Rürup oder freiwillig in gesetzliche RV einzahlen?

von
Ludwig

Hallo,

ich bin 54, alleinstehend, angestellt, RV-pflichtig, freiwillig gesetzlich krankenversichert und verdiene derzeit noch gut, was sich allerdings in den nächsten 1-3 Jahren aus unterschiedlichen Gründen stark ändern wird - mein Einkommen wird sich halbieren. Daher überlege ich mir zur Aufbesserung meines späteren Rentenanspruchs eine oder mehrere größere Einzahlungen zu leisten, entweder in einen Rürup-Vertrag oder in die gesetzliche Rentenversicherung, um den Steuervorteil mitzunehmen, solange ich noch gut verdiene (mein Grenzsteuersatz ist derzeit 42%). Das Ganze jeweils für 2017, 2018 und evtl. 2019.

Frage: Was ist tendenziell besser? Freiwillige Einzahlung in die gesetzliche RV oder Abschluss eines Rürup-Vertrags (beides so, dass der Altersvorsorgehöchstbetrag maximal ausgeschöpft wird)?

Vorteil von Rürup wäre meines Wissens, dass auf die Rente keine Krankenversicherungsbeiträge fällig würden, bei der gesetzlichen RV müsste ich ungefähr 10% abführen, doch wird dieser Vorteil bei einer freiwilligen Einzahlung in die gesetzliche RV durch irgendetwas aufgewogen?

Danke.

Ludwig

von
Sparer

Alles in Alkohol anlegen, ca. 30 - 40%, und Pfand gibt es auch noch zurück.
Andere rentiert nicht.
Sparstrumpf oder Matratze auch gut.

von
****

Hallo Ludwig,

wie bei allen Privaten Versicherungen kommt es darauf an welches Produkt ( die Klassische Rentenversicherung, Fondgebundene RV, Fondsparplan) sie wählen und auf den richtigen Anbieter.

Je nach Anbieter kann es bei gleicher Einzahlung gravierende Unterschiede in der späteren Garantie Rente und in der Überschussbeteiligung geben, einen entsprechenden Testbericht gab es in der Zeitschrift Finanztest Ausgabe 12/2016.

Auch für Rürup Produkte gilt ab 2017 der Garantiezins von 0,9%.

Siehe hier: https://www.test.de/thema/ruerup-rente/
Also bleibt ihnen vor einer endgültigen Entscheidung nicht anderes übrig als sich von den diversen Anbietern zu den verschiedenen Produkten unverbindliche Angebote einzuholen und von der DRV eine Rentenauskunft zur möglichen Beitragszahlung gem. §187a SGB 6 mit Vordruck V0210.

Na dann fröhliches recherchieren und nicht vergessen immer das Kleingedruckte in den Verträgen lesen.

PS: Sollte bei Ihnen in der GKV die Vorversicherungszeit für die KVDR nicht erfüllt sein und sie müßten sich als Rentner in der GKV weiter freiwillig versichern, würden auch für die Rürup-Rente KV/PV Beiträge fällig werden.

von
****

Hallo Ludwig,

wie bei allen Privaten Versicherungen kommt es darauf an welches Produkt ( die Klassische Rentenversicherung, Fondgebundene RV, Fondsparplan) sie wählen und auf den richtigen Anbieter.

Je nach Anbieter kann es bei gleicher Einzahlung gravierende Unterschiede in der späteren Garantie Rente und in der Überschussbeteiligung geben, einen entsprechenden Testbericht gab es in der Zeitschrift Finanztest Ausgabe 12/2016.

Auch für Rürup Produkte gilt ab 2017 der Garantiezins von 0,9%.

Siehe hier: https://www.test.de/thema/ruerup-rente/
Also bleibt ihnen vor einer endgültigen Entscheidung nicht anderes übrig als sich von den diversen Anbietern zu den verschiedenen Produkten unverbindliche Angebote einzuholen und von der DRV eine Rentenauskunft zur möglichen Beitragszahlung gem. §187a SGB 6 mit Vordruck V0210.

