Rückwirkend volle EU ab AUBeginn

von
Merkur

Suche Leidensgenossen(das ist ernst gemeint)-gibt es hier jemanden, dem vielleicht gleiches widerfahren ist? Wäre froh wenn sich jemand meldet, dem auch nach eine volle EU rückwirkend an dem Tag der andauernden AU vergeben wurde? Oder bin ich da nur ein bedauerlicher Einzelfall mit ruinierter Existenz?
Danke für eine Rückmeldung.

von
dirk

Sie haben EU Rente beantragt und diese rückwirkend ab dem Tag der Krankschreibung erhalten.
Habe ich dies so richtig verstanden?

Dann wäre doch alles Bestens.

Meiner Meinung nach gibt es EU Rente ab dem Tag der Antragsstellung, wobei auch REHA Maßnahmen usw. bei Mißerfolg als Antragsstellung behandelt werden

von
KSC

und was ist daran so schlimm?

Wenn ich das richtig verstehe habe Sie Rente beantragt und die Rente wurde auch bewilligt - da ist doch alles bestens?
Und dass der Arzt den Eintritt der EM auf das Datum legt, ab welchem Sie arbeitsunfähig waren, ist auch kein Einzelschicksal.

Also etwas deutlicher müssen Sie schon werden und schildern, was problematisch ist, sonst kann Ihnen keiner helfen.

Ich vermute das Datum der EM liegt an einem Termin, an dem die Vorversicherungszeiten (noch) nicht reichen?

von
Merkur

Hallo,

problematisch ist die Tatsache, dass eine volle EU auf einen Zeitpunkt verfügt wurde, wo eben noch keine EM/EU vorlag.
Zu dem Zeitpunkt, wo die EM/EU vorlag(leider), waren die Vorversicherungszeiten erfüllt. Und die Frage der Vorversicherungszeiten sollte doch wohl nicht der Maßstab für die Feststellung sein, ob man EM/EU ist oder nicht - dies
bemisst sich doch wohl nach dem Ausmaß der gesundheitlichen Einschränkungen - oder sehe ich das falsch? Das Problem ist somit - zumindest für mich -
eine verfügte volle EU zu einem Zeitpunkt, wo lediglich AU vorlag und das hat für mich auch nichts mit Vorversicherungszeiten zu tun.
Ein Rentenantrag wurde übrigens auch erst viel später gestellt, erst Monate danach nachdem tatsächlich eine EM/EU vorlag.
Vielleicht sehe ich auch zu sehr die tatsächlichen Gegebenheiten und Fakten und fasse das daher nicht.
Vielleicht kann mir trotzdem noch jemand weiterhelfen, danke im voraus.
Grüße Merkur

von
dirk

"Der Beginn der, üblicherweise befristeten, Rentenzahlung ist sieben Monate, nach Eintritt des Ereignisses, das zur Behinderung geführt hat. Voraussetzung ist, dass der EU Rentenantrag fristgerecht, das heißt innerhalb der ersten sieben Monate nach Eintritt der Erwerbsminderung, eingeht. Wird der Antrag erst später gestellt, beginnt der Bezug der Rente mit dem ersten des Antragsmonats."

(hhttp://www.rententips.de/rententips/berufsunfaehigkeit/eu-rente/index.phpttp://www.rententips.de/rententips/berufsunfaehigkeit/eu-rente/index.php"

Das deckt sich mit meinem Wissen, dass eine Rente frühestens ab Beantragung dieser gezahlt wird.

Warum dies bei Ihnen anders ist ist unklar.
Nach AU ist doch erst mal 78 Wochen die KK zuständig.

Aber: welcher Nachteil ensteht Ihnen ??

von
KSC

und wieso sind Sie ruiniert? (davon sprachen Sie zumindest in Ihrer Ausgangsfrage)

von
Merkur

ruiniert deshalb, weil zum Zeitpunkt des Eintritts der EM/EU alle versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt waren, aber entgegen der tatsächlichen Sachlage eine volle EU rückwirkend auf den Zeitpunkt des Beginns der andauernden AU festgelegt wurde, wodurch eben nicht alle versicherungsrechtlichen Voraussetzungenmehr gegeben waren; Folge Arbeitsplatzverlust, keine Rentenzahlung trotz anhaltend voller EU, Keine Arbeitsmöglichkeit aus gesundheitlichen Gründen, keine Ansprüche an Arbeitsamt, inzwischen auch dort die Antwartschaften verloren, usw. usw. - soziale Vernichtungsmaschinerei könnte man das nennen.
Und jetzt?

von
???

