Teilhabe am Arbeitsleben abgelehnt ... Widerspruch ... 3 Monate später

von
Holger H.

Ich bin gerade ziemlich verzeifelt, weil ich nicht mehr weiter weiß. Ich habe Anfang des Jahres eine stationäre Entwöhnungsbehandlung gemacht und im ärztlichen Entlassungsbericht der Klinik wurde für meinen zuletzt ausgeübten Beruf eine Leistungsfähigkeit von weniger als 3 Stunden bzw. keine festgestellt. Mitte April wurde ich aus der Klinik entlassen und habe umgehend bei der Rentenversicherung einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben gestellt. Monatelang ist nichts passiert, dann kam Mitte Juli ein Ablehungsbescheid mit der Begründung, dass ich meine letzte Beschäftigung weiter ausüben kann ?????

Da habe ich mich schon gefragt, ob der ärztliche Entlassungsbericht überhaupt gelesen wurde. Daraufhin habe ich einen Termin beim Reha-Berater der örtlichen Beratungsstelle vereinbart und dort wurde mir der Widerspruch gegen den Bescheid nahegelegt. Das habe ich Anfang August auch getan. Danach sind nun wieder mehr als 3 Monate vergangen und heute war ein dicker Brief im Briefkasten. Zuerst Erleichterung in Erwartung einer Entscheidung und dann: Drin war die Aufforderung, das enthaltene ärztliche Befundberichtsformular an meinen Nervenarzt/Psychotherapeuten weiterzuleiten und an die Rentenversicherung zurück zu schicken. Ich befinde mich gar nicht in Behandlung eines Nervenarztes bzw. Psychotherapeuten. Nach meiner Entlassung aus der Klinik habe ich das Angebot der ambulanten Nachsorge in der Suchtberatungsstelle in Anspruch genommen. Ende Oktober hatte ich da meine letzte Sitzung und der Abschlussbericht der Suchtberatungsstelle liegt der Rentenversicherung inzwischen auch vor.

Ich kann nicht nachvollziehen, dass die Rentenversicherung über 3 Monate im Widerspruchsverfahren benötigt, um einen ärztlichen Befundbericht anzufordern. Kann ich damit auch zu meinem Hausarzt gehen? Die Rentenversicherung fragt ob Abstinenzfähigkeit besteht und fordert Labornachweise (CDT-Wert, Leberwerte, Blutbild). Ich bin seit Mitte 2009 trocken und bleibe es auch. Ich benötige doch einfach nur UNterstützung für eine berufliche Neuorientierung und nach über sieben Monaten verzweifle ich langsam. Ein Bekannter hat mir nun erzählt, dass bei Verwaltungsakten einer Sozialbehörde der Widerspruch innerhalb von 3 Monaten beschieden werden muss und hat mir geraten, mich an einen Fachanwalt für Sozialrecht zu wenden. Aber ich habe gar kein Geld für einen Anwalt, da ich momentan nur ALG erhalte. Außerdem kann mir der Anwalt den ärztlichen Befundbericht auch nicht ausfüllen ... Bei der Telefonnummer von der Bearbeiterin in Berlin geht schon den ganzen Tag keiner ans Telefon. Dabei will ich doch nur wissen, ob der ärztliche Befundbericht auch von meinem Hausarzt ausgefüllt werden kann. Ic weiß einfach nicht weiter ...

Liebe Grüße

von
RFn

Natürlich kann Ihr Hausarzt die Laborwerte veranlassen und den Befundbericht ausfüllen, wenn Sie in keiner anderen fachärztlichen Behandlung sind.
Eventuell wird dann ein Gutachten durch einen Facharzt veranlasst, aber gehen Sie erst zu Ihrem Hausarzt..

von
Klemens

Natürlich kann der Hausarzt den Befundbericht grundsätzlich auch ausfüllen.

Da dieser aber kein Facharzt für diese Art der Erkrankung ist, können Sie ziemlich sicher davon ausgehen, das dieser Befundbericht aberr nicht zur Beurteilung und Entscheidung über ihren Antrag ausreichen wird.

Sie können deshalb mit großer Sicherheit davon ausgehen, das man Sie zwecks Begutachtung dann seitens der RV zu einem Facharzt schicken wird.

3 Monate bisher im Widerspruchsverfahren ist übrigens nicht unnormal. Sie wissen ja nicht was die RV im Hintergrund bereits für Ermittlungen angestellt hat. Untätig wird die RV ja bisher sicher nicht gewesen sein.

Sollten Sie also wirklich dann noch beguachtet werden und falls dann eventuell ihr Widerspruch sogar noch dem Widerspruchsausschuss vorgelegt werden müssen, werden Sie sich über wietere Monate in Geduld üben müssen.

von
Holger H.

Zitiert von: Klemens
Sie können deshalb mit großer Sicherheit davon ausgehen, das man Sie zwecks Begutachtung dann seitens der RV zu einem Facharzt schicken wird.

Dann macht es eventuell ja Sinn, mich um einen zeitnahen Termin bei einem ortsansässigen Facharzt zu kümmern. Ich wohne in der Nähe einer Klinik für Allgemeine Psychiatrie, Psychotherapie und Suchterkrankungen. In der Ambulanz kann ich mich ja um einen Termin bemühen. Sonst gehe ich jetzt zu meinem Hausarzt, er füllt den ärztlichen Befundbericht aus und dann warte ich wieder. Wahrscheinlich wieder lange und mit dem Ergebnis, dass ich doch noch zu einem Facharzt muss. Wenn ich mich jetzt um einen direkten Termin bei einem Facharzt bemühe, kann ich vielleicht eine Menge Zeit sparen. Die Fachklinik, in welcher ich meine Entwöhnungsbehandlung gemacht habe, ist auch nicht weit entfernt. Eventuell bekomme ich auch dort einen Termin.

Liebe Grüße

von
Klemens

Sich jetzt umgehend in fachärztlich psychiatrische Behandlung zu geben macht unabhängig von dem Befundbericht auf jeden Fall Sinn.

Es geht ja auch um ihre weitere Gesundung und um einem Rückfall vorzubeugen.

In der Institutsambulanz einer psychiatrischen Fachkllinik bekommt man ja normalerweise auch immer relativ rasch dann einen Termin.

Persönlich würde ich auch immer eine andauernde ambulante Behandlung in einer Fachklinik gegenüber der bei einem niedergelassenem Psychiater vorziehen. Im Fall einer Verschlechterung/Rückfall der Erkrankung ist man sicher in einer Klinik aufgrund derer Möglichkeiten der Behandlung dann besser aufgehoben.

Allerdings sollten Sie nicht zwangsläufig davon ausgehen, das ein Befundbericht des behandelnden Facharztes/ oder der Klinik dann alleine zur Entscheidungsfindung der RV reicht. Das kann so sein - muss es aber nicht.

Die RV benennt aus naheliegenden Gründen gerne einen eigenen - unabhängigen , neutralen - Facharzt der die Begutachtung dann ausführt und das wird im Normalfall niemals der behandelnde Facharzt sein.

Experten-Antwort

Unter Hinweis auf die bisherigen Beiträge empfehle ich Ihnen einen Besuch bei einem Facharzt (für den Sie ggf. eine Überweisung von Ihrem Hausarzt benötigen). Auch wenn es richtig ist, dass das Widerspruchsverfahren in der Regel innerhalb von drei Monaten beendet werden sollte, dauer im Einzelfall die notwendigen (med.)Ermittlungen häufig leider länger.