Na dann fröhliches recherchieren und nicht vergessen immer das Kleingedruckte in den Verträgen lesen.

PS: Sollte bei Ihnen in der GKV die Vorversicherungszeit für die KVDR nicht erfüllt sein und sie müßten sich als Rentner in der GKV weiter freiwillig versichern, würden auch für die Rürup-Rente KV/PV Beiträge fällig werden.

von
Andy

Zitiert von: Ludwig

2018 und evtl. 2019.

Vorteil von Rürup wäre meines Wissens, dass auf die Rente keine Krankenversicherungsbeiträge fällig würden, bei der gesetzlichen RV müsste ich ungefähr 10% abführen, doch wird dieser Vorteil bei einer freiwilligen Einzahlung in die gesetzliche RV durch irgendetwas aufgewogen?

Ob dieser Vorteil bei Auszahlung der Rürup-Rente noch besteht, würde ich nicht so ohne weiteres als gegeben ansehen.
Fragen Sie mal die tausenden Direkt-Versicherungs-Geschädigte, denen bei Abschluss der Verträge KV-Freiheit vorgegaukelt wurde und denen heute große Teile Ihrer Ersparnisse abgeluchst werden.
Bestandsschutz auf bestehende Verträge war einmal, siehe auch das aktuelle Urteil zur Kündigung von bestehenden Verträgen durch die Bausparkassen.

von
Andy

Zitiert von: Ludwig

2018 und evtl. 2019.

Vorteil von Rürup wäre meines Wissens, dass auf die Rente keine Krankenversicherungsbeiträge fällig würden, bei der gesetzlichen RV müsste ich ungefähr 10% abführen, doch wird dieser Vorteil bei einer freiwilligen Einzahlung in die gesetzliche RV durch irgendetwas aufgewogen?

Ob dieser Vorteil bei Auszahlung der Rürup-Rente noch besteht, würde ich nicht so ohne weiteres als gegeben ansehen.
Fragen Sie mal die tausenden Direkt-Versicherungs-Geschädigte, denen bei Abschluss der Verträge KV-Freiheit vorgegaukelt wurde und denen heute große Teile Ihrer Ersparnisse abgeluchst werden.
Bestandsschutz auf bestehende Verträge war einmal, siehe auch das aktuelle Urteil zur Kündigung von bestehenden Verträgen durch die Bausparkassen.

Experten-Antwort

Hallo Ludwig,
einige Tipps und Hinweise haben Sie von den Antwortgebern hier ja schon erhalten.
Auch wenn ich keine konkrete abschließende Antwort auf Ihre Frage nach Rürup oder Beitragszahlung in die ges.RV geben kann will ich ein paar Argumente zusammenfassend darstellen:

- Bitte klären Sie mit/über Ihren Steuerberater, ob und in welcher Höhe Sie überhaupt noch Zahlungen in einen Rürupv-Vrtrag bzw. in die ges.RV steuerlich absetzen können. Sie beschreiben einen aktuell guten Verdienst und einen hohen Steuersatz. Das Grundmodell der mgl. Steuerersparnis haben Sie verstanden. Bereits über den Job gezahlt RV-Beiträge (inkl. Arbeitgeberanteil) werden auf die absetzbaren Höchstbeträge angerechnet. Ob und in welcher Höhe Sie noch von einer weiteren Steuerersparnis (bis zur Höchstgrenze) profitieren können, wird Ihnen Ihr Steuerberater sagen können.
- Rürup-Verträge als Neuverträge genießen die neuen Rahmenbedingungen. Ggf. also auch den seit Jahresbeginn reduzierten Garantiezins von nur noch 0,9%
- Rürup-Vertrag verursacht sicherlich Kosten. Die Kostenstruktur eines möglichen Vertrages bitte genau im Auge behalten.
- KV/Pflegebeiträge ist ausreichend zu gesagt worden. Da möchte ich auf die gegebenen Antworten verweisen
- ges. RV ist ohne zusätzliche Kosten (Abschlusskosten, Verwaltungskosten, o.ä.) verbunden
- Rendite Rürup unklar, da vieles von (nicht garantierten) Überschussbeteiligungen abhängt
- Rendite ges. RV ebenfalls unklar, da zukünftige Entwicklung der Renten offen.

