Teil-EM und Teilzeitarbeit

von
Mondi

Hallo an alle Forumteilnehmer.
Seit beginn der Teil-EM 7/2015 arbeite ich Teilzeit. Das Arbeitsverhältnis ist schwierig, ich erwäge zu kündigen. Jobsuche bisher leider erfolglos. Bis heute (5/2020) habe ich 32 Jahre und 9 Monate "Pflichtbeitragszeiten"
Nun folgende Frage:
Mein Mann würde mich "pflichtig" anstellen, um die restlichen 2 Jahre und 3 Monate für die 35 Jahre zur Schwerbehindertenrente (habe 60% unbefr.) zu erreichen. Leisten kann er sich einen Angestellten eigentlich nicht, er ist Solo-Selbständig. Was würde passieren, wenn es finanziell nicht mehr klappt und er mir kündigen muss. Bestünde dann die Möglichkeit, dass ich eine Arbeitsmarktrente erhalte, sofern ich nicht anderweitig einen Job finde? Oder ist die nicht möglich, da ich bei meinem Mann (Familie) angestellt war?

Weitere Frage:
Meine Teil-EM wurde bis 3/2023 verlängert.
Sollte ich keine weitere Verlängerung bekommen (wovon ich nicht ausgehe) und ich zu der Zeit keinen "pflichtigen" Job habe, oder nur einen 450 Euro-Job, wieso macht dann der 450 Euro-Job meine Berechnung für die Altersrente kaputt? Besser Arbeitslos ohne Bezug melden. Dieses Thema wurde hier schon mal beschrieben, aber das habe ich leider nicht so genau verstanden, wie es gemeint ist.

3. Frage:
Wenn Teil-EM nicht weiter verlängert wird, wird, wenn ich es richtig verstehe, die Zurechnungszeit zur Anrechnungszeit. Kann ich es so verstehen, wenn es zur Berechnung der Altersrente kommt, dass die Zeit der EM, gehen wir mal von den 8 Jahren aus, sich so verhält:
Dargestellt als 1 Punkt pro Jahr.
0,5 Punkte pro Jahr(weil Teil-EM)
0,4 Punkte pro Jahr(weil meine Teilzeitverdienst derzeit 40% entspricht)
Also 0,9 Punkte pro Jahr
Oder wird auf den Besitzschutz aufgerundet, auch wenn man weniger in Teilzeit verdient hat. Also 1,0 Punkte pro Jahr.
Dass nach der EM-Zeit die Zurechnungszeit wegfällt, ist mir bewußt.

Vielen Dank für alle Antworten.

von
W°lfgang

Zitiert von: Mondi
Bis heute (5/2020) habe ich 32 Jahre und 9 Monate "Pflichtbeitragszeiten"
Nun folgende Frage:
Mein Mann würde mich "pflichtig" anstellen, um die restlichen 2 Jahre und 3 Monate für die 35 Jahre zur Schwerbehindertenrente (habe 60% unbefr.) zu erreichen.

Hallo Mondi,

machen Sie es nicht so kompliziert, die 35 Jahre für die Altersrente wg. Schwerbehinderung erreichen Sie wohl allein durch den Bezug Ihrer (Teil)EM-Rente.

In Ihrer Rente wurde bereits bis 62 eine sogenannte Zurechnungszeit (ZZ) bis 62 berücksichtigt, eine quasi 'geschenkte' Versicherungszeit/die auch die EM-Rente erhöht hat. Diese ZZ wird bei einer Altersrente als Rentenbezugszeit bei den 35 Jahren mitgezählt. Die ZZ finden Sie in Ihrem Rentenbescheid im ‚Versicherungsverlauf‘ am Ende aufgelistet.

Nun gilt es nur Rentenbeginn Teil-EMRT, Ihr Alter damals/künftig (für die Altersrente wg. Schwerbehinderung) und die damals ermittelte Zurechnungszeit zusammenzufassen, um schon jetzt festzustellen, dass allein die Rentenbezugszeit reicht, um die 35 Jahre zu erreichen (=Rahmendaten fehlen, um einen abschließende Bewertung vornehmen zu können).

Können Sie somit selbst feststellen oder die nächste Beratungsstelle befragen, wie das mit den 35 Jahren passend aussieht.

Gruß
w.
PS: Frage 2. + 3. klammere ich hier mal aus, da die 35 Jahre im Vordergrund stehen. Da gibt es ja auch noch andere User + Experten, die das aus den Ärmeln schütteln können ;-)

von
Mondi

Hallo Wolfgang,
danke für die Antwort.

Würde mich freuen, wenn ich noch weitere Antworten zu meinen Fragen bekommen würde.

Gruß Mondi

Experten-Antwort

Hallo Mondi,

wie Ihnen schon mitgeteilt wurde, erreichen Sie die 35 Jahre für die Wartezeit bereits mit dem Bezug der EM-Rente bis 3/2023.

Sollte Ihr Mann Sie (dennoch) einstellen, obwohl er sich eine Angestellte nicht leisten kann, und Sie entsprechend kurzfristig wieder kündigen, müssen Sie damit rechnen, dass Ihr Rentenversicherungsträger prüft, ob dass Beschäftigungsverhältnis lediglich pro forma bestanden hat. Nur wenn es sich nicht um ein pro-forma-Arbeitsverhältnis handelte, kann nach der Kündigung geprüft werden, ob ein Anspruch auf Arbeitsmarktrente besteht.

Zur zweiten Frage:
Bei einem Minijob werden entsprechend der Entgelthöhe nur niedrige Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt. Ein Jahr mit einem Bruttoverdienst von 450,- € ergibt zum Beispiel "nur" 0,1332 Entgeltpunkte (im Jahr 2020).

