Teilhabe a. Arbeitsleben und Studium

von
Wolfram

Hallo allerseits,

mir brennt folgende Frage auf der Seele. Die Rentenversicherung hat mir Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bewilligt, welche auf eine Umschulung hinausläuft.
Es gibt dazu freie Träger und auch die Berufsförderungswerke. Grundsätzlich sind ja bei der Auswahl der richtigen Umschulung meine Neigungen, Fähigkeiten und Interessen zu berücksichtigen. Ich habe mich lange informiert und festgestellt, dass es vor allem eher die klassischen Ausbildungsberufe sind, in denen über die Rentenversicherung umgeschult werden kann. Die Umschulungen dauern in aller Regel 24 Monate als Regelförderzeitraum.
Jetzt habe ich die Möglichkeit des Studiums am BfW Heidelberg entdeckt. Dort besteht die Möglichkeit i.R.d. Leistung auf Teilhabe am Arbeitsleben zu studieren. Der Haken an der Sache scheint mir erst einmal zu sein, dass das Studium dort 30 Monate und somit 6 Monate mehr als der Regelförderzeitraum beträgt. Grundsätzlich ist diese Maßnahme aber förderungsfähig. Kann mir jemand sagen, ob eine solche Form der Umschulung von der DRV gleichwertig mit den anderen Umschulungen behandelt wird, oder ob eine solche nur in ganz besonderen Ausnahmefällen bewilligt wird, weil sie eben 6 Monate länger dauert, als die klassische Umschulung?

Danke

Wolfram

von
Nix

Hat Ihnen der RV-Träger tatsächlich eine Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben in Form einer Umschulung BEWILLIGT? Da bin ich mir Ihren Schilderungen zur Folge nicht so ganz sicher. Wäre eine Bewilligung ausgesprochen, so wäre im Bescheid die genaue Art, Ort und Dauer der Umschulung mit Angaben zum Umschulungsberuf und Ausbildungsstätte enthalten gewesen. Sicher hat er nur seine Zuständigkeit erklärt, dass er also für die Feststellung der Leistung zuständig ist und Sie in Kürze von einem Fachberater für Rehabilitation ausführlich beraten werden.Da Ihnen das alles noch nicht bekannt ist, gehe ich davon aus, dass Sie NOCH GARNICHTS BEWILLIGT BEKOMMEN HABEN.
Grundsätzlich soll eine Umschulung nicht länger als 24 Monate dauern, so wie das auch der Regelfall ist. Tatsächlich bestimmt der Kostenträger je nach Eignung und Neigung des Versicherten die Art, Ort und Dauer der Leistung. Ob in IHREM SPEZIELLEN FALL eine über die 24 Monate hinausgehende Umschulungsförderung möglich ist- auch noch in Form eines Studiums -, müssen Sie mit dem für Sie zuständigen Fachberater für Rehabilitation beim Kostenträger besprechen. Nehmen Sie all Ihre Zeugnisse/Diplome etc. mit zum Beratungsgespräch.

Sicher ist: Sie müssen für ein Studium auch geeignet sein aufgrund der Vorbildung etc. Eine Entscheidung darüber hier im Forum können wir nicht treffen.

von
Wolfram

Guten Morgen Nix,

die TLA ist dem Grunde nach bewilligt, ein Gespräch mit dem Reha-Fachberater hat bereits auch stattgefunden. Ich mache nunmehr in wenigen Wochen eine Berufsfindung und Arbeitserprobung in einem BfW. Dieses ist leider nicht das BfW Heidelberg und bietet keinen Studiengänge an.

Es geht mir NICHT darum im Forum beantwortet zu bekommen, ob in meinem speziellen Fall ein Studium oder sonstwas in Betracht kommt!
Vielmehr geht es schlicht um die Frage in welchen Fällen, bzw. unter welchen Voraussetzungen der Leistungsträger eine Maßnahme bewilligt, die den Regelförderungszeitraum um ca. 6 Monate überschreitet. Dieses ist bei dem Studium der Fall, aber auch bei einer Vielzahl von Gesundheitsberufen, die regelmäßig 3 Jahre dauern.
Ich wäre sehr dankbar, wenn jemand grob umreißen kann, wann man die Möglichkeit zu einer unwesentlich längeren Förderung hat, als die 24 Monate.

Danke

Wolfram

Experten-Antwort

Gem. § 37 Abs. 2 SGB IX sollen die LTA nicht länger als zwei Jahre dauern.

Bei § 37 Abs. 2 SGB 9 handelt es sich um eine Sollvorschrift. Die Leistungen der beruflichen Weiterbildung sollen "in der Regel" unter Berücksichtigung der zeitlichen Höchstdauer erbracht werden; länger als zwei Jahre dauernde Weiterbildungsmaßnahmen können lediglich gefördert werden, wenn "das Teilhabeziel nur über eine länger dauernde Leistung erreicht werden kann oder die Eingliederungsaussichten nur durch eine länger dauernde Leistung wesentlich verbessert werden" Den Rentenversicherungsträgern wird durch diese Regelung der erforderliche Ermessensspielraum für die Entscheidung über Art und Umfang der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben eingeräumt, so dass den Bedürfnissen der Praxis ausreichend Rechnung getragen werden kann.
Eine berufliche Weiterbildungsmaßnahme kann nach Abs. 2 über die Höchstgrenze von zwei Jahren hinaus gefördert werden, wenn der Versicherte nur durch eine länger dauernde Leistung eingegliedert werden kann
Nähere Einzelheiten sollten Sie bei Ihrem Reha-Fachberater erfragen.

