Umschulung ohne abgeschlossene Berufsausbildung?

von
Sergej

Hallo zusammen,

zu meiner Person: Ich bin 30 Jahre alt und bin zur Zeit Arbeitslos.
Mit 18 habe ich die Schule mit einer Fachoberschulreife beendet, danach habe ich eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerwirtschaft begonnen und nach knapp einem Monat aus Gesundheitlichen Gründen wieder abgebrochen.
Einige Zeit später war ich bei der Bundeswehr, habe den Grundwehrdienst abgeleistet und seit dem bei vielen Arbeitgebern beschäftigt gewesen.
Zuletzt war ich bei der DHL als Paketzusteller tätig und wurde unglücklicherweise in der Probezeit gekündigt. Diese Tätigkeit konnte ich nicht mehr so ganz ausführen weil ich einen Gleitwirbel habe und es öfters beim heben von schweren Paketen zu Atemaussetzern kam.
Nun beabsichtige ich eine Umschulung zu machen.
Ich war persönlich bei der Rentenversicherung Rheinland und habe mich erkundigt und mir wurde gesagt, dass es nicht möglich sei ohne einer abgeschlossenen Berufsausbildung eine Umschulung über die Rentenversicherung finanziert zu bekommen?

Ein Freund von mir war vor 5 Jahren auch in einer Umschulung obwohl er seine Ausbildung nicht abgeschlossen hatte. Er ist allerdings bei der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Ich habe bisher noch keinen Antrag auf Teilhabe am Arbeitsleben gestellt.
Wie sehen eure Erfahrungen aus oder hat jemand auch das selbe erlebt?
Ich finde auch in den Gesetzen nicht, dass es nicht möglich ist eine Umschulung zu bekommen ohne einer abgeschlossenen Berufsausbildung.
Die Arbeitsagentur würde mir eine Umschulung finanzieren, aufgrund dem finanziellen bin ich auf eine Umschulung über die Rentenversicherung angewiesen.

Vielen Dank schon mal für eure Antworten.

von
Schade

Da Sie noch keine 15 Beitragsjahre haben können (jetzt 30 und Schule bis 18 macht höchstens 12 Jahre) ist die DRV nicht zuständig.
Die Zuständigkeit für Sie liegt bei der Agentur für Arbeit.

Ein Wunschrecht, bzw die Wahl eines Trägers mit etwaigen besseren Leistungen räumt Ihnen das Gesetz nicht ein.

von
???

Für alle Träger (DRV, AfA, BG) gilt, dass sie nicht verpflichtet sind, den Rehabilitanden höher zu qualifizieren als er bisher war. Dann gibt es aber immer auch Argumente, die trotz fehlender Vor-Ausbildung zu einer Umschulung führen können.

Wenn ich Ihr Posting so lese "... seitdem bei vielen Arbeitgebern beschäftigt gewesen." oder "...in der Probezeit gekündigt." habe ich meine Zweifel, dass bei Ihnen überhaupt ein LTA-Bedarf anerkannt wird. Ihr Job bei der DHL kann nicht prägend gewesen sein, da Sie ihn ja nicht mal 6 Monate ausgeübt haben. Es ist also egal, ob Sie diese Arbeit "nicht mehr so ganz ausführen" konnten. Wenn Sie vorher immer unterschiedliche Hilfsarbeiter-Jobs ausgeübt haben, dann ist es zumutbar, dass Sie sich eben jetzt wieder einen neuen solchen Arbeitsplatz suchen. Etwas anderes wäre es, wenn Sie in den letzten Jahren immer als Paketzusteller gearbeitet hätten. Dann hätten Sie noch Chancen.

Experten-Antwort

Diese Frage kann über das Forum so nicht abschließend beantwortet werden.
Einen Antrag über Teilhabe-Leistungen können selbstverständlich erst einmal stellen, auch bei Ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger. Der prüft zunächst die Zuständigkeit und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen.
Erst bei positiver Entscheidung erhalten Sie ein Gespräch mit Reha-Berater. Liegt die Zuständigkeit nicht bei der Rentenversicherung, ist die AfA ihr Ansprechpartner.

von
Sergej

Zitiert von: ???

Für alle Träger (DRV, AfA, BG) gilt, dass sie nicht verpflichtet sind, den Rehabilitanden höher zu qualifizieren als er bisher war. Dann gibt es aber immer auch Argumente, die trotz fehlender Vor-Ausbildung zu einer Umschulung führen können.

Wenn ich Ihr Posting so lese "... seitdem bei vielen Arbeitgebern beschäftigt gewesen." oder "...in der Probezeit gekündigt." habe ich meine Zweifel, dass bei Ihnen überhaupt ein LTA-