Stationäre Reha

von
Hoffnung

Hallo,

aufgrund Psychosomatik hat mein Arzt eine stationäre Reha beantragt, die erst abgelehnt wurde. Nach meinem Widerspruch hat es dann acht Wochen gedauert, bis man mir mitgeteilt hat, dass man binnen drei Wochen eine Begutachtung des Psychotherapeuten benötigt und dann entscheiden wird.

Da die Kur für mich, auch nach Bestätigung des Artzes und der KK sehr dringend ist, würde es mich interessieren, wie lange ich nun wieder warten darf bis es zu einer Entscheidung kommt und wie lange es dann dauert, bis ich wirklich fahren kann.

Der Zeitfaktor ist sehr sehr wichtig für mich, da ich nich einen Job habe aber wenn es so schleppend weiter geht eben nicht mehr lange. Ich werde immer nur vertröstet, dass es halt dauert, keiner versteht aber dass ich keine Zeit habe, mir dadurch noch mehr Druck mache und damit meine Erkrankung verschlimmere (Burnout, Überlastung).

Ich will eigentlich nur endlich schnelle Unterstützung und nicht noch 6 Monate warten bis ich zum Sozialfall werde.

Danke

Hoffnung

von
linalu

wenn es so dringend ist, kann der Arzt doch auch eine Krankenhausüberweisung schreiben, das geht dann wohl schneller, geht ja über die Krankenkasse und hängt dann nur vom Krankenhaus ab, wann ein Platz frei wird.

Also so hatte meine Ärztin das bei mir gesagt. Psych. Abteilungen in Akutkrankenhäusern seien von der Behandlung her fast mit Rehakliniken vergleichbar, nur halt kein Einzelzimmer und meistens keine typische erholsame "Kurort-Landschaft", aber die kann man ja lieber mal dann privat in einem Urlaub genießen.

Komme übrigens gerade von einer 6wöchigen psychosomatischen Reha und kann nur sagen mir hat es geschadet. Habe natürlich zuvor auch von Leuten gelesen, denen eine Reha geholfen hat und hatte entsprechende Hoffnungen, aber für mich war die ganze Prozedur ein Horror, völlige Geldverschwendung für die DRV, muss ich ehrlich sagen, das bischen Krankengym. hätte ich auch ambulant machen können, tiefergehende Gespräche haben nicht stattgefunden.

Kann dir nur wünschen, dass du es besser triffst.

von
Corletto

Mir scheint in ihrem Falle auch eher eine AKUTBEHANDLUNG
in einer psychiatrischen Klinik
angezeigt zu sein, als eine Reha.

Bitte seien Sie sich des Unterschiedes beider Behandlungen sehr deutlich bewusst.

Bei der Akutbehandlung steht nur und ausschliesslich Ihre Gesundheit im Vordergrund ( Dauer der Behandlung spielt hier nur eine untergeordnete Rolle ) , wohingegen die Reha in erster Linie darauf abzielt, sie wieder - möglichst kurzfristig !! - ohne Rücksicht auf Verluste ( um es mal etwas salopp zu sagen ... ) - arbeits-/erwerbsfähig zu machen und darum manches Mal nur bis zum nächsten Zusammenbruch.....

Das ist ein grosser Unterscheid , der leider nicht immer gesehen wird ( siehe auch den Beitrag von " linalu " )

Jede Region in Deutschland verfügt über eine psychiatriche Klinik , die die sogenannte Pflichtversorgungder Einwohner dieses gebietes zu besorgen hat und die sie ganz kurzfristig - innerhalb nur weniger Tage ! - aufnehmen MUSS !

Adresse der konkret für SIE ( Ihren Wohnort ) zuständigen Klinik bekommen Sie von ihrem Hausarzt .

von
Corletto

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache , das eine Reha niemals eine Akutbehandlung in einem richtigen Krankenhaus ersetzen kann.

Eine Rehamassnahme ist immer erst n a c h einer Akutbehandlung ( sozusagen als Ergänzung dazu ) sinnvoll.

Ich kenne einige Leute die erst die Reha gemacht haben ( die natürlich gar nichts dann gebracht hat ) und die sich danach noch in eine sehr langwierige Akutbehandlung in ein psychiatrisches Krankenhaus begeben mussten.

Die vorher absolvierte Rehamassnahme war nicht nur für die " Katz " , sondern war sogar noch kontraproduktiv , da in der Reha mehr Probleme und Fragen aufgeworfen wurden als dort beseitigt werden konnten !

Eine vorherige Akutbehandlung
bringt dem Patienten - durch eine erweiterte Einsicht in speziell seine ganz persönliche psychische Problematik - auch die Möglichkeit die Massnahmen , die in einer Reha gemacht werden, auch besser zu verstehen und dann zu akzeptieren.

von
Hoffnung

Hallo,

ich danke für die Antworten. Nach der Meinung der Ärztin und auch nach meiner Meinung ist es wichtig, dass ich aus meinem stressigen Umfeld weg komme, um in Ruhe darüber nachzudenken wie es weiter gehen kann, dies kann ich in einem Krankenhaus bestimmt nicht.

