Stationäre Reha verläuft enttäuschend

von
Marco

Hallo, ich befinde mich z.Zt. in stationärer Reha wegen Depressionen. Meiner Meinung nach hätte man mich besser aufklären sollen, was hier eigentlich passiert. Nämlich so gut wie nix. Es kommt mir so vor, dass hier niemand meine ärztlichen Unterlagen bzw. meinen ausgefüllten Fragebogen gelesen hat.

Ist es normal, dass man nur einmal die Woche eine Einzelsitzung hat uns sonst zweimal die Woche Gruppensitzung? Der Rest ist "Zeitlücken auffüllen" und dafür bezahlt mein Rentenversicherungsträger teuer Geld? Ich bin dermaßen enttäuscht und habe mir weitaus mehr versprochen

Im Prinzip ist eine Reha wohl nur Urlaub auf Kosten der Sozialversicherung...
Die Ärzte interessieren sich nicht für meine Probleme diesbezüglich, denn "Reha ist für Personen gedacht die ganz wenig Behandlungsbedarf haben (O-Ton!).

Was kann ich tun um die Situation zu verbessern, denn ich bin noch 3 Wochen hier...

Experten-Antwort

Ihre Situation stellt leider keinen Einzelfall dar, immer wieder kommen Beiträge bezüglich der Anwendungen während der medizinischen Rehabilitation. Leider kann man von „außen“ recht wenig daran ändern. Vorrangig würde ich mich an die Klinikleitung wenden, parallel direkten Kontakt zur Reha-Abteilung Ihrer DRV suchen (eventuelle Umweisung in eine andere Klinik). Die Kliniken werden sicher aufgrund der Situation (Pandemie) gewisse Einschränkungen haben. Sprechen Sie Ihre Unzufriedenheit offen an und bitten vor Ort um Klärung!

von
KSC

Zudem steht es jedem Patienten frei im Vorfeld der Reha mit den eigenen Ärzten über die eigenen Erwartungen an eine Reha zu sprechen; rechtzeitig informiert erspart vielleicht auch manche Enttäuschung, weil man dann die eigenen Erwartungen nicht all zu hoch hängt.

PS: ich bin zwar kein Arzt aber bei Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen ist vielleicht auch die Erwartung überzogen dass "in 3 Wochen Reha wieder alles gut" ist.....

von
Marco

Meine Erwartungen habe ich bereits bei der Aufnahme besprochen und das hat da bereits niemanden interessiert.
Psychosomatische Reha ist generell immer 5 Wochen, orthopädische sind 3 Wochen @KSC
Darüber hinaus bin ich bereits in ambulanter Therapie und wollte die Erfolge durch eine stationäre Therapie vertiefen.
Das stand auch so in dem Befund den ich bei Antragstellung beigefügt habe. Da hätte man doch schon sagen können, dass dieses Ziel nicht realistisch ist?!...

Ich habe hier vor Ort bei der Visite mehrmals meine Enttäuschung zum Ausdruck gebracht und man legte mir nahe, dass ich dann in eine Psychiatrie gehen soll. Toller Lösungsansatz... Die Reha-Abteilung meines RV-Trägers sagte, dass ich es als Urlaub nehmen soll da nicht gewährleistet wäre, dass der SMD mir eine andere Klinik genehmigt.

Außerdem hat die Klinik sämtliche Befunde von mir bekommen und man hätte mich auch darüber informieren können, dass ich hier falsch bin bzw. man mir nicht helfen kann.
Jedenfalls hätte ich dann keine Enttäuschung erleben müssen und die Erkenntnis bekommen müssen,dass das niemanden interessiert.

von
Reha

Es gibt halt Dinge da muss man selber die Initiative ergreifen. In einem Forum eine Lösung seiner individuellen Probleme mit einer Rehaeinrichtung zu erwarten, ist in meinen Augen weltfremd.

von
Marco

Achso, die Ärzte bei denen ich in Behandlung bin wussten meine Ziele natürlich auch und haben mir auch keinen "reinen Wein" eingeschenkt...

Doof gelaufen und das geht's mir nicht alleine so...

Ich werde der Reha-Abteilung auf jeden Fall eine Beschwerde schicken, auch wenn dies gewiss niemanden interessieren wird dort, obwohl sie unnütz Geld zum Fenster rausgeworfen haben.

Jedenfalls sehe ich das so.

von
Reha

Zitiert von: Marco
Achso, die Ärzte bei denen ich in Behandlung bin wussten meine Ziele natürlich auch und haben mir auch keinen "reinen Wein" eingeschenkt...

Doof gelaufen und das geht's mir nicht alleine so...

