Selbstständige und Riesterrente/Steuererparnis Alterseinkünftegesetz

von
wocelli

Welche Voraussetzungen müssen Selbstständige erfüllen, um Zugang zur Riesterrente zu haben? Reicht ein Antrag auf freiwillige Versicherung oder ist eine freiwillige Pflichtversicherung nötig?

Kennt jemand einen online-Rechner, der auf Basis individueller Daten auch bei freiwillig Versicherten die Steuerersparnis durch das Alterseinkünftegesetz darstellt?

Danke

Experten-Antwort

Die Zulagenförderung nach Abschnitt XI ( §79ff EStG ) bzw. den Sonderausgabenabzug nach § 10a EstG ( Riester-Rente ) können nur Personen in Anspruch nehmen,
~ die der unbeschränkten Einkommenssteuerpflicht ( §1Abs1 bis 3 EStG ) unterliegen
~ zum begünstigten Personenkreis gehören ( §10a Abs.1EStG ) und
~ förderbare Altersvorsorgebeiträge ( §82EStG ) leisten.

Zur Erinnerung, die Riester-Rente wurde im Wesentlichen deshalb eingeführt, um die mit der Einführung der neuen Rentenanpassungsformel absehbare Niveauabsenkung der gesetzlichen Altersrente auszugleichen.

Zu den unmittelbar begünstigten Personen nach § 10a EStG gehören unter anderem auch Selbständige, die Pflichtbeiträge an die gesetzliche Rentenversicherung zahlen.
Versicherungspflichtig sind bestimmte Personenkreise, die der Versicherungspflicht kraft Gesetzes unterliegen. Dazu zählen beispielsweise die Lehrer und bestimmte Handwerker. Ferner können Selbständige innerhalb von 5 Jahren nach Aufnahme der selbständigen Tätigkeit die Aufnahme in die Pflichtversicherung beantragen, unabhängig davon in welchem Berufsfeld sie sich selbständig gemacht haben. Eine freiwillige Versicherung in der Rentenversicherung genügt nicht eine Förderberechtigung herzuleiten.

Der nicht unmittelbar förderberechtigte Selbständige kann jedoch mittelbar zulageberechtigt sein, d.h. einen "abgeleiteten" Zulageanspruch haben. Dazu ist es erforderlich, dass sein Ehepartner zum unmittelbar begünstigten Personenkreis gehört und einen eigenen Riestervertrag unterhält.

Bei Ehegatten, bei denen die Voraussetzungen des § 26 EStG (u.a. Möglichkeit der Zusammenveranlagung) vorliegen und von denen nur ein Ehegatte unmittelbar zulageberechtigt ist, ist auch der Ehegatte (mittelbar) zulageberechtigt, wenn beide Ehegatten jeweils einen auf ihren Namen lautenden, zertifizierten Vertrag (Altersvorsorgevertrag) abgeschlossen haben. Eigene Altersvorsorgebeiträge müssen nur von dem unmittelbar zulageberechtigten Ehegatten, nicht jedoch von dem mittelbar zulageberechtigten Ehegatten erbracht werden.

Die mittelbare Zulageberechtigung entfällt, wenn
~ der mittelbar Zulageberechtigte unmittelbar zulageberechtigt wird,
~ der unmittelbar zulageberechtigte Ehegatte nicht mehr zum zulageberechtigten Personenkreis gehört oder
~ die Ehegatten nicht mehr die Voraussetzungen des § 26 Abs.1 EStG erfüllen.

Konkrete Fragen zum Umfang der möglichen Steuerersparnis bitten wir an Ihren Steuerberater, einen Lohnsteuerhilfeverein oder ihr zuständiges Finanzamt zu richten.