 30 und kerngesund) entspannt zurücklehnt und hofft, bloß nicht zu schnell eine Arbeitsstelle angedient zu bekommen. Die Haltung der Letzteren kann einen schon manchmal ziemlich sauer machen, auch wenn man sie sonst gut leiden kann. Das ist doch eine reine Selbstbedienungsmentalität ohne Rücksicht auf die Staatsfinanzen und das schon ziemlich stark schwankende Sozialversicherungssystem. Gutheißen kann man das beim besten Willen nicht.

Wie gesagt, es geht hier nicht um die, die nicht arbeiten können, weil sie krank sind oder trotz entsprechender Bemühungen keine Arbeit finden. Aber für die anderen darf es sich nicht lohnen, nicht zu arbeiten, sonst sieht es bald mehr als mau aus mit den Renten.

Viele Grüße
Koulchen

von
fragender

ich würde den vertrag auch kündigen! von der riester rente halte ich ebenfalls gar nix. man zahlt jahrzehnte ein und bekommt unterm strich eine zuschuss der gerade 100 euro erreicht. um solch ein rendite zu erzielen, kann ich mein geld besser privat anlegen. da bin ich auch flexibler bei den einzahlungen. wenn was über ist zahle ich mehr ein und wenn es mal eng wird eben weniger.
riester ist ein toller sparvertrag für unseren staat - mehr nicht.

von Experte/in Experten-Antwort

Das FÜR und WIEDER der Riesterrente will ich hier nicht kommentieren. Aber ich würde an Ihrer Stelle zunächst das Ruhen in Erwägung ziehen, bis es Ihnen evtl. finanziell besser geht!

von
Andere Frage

Wenn Ihnen vor dem Riestervertrag das Geld "gerade so gereicht hat", warum wundern sie sich dann, dass Ihnen das Geld jetzt auf einmal nicht mehr reicht ?

Also ich kenne das so :
Erst schau ich wieviel Geld ich zur Verfügung habe, DANN schließe mich einen Vertrag ab...

Und, warum sollte "unser System" keine 40 Jahre mehr halten ?
Wissen sie, wie lange es "unser System" schon gibt, und welche Krisen es schon überstanden hat ?
Welches "System" sollte das jetzt aktuelle ablösen ?
Was denken denn die Kollegen ?

von
Schiko.

Stimme Ihnen zu 100% zu.

Vor allem zu dem dritten Absatz.

MfG.

von
xxx

Bravo '-_-".
Endlich mal jemand der sagt wie es ist. Es sind einfach zu viele die meinen der Staat sei ja da.
Wer weiß wie lange "Hartz 4" bzw. Grundsicherung und andere Sozialleistungen noch in der heutigen Höhe bezahlt werden können. Immer mehr Mitbürger hängen am "Tropf", alle meinen sie hätten einen Anspruch darauf. Irgendwann werden immer mehr der heutigen "Leistungsträger" die Schnauze voll haben und diesem Land den Rücken kehren.