Statt Ablehnung oder Stattgabe EMR Einladung zum weiteren Gutachter?

von
Claudine

Da sich mein Gesundheitszustand seit 13 Jahren jährlich verschlechtert (mehrere Krebserkrankungen, Tinnitus, Bluthochdruck, mehrere rheumatsiche Erkrankungen, Fibromyalgie, COPD, Depressionen, Schilddrüsenerkrankung, Restless Legs, chronische Schmerzen, angehende koronare Herzerkrankung...), habe ich Ende 11/2016 einen Antrag auf volle EMR gestellt und so gut es ging alle Unterlagen eingereicht. Bereits nach zwei Wochen bekam ich über die RV eine Einladung zu einem Gutachter (hier Fachrichtung Orthopädie). Auf das dort erstellte und an die RV gesendete Gutachten erhielt ich bereits nach einer Woche Antwort der RV: Ich soll nun zu einem weiteren Gutachter, diesmal ein Neurologe / Psychater. Der vorherige Gutachter (Orthopäde) erwähnte zwar beim Begutachtungstermin, dass man meine nicht mehr vorhandene Erwerbsfähigkeit aus der Gesamtheit der Erkrankungen (und meiner vorgelegten Unterlagen) sieht, er aber ja nur objektiv die orthopädische Seite begutachten kann. Ich bin nun ein wenig verunsichert. Kann ich davon ausgehen, dass dem Gutachten des Orthopäden zu entnehmen ist, dass es Sinn macht, mich von weiteren Ärzten begutachten zu lassen? Kann man aus dem bisherigen Prozedere eine Tendenz erkennen, ob es Richtung Bewilligung der EMR geht? Es erstaunt und verunsichert mich zugleich, dass es seit Antragstellung bisher alles recht zügig ging. Dass ich nicht mehr erwerbsfähig bin, steht eigentlich außer Frage, da die fachärztlichen Prognosen von keiner Besserung, sondern eher noch einer weiteren Verschlechterung meines Gesundheitszustandes ausgehen.

von
Silvia

Hallo Claudine

Aus eigner Erfahrung heraus möchte ich Ihre Frage:

"Kann ich davon ausgehen, dass dem Gutachten des Orthopäden zu entnehmen ist, dass es Sinn macht, mich von weiteren Ärzten begutachten zu lassen?

mit JA beantworten.

Demnach reichen Ihre Leiden, rein aus orthopädischer Sicht (sein Fachgebiet), alleine noch nicht um eine volle EM zu rechtfertigen und er verweist auf ein zusätzliches neuro-psychologisches Fachgutachten, um das Zusammenspiel Ihrer körperlichen Leiden und Ihrer Schmerzen/neuro-psychischen Leiden hervorzuheben.

Ihre nächste Frage: .

"Kann man aus dem bisherigen Prozedere eine Tendenz erkennen, ob es Richtung Bewilligung der EMR geht?"

möchte ich mit NEIN beantworten.

Es wird Ihnen mit dem weiteren Gutachten jedoch eine gute Chance geboten, Ihre körperlichen und somit schmerzbedingten wie oft auch zwangsläufig neuro-psychischen Leiden in einen Kontext zu stellen und gutachterlich das Zusammenwirken all Ihrer Beschwerden gegenüber einem gesunden leistungs- und erwerbsfähigem Menschen festzustellen.

Bei Ihnen liegt zusätzlich ein ontologisches Beschwerdebild vor, hierbei sollte prognostisch gutachterlich auch verwiesen/eingegangen werden.

Persönlich hat mir nach diversen orthopädischen Gutachten erst das neuro-psychiatrische Gutachten das Anerkenntnis zur EMR gebracht, da der Gutachter darin explizit auf die Tragweite des Zusammenspiels von Körperschäden/Gebrechen - Schmerz - Psyche eingegangen ist und dabei Körper und Seele als Einheit darstellte, woraus rechtfertigend eine Erwerbsminderung resultiert, wenn man über Jahrzehnte Schmerz zermürbt nur noch funktioniert aber tatsächlich nicht mehr leistungsfähig ist.

Sehen Sie das weitere Gutachten bitte als Chance an, objektiv fachspezifisch auch betrachtet und ihre Leiden angemessen gewürdigt begutachtet zu bekommen.

Alles Gute für die Zulunft wünscht Ihnen Silvia

von
Schade

Generell kann man sagen dass es nichts bringt, wenn hier im Forum über Chancen eines EM Verfahrens spekuliert wird. Keiner hier kennt Ihren Gesundheitszustand und weiß wie die Ärzte der DRV diesen einschätzen.