Sofern Sie die Voraussetzungen für eine Anrechnungszeit wegen Arbeitslosigkeit ohne Leistungsbezug erfüllen (was wir hier ohne nähere Kenntnisse Ihres Versicherungskontos nicht beurteilen können), erhalten Sie für diese Anrechnungszeit keine Entgeltpunkte. Dennoch könnte sich diese Anrechnungszeit bei der Rentenberechnung günstiger auswirken als Beiträge aus einem Minijob. Dies kann dann der Fall sein, wenn Sie bisher - im Vergleich zum Minijob - hohe Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt haben und Ihr Versicherungskonto relativ viele zu bewertende beitragsfreie und/oder beitragsgeminderte Zeiten enthält. Die Bewertung dieser beitragsfreien oder beitragsgeminderten Zeiten richtet sich nämlich vor allem nach dem Durchschnittswert Ihrer Beitragszeiten. Dieser Durchschnittswert kann sich durch einen hinzukommenden Minijob mit niedrigen Beiträgen zunehmend verringern.

Was für Sie ggf. günstiger ist, kann hier im Forum aber ohne nähere Kenntnis Ihres bisherigen Versicherungsverlaufs bzw. ohne eine Probeberechnung nicht pauschal beantwortet werden.

Zur dritten Frage:
Wenn die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung nicht verlängert wird, wird die darin enthaltene Zurechnungszeit bei einer späteren Altersrente zur Anrechnungszeit. Wie Sie schon richtig angemerkt haben, gilt das allerdings nicht für die Zurechnungszeit, die nach dem Ende der Rente wegen teilweiser EM liegt.

Die Anrechnungszeit wird in der späteren Altersrente neu bewertet, d. h. der Wert, den diese Zeit als Zurechnungszeit erhalten hat, kann sich noch ändern. Der Wert für die Anrechnungszeit wird dann mit dem Entgeltpunktewert für die Beschäftigung verglichen, die neben der Rente ausgeübt wurde. Der höhere Wert ist maßgebend (vereinfacht gesagt).

Wir empfehlen Ihnen, sich zu gegebener Zeit nochmals individuell beraten zu lassen.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Mondi

Hallo Experten,

vielen Dank für Ihre Antwort. Zu Frage 1 und 3 ist mir nun alles klar.
Zu Frage 2 könnte ich noch folgende Daten geben.
Bis zur Teil-EM habe ich in Vollzeit knapp 28 Jahr durchgehend (außer AU) gearbeitet, im Anschluß ab Teil-EM arbeite ich nun auch ohne Unterbrechung (außer AU) in Teilzeit. War bisher noch nie arbeitslos.
Wäre ich Arbeitslos, würde ich dadruch die Voraussetzung für die Anrechnungszeit für Arbeitslosigkeit erfüllen?
Als Durchschnittswert könnte mit 1 Punkt / Jahr gerechnet werden.
Also, wenn ich dann nur einen Mini-Job hätte, dann ist es für mich schlecht?
Wenn dem so wäre, könnte mann dann den Mini-Job auch ohne Pflichtversicherung ausführen, und er erscheint dann für die Berechnung nicht?

Letzte Frage. Meine bisher definitiv erarbeiteten Punkte können aber nicht reduziert werden, die bleiben mind. am Rentenkonto erhalten?

Vielen Dank schon mal vorab für die Rückmeldung.

Mondi

Experten-Antwort

Zitiert von: Mondi

Wäre ich Arbeitslos, würde ich dadruch die Voraussetzung für die Anrechnungszeit für Arbeitslosigkeit erfüllen?

Hallo Mondi,

eine Anrechnungszeit wegen Arbeitslosigkeit können sie nur erhalten, wenn dadurch eine versicherte Beschäftigung oder versicherte selbständige Tätigkeit unterbrochen wurde. D. h., zwischen dem Ende der letzten Beschäftigung/Tätigkeit und dem Beginn der Arbeitslosigkeit (Meldung) darf kein freier Kalendermonat ("Lücke") liegen.

Zitiert von: Mondi

Als Durchschnittswert könnte mit 1 Punkt / Jahr gerechnet werden.
Also, wenn ich dann nur einen Mini-Job hätte, dann ist es für mich schlecht?

Ob ein versicherungspflichtiger Minijob für sie "schlecht" wäre, kann hier immer noch nicht pauschal gesagt werden. Gewissheit könnten Sie nur über eine Proberechnung erlangen.
Zitiert von: Mondi

Wenn dem so wäre, könnte mann dann den Mini-Job auch ohne Pflichtversicherung ausführen, und er erscheint dann für die Berechnung nicht?

In einem Minijob können Sie sich auch von der Versicherungspflicht befreien lassen. Dieser Minijob würde dann nicht mehr in die Berechnung des Gesamtleistungswertes für die Bewertung beitragsfreier und beitragsgeminderter Zeiten einfließen.
Zitiert von: Mondi

Letzte Frage. Meine bisher definitiv erarbeiteten Punkte können aber nicht reduziert werden, die bleiben mind. am Rentenkonto erhalten?

Ja, grundsätzlich bleiben Ihnen Ihre Entgeltpunkte, insbesondere für Beitragszeiten, erhalten. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass sich infolge zukünftiger Rechtsänderungen auch Veränderungen bei der Berechnung der Entgeltpunkte bzw. der Rente ergeben, insbesondere bei beitragsfreien oder beitragsgeminderten Zeiten. In der Vergangenheit haben bereits Rechtsänderungen dazu geführt, dass sich Rentenanwartschaften gemindert haben. Zum Beispiel wurden Zeiten der Schulausbildung früher mit Entgeltpunkten bewertet, heute nicht mehr.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Mondi

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

Gruß Mondi