Sozialversicherungspflicht für ein 2. Arbeitsverhältnis in der ehemaligen DDR

von
Claudia

Hallo,
ich hätte gern gewusst, ob in der ehemaligen DDR Rentenversicherungspflicht für ein 2. Arbeitsverhältnis (also für eine Nebentätigkeit neben dem eigentlichen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis) bestand. Im SV-Ausweis ist für das 2. Arbeitsverhältnis kein SV-Verdienst, aber ein FZR-Verdienst eingetragen, d.h. es wurden FZR-Beiträge abgeführt . Der Rentenversicherungsträger hat im Versicherungsverlauf keine Anrechnung vorgenommen... Danke für Ihre Antwort!

von
RFn (Spezialist für DDR-Rentenrecht)

Ja, auch eine Nebentätigkeit war sozialversicherungspflichtig und im SVA einzutragen.
Wenn in der Hauptbeschäftigung die SV-Pflichtgrenze von 7.200,00 M/jährlich bereits erreicht war, konnten keine Beiträge zur Sozialpflichtversicherung abgeführt werden, deshalb musste der Verdienst aus dem zweiten Beschäftigungsverhältnis als FZR-Verdienst eingetragen werden. Wenn also im SVA zwei FZR-Verdienste eingetragen sind, müssen diese beide Summen addiert und als ein FZR-Verdienst in den Versicherungsverlauf aufgenommen werden.
Im § 5 der Sozialversicherungsordnung der DDR vom 17.11.1977 ist die Möglichkeit einer mehrfachen Pflichtversicherung erwähnt.
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Sie können also von Ihrem Rentenversicherungsträger verlangen, dass der zweite Verdienst berücksichtigt wird. Wenn er sich stur stellt, dann machen Sie ihm klar, dass nicht alle in der DDR bestehenden Besonderheiten in Arbeitsanweisungen geregelt sein können und gelegentlich ein logisches Denken verlangt wird.
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Ein typischer Fall einer Mehrfachpflichtversicherung in der DDR war neben der Hauptbeschäftigung die Tätigkeit als Hauswirtschaftspflegerin der Volkssolidarität. Für die gesellschaftliche Tätigkeit der häuslichen Betreuung alter Menschen erfolgte eine entsprechende Entlohnung.
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Experten-Antwort

Hallo Claudia,
wie bereits von RFn zutreffend ausgeführt, unterlagen auch im Beitrittsgebiet sämtliche Beschäftigungen der SV-Pflicht. Dies allerdings nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 7200 M jährlich. Ein darüber hinaus gehender Verdienst wurde ab 1.3.1971 über die FZR versichert.

von
Bert

Zitiert von: RFn (Spezialist für DDR-Rentenrecht)

Ja, auch eine Nebentätigkeit war sozialversicherungspflichtig und im SVA einzutragen.
Wenn in der Hauptbeschäftigung die SV-Pflichtgrenze von 7.200,00 M/jährlich bereits erreicht war, konnten keine Beiträge zur Sozialpflichtversicherung abgeführt werden, deshalb musste der Verdienst aus dem zweiten Beschäftigungsverhältnis als FZR-Verdienst eingetragen werden. Wenn also im SVA zwei FZR-Verdienste eingetragen sind, müssen diese beide Summen addiert und als ein FZR-Verdienst in den Versicherungsverlauf aufgenommen werden.
Im § 5 der Sozialversicherungsordnung der DDR vom 17.11.1977 ist die Möglichkeit einer mehrfachen Pflichtversicherung erwähnt.
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Sie können also von Ihrem Rentenversicherungsträger verlangen, dass der zweite Verdienst berücksichtigt wird. Wenn er sich stur stellt, dann machen Sie ihm klar, dass nicht alle in der DDR bestehenden Besonderheiten in Arbeitsanweisungen geregelt sein können und gelegentlich ein logisches Denken verlangt wird.
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Ein typischer Fall einer Mehrfachpflichtversicherung in der DDR war neben der Hauptbeschäftigung die Tätigkeit als Hauswirtschaftspflegerin der Volkssolidarität. Für die gesellschaftliche Tätigkeit der häuslichen Betreuung alter Menschen erfolgte eine entsprechende Entlohnung.
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@RFn

Grundsätzlich ist ja die FZR auch auf 7200 Mark jährlich begrenzt gewesen.
Bis zu welcher Höhe muss die DRV dann die FZR berücksichtigen, wenn nicht eine tatsächliche Beitragsabführung über Verdienste von 14400 DM jährlich hinaus im SV-Buch vermerkt ist? Ist da zu begrenzen oder auch das Entgelt über 14400 Mark zu speichern?

von
Bert

Sorry, aber das Zitieren von RFn hat nich so geklappt wie es sollte.
Meine Frage an den DDR Experten bleibt aber bestehen.

von
RFn

an Bert:
- bis zum 28.02.1971 wird der über die SV-Pflichtgrenze von 7.200,00 M/jährlich hinausgehende und nachgewiesene Verdienst als "Überentgelt" anerkannt.
- ab 01.03.1971 bis 31.12.1976 werden, sofern ein Beitritt zur FZR erfolgte, nur alle nachgewiesenen Verdienste bis 14.400,00 M/jährlich anerkannt.
- ab dem 01.01.1977 werden, sofern erklärt wurde, dass Beiträge zur FZR für das tatsächliche Einkommen über 7.200,00 M/jährlich gezahlt werden (also über 14.400,00 M jährlich bis unbegrenzt), alle nachgewiesenen Verdienste anerkannt .
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Wenn also im SVA nach dem 31.12.1976 Beiträge zur FZR eingetragen sind, die über 7.200,00 M liegen, ist davon auszugehen, dass Beiträge unbegrenzt gezahlt werden.
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In den SVA wurde erst in späteren Auflagen der Beginn der FZR eingetragen. Gelegentlich ist auf den letzten Seiten ein Eintrag, dass Beiträge zur FZR nur bis zu 7.200.00 M/jährlich gezahlt werden. Weitere Eintragungen zur FZR wurden in den SVA so gut wie garnicht vorgenommen.
Deshalb kann nur von der Logik her davon ausgegangen werden, dass z. B.
- wenn im SVA jahrelang ein pflichtiger Verdienst von genau 7.200,00 M eingetragen ist, der Verdienst höher war, aber kein Beitritt zur FZR erfolgte;
- wenn im SVA jahrelang SV-Verdienst 7.200,00 M und FZR ebenfalls 7.200,00 M eingetragen waren, der Verdienst über 14.400,00 M betrug, aber dafür keine Beiträge entrichtet wurden. Bei Vorhandensein von ATA (Arbeitsausfalltagen) ist in diesen Fällen der SV-Verdienst gleich hoch wie der FZR-Verdienst (aber niedriger als jeweils 7.200,00 M).
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Zum Ausgangspunkt der zwei versicherungspflichtigen Beschäftigungen:
So etwas stellte in der DDR eine Ausnahme dar, weil ja jeder vollbeschäftigt war. Teilzeitarbeit nahmen i.d.R. nur Frauen mit Kindern in Anspruch.
In meiner beruflichen Praxis sind mir nur einige wie o.a. genannte Fälle der Hauswirtschaftspflege für die Volkssolidarität untergekommen, sonst wüßte ich das auch nicht.