Warten Sie die Entscheidung ab und wenn die Rente erst Ende November beantragt wurde, gibt es jetzt am 22.Januar noch keinen Grund zur Sorge.

wenn EM rentenverfahren 3-4 Monate dauern ist das noch der ganz normale Zeitrahmen.

von
Klara

Hallo Claudine,

die Userin Silvia hat Ihnen bereits sehr ausführlich geantwortet und ich kann mich voll und ganz anschließen. Sehen Sie als weitere Chance an und nehmen Sie sich vielleicht eine Begleitperson zum Gutachter mit. Natürlich sind die vielen Diagnosen wichtig, aber viel wichtiger sind auch die Einschränkungen die man im täglichen Leben hat. Ich selbst wurde auch zu zwei Gutachter geschickt, trotz meiner vielen Diagnosen. Ich habe klar und unmissverständlich meinem Neurologen gesagt - es geht nicht mehr- .
Sie werden sehen es wird alles gut werden.
Viel Glück und beste Gesundheit.

Mfg

von
Claudine

@Schade, Anlass, über meinen Gesundheitszustand zu spekulieren, wollte ich hier nicht geben. Auch möchte ich mich keinesfalls über die Bearbeitungsdauer "beschweren". Im Gegenteil; meine bisherige Erfahrung nimmt all denen den Wind aus den Segeln, die behaupten, die RV "lässt sich unendlich viel Zeit, zögert hinaus". Ich hoffe, keinen falschen Eindruck erweckt zu haben. Nichtsdestotrotz bringen mich die Antworten von Silvia und Klara wieder ein wenig in die nötige Ruhe. Es ist schon schlimm genug, wenn man plötzlich den Weg "Rente statt Karriere" bestreiten soll, obwohl man sein ganzes Leben anders geplant hat, der Körper aber vollends streikt.
Wenn man den Weg der Erwerbsminderungsrente beschreitet, hat man ja oft schon eine Odysse aus Krankenhausaufenthalten, Rehas, Behandlungen usw. hinter sich. Und letzten Endes hängt von diesem Weg die komplette weitere Zukunft und nicht zuletzt die Existenz ab. Ganz davon abgesehen, dass man sich nicht mehr als "vollwertiges Mitglied der Gesellschaft" fühlt, was ich vorher 30 Jahre durch ununterbrochene Berufstätigkeit war.
Da sind Erfahrungswerte und objektive Bewertungen wie von Silvia und Klara sehr hilfreich, um wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen, die Sache aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und sich nicht "vollends verrückt zu machen". Lieben Dank dafür :-)

von
Schade

Kann Klara wirklich objektiv beurteilen, dass für Sie alles gut wird?
Na ich weiß nicht, gönne Ihnen aber dass sie Recht hat.

Und da es für Sie ja eh feststeh, dass EM vorliegt, gibt's doch keinen Grund sich verrücht zu machen oder es machen zu lassen, oder?

von
Max1964

Zitiert von: Claudine

erhielt ich bereits nach einer Woche Antwort der RV: Ich soll nun zu einem weiteren Gutachter, diesmal ein Neurologe / Psychater.
(...)
Kann ich davon ausgehen, dass dem Gutachten des Orthopäden zu entnehmen ist, dass es Sinn macht, mich von weiteren Ärzten begutachten zu lassen?

die Frage stellt sich gar nicht, ob es "Sinn" macht. die DRV möchte das so, und "basta".

wird dem nicht nachgekommen, ist das fehlende Mitwirkung und die Rente wird umgehend abgelehnt. immerhin 11.910 mal der Fall in 2015.

also ins Schicksal fügen, den kommenden Termin wahrnehemn und weitersehen.

ggf. auf das Gespräch vorbereiten, Einschränkungen klar benennen! so Psychiater unterstellen u.U. gerne mal provokant, dass Lesitungsbeschwerden im Arbeitsleben nur psychisch oder "depressionsbedingt" sind und durch Therapie behoben werden könnten.

Experten-Antwort

Hallo Claudine,

aus dem bisherigen Verfahren ist keine Tendenz oder ähnliches zu ersehen.
Es ist ein übliches Verfahren, dass bei multiplen Erkrankungen mehrere fachärztliche Gutachten eingeholt werden.
Insofern einfach den Termin wahrnehmen und das weitere Verfahren abwarten.