Wann haben Sie denn den Rentenablehnungsbescheid erhalten? Haben Sie Widerspruch eingelegt? Oder Akteneinsicht beantragt? Was sagen Ihre behandelnden Ärzte zur Festlegung des Versicherungsfalles? Es ist auch möglich, einen Antrag auf Überprüfung der Entscheidung nach Ablauf der Rechtsmittelfrist zu stellen.

von
Merkur

der Widerspruch wurde ohne ein Eingehen auf die ausführliche Widerspruchsbegründung abgelehnt, es bleibt nur noch die Klage, die Fakten sind wie beschrieben, aber Recht haben und Recht kriegen.... und sozialmedizinische Gutachten in einem Rehaentlassbericht
können tatsächliche Gegebenheiten und Sachverhalte noch so abstrus darstellen, wenn es niemanden
interessiert und Gegendarstellungen und ärztliche Befunde ignoriert werden, dann hilft vielleicht nur noch ein Richter, falls der Betroffene bis dahin nicht völlig im Eimer und aufgerieben ist oder Keinen Anwalt bezahlen kann. So wird am Ende aus einem voll leistungsfähigen Menschen in leitender Position ein menschliches Wrack und eine
dauerhaft vernichtete Existenz.
Nicht das ich hier falsch verstanden werde, es sind einfach nur die nackten Tatsachen. Und mit jedem weiteren Tag reduzieren sich die Chancen einer Besserung gegen null.
Hat noch jemand einen Rat, ich weiß mir keinen mehr.
Danke

von
dirk

Jetzt wird klar um was es geht.

Erst mal brauchen Sie Einkommen: ALG2 steht Ihnen auf jeden Fall zu, es sei denn, sie haben Vermögen. Suchen Sie sich im Internet einen ALG2 Rechner und schauen Sie, was Ihnen zusteht, und beantragen Sie dies!

Das was Sie mit widerspruchsverfahren erleben ist leider kein Einzelfall. Die Mediziner der DRV nehmen leider nur das zu Kenntnis, was ihnen zur Ablehnung eines Anspruches nützt.

Um Endlosdiskussionen vorzubeugen: dies ist meine Erfahrung, über die ich berichte

Sie müssen schon das Sozialgericht bemühen. Dies ist für Sie als Betroffenen eine Ausnahmesituation, für Ihre Gegenseite nichts besonderes.

Zum Anwalt: holen Sie sich Hilfe bei einem Sozialverband, gegen niedrige Beiträge helfen die Ihnen. PKV ist ebenfalls möglich.

Unter http://www.sozialticker.com/forum/ finden >Sie viele Gerichtsurteile, die Ihnen helfen können. Dem ist ebenfalls ein Forum angeschlossen, wo es möglich ist persönlich in Verbindung zu treten.

Alles gute und viel Erfolg

von
KSC

da kann Ihnen kein Forumsteilnehmer helfen, weil keiner Einsicht in den konkreten Vorgang hat.

Entweder Sie und die Ärzte, die Sie unterstützen, schaffen es den Richter am SG davon zu überzeugen, dass Ihre Auffassung über den Leistungsfall zutreffend ist - dann erhalten Sie die Rente. Oder Sie schaffen das eben nicht und dann sind Sie bestenfalls ein Grundsicherungskandidat.

Es gibt halt Fälle in denen man nicht durch die RV abgesichert ist.

Bsp: ein Mensch war lange Jahre selbständig und nicht rentenversichert. Er ist ab 01.01.2005 wieder Arbeitnehmer.
Dann hat er erst ab Dezember 2007 wieder einen Versicherungsschutz.

Wird dieser Mensch (dummerweise) bereits im November 2007 erwerbsgemindert, hat er schlicht und einfach Pech.

Solche "Härten" gibt es immer dann, wenn Grenzwerte existieren.

Persönlich wünsche ich Ihnen alles Gute.

von
Merkur

Erst mal danke für die ausführliche Antwort und die guten Wünsche.
ALG2 gibts auch nicht, da verheiratet und damit dem Ehepartner zur Last fallend usw..
Der Richter wirds richten oder auch nicht.
Betriebswirtschaftlich gesehen, sind die roten Zahlen das was noch bleibt.
Ich kämpfe noch ein bißchen.
Gruß Merkur

von
Merkur

Hallo KSC,
ich gebe Ihnen völlig Recht, dass es immer Fristen usw. gebenb muß und sich danach die Sachlage entscheidet.Wo ich Ihnen allerdings nicht zustimmen kann, ist die Sache mit dem Pech, denn es geht hier nicht drum,Pech gehabt zu haben, sondern um eklatante Fehldarstellungen, nach denen einem voll leistungsfähigen Menschen über Nacht die volle erwerbsminderung rückwirkend verfügt wird. Erst dadurch wirds zum sogenannten
"Pech mit den Fristen mit weitreichenden weiteren Folgen, die nicht mehr revidierbar sind", und nicht eben deshalb, weil nach der tatsächlichen Lage und gesundheitlichen Entwicklung Zeiten fehlen. Bin mir auch bewußt, dass dies müssig ist im Einzelnen zu diskutieren.
Im gesunden Zustand wärs auch kein Problem ohne vorübergehende Absicherung durch DRV etc. zu leben, man könnte ja arbeiten - aber so
wirds zur unaufhaltsamen Existenzvernichtung.
Ich hätte halt gern mal gewußt, ob auch andere hier ähnliche Erfahrungen gemacht haben - danke für die Antwort.

