Rürup ohne Eigenleistung - Richtig gerechnet oder Denkfehler

von
Chris_Selz

Hallo Forum,

Unter http://www.das-rentenportal.de/ wird eine Rechnung aufgestellt, nach der man ohne Eigenleistungen eine Rürup Rente bekommen kann. Begründung läuft da über die "Günstigerrechnung". Ich kann mir das kaum Vorstellen und suche den Knackpunkt. Oder ist sowas denkbar. Aus dem Bau raus würde ich sagen: "Geht nicht".

Gruß: Chris

von
Wolfgang Amadeus

Hallo Chris,

habe mir mal die Seite angeguckt und, vielleicht bin ich zu doof dazu, ich kann die Berechnung im Detail nicht nachvollziehen, ich verstehe mich aber auch mehr auf Töne als auf Zahlen.

Ich hatte eigentlich gehofft, dass sich von den Fachleuten für private Altersvorsorgeprodukte jemand dazu äußert, vielleicht kommt das auch noch, denn ich hätte mich für deren Antwort auch sehr interessiert.

Ich habe den Verdacht, dass die Beispiele absichtlich so undurchsichtig dargestellt sind, damit man den Knackpunkt nicht durchschaut.

Klar ist, dass durch die stufenweise Steuerbefreiung der Beiträge zur Rentenversicherung und durch die rückwirkend ab 2007 verbesserte Günstigerprüfung zwischen der Sonderausgabenregelung bis 2004 und ab 2005 zwangsläufig weniger Steuern gezahlt werden müssen als bisher (dafür zahlt man dann ja später, wenn man die Rente bekommt, höhere Steuern als bisher).

Wenn ich das Rürup-plus-Modell richtig verstehe, sollen nun die Nettobeträge, die man durch diese Steuerersparnis zusätzlich zur Verfügung hat, für eine private Rüruprente verwendet werden, am besten natürlich bei dem Rürup-plus-Anbieter.

Aber ich kann diese Beträge ja auch anders verwenden, zum Beispiele für eine staatlich nicht geförderte, dafür aber später steuergünstigere private Altersvorsorge mit größerer Flexibilität und höheren Renditeaussichten als die Rüruprente.

Schade ist, dass man bei dem Rürup-plus-Anbieter nicht direkt nach zusätzlichen Erläuterungen zu deren Berechnungsbeispielen anfragen kann, denn dann muss befürchten, dass man einen Vertreter von denen am Hals hat, den man dann nicht leicht wieder los wird.

Experten-Antwort

Hallo Chris,
ich kann Ihr Bauch-Gefühl nur bestätigen und die dargestellten Berechungen nicht nachvollziehen.
Die Günstigerprüfung nach altem Recht wird durch das Finanzamt in Bezug auf den Sonderausgabenabzug immer vorgenommen und wird nicht vom Steuerpflichtigen "gewählt". Außerdem erfolgt ab dem Jahr 2011 eine Absenkung und im Jahr 2019 ist damit Schluss. Es kann natürlich sein, dass dadurch ein zusätzlicher steuerlicher Vorteil entsteht, der mit der Jahressteuerabrechnung ausgezahlt oder mit einer sonstigen Steuerschuld verrechnet wird. Vielleicht "nutzen" die Autoren, diesen steuerlichen Vorteil auch, um eine Rürup-Rente anzusparen. Es handelt sich meiner Meinung nach um eine Verkaufsmasche einer Versicherung, die an Ihre persönlichen Daten kommen will.
"Geschenkt" bekommt man weder vom Staat (Fiskus) noch von der Versicherung etwas. Letztendlich ist es immer eigenes Geld, das eingesetzt wird. Die heutige steuerliche Ersparnis ist eine Steuerstundung. Im Alter sind die gezahlten Renten zu versteuern.
Die aufgeführten Beispiele stellen bezüglich der Günstigerprüfung immer nur auf die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung ab, ohne den Teil Sonderausgabenabzug für die anderen Zweige der Sozialversicherung zu erwähnen.