Studium als Anrechnungszeit

von
Balluf

Ich bekomme bis zum 03.06.2020 ALG-I.
ALG-II werde ich aufgrund meines vorhandenen Kapitals nicht bekommen.
Ab 01.09.2020 möchte ich ein Studium beginnen.
Gilt diese Zeit dann als Ersatzzeit oder ist die Lücke zwischen ALG-I und Studium zu groß?

von
W°lfgang

Zitiert von: Balluf
Gilt diese Zeit dann als Ersatzzeit oder ist die Lücke zwischen ALG-I und Studium zu groß?

Hallo Balluf,

"Ersatzzeiten" sind kriegsbedingte Lücken im Rentenkonto (Kriegsgefangenschaft, Internierung, Flucht + Vertreibung, ...) die wie Pflichtbeitragszeiten wirken, diese 'ersetzen'.

Schulische Ausbildung (klassisch: allg. Schule, Fachschule, Hoch- und Fachhochschule) ist "Anrechnungszeit" ab dem 17. Lbj., so denn die Voraussetzung für die Anerkennung dafür erfüllt sind und eine max. Gesamt-Anrechnungsdauer noch nicht überschritten ist.

Eine 'Vorlaufzeit', ein lückenloser Beginn an eine frühere Versicherungszeit (hier ALG 1), ist dafür nicht erforderlich. Das Studium wird - wie es ist - von Anfang bis Ende als Anrechnungszeit anzuerkennen sein, sofern, wie im Vorabsatz gesagt, die Kriterien dafür erfüllt sind: vereinfacht eine Vollzeitausbildung.

Im Detail - bei Abend- oder Fernstudium, oder auch paralleler Beschäftigung - finden hier eine umfassendere Darstellung der Voraussetzung für die Anerkennung als Anrechnungszeit:

https://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/rvRecht/01_GRA_SGB/06_SGB_VI/pp_0051_75/p_0058/gra_sgb006_p_0058_abs1_s1_nr4.html

Gruß
w.

von
Balluf

Sorry, ich meinte natürlich Anrechnungszeit (siehe Überschrift)

- welche Voraussetzung für die Anerkennung meinten Sie denn?
- gibt es bei der Rentenversicherung nicht eine Vorschrift der Lückenlosigkeit für die Anrechnungszeiten (bis zum Ende des Folgemonats)nach einem Pflichtbeitrag?

von
W°lfgang

Hallo Balluf,

> - welche Voraussetzung für die Anerkennung meinten Sie denn?

besonders aufmerksam haben Sie Ziff 3.3 des Links nicht gelesen ;-)

> - gibt es bei der Rentenversicherung nicht eine Vorschrift der Lückenlosigkeit für die Anrechnungszeiten (bis zum Ende des Folgemonats)nach einem Pflichtbeitrag?

Damit haben Sie durchaus Recht, bezieht sich aber nicht auf Anrechnungszeit/Ausbildung. Gilt für andere Anrechnungszeiten wie z.B. Arbeitslosigkeit + Krankheit, wo eine 'Lücke' zur Verhinderung der Anerkennung dieser Art von rentenrechtlicher Zeit führen kann/muss.

Wenn es von Interesse ist (Unterbrechungstatbestand für andere Anrechnungszeiten), finden Sie hier weitere Informationen:

https://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/rvRecht/01_GRA_SGB/06_SGB_VI/pp_0051_75/p_0058/gra_sgb006_p_0058.html#doc1577142bodyText4

Gruß
w.

Experten-Antwort

Hallo Balluf,

die Zeit Ihrer schulischen Ausbildung kann als Anrechnungszeit anerkannt werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, zum Beispiel Zeitaufwand von mehr als 20 Stunden wöchentlich etc. (mehr hierzu siehe bitte die bereits oben genannten Links).

Zeiten der schulischen Ausbildung müssen keine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit unterbrochen haben, um als Anrechnungszeiten berücksichtigt zu werden.

Für die Lücke zwischen dem Ende des ALG-I und dem Beginn des Studiums gibt es keine "Übergangs-Anrechnungszeit". Als Anrechnungszeiten wegen schulischer Ausbildung können Übergangszeiten (nicht länger als vier Monate) nur zwischen Ausbildungen ggf. berücksichtigt werden.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Balluf

[quote=341995]Hallo Balluf,

die Zeit Ihrer schulischen Ausbildung kann als Anrechnungszeit anerkannt werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, zum Beispiel Zeitaufwand von mehr als 20 Stunden wöchentlich etc. (mehr hierzu siehe bitte die bereits oben genannten Links).

Zeiten der schulischen Ausbildung müssen keine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit unterbrochen haben, um als Anrechnungszeiten berücksichtigt zu werden.

Hallo Expertenteam,
vorausgesetzt das Studium wird als Anrechnungszeit anerkannt:
- dient diese Anrechnungszeiten lediglich der Wartezeiterfüllung oder
- wird diese Zeit auch mit Entgeltpunkten durch die Gesamtleistungsbewertung (beitragsfreie Zeiten) bewertet?.

von
KSC

Anrechnungszeiten wg Schule oder Studium ergeben keine Entgeltpunkte, helfen nur die 35 Jahre vollzukriegen, die man braucht um mit 63 in Rente zugehen und beeinflussen die Berechnung nur indirekt über die Gesamtleistungsbewertung.

von
Balluf

Zitiert von: KSC
Anrechnungszeiten wg Schule oder Studium ergeben keine Entgeltpunkte, helfen nur die 35 Jahre vollzukriegen, die man braucht um mit 63 in Rente zugehen und beeinflussen die Berechnung nur indirekt über die Gesamtleistungsbewertung.

Hallo KSC,
dank für die schnelle Antwort.

Und wie sieht es aus, wenn ich anstelle des Studiums nach dem ALG-I weiterhin als „arbeitssuchend (ALG-II) ohne Leistungsbezug“ gelte.
- dient diese Anrechnungszeiten lediglich der Wartezeiterfüllung oder
- wird diese Zeit auch mit Entgeltpunkten durch die Gesamtleistungsbewertung (beitragsfreie Zeiten) bewertet?.

von
W°lfgang

Hallo Balluf,

> Und wie sieht es aus, wenn ich anstelle des Studiums nach dem ALG-I weiterhin als „arbeitssuchend (ALG-II) ohne Leistungsbezug“ gelte.
- dient diese Anrechnungszeiten lediglich der Wartezeiterfüllung

Grundsätzlich ja.

> oder - wird diese Zeit auch mit Entgeltpunkten durch die Gesamtleistungsbewertung (beitragsfreie Zeiten) bewertet?

Direkt nicht. Als allein lückenfüllende Zeiten könnten sie die Gesamtleistungsbewertung positiv beeinflussen - sofern dafür maßgebende Zeiten damit zu bewerten sind.

Rat: Versuchen Sie möglichst viel SV-pflichtig zu verdienen bis 70+, dann müssen Sie sich um diese Zeiten des Ausfalls für Ihren Beitrag zur persönlichen Altersvorsorge keine Gedanken machen ...oder, auf Handwerker downgraden:

https://www.youtube.com/watch?v=cSw8G7MbfO0
;-)

Gruß
w.