Ich werde der Reha-Abteilung auf jeden Fall eine Beschwerde schicken, auch wenn dies gewiss niemanden interessieren wird dort, obwohl sie unnütz Geld zum Fenster rausgeworfen haben.

Jedenfalls sehe ich das so.

Wenn Sie damit glücklich werden, dann machen Sie das.

von
Marco

Zitiert von: Reha
Es gibt halt Dinge da muss man selber die Initiative ergreifen. In einem Forum eine Lösung seiner individuellen Probleme mit einer Rehaeinrichtung zu erwarten, ist in meinen Augen weltfremd.

Ich habe bereits Initiative ergriffen und mit den Ärzten hier gesprochen und es hat niemanden interessiert...
Die Reha-Abteilung vom Rententräger hat es auf mein Telefonat hin auch nicht sonderlich interessiert...

Was soll ich Ihrer Meinung nach denn nun noch in Eigeninitiative unternehmen?!

von
Schade

Wenn Ihnen die Reha so gar nicht zusagt und Sie das für rausgeworfenes Geld halten weil Sie glauben dort fehl am Platz zu sein, steht es Ihnen frei morgen früh heimzufahren.

Beschwerden über wen und was auch immer sind ebenfalls möglich.

Könnte aber sein dass auch die Beschwerden im Sande verlaufen werden wenn die Fachleute in der Klinik alles anders sehen als Sie. Die haben auch ihre Standards und Erfahrungen.

Wer weiß - aber im Forum können Sie derartige Probleme nicht lösen.

von
Marco

Zitiert von: Schade
Wenn Ihnen die Reha so gar nicht zusagt und Sie das für rausgeworfenes Geld halten weil Sie glauben dort fehl am Platz zu sein, steht es Ihnen frei morgen früh heimzufahren.

Beschwerden über wen und was auch immer sind ebenfalls möglich.

Könnte aber sein dass auch die Beschwerden im Sande verlaufen werden wenn die Fachleute in der Klinik alles anders sehen als Sie. Die haben auch ihre Standards und Erfahrungen.

Wer weiß - aber im Forum können Sie derartige Probleme nicht lösen.

Ich habe doch bereits geschrieben, dasein Abbruch nach Meinung der Reha-Abteilung meines RV-Trägers keine (neue) Bewilligung bzw. Wechsel der Klinik mit sich bringt.
Daher bleibt mir nur der Weg hier vor Ort etwas zu ändern oder ich nehme das hier als Urlaub. Jedoch wird mein Ziel hier definitiv nicht erreicht werden und es befremdet mich, dass (egal wo) es niemanden zu interessieren scheint, das das wohl der Regelfall ist.

Ich hatte gehofft, dass ich hier konstruktive Lösungsvorschläge bekommen könnte, stattdessen erzählt hier jeder dass ich doch in den Sack hauen und nach Hause fahren soll. Das ist für mich aber kein Hilf- oder Lösungsansatz.

Wieso schicken denn so viele Krankenkassen ihre Krankengeldbezieher in Reha, wenn im Vorfeld doch schon klar ist, dass diese nix bringt und anschließend wieder Krankengeld gezahlt werden muss, doch wohl nicht um bloß 5 Wochen Krankengeld zu sparen?!

von
Jana

Die 3 Termine Gespräch pro Woche sind normal.

Zusätzlich gab es Sportangebote, Entspannung, Spezialgruppen (Angst, Trauma), Ernährungsberatung usw.!

Damit war ich in den 6 Wochen gut beschäftigt.

1 - 3 Termine am Tag.

Unter Coronabedingungen kann vieles sicher nicht wie gewohnt stattfinden.

Vielleicht liegt es aber auch an ihrer eigenen Einstellung.

Vielleicht diese auch mal hinterfragen. Ich fand es schon sehr gut, mich nicht verstellen zu müssen dort.

von
Mirco

Hallo Marco,
auch ich war für eine psychosomatische Therapie zur Reha, allerdings waren es bei mir 6 Wochen. Ich war in Potsdam.
Meine Erfahrungen sind identisch mit dem was Du da gerdade erlebst.
Aber anders lassen sich nunmal nicht so viele Patienten durch eine Reha bringen.
Die Kliniken handeln schlichtweg effizient und setzen bei den Patienten ein Stückweit auf Eigentherapie durch den Austausch mit anderen Patienten und Gruppensitzungen. Hinzu kommen leichte Sportübungen.
Mir war das viel zu wenig. Ich war frustriert und habe suizidäre Absichten angedeutet. Das Resultat war, dass ich innerhalb eines Tages die Klinik verlassen musste. Ich wurde mit einem Entlassungsbericht nach Hause geschickt.
Damit bin ich dann zur Krankenkasse.
Anschließend gab es einen Termin beim Neurologen der einen Aufenthalt in einer Psychiatrie vorgeschlagen hat. Außerdem hat er meine Erwerbsminderungsrente auf den Weg gebracht.
Geht mit besser jetzt.
Viele Grüße
Mirco

von
Uih

Zitiert von: Mirco
Hallo Marco,
Ich war frustriert und habe suizidäre Absichten angedeutet. Das Resultat war, dass ich innerhalb eines Tages die Klinik verlassen musste. Ich wurde mit einem Entlassungsbericht nach Hause geschickt.