Dann lese ich hier was von Urlaub, ich bin Alleinverdienerin, mit Mann und zwei Kindern und jeder Menge Verpflichtungen, da kann ich nicht einfach mal eben in den Urlaub fahren.

Ich verspreche mir also schon was von der Reha und mein primäres Ziel ist es gesund aber auch arbeitsfähig zu werden, da ich nun mal Geld verdienen muss.

LG

Hoffnung

P.S. Es gibt in D über alles Statistiken, wieso nicht über die Bearbeitungszeiträume bei der DRV, keiner macht hierzu Angaben, selbst der Sachbearbeiter nicht? Was soll man denn seinem Arbeitgeber erzählen, der auch planen möchte?

von
Realist

Wem nützt denn eine Statistik, wonach 50 Prozent der Reha-Anträge innerhalb drei Wochen, 25 Prozent innerhalb von 6 Wochen, 15 Prozent innerhalb 12 Wochen und 10 Prozent innerhalb zwei Jahren bearbeitet werden?

Je nach Sachverhalt dauert die Antragsbearbeitung zwischen ein paar Tagen und mehreren Monaten. Näheres können Sie auch keiner noch so ausführlichen Statistik entnehmen!

von
Corletto

Mit einem einfachen Urlaub lösen Sie ihre Problematik mit absoluter Sicherheit nicht, das ist völlig richtig.

Wer in so einer Situation einen Urlaub " empfhielt ", hat von der Materie der psychischen /psychiatrischen Erkrankungen keine Ahnung.

Und wieso kommen Sie in einem Krankenhaus " nicht zur Ruhe " ??

Gerade in einer psychiatrischen Klinik werden Sie - auf eigenen Wunsch natürlich nur - abgeschirmt vor allen äußeren Einflüssen und werden erst dort in langen psychotherapeutischen Gesprächen mit ihrer ganz persönlichen Problematik konfrontiert werden ( die sie wahrscheinlich bis dato noch gar nicht kennen bzw. kennen können ! ).

Und nach dem Motto , eben mal schnell gesund werden und wieder arbeiten, ist es bei dieser Art der Erkrankungen eben n i c h t getan.

Die Behandlung psychischer Erkrankungen dauert Monate bis Jahre und hier ist eine 4-6 wöchige Reha nur ein sehr sehr kleiner Tropfen auf den heissen Stein.

Und wenn sogar ihre Arbeitsstelle ein oder DAS zentrale Problem bei Ihnen sein sollte ( war es bei mir war ! ) darstellen sollte, tun sie sich keinen Gefallen damit, dort kurzfristig wieder aufzuschlagen......

Dann werden Sie über kurz oder lang wieder dort sein , wo sie heute sind.

Ich weiß es ist alles schwer zu verstehen und auch immer von der ganz persönlichen Situation abhängig, aber so ist es nun mal und dies wird Ihnen jeder Facharzt für Psychiatrie und jeder Psychologe bestätigen.

Mit 4-6 Wochen Reha lösen Sie diese Problematik definitv nicht !

Alles Gute für Sie.

von
Micha

Natürlich ist eine Akutbehandlung (die über die Krankenversicherung und nicht über die DRV läuft) in den meisten Fällen die schnellste Art und Weise der Erkrankung zu begegnen.
Man muss sich natürlich dann dessen bewusst sein, dass man (je nach Krankenhaus) zusammen mit den 'harten' Fällen behandelt wird. Meistens haben diese Kliniken auch gar kein Personal, um auf den Einzelnen einzugehen.
Aber als 'Notbremse' sind diese Krankenhäuser allemal besser als gar nichts.
Doch auch hier gibt es von Klinik zu Klinik enorme Unterschiede. Daher sollte man sich auch vor Antritt einer Akutbehandlung (z. B. im Internet) schlau machen, was einen in der einen oder anderen Klinik erwartet.
Man kann dann theoretisch dieser Zeit bis zum Antritt einer Reha (die über die DRV läuft) überbrücken.
Wenn man es besonders eilig mit der Rückkehr in den Arbeitsprozess hat, dann kann man danach auch erst einmal wieder der gewohnten beruflichen Tätigkeit nachgehen und organisiert dann in Ruhe die Reha, bzw,. eine ambulante Psychotherapie.
Handelt es sich um ein typisches BurnOut-Syndrom, dann ist generell auch die Arbeitsbelastung zu berücksichtigen.
Wenn psychotherapeutische Verfahren hier nicht helfen, mehr Ausgleich im Umgang mit den Belastungen zu bringen, muss generell überlegt werden, ob man die Arbeitsbelastung nicht reduzieren kann (z. B. mit einer teilweisen Erwerbsminderungsrente).

von
Corletto

In meiner Reha wurde einer Mitpatientin erst während des 4 wöchigen Aufenthaltes richtig bewusst , welche große Problematik und Außmasse ihre Erkrankung bereits angenommen hatte.

