(teilweise) Erwerbsminderung möglich?

von
Sandra76

Hallo zusammen,
ich frage mich gerade, wie es für mich weitergehen soll. Folgendes kann ich dazu mitteilen:
Ich (40 Jahre jung) hatte einen Bildschirmarbeitsplatz. Im Jahr 2015 erster Bandscheibenvorfall (LWS) mit Operation, daraufhin entwickelte sich eine Spondylarthrose, chronisches Schmerzsyndrom, Nervenwurzelreizungen, chron. Ischialgien und das sog. Postlaminektomiesyndrom. Es folgte die Kündigung meiner Arbeitsstelle. Dann wurde eine medizinische Reha durchgeführt, dort entließ man mich arbeitsunfähig, stellte aber fest, dass ich im erlernten Beruf wie auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt über 6 Stunden leistungsfähig sei. Nach rund einem Jahr Arbeitsunfähigkeit entschloss ich mich - entgegen aller Vernunft - eine neue Arbeitsstelle anzutreten. Sodann erfolgte Bewilligung eines GdB von 30. Nach rund einem Monat erlitt ich den zweiten Bandscheibenvorfall. Es folgte erneut eine arbeitgeberseitige Kündigung sowie eine Operation des BSV. Die Spondylarthrose und die weiteren o.g. Erkrankungen bestehen weiterhin. Also eine erneute medizinische Reha, aus der ich arbeitsfähig für leichte Tätigkeiten über 6 Stunden im erlernten Beruf und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt entlassen wurde (eine Verbesserung meines Gesundheitszustandes ist aber nach Angabe der Reha-Klinik nicht eingetreten!). Nach Reha-Entlassung Antrag auf ALG 1 und Gleichstellung gestellt. Gleichstellung wurde inzwischen bewilligt, nachdem mich der medizinische Dienst der Agentur für Arbeit nach Aktenlage begutachtet hat.

Da ich - wie gesagt - derzeit arbeitslos bin, stellen sich mir folgende Fragen:
Ein Bürojob wie meiner zählt - trotz der Bildschirmarbeit - zu den körperlich leichten Tätigkeiten. Diesen habe ich schon zum Zeitpunkt des ersten Bandscheibenvorfalls wegen anhaltender Schmerzen nur noch in Teilzeit ausgeübt. Ich kann nicht lange sitzen, nicht lange stehen und gehen ebenfalls nicht. Bücken und Heben wie auch Stoßbelastungen, Zwangshaltungen sollen vermieden werden. Kommt hier überhaupt eine Umschulung in Betracht?

Ganz offensichtlich kommt der medizinische Dienst der Agentur für Arbeit bzgl. meiner Leistungsfähigkeit zu einer anderen Einschätzung als die Reha-Ärzte, ansonsten wäre die Gleichstellung ja auch nicht erfolgt. Sollte ich ggfls. eine (Teil-) Erwerbsminderungsrente in Betracht ziehen?

von
W*lfgang

Zitiert von: Sandra76
Sollte ich ggfls. eine (Teil-) Erwerbsminderungsrente in Betracht ziehen?
Sandra76.

ja, sollten Sie. Wenn nicht jetzt, wann dann. Allerdings können Sie den Antrag nicht direkt auf eine Teil-EM-Rente beschränken, es wird pauschal eine EM-Rente beantragt und dann med. beurteilt, ob Sie voll, teilweise oder gar nicht EM sind.

Sollte eine volle EM-Rente bewilligt werden, können Sie - bei einer entsprechenden Beschäftigung - natürlich auch eine Teil-EM draus machen, das wird dann über den 'zu hohen' Hinzuverdienst reduziert.

> Ganz offensichtlich kommt der medizinische Dienst der Agentur für Arbeit bzgl. meiner Leistungsfähigkeit zu einer anderen Einschätzung als die Reha-Ärzte, ansonsten wäre die Gleichstellung ja auch nicht erfolgt.

Das sind 2 unterschiedliche Rechtsbereiche (Versorgungsrecht / Rentenrecht). Sie können 'leichter' GdB 100 erhalten, als auch nur eine teilweise EM-Rente. Vereinfacht: das Versorgungsamt bewertet die körperlichen Beeinträchtigungen, die Rentenversicherung prüft allgemein die Möglichkeit einer/jeder Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt – da können auch mit GdB 100 problemlos Vollschichtbeschäftigungen möglich sein.

Der letzte Reha-Bericht macht da nicht viel Hoffnung in Richtung EM-Rente/eigentlich keine (jeweils mind. 6 Std. für den eigenen Beruf wie auch für den allg. Arbeitsmarkt). Trotzdem: versuchen Sie es einfach.

> Kommt hier überhaupt eine Umschulung in Betracht?

Ziehen Sie auch das in Erwägung, kann nur der sozialmed. Dienst der DRV bei entsprechender Antragsstellung beantworten.

Gruß
w.

Experten-Antwort

Hallo Sandra76,

dem Beitrag von „W*lfgang“ kann ich zustimmen.