von
dirk

Ich würde doch ,al den ALG2 Ansptuch prüfen, Mehrbedarfe wegen krankheit sind ebenfalls möglich
Merkzeichen G bringt z.B. 17 Prozent Mehrbedarf.
Und nicht von der "Arge" abwimmeln lassen.!

von
Merkur

Nochmals danke für die Antwort.
Unterm Strich bleibt dann wohl, dass Fehlgutachten und falsche Sachverhaltsdarstellungen hinzunehmen sind, weil keiner der verantwortlichen bereit ist seine Fehler zuzugeben und es zudem unter Kostengesichtspunkten auch gar nicht wünschenswert wäre wenn er es täte.
Gruß Merkur

von
dirk

NEIN es ist so nicht hinzunehmen!

Es gibt zu Gutachten und med. Stellungnahmen Mindestanforderungen. <Eine ist, diese müssen wahrheitsgemäß sein.
Leider prüft das niemand, bei Widersprüchen nutzt die DRV die ihr genehmen Teile (anstatt den Mist zu verwerfen und den Gutachter zur Verantwortung zu ziehen).

NEIN es ist so nicht hinzunehmen!

Manchmal bleibt nur der Klageweg.
Besonders krass ist dies bei Krankheiten, die nicht so sehr bekannt sind. Da wird dann schnell eine psychische Sache konstruiert die kein Arzt betätigt hat und aber damit Ansprüche abgewehrt. Oder, Diagnosen, die bis zu ihrer Sicherheit Jahre gebraucht haben und in Zusammenarbeit spezialisierter Fachärzte entstanden nach 10 minütiger Begutachtung ignoriert werden. Da sich somit den Begutachtern, und hier schließe ich den med. dienst der DRV ein, die Ursache der Leistungseinschränkung nicht erschließt, wird diese ebenfalls ignoriert.
Dieses lässt sich dann wirklich nur noch vor Gericht klären.
Schlimm aber wahr.

von
Merkur

Ja es ist schlimm und wahr, da gibt es Hochglanzbroschüren und heere Grundsätze zu Hauf, aber wenn sie nicht angewandt werden,spricht das für sich. Gutachten, die nicht mal die vorherige AU Dauer richtig wiedergeben, die ohne Grund und Berechtigung einem Menschen Monate rückwirkend die Erwerbsfähigkeit völlig absprechen und ihn dadurch nicht nur ins existenzielle Aus katapultieren, die darf man nicht hinnehmen. Die Krux ist nur, ein Kranker hat nicht die Kraft gegen solche Dinge in der Form vorzugehen, wie jemand der Top fit ist. Daher sind wohl auch die Chancen sehr gut, dass derartige Gutachten unangefochten bleiben. Und Unterlagen zudem
verschwinden, die die Berechtigung des Betroffenen, gegen das Gutachten vorzugehen untermauern würden. Traurig aber wahr.
Was kann man da noch tun, außer den Richter zu bemühen???

von
dirk

Es gibt wahrscheinlich keinen anderen Weg

Experten-Antwort

Die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen ( erforderliche Beitragszahlungen ) für den Anspruch auf eine Rente wegen Erwerbsminderung müssen im Zeitpunkt des Eintritts des Leistungsfalles vorgelegen haben. Im Falle einer Erwerbsminderungsrente beurteilt sich der Zeitpunkt des Leistungsfalls am Vorliegen medizinischer Gründe, die eine weitere Erwerbstätigkeit ausschließen. Diese Voraussetzungen werden regelmäßig nach Beantragung einer Rente im Rentenantragsverfahren geprüft.

Ihren Schilderungen zur Folge haben Sie bereits einen Widerspruchsbescheid erhalten, das heißt die Erstentscheidung wurde durch eine weitere Überprüfung im Widerspruchsverfahren als inhaltlich zutreffend bestätigt.

Ein Abhilfe war offensichtlich nicht möglich, so dass Sie sich nur noch mittels Klageverfahren, welches innerhalb eines Monats nach Erteilung des Widerspruchsbescheides beim zuständigen Sozialgericht zu erheben ist, gegen die Entscheidung in der Sache wenden können.

Sollte die Klagefrist bereits abgelaufen sein, bliebe nur noch der Weg des Überprüfungsantrages übrig.