von
Insider

Die dortige Ausbildung ist förderfähig und wird auch von den RV Trägern belegt. Sofern Sie für die Ausbildung geeignet sind (wird während der BF/AP festgestellt) und eine Vermittelbarkeit im Anschluss an die Ausbildung gegeben ist (z.B. Sie sind Bundesweit ausgleichsbereit) wird die Ausbildung bewilligt. Aber sprechen Sie das mit Ihrem Reha Fachberater ab, dass Sie sich für die dortige Ausbildung interessieren und während der BF/AP auch speziell dies Anforderungen an den Ausbildungsgang getestet werden sollen.

von
Wolfram

Hallo Insider,

vielen Dank auch für Ihre Hinweise.
Ich bin bisher davon ausgegangen, dass nur das BfW-Heidelberg am Ende eine Empfehlung für das Studium abgeben kann, da dieses das einzige BfW ist, an dem ein Studium im Rahmen der LTA überhaupt möglich ist. Die Berufsfindung und Arbeitserprobung findet in meinem Fall jedoch an einem anderen BfW statt. Kann auch dieses BfW eine Empfehlung für ein Studium abgeben, die persönlichen Voraussetzungen, insbesonder eine festgestellte Fähigkeit meiner Person dazu, einmal unterstellt? Oder ist es so, dass i.d.R. das BfW, in dem die Berufsfindung und Arbeitserprobung durchgeführt wird, eine gewisse Tendenz in die Richtung haben wird, mich für eine Umschulung dort zu behalten, d.h. am Ende die Empfehlung auf eine Maßnahme gerichtet sein wird, die ich auch dort machen könnte?

In jedem Fall scheint es ja so zu sein, dass 24 Monate für eine Umschulung die Regel sind, die wohl nur mit sehr guter Begründung, d.h. im Ausnahmefall derart durchbrochen werden kann, als dass eine Maßnahme bewilligt wird, die eben 6 Monate länger, als der Regelfall dauert.

Danke und Grüße

Wolfram

von
???

Die 24-Monats-Regel ist zum Beispiel auch immer dann zu durchbrechen, wenn eine Umschulung in einem Beruf durchgeführt wird, bei dem die Regelausbildungszeit 42 Monate beträgt. Die IHKen bzw. HwKen lassen nämlich nur eine Verkürzung um 12 Monate zu. Von daher sind Umschulungen mit 30 Monaten durchaus üblich.

von
Wolfram

Hallo,

vielen Dank auch für Ihre Worte. Grundsätzlich gibt es wohl eine sehr breit gefächerte Möglichkeit der Berufsausbildung i.R. einer Umschulung. Haben Sie einen Tipp, wo ich eine Art Übersicht finde, in welchen Berufen eine Ausbildung durch den Rentenversicherungsträger erfolgen kann? Ich nehme an, dass sich die Möglichkeiten nicht nur auf die von den Berufsförderungswerken angebotenen Möglichkeiten beschränken?

Danke & Grüße

Wolfram

Experten-Antwort

Bei jeder Agentur für Arbeit gibt es die Broschüre "Beruf aktuell". Alle Berufe die dort aufgeführt sind, kann die RV anbieten. Ob die einzelnen Voraussetzungen vorliegen prüft die RV.
Wenden Sie sich in Ihrem speziellen Fall doch vertrauenswürdig an Ihren Reha-Fachberater.

von
???

Umschulungen werden nicht nur im bfw durchgeführt, sondern können auch ganz normal als betriebliche Ausbildung laufen.

von
Wolfram

Hallo,

vielen Dank. Wie läuft denn eine "normale" Umschulung in Form einer betrieblichen Ausbildung ab? Ich suche mir "ganz normal" einen Ausbildungsplatz und erhalte neben der Ausbildungsvergütung Übergangsgeld vom Rentenversicherungsträger?

Wolfram

Experten-Antwort

Wenn Sie neben dem Übergangsgeld noch weitere Einnahmen haben, wird das auf das Ü-Geld angerechnst (jeder EURO).

von
Wolfram

Vielen Dank. Gibt es denn für die Firma, die mich im fortgeschrittenen Alter dann zu einer Berufsausbildung beschäfftigen würde irgendeinen Anreiz finanzieller Art? Ansonsten sind die Chancen selbst einen Ausbildungplatz zu finden mit Anfang 40 nicht besonders hoch, womit dann doch wieder "nur" eine Ausbildung bei einem freien Träger oder eben einem BfW in Frage kommt.

Wolfram

Experten-Antwort

Evtl. durch Fördermaßnahmen der Agentur für Arbeit. Bitte dort nachfragen.

von
???

Der Anreiz für den AG ist, dass er eben keine Ausbildungsvergütung zahlen muss. Während der Umschulung wird ganz normal Übergangsgeld bezogen.

von
Studierter

"Wenden Sie sich in Ihrem speziellen Fall doch vertrauenswürdig an Ihren Reha-Fachberater."

Wenn unsereiner das getan hätte, wäre er weiterhin EU-Rentner oder ALG-II-Empfänger und nicht erfolgreich ins Erwerbsleben zurückgekehrt!

Die DRV-Angestellten und sog. Fachberater sind nach meinen persönlichen Erfahrungen und der inzwischen bei anderen gesammelten nicht vertrauenswürdig.

Vertrauen ist gut, Kontrolle viel besser