Teil-Erwerbsgeminderten-Rente

von
Stefan G.

Mein Name ist Stefan, ich bin Journalist in Vollzeit, seit vielen Jahren fest angestellt, ungekündigt, 38 Jahre alt. Durch eine verpfuschte OP bin ich seit November 2007 arbeitsunfähig. Im Mai 2008 hatte ich einen Antrag auf Erwerbsgemindertenrente gestellt, nachdem meine fünfwöchige Reha nicht erfolgreich beendet werden konnte.

Seit Dezember 2007 beziehe ich Berufsunfähigkeitsrente. Nun läuft Mitte April die Krankengeldzahlung aus, ich muss also zum Arbeitsamt. Meinem Antrag auf Gleichstellung wurde rückwirkend zum 17.11.2008 entsprochen. Mein Arbeitgeber setzt mich zunehmend unter Druck, aber mein Rentenantrag, der bereits im Widerspruchsverfahren läuft, ist immer noch nicht entschieden. Inzwischen war ich bei mehreren Gutachtern, die mir alle nicht bescheinigen konnten, arbeitsfähig zu sein.

Wie geht es nur weiter? Ich will doch nur Teil-EGR haben, dann in Teilzeit ein paar Stunden arbeiten. Meine Behinderung habe ich mir schließlich nicht ausgesucht, ich wäre lieber gesund!

Noch etwas: Würde die staatliche Rente mit der privaten verrechnet? Oder bekäme ich zu den 1.200 Euro monatlich dann noch die offizielle Rente?

Über eine möglichst fachkundige Antwort und/oder menschlichen Rat würde ich mich sehr freuen. Seit einigen Monaten bin ich auch schon in psychologischer Betreuung, da mich diese Situation zermürbt und kirre macht...

von
Corletto

Wenn Sie erst 38 Jahre alt sind, können Sie keine
- gesetzliche - Berufsunfähigskeitsrente im Dezember 2007 erhalten haben.

Diese Rentenart gibt es schon seit dem jahre 2001 nicht mehr . Die " alte " BU Rente gibt es aufgrund der sog. Vertrauensschutzregelung nur noch für vor dem 1.1.1961 geborene.

Wahrscheinlich bekommen Sie also eine private Bu-Rente ?

Die alte BU-Rente heisst heute Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung.

Bei EM-Rentenantragstellung können Sie sich nicht " aussuchen " , welche Rente
( teil - oder volle EM-Rente ) Sie gerne haben wollen.

Diese Entscheidung obliegt alleine der RV und wird anhand ihres Gesundheitszustandes mit Hilfe der vorliegenden ärztlichen Atteste/Befundberichte sowie Gutachten etc. getroffen

Eine Gleichstellung - also 50 % Schwerbehinderung - nützt ihnen im EM-Rentenverafhren gar nichts. Die Schwerbehinderung wird nach ganz anderen Krtiterien als die EM-Rente festgestellt , von einer anderen Behörde und hat keinen Einfluss auf die Entscheidung der Rentenversicherung zur EM-Rente !

Sollte ihnen eine gesetzliche EM-Rente zuerkannt werden, wird diese NICHT mit der privaten BU-Rente verrechnet.

Beide Renten haben nichts miteinader zu tun und Sie bekämen die private BU-Rente zusätzlich zur gesetzlichen Rente.

1200 Euro BU-Rente ist natürlich nicht schlecht - soviel bekommen die meisten voll erwerbsgeminderten Rentner aus der gesetzl. Rente nicht......

Letzlich können Sie die Entscheidung der Rentenversicherung im laufenden Widerspruchsverfahren abwarten und dann dagegen
eventuell Klage vor dem Sozialgericht einreichen.

von
Stefan G.

Danke für die schon recht informative Antwort.
Wie ich in meinem ersten Beitrag bereits erwähnte, handelt es sich bei der BU-Rente um eine Privatrente, die von der Allianz-Versicherung im Rahmen der Presseversorgung geleistet wird.

Wenn nun endlich ein (positiver) Bescheid über die staatliche Erwerbsgeminderten-Rente käme, könnte ich mein Leben wieder in geordnete Bahnen bringen. Schon alleine die Tatsache, dass die Zahlung des Krankengeldes im April endet, macht mich ganz kirre. Was, wenn das Arbeitsamt Wochen braucht, bis der Geldfluss weitergeht? Als Familienvater mit drei Kindern muss man zuverlässig seinen Verpflichtungen nachkommen (Hypothek, Versicherungen usw.).

Und vor allem drängt mich mein Arbeitgeber und setzt mich immer mehr unter Druck. Aber an die Arbeit kann und soll ich nicht, bis der Bescheid der Rentenversicherung vorliegt.

von
Corletto

Sie sollten sich auf jeden Fall schon jetzt bei der Agentur für Arbeit melden und angeben das am xx.xx.xx. ihr Krankengeldanspruch ausläuft.