Das verwundert mich aber jetzt sehr. Ich hätte eher gedacht, dass man bei Andeutung von suizidalen Absichten, gegen seinen Willen in geschlossene Irrenanstalten eingeliefert wird, mit Fesselung am Bett, dass man sich nichts antun kann.

von
Max

Zitiert von: Uih
Zitiert von: Mirco
Hallo Marco,
Ich war frustriert und habe suizidäre Absichten angedeutet. Das Resultat war, dass ich innerhalb eines Tages die Klinik verlassen musste. Ich wurde mit einem Entlassungsbericht nach Hause geschickt.

Das verwundert mich aber jetzt sehr. Ich hätte eher gedacht, dass man bei Andeutung von suizidalen Absichten, gegen seinen Willen in geschlossene Irrenanstalten eingeliefert wird, mit Fesselung am Bett, dass man sich nichts antun kann.

Soso.....Sie sind ja ein ganz Schlauer.....fixiert

Die "Fünf-Punkt"- und "Sieben-Punkt-Fixierung" ist laut Gericht eine "Freiheitsentziehung", jedenfalls wenn sie länger als eine halbe Stunde dauert. Das Grundgesetz regelt ausdrücklich, dass über Zulässigkeit und Fortdauer einer Freiheitsentziehung ein Richter entscheiden muss (Artikel 104 Absatz 2 Satz 1

von
Anna

Ich war nach einem Komplettzusammenbruch und sich anschließender Krankschreibung auch erst einmal zur Reha. Ich wusste es nicht besser. Ich fand, was dort für mich gelaufen ist, grundsätzlich hilfreich. Aber es entsprach überhaupt nicht dem Setting, was ich brauchte. Letztlich habe ich dort Orientierung und auch eine Erklärung für meinen Zustand bekommen, einschließlich der Empfehlung notwendiger Maßnahmen für die Zeit nach der Reha.
Die Ärztin, zu der ich dann zu Hause kam, empfahl mir dringend eine stationäre Psychotherapie in einer Klinik im Rahmen von einer Krankenhausbehandlung. Dort ist ein ganz anderes Setting und eine ganz andere Behandlungsintensität. Den Schritt zur stationären Psychotherapie in einer Klinik habe ich nicht bereut.

von
Advokatus

Hallo,

gerade bei z. B. bei einer mittelgradige depressive Episode F32.1
oder Schwere depressive Episode F32.2 ist keine REHA angesagt
(siehe z. B. auch DRV Richtlinien), sondern eine engmaschige
ambulante Psychiatrische und psychotherapeutische Konsultation.
(mit Psychopharmaka)

Sollte dies zu keiner positiven Beeinflussung führen und oder noch Selbstmordgedanken usw. hinzukommen, dann wäre eine Fachklinik
(keine REHA Klinik)ggf. je nach Fall zu empfehlen.

Oft ist es auch so, dass die behandelten Ärzte vor Ort (Psychiater, Psychotherapeut, die Sachlage eher besser einschätzen können und behandeln können, als wiederum neue-fremde Ärzte, Therapeuten, zu denen man erstmals vertrauen und Zugang finden
muss. Dazu noch viele Leute um sich und sich noch in einer Gruppe zu öffnen nicht jeder kann dies.

Grüße

von
Psycho Dad

Zitiert von: Uih
Zitiert von: Mirco
Hallo Marco,
Ich war frustriert und habe suizidäre Absichten angedeutet. Das Resultat war, dass ich innerhalb eines Tages die Klinik verlassen musste. Ich wurde mit einem Entlassungsbericht nach Hause geschickt.

Das verwundert mich aber jetzt sehr. Ich hätte eher gedacht, dass man bei Andeutung von suizidalen Absichten, gegen seinen Willen in geschlossene Irrenanstalten eingeliefert wird, mit Fesselung am Bett, dass man sich nichts antun kann.

In solch einer Einrichtung waren Sie wohl selbst sehr, sehr lange? Hat man Ihnen als langjährigem Insassen nicht den Austausch der Begrifflichkeiten mit auf den Weg gegeben?

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