Sperrfrist schädlich für 8-Jahresfrist vor Rente mit 60 nach Arbeitslosigkeit?

von
Walter G

Ich melde mich nochmals weil ich bisher keine Antwort erhielt. Ich freue mich über jeden Hinweis. Vielen Dank. Ich habe Vertrauensschutz, will mit 60 die Rente beantragen. Hatte nach lückenloser Beschäftigung wg. Aufhebungsvertrag 2003 zum 31.12.2005, Anfang 2006 zunächst fast 3 Monate Sperrfrist, dann ALG1, dann 9 Monate Existenzgründerzuschuss u. gleichzeitig Gewerbe angemeldet, dann nach nicht ganz 2 Jahren (10Tage weniger) wieder arbeitslos gemeldet u. erneut ALG1 zugesagt, in 13 Monaten 60.
Was bewirkt die Sperrzeit? ist sie schädlich wegen der nötigen Frist von 8 Jahren Versicherungspflicht in den letzten 10 Jahren vor der Rente mit 60? Dank für jede Info zu diesem Thema.

von
Jimmy

Die Sperrzeit zählt bei der Voraussetzung, dass in den letzten 10 Jahren vor Rentenbeginn für 8 Jahre Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit sein müssen, nicht mit. Es wurden in dieser Zeit ja auch keine Beiträge entrichtet.
Die Sperrzeit selbst ist keine rentenrechtliche Zeit, kann jedoch im Einzelfall bewirken, dass (wenn der Unterbrechungstatbestand zu Berücksichtigung einer Anrechnungszeit erforderlich ist) die folgende Anrechnungszeit im Versicherungsverlauf berücksichtigt werden kann, da ansonsten durch die von Ihnen genannte dreimonatige Sperrzeit keine Unterbrechung mehr zwischen der Beitragszeit und der folgenden "richtigen" Anrechnungszeit mehr vorliegen würde.

von
Aha

oder kurz und bündig:

wenn von der Arbeitsagentur richtig gemeldet und von der Rentenversicherung richtig verschlüsselt: Sperrzeit wird zur 'Überbrückungszeit' und stellt damit kein Problem dar!

von
Walter G

Vielen Dank bis dahin. Das beruhigt mich zunächst. Aber, jetzt hätte ich nur noch die Frage: wie erkenne ich ob die Arbeitsagentur das richtig gemeldet hat. In meiner letzten Renteninformation ist diese Zeit nicht erfasst. Kann das ggf. noch nachträglich "geheilt" werden?

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Walter G,

bei der Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit wird ein Zehn-Jahreszeitraum vor Beginn der Rente ermittelt. Innerhalb dieses Zehn-Jahreszeitraumes müssen mindestens 96 Monate an Pflichtbeiträgen für eine versicherte Beschäftigung oder versicherte selbständige Tätigkeit vorliegen. Hierzu zählen auch Zeiten des Bezuges von Arbeitslosengeld. Ist dies nicht der Fall muss geprüft werden, ob innerhalb des Zeitraumes Zeiten liegen, die den Zehn-Jahreszeitraum verlängern. Hierzu zählen z.b. Zeiten der Arbeitslosigkeit ohne Leistungsbezug. Die Zeit der Sperrfrist durch die Agentur für Arbeit ist keine Zeit, die eine Verlängerung nach sich zieht. Es handelt sich hierbei lediglich um eine Zeit, die den Überbrückungszeittatbestand erfüllt. Dies bedeutet, sofern nach der Sperrfrist eine beitragsfreie Anrechnungszeit liegt, kann diese trotz fehlender unmittelbar vorhergehender Pflichtbeitragszahlung angerechnet werden. In Ihrem Fall spielt das allerdings keine Rolle, da direkt im Anschluss an die Sperrfrist eine Pflichtbeitragszeit aufgrund Bezuges von Arbeitslosengeld liegt. Die Zeit der Sperre ist daher in jedem Fall eine Lücke in Ihrem Versicherungsverlauf und kann auch nicht belegt werden.
Für Sie bedeutet das, sofern sie innerhalb des Zehn-Jahreszeitraumes vor Beginn der Rente keine 96 Monate Pflichtbeiträge vorweisen können, ist kein Anspruch auf die Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit vorhanden, da innerhalb des Zeitraumes auch keine Tatbestände vorliegen, die den Zeitraum verlängern.

von
...

Zitat:

"zunächst fast 3 Monate Sperrfrist, dann ALG1, dann 9 Monate Existenzgründerzuschuss u. gleichzeitig Gewerbe angemeldet, DANN NACH NICHT GANZ 2 jAHREN (10TAGE WENIGER) WIEDER ARBEITSLOS GEMELDET"

In meinen Augen haben Sie sich die Voraussetzung der 8 Jahre in 10 durch die selbständigkeit verdorben, es sei denn Sie haben während der Selbständigkeit Pflichtbeiträge in die Rentenvers. eingezahlt...

von
Walter G

.. aber es waren doch weniger als 2 Jahre Selbständigkeit !!
Dann bleiben doch mehr als 8 Jahre übrig. Das verstehe ich immer noch nicht.

von
...

10 Tage weniger als 2 Jahre Selbständigkeit - d.h. im Kalendermonatsprinzip 1 Jahr und 11 Monate.

Dazu kommen 3 Monate Sperrfrist - macht in meinen Augen 2 Jahre und 2 Monate nicht anrechenbare Zeiten.

Damit können die 8 Jahre in 10 nicht erreicht werden.

Vielleicht ist es am Besten, wenn Sie sich unter Vorlage Ihrer Unterlagen an eine Auskunfts- und Beratungsstelle in Ihrer Nähe wenden und die Voraussetzung in einem persönlichen Gespräch genau prüfen lassen.

von
Pascal

Hallo Walter G,
die Berechnung, ob 8 Jahre Pflichtbeiträge in den letzten 10 Jahren vorhanden sind, ist offenbar denkbar knapp.
Als "Darmstädter Heiner" haben Sie es doch einfach:
Gehen Sie in die Wilhelminenstraße 34 und klären Sie es dort vor Ort.

Pascal

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Walter G,

nach Ihren Informationen waren Sie fast zwei Jahre selbständig (ohne Bezug von Existenzgründungszuschuss im Rahmen der Ich-AG), also 1 Jahr und 11 Monate in denen keinerlei Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt wurden. Hinzu kommt als weitere Lücke die Sperrzeit von der Agentur für Arbeit. Somit ergibt sich eine Lücke von mehr als zwei Jahren.