Es geht darum hier einem eventuellem Vorwurf einer Fristversäumnis von vorne hinein aus dem Wege zu gehen.

Sie bekommen dann ja - bis zur Entscheidung der RV über ihren EM-Antrag - das ALG I im Rahmen der sog. Nahtlosigkeitssregelung gezahlt - längstens natürlich für ihre ALG I Anspruchsdauer von 12 Monaten.

Der ALG I Antrag dazu wird aber erst kurz ( so ca. 1-2 Tage )vor Ablauf des Krankengeldanspruches aufgenommen werden.

Sollten Sie eine volle EM-Rente zuerkannt bekommen, können Sie auch noch 400 Euro dazu verdienen. Bei einer teilweisen EM-Rnete ja sogar noch mehr.

Ansonsten sollten Sie dem Druck ihres Arbeitgebers keinesfalls nachgeben.

Auch sollten Sie keinesfalls ihr Arbeitsverhältniss selber kündigen , da Sie sonst alle erworbenen Ansprüche ( auch auf eine eventuelle Abfindung ) verlieren würden.

Auch wenn Sie eine EM-Rente/BU-Rente
erhalten, endet ihr Arbeitsverhältnis dadurch nicht automatisch und müsste vom Arbeitgeber dann per Kündigung beendet werden.

Durch eine Kündigungschutzklage dagegen , könnten Sie auch eventuell noch eine Abfindung erhalten.

Es gibt auch die Möglichekit das ihr Arbeitsverhältnis ruhend gestellt wird, da eine EM-Rente ja meistens nur befristet gezahlt wird und Sie nach Ablauf der Rente wieder in ihren Beruf dann weiter arbeiten könnten.

Lassen Sie also den Arbeitgeber in Ruhe auf sich zukommen und regieren Sie erst dann !

Die Agentur wird ihenn dazu einen genauen Antragsaufnahmetermin dann noch mitteilen.

Die erste Zahlung erfolgt dann
auf jeden Fall rechtzeitig und kurzfrsitig zum Endes Monats
( ALG wird ja nachscüssig immer am Ende eines Monats gezahlt ) .

Das ganze Prozedere dauert also keine Wochen sondern lediglich ein paar Tage.

p.s.:
Sie können recht froh sein seinerzeit eine BU-Rente abgeschlossen zu haben und damit schon mal - relativ - finanzielll abgesichert zu sein.
Viele Menschen ( gerade der Jahrgänge ab 1961 ) haben
dies versäumt und stehen dann im Fall der Erwerbsminderung nur mit der relativ bescheidenen gesetzl. EM-Rente da !

von
Stefan G.

Toll, dann haben Sie ganz herzlichen Dank, denn Sie haben mir wirklich sehr geholfen!

Diese private Versicherung ist für Journalisten obligatorisch. Und dass ich derart abgesichert bin, habe ich erst in der Reha erfahren. Und zum Arbeitsamt werde ich dann diese oder nächste Woche fahren.

A prospos fahren: Damit ich wieder selbständig mobil bin, habe ich mir letzte Woche einen älteren Vauxhall Astra mit Rechtslenkung und Automatik gekauft. Zum Auto werde ich keine Zuschüsse erhalten, da zu billig. Aber eine benötigte Lenkhilfe (Knauf) will ich nun beantragen. Die Formulare habe ich inzwischen vorliegen, weiß aber nicht so recht, wie es weitergeht. Vor allem, ob ich zu meinem Hausarzt muss, mir eine Bescheinigung oder sowas holen. Und, wo man die Lenkhilfe kauft. Muss man einen Kostenvoranschlag einreichen oder erhält man einen Pauschalbetrag?

Vielleicht können und möchten Sie mir hierzu ja auch noch einen Rat geben?

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Stefan G.,
ein Attest von Ihrem behandelnden Arzt, der Ihnen die Notwendigkeit einer Lenkhilfe bescheinigt ist sicher hilfreich. Wo Sie eine solche Lenkhilfe kaufen, bleibt Ihnen überlassen. In jedem Fall wird aber ein Kostenvoranschlag benötigt. Sofern alle sonstigen Voraussetzungen für die Gewährung einer Kfz-Hilfe erfüllt sind, werden die tatsächlichen Kosten übernommen, nur in Ausnahmefällen wird ein Pauschalbetrag gezahlt.

von
Stefan G.

Prima, vielen Dank! Und wo sollte man sich hinwenden, wenn man eine Lenkhilfe kaufen möchte? Ich meine, wer verkauft so etwas denn - ein Sanitätshaus oder eher der Autozubehör-Handel?

von Experte/in Experten-Antwort

Am besten Sie gehen in eine Autowerkstatt oder einen Autozubehörhandel.