Sozialhilfe oder Erwerbsminderungsrente bei parallelem Besuch einer Behindertenwerkstatt?

von
Die Schwester

Guten Tag!

für meinen Bruder kümmere ich mich um den liebevoll genannten "Schreibkram", da er es selbst nicht kann.

Er war erst viele Jahre in einem normalen Angestelltenverhältnis beschäftigt, trotz seines Defizites.
Später wurde er arbeitslos und konnte keine neue Anstellung finden; nicht zuletzt wegen seines erwähnten Defizits.

Nachdem er verschiedene Stationen von sog. Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt durchlaufen hatte ist er nun in einer Behindertenwerkstatt. Dies hat zur Folge, dass er beim Arbeitsamt bzw. Jobcenter hinsichtlich ALG II ausgegliedert wurde, wie es dort genannt wird.

Mir wurde auf Nachfrage beim Jobcenter angeraten, Sozialhilfe zu beantragen. Bei der dafür hiesigen zuständigen Stelle wurde diesbezüglich abgelehnt mit dem Bemerken, mein Bruder müsse aufgrund seiner Situationskonstellation "Erwerbsminderungsrente" beantragen.

Könnten Sie mir bitte eine aussagekräftige Antwort zukommen lassen?
Ich bitte um kurzfristige Informationen.

Vielen Dank im Voraus.

Die Schwester

von
KSC

Sozialhilfe ist eine nachrangige staatliche Leistung. So gesehen ist es logisch, dass das Sozialamt den Rentenantrag fordert, weil dann möglicherweise die SH gekürzt werden kann oder ganz entfällt.

Vereinbaren Sie einen Termin im Rathaus oder direkt bei der DRV zum Rentenantrag.

Die versicherungsrechtl. Voraussetzungen sollten nach vielen Jahren Arbeit und anschließender Arbeitslosigkeit gegeben sein. Wie hoch die Rente wird ersehen Sie aus der jährlichen Renteninformation Ihres Bruders, das sollte bekannt sein, da Sie sich ja um seinen Schreibkram kümmern.

Experten-Antwort

Hallo Schwester,

wie KSC schon schreibt, ist Sozialhilfe eine nachrangige Leistung. Somit muss das Sozialamt alle vorrangig zu zahlenden Leistungsansprüche prüfen lassen. Erst nach der Entscheidung über den Rentenantrag kann ein möglicher Anspruch auf Sozialhilfe durch das Sozialamt festgestellt werden.

von
Die Schwester

Guten Abend zusammen!

Allen erst einmal ein herzliches Dankeschön für Ihre Antworten. Trotzdem ich mich seit einigen Jahren um die Belange meines Bruders kümmere, komme ich mir immer wieder und noch vor, wie in einem Dschungel. Aus solchen Angelegenheiten könnte man manchmal schier einen Vollzeitjob generieren.

Also danke für die Tipps und einen angenehmen Abend ins Forum.

Gruß,
Die Schwester

von
W*lfgang

Zitiert von: Die Schwester
Mir wurde auf Nachfrage beim Jobcenter angeraten, Sozialhilfe zu beantragen.
Die Schwester,

das Jobcenter kann da nix 'anraten', sondern nur konkret und schriftlich auffordern, eine EM-Rente/parallel Grundsicherung zu beantragen - wenn das JC das gutachterlich belegen kann, dass voraussichtlich mehr als 6 Monate eine volle EM besteht. Dann, nur dann, reagiert das Sozialamt überhaupt, und nicht auf 'Anraten' des JC.

Das EM-Verfahren baut auf all dem auf - ohne entsprechendes Gutachten vom JC wird da kein Finger zusätzlich gerührt ...Wunschdenken der JC-Mitarbeiter führen nicht zum Handeln anderer Verwaltungsstellen, das müssen die/JC schon sauber in die Wege leiten.

Gruß
w.