In solchen Fällen ist eine Reha sehr problematisch , weil dem Patienten aufgrund Zeitmangels , nicht die benötigte Zeit für eigentlich dringend notwendige TÄGLICHE psychotherapeutische Gespräche gegeben werden kann und dadurch der Eindruck beim Patienten entsteht, das einem in der Reha nicht geholfen wird, sondern im Gegenteil noch alles schlimmer wird !

Dieser Mitpatienten ging es immer schlechter , sodas die Reha letztlich ärztlicherseits abgebrochen werden musste und sie umgehend in eine Akutklinik für Psychiatrie überwiesen wurde.

Der Arzt sagte zu uns Patienten dannach in einer Therapiestunde :
" Sehen sie , so ist es wenn man erst eine Reha beantragt als vorher eine vernünftige Akutbehandlung durchzuführen.
Dies können wir hier nicht leisten und dies ist auch nicht unser Auftrag . Viele kommen hier hin und meinen in 4-5 Wochen ist alles wieder gut .
Das ist aber in vielen Fällen eben nicht ."

von
linalu

Möchte nur klarstellen, ich habe NICHT "Urlaub anstelle einer Klinikbehandlung empfohlen". Nur, wie ich erlebte, wählen viele Patienten ihre Wunschklinik mehr nach der Landschaft aus als nach dem Behandlungsprogramm. Und ehrlichgesagt, ich finde die Rentenversicherung ist nicht dafür zuständig, Menschen die sich aus welchen Gründen auch immer, keinen Urlaub leisten können (ich gehöre auch dazu), einen solchen zu bezahlen.

Deshalb meinte ich, dass es nicht gegen ein Akutkrankenhaus sprechen sollte, wenn es nicht in einem "Kurort" liegt, sondern irgendwo am Stadtrand. Wenn es einem wirklich schlecht geht und man dringend Hilfe benötigt, sollten doch andere Punkte im Vordergrund stehen. So meinte ich das.

Ich stimme allem was Sie schreiben, zu. Insbesondere dass die Reha häufig "ohne Rücksicht auf Verluste ... darauf abzielt, arbeits-/erwerbsfähig zu machen". In der Klinik wo ich war ging es jedenfalls eindeutig nicht darum, den Menschen zu helfen, sondern "Simulanten auszufiltern", auch wenn dadurch 95% der Hilfesuchenden Unrecht getan wird.

Es scheint allerdings auch Rehakliniken zu geben, wo das anders ist. In der ambulanten Nachsorgegruppe, die ich nun besuche, erzählten einige Patienten sehr positiv von ihrer Reha. Aber ebenso habe ich auch schon positive Berichte von psych. Akutkrankenhäusern gehört. Deshalb, @Hoffnung, denke ich, kannst du so oder so Pech oder Glück haben.

von
linalu

Selbst wenn du morgen einen Bescheid von der DRV bekommst, kann es noch 3 Monate dauern bis du einen Aufnahmetermin in der Klinik bekommst, so war es bei mir, und das als Eiltfall, Bescheid im April, Aufnahme im Juli. Als nicht Eiltfall wäre der Terminstand der Klinik September gewesen. Vielleicht gibt es Kliniken wo es schneller geht oder vielleicht geht es auch jetzt im Herbst/Winter schneller. Das weiß ich nicht.

von
Hoffnung

Hallo,

na das ist doch mal eine Aussage mit der ich was anfangen kann. Wenn es noch Monate dauern kann, okay, dann dauert es eben aber ich kann mich besser darauf einstellen als ohne jeden Anhaltspunkt.

Ich verspreche mir keine Wunder von einer Reha, sondern unter anderem Zeit für mich, um zu einem Punkt zu kommen, weshalb es mir so geht wie es mir geht. Eine Überlegung dabei ist es eben, ob ich meinen Job wechseln soll oder es schaffe über eine Verhaltensänderung dort zu bleiben. Ich mache bereits eine Verhaltenstherapie.

Ich bin aber auch ein ungeduldiger Mensch, der es bisher gewohnt war schnell zu Resultaten zu kommen.

Danke für die zahlreichen Antworten

Hoffnung

von Experte/in Experten-Antwort

Leider kann ich Ihnen hier als "Expertin" nicht wirklich weiter helfen, da die sicher vorhandenen Statistiken zur Bearbeitungsdauer von Reha-Anträgen nichts über die Dauer im Einzelfall aussagen.

Sie können jetzt nur abwarten, vielleicht immer mal wieder nachfragen und auch in Kontakt mit Ihrem Arzt bleiben. Und die Hinweise der User zur Möglichkeit einer Akutbehandlung (oder zumindest Krankschreibung, um Sie aus dem schlimmsten Stress rauszubringen??) halte ich auch für bedenkenswert....
Alles Gute!