Student - nebenberuflich selbständig

von
whisk

Ich bin Student, habe derzeit keine Einkünfte und könnte nun auf Honorarbasis in einer Praxis tätig werden, für einen Tag pro Woche, evtl. auf 1,5 Tage aufstocken (der Inhaber will auf keinen Fall ein Angestelltenverhältnis!!). Mein Studium geht noch 2 Semester, für diesen Zeitraum ist die Tätigkeit gedacht, Einkommen wird ca. 450 bis (bei 2 Tagen) 800 € betragen. Ich werde auf jeden Fall meinen Studentenstatus behalten (d. h. zeitlich nicht mehr als 18 Std.), Krankenversicherung ist kein Problem, habe ich bereits abgeklärt. Nach vielen Suchereien im Internet nun meine konkreten Fragen: 1) MÜSSTE ich mich ab einem Betrag von 401€ tatsächlich rentenversichern, d.h. wäre ich versicherungsPFLICHTIG? MÜSSTE ich also 19,9 % in die Rentenversicherung einzahlen (abgesehen davon, dass es natürlich sinnvoll wäre
2) Und wenn ja, liegt das dann daran, dass ich nur bei einem Auftraggeber tätig bin? Würde also die RV-Pflicht wegfallen, hätte ich noch einen weiteren Auftraggeber? 3)Was ist dann eigentlich mein Status? Ich denke, ich wäre nebenberuflich selbständig?? Wäre ich dann ein sog. arbeitnehmerähnlicher Selbständiger? Voraussetzung für diesen Status wäre ja, ich bin KEIN Scheinselbstädiger. Kann es jedoch sein, dass ich als "Scheinselbständiger" eingestuft werden könnte? (vorausgesetzt es käme zu einer Prüfung). Ich weiß dass diese Zuordnung ziemlich kompliziert ist und der sog. 5-Punkte-Katalog nicht mehr greift. Da ich in den Räumen des AG arbeite, meine Arbeitszeit jedoch frei wählen kann ist es wohl ein Grenzfall - bzw. geht es darum überhaupt bei der kurzen Dauer meiner Tätigkeit (max. 1 Jahr) und der geringen Einnahmen, die ich verbuchen werde???
Um es kurz zu machen: Ein Angestelltenverhältis will der AG definitv nicht, d.h. ich MÜSSTE diese Tätigkeit auf Honorarbasis durchführen (was eigentlich nicht in meinem Interesse liegt, aber ich bin darauf angewiesen).
4) Wie sähe die Sachlage aus, wenn ich NACH meinem Studium weiterhin ca. 3 Tage bei NUR diesem AG arbeiten würde? Wäre ich dann ein arbeitnehmerähnlicher Selbständiger? Meiner Ansicht nach wäre diese "Zwischenlösung" ja nur im Sinne eines Freiberuflers, der zunächst (Existenzgründung?) nicht mehr als einen Auftraggeber finden kann. Das wäre jedoch NICHT in meinem Intersse - für mich wäre es eine Notlösung, um über die Runden zu kommen, falls ich keinen Job fände. Müsste ich dann Bedenken haben, als "Scheinselbständiger" zu gelten ?
Vielen Dank für Ihre Antworten!

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo whisk,

zu 1) Ja. Ein Entgelt/Gewinn von mehr als 400 EUR ist mehr als geringfügig,
wodurch keine Versicherungsfreiheit wegen Geringfügigkeit eintreten kann.
Unter der Voraussetzung, dass die Beschäftigung/Tätigkeit
versicherungspflichtig ist, wären dementsprechend Pflichtbeiträge nach dem
aktuellen Beitragssatz zu zahlen - bei einer selbst. Tätigkeit vom
Selbständigen allen, bei einer abhängigen Beschäftigung vom Arbeitnehmer
und vom Arbeitgeber je zur Hälfte.

zu 2) Soweit es sich bei Ihrer Tätigkeit nicht ohnehin um ein abhängiges
Beschäftigungsverhältnis handelt, würde hier Versicherungspflicht als sog.
arbeitnehmerähnlicher Selbständiger (§ 2 Nr. 9 SGB VI - keine
versicherungspflichtigen Arbeitnehmer und auf Dauer und im Wesentlichen nur
für einen Auftraggeber tätig) eintreten. Die Versicherungspflicht würde
entfallen, wenn Sie auf Dauer und im Wesentlichen für mehrere Auftraggeber
tätig sind. Ihre Frage wäre also mit ja zu beantworten. In diesem
Zusammenhang möchte ich jedoch auch nicht unerwähnt lassen, dass
arbeitnehmerähnliche Selbständige nach § 6 Abs. 1a Nr. 1 SGB VI die
Möglichkeit haben, sich für die ersten drei Jahre der selbständigen
Tätigkeit von der Versicherungspflicht befreien zu lassen.

zu 3) Mit dieser Frage treffen Sie den Kern der Problematik. Im Rahmen
dieses Forums kann ich leider nicht abschließend klären, ob es sich bei
Ihrer Tätigkeit um eine abhängige Beschäftigung (Scheinselbständigkeit)
oder eine (arbeitnehmerähnliche) Selbständige Tätigkeit handelt. Um
Rechtssicherheit zu erlangen kann ich Ihnen nur empfehlen, ein
Statusfeststellungsverfahren bei der Clearingstelle der DRV Bund
durchführen zu lassen. Alternativ wäre auch eine versicherungsrechtliche
Beurteilung der zust. Einzugsstelle (Krankenkasse) möglich. Die Dauer der
Tätigkeit und die Höhe der Einnahmen sind hierbei im Übrigen grundsätzlich
von untergeordneter Bedeutung. Entscheidend ist hier vielmehr, inwieweit
sie dem Weisungsrecht des Arbeitgebers hinsichtlich Zeit, Dauer und Ort der
Arbeitsleistung unterliegen, wie Sie in den Betrieb eingegliedert sind, ob
Sie ein Unternehmerrisiko zu tragen haben, usw... Ohne eine
Statusfeststellung sollten Sie (bzw. Ihr Arbeitgeber/Auftraggeber) sicher
Bedenken haben, u.U. als sog. Scheinselbständiger "aufzufliegen".

zu 4) Ob Sie die Tätigkeit während oder nach Ihrem Studium ausüben spielt
bei der Frage der versicherungsrechtlichen Beurteilung hinsichtlich der
Statusfeststellung (abhängig Beschäftigter oder (arbeitnehmerähnlicher)
Selbständiger) grundsätzlich keine Rolle. Insoweit gelten hier die gleichen
Grundsätze, egal ob Sie parallel studieren oder nicht.

von
whisk

Vielen Dank für Ihre kompetente Antwort.
Soviel ist also sicher: möchte ich NICHT versicherungspflichtig werden, darf ich die 400€ nicht übersteigen, falls doch, muss ich für die RV alleine aufkommen. Was ist nun die beste Vorgehensweise, wenn ich über 400€ komme? Mich sofort an die DRV wenden und kundtun, dass ich ab xx.xx. selbständig bin oder muss ich zuerst auf jeden Fall eine Statusfeststellung bei der DRV machen lassen bzw. würde diese aus meiner Mitteilung folgen?
Wäre nochmals sehr dankbar für eine baldige Antwort...

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Whisk,

als selbständig Tätiger hat man grundsätzlich die Verpflichtung sich bei der gesetzlichen Rentenversicherung zwecks Prüfung der Versicherungspflicht zu melden.