Beide Varianten sind identisch in folgenden Punkten:
-Steuerabsetzbarkeit der gezahlten Beiträge
- nachgelagerte Besteuerung (bzw. bis 2040 Übergang zur vollen nachgelagerten Besteuerung der ges.RV)
- "Unkaputtbarkeit" der Leistung (das Geld kann also nicht zielfremd -Insolvenz/ALG II/Bedürftigkeit- verwendet werden)
- lebenslange mtl. Rentenzahlung

Empfehlung zum Vorgehen:
1) Lassen Sie sich von der ges.RV eine Rentenauskunft nach § 187a SGB VI (Auskunft zum Ausgleich mgl. zu erwartenden Rentenminderungen -zB mit dem 63.Lj.-) berechnen.
2) Wenden Sie sich mit diesem potenziell einzahlbaren Betrag in die ges. RV an private Rürup-Anbieter und lassen sich dort entsprechende vergleichbare Angebote erstellen
3) Da eine falsche/schlechte Produktwahl am Ende u.U. richtig viel Geld kostet (bzw. weniger Geld bringt) sollten Sie auch überlegen, ob man in Vorfeld eine Beratung bei der Verbraucherzentrale in Anspruch nimmt. Diese Stellen können auch konkrete Produkte empfehlen (was hier leider nicht möglich ist). Die Beratung der Verbraucherzentralen ist nicht kostenfrei. Aber die Investition lohnt sicherlich wenn man dadurch ein etwas besseres Produkt wählt.

von
Ludwig

Hallo,

vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

Absetzen könnte ich noch ca. 10.000 Euro pro Jahr, der Rest ist schon durch die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung verbraucht, das muss ich jedoch nochmals genau nachrechnen/abklären. Immerhin wären dies ca. 4.000 Euro jährliche Steuerersparnis, letztendlich zahle ich also nur 6.000 Euro pro Jahr selbst, wenn ich 10.000 Euro einzahlen würde.

Der Garantiezins von Rürup haut einen wahrlich nicht vom Hocker, und wie ich die Finanzbranche kenne, wird sie bei bestehenden Verträgen auch nur sehr zögerlich mit Zinsanhebungen sein, sollte die Zinswende eines Tages kommen. Dazu noch Gebühren hier, Kosten dort...

Kann man es zusammenfassend so sehen, dass für einen Nicht-Selbstständigen der einzige echte Vorteil der Rürup-Rente gegenüber einer freiwilligen Einzahlung in die gesetzliche RV darin besteht, dass man später auf die Rente (zumindest nach derzeitiger Gesetzeslage) keine KV-Beiträge bezahlen muss (die diesbezügliche Unterscheidung zwischen beiden Basisrentenarten ist allerdings ärgerlich)?

Nochmals danke an alle Beitragenden.

Ludwig

Experten-Antwort

Hallo Ludwig,
wenn der spätere Rentenbezieher freiwilliges Mitglied in der gesetzl. Krankenkasse ist, dann wird auch dieser Unterschied wegfallen (da dann Beitragsberechnung nach Einkommen und somit vermutlich auch von Rückflüssen aus einem Rürup-Vertrag).
Ansonsten scheint die unterschiedliche Beurteilung bzgl. KV-Beitragszahlung der gravierendste Unterschied zw. Rürup und freiwilligen Beiträgen zur Rentenversicherung