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Teilrente

von
Menni

Hallo !
Ich möchte im November in Altersrente mit einem Abschlag von 7,2 % gehen.
Daneben möchte ich aber noch bis 860 Euro hinzuverdienen, so dass ich eine 2/3 Teilrente beantragen würde.
Die Frage ist, sollte ich 2 Jahre später die Altersrente als Vollrente erhalten wollen, würde dann dass 1/3 was noch nicht zur Rentenberechnung angesetzt wurde, dann ohne Abschlag gezahlt werden ?
Und dazu noch die Frage wie würden die 2 Jahre Lohn noch zur Rente angerechnet werden, bzw. habe ich als Arbeitnehmer weiterhin RV Beiträge in dieser Zeit zu entrichten ?

Experten-Antwort

Hallo Menni,

für das eine Drittel (an Entgeltpunkten), das Sie in den zwei Jahren des Teilrentenbezugs nicht in Anspruch nehmen, wird der Abschlag von 7,2 % wieder rückgängig gemacht.

Das Entgelt, das Sie in den zwei Jahren verdienen, ist versicherungspflichtig in der Rentenversicherung, d .h. aus diesem Entgelt werden Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt. Wenn Sie dann später in die Altersvollrente wechseln, wird aus dem Entgelt ein Zuschlag (an Entgeltpunkten) zu Ihrer Altersrente berechnet. Die Rente erhöht sich also entsprechend.

von
****

Hallo Menni,

ergänzend zum Beitrag des Experten.
Aus dem Teilzeitlohn von 860 Brutto pro Monat für 2 Jahre erwerben sie ca. einen Rentenanspruch von 17. bis 18.- Euro mehr Monatsrente (10320.- Brutto/Jahr : 36267= 0,2846 EP x 30,45= 8,66 Euro x 2 Jahre = 17,32 Euro plus X % Rentensteigerung)
Ob die von ihnen beabsichtigte Wahl sinnvoll ist, bezweifel ich.
Bei Bezug einer Vollrente plus 450.- Euro aus einem Minijob hätten sie wahrscheinlich über das Jahr gesehen Netto mehr in der Tasche als bei Teilrentenbezug. Lassen sie sich doch vor der Rentenantragstellung mal von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein ausrechnen ob und wieviel Steuern bei ihrer Variante fällig werden.

von
W*lfgang

Weitere Ergänzung:

Hallo Menni

objektiv gesehen rechnet sich das doch gar nicht. Von den 800 EUR haben Sie bereits rd. 20 % Abzug für die Sozialabgaben = 160 EUR, bleiben 640 EUR, sofern Sie ggf. steuerfrei bleiben - ein Mehrbetrag von 190 EUR gegenüber einem Minijob mit 450 EUR.

Wenn Sie nur eine 'schmale' Rente von 800 EUR mtl. netto erhalten würden (kleiner dürfte sie nicht nicht sein, sonst hätten Sie nicht die 'hohe' 2/3-Hinzuverdienstgrenze von 800 EUR bei kontinuierlichem Jahreseinkommen), wiegt 1/3 Verzicht schon schwer (minus 266 EUR Rente) und Sie haben für den Minusbetrag auch noch längere Arbeitszeiten, als beim Minijob.

Und das bisschen abschlagsfreier Mehrbetrag + Zuwachs aus versicherungspflichtiger Beschäftigung ...lässt sich alles spitz rechnen, wann sich das lohnt.

Wenn Sie natürlich Spaß an Arbeit haben und nicht sofort auf quasi nahezu Null runterfahren wollen, sind die subjektiven Maßstäbe vielleicht höher einzuschätzen.

Nebenbei, vielleicht kommen Sie noch in den Genuss der 'Flexi-Rente', wenn das Gesetz dazu rechtzeitig fertig wird und bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten bei Vollrentenbezug und möglicherweise zusätzlichem Rentenanspruch bestehen.

Gruß
w.

Experten-Antwort

Hallo Menni,

zu den Ergänzungen nun auch noch eine Ergänzung von mir:

Ausgehend von den Berechnungen von W*lfgang (Nettorente von 800 Euro monatlich, bei unterstellter Kranken- und Pflegeversicherungspflicht) würde sich die monatliche Rente nach 2 Jahren Beschäftigung mit 860 Euro Gehalt um ca. 40 Euro brutto / 36 Euro netto erhöhen – lebenslang. Bei einem Minijob mit 450 Euro erhöht sie sich nicht mehr, da Sie als Bezieher einer Vollrente wegen Alters versicherungsfrei sind.

Sie würden die von W*lfgang berechneten "Verluste" während des Teilrentenbezugs (76 Euro monatlich) nach anschließenden 4 Jahren und 3 Monaten Vollrentenbezug ausgleichen. Erst danach profitieren Sie von der Rentenerhöhung von 36 Euro (rein rechnerisch / rein finanziell gesehen).

Nun müssen Sie selbst entscheiden, was sich für Sie "lohnt". Das hängt wohl auch davon ab, wie alt sie voraussichtlich werden und wie lange Sie somit von einer höheren Rente profitieren können …

von
****

Lieber Experte,
sie schrieben
" würde sich die monatliche Rente nach 2 Jahren Beschäftigung mit 860 Euro Gehalt um ca. 40 Euro brutto / 36 Euro netto erhöhen – "

Wie soll das funktionieren bei einem monatl Brutto von 860.-Euro, könnten sie mir das bitte vorrechnen?

Experten-Antwort

Zitiert von: ****

Lieber Experte,
sie schrieben
" würde sich die monatliche Rente nach 2 Jahren Beschäftigung mit 860 Euro Gehalt um ca. 40 Euro brutto / 36 Euro netto erhöhen – "

Wie soll das funktionieren bei einem monatl Brutto von 860.-Euro, könnten sie mir das bitte vorrechnen?

Hallo ****,

W*lfgang ist von einer Nettorente in Höhe von 800 Euro ausgegangen, d. h. die Bruttorente liegt bei unterstellter KV-/PV-Pflicht bei ca. 885,45 Euro (KV-Eigenanteil 7,30 % + PVdR 2,35 % = 9,65 % Abzug).

Während des Teilrentenbezugs wird 1/3 der Rente nicht in Anspruch genommen, also (885,45 Euro : 3 =) 295,15 Euro (eigentlich: die Entgeltpunkte). Da die 295,15 Euro 24 Monate lang im Verminderungszeitraum nicht in Anspruch genommen wird, entfällt der Abschlag von 7,2 % auf diesen Teil der Rente, d. h. der Zugangsfaktor erhöht sich von 0,928 auf 1,0. Somit erhöht sich der Rententeil von 295,15 Euro (x 1,0 : 0,928 ) auf 318,05 Euro. Die Rente erhöht sich also durch teilweisen Wegfall des Abschlags um 22,90 Euro.

Zusätzlich erhöht sich die Rente um einen Zuschlag für die zwischenzeitlich gezahlten Beiträge aus der 860-Euro-Beschäftigung. Diese Erhöhung haben Sie ja mit 17,32 Euro bereits berechnet (Ihr Eintrag vom 06.09.2016 - 14:11 Uhr).

In der Summe erhöht sich die Rente also um 22,90 Euro + 17,32 Euro = 40,22 Euro, abgerundet ca. 40 Euro

Da KV/PV-Pflicht unterstellt wird, ergibt sich noch ein Abzug von 9,65 % (s. o.), sodass die Nettoerhöhung bei 40,22 Euro x 0,9035 = 36,38 Euro, abgerundet bei 36 Euro liegt.

von
W*lfgang

Zitiert von: ****
(...'Berechnung/Rentabilität nach gut 4 Jahre'...)
Experten/in,

erneut WOW - bin beeindruckt, schließe mich Ihren Ausführungen an! Ist eben schlichte Rentenmathematik ...die ich nur aus dem Bauch auf eine wesentlich zu lange 'Laufzeit' eingeschätzt habe/zu faul zuhause das 'Wesentliche' bis an Ende durchzurechnen.

Die Qualität Ihrer Beiträge ist beeindruckend! :-)

Gruß
w.

Experten-Antwort

Hallo W*lfgang,

vielen Dank für das Lob.

Es motiviert uns, in diesem Stil weiter zu machen. :-)

von
Martha

Moinsen,
ich bin auch schwer beeindruckt von der Expertisequalität Was ein Glück, daß es dieses Forum gibt.

Wenn sich bei mir ein Knoten im Kopf bildet, allein schon wegen der Begrifflichkeiten, ganz zu schweigen von der RentenMathe, dann fahren Sie Ihre Kompetenzen auf. Super !

Ich tröste mich damit, daß ich andere Dinge gelernt habe...und darin bin ich auch gut ;-)

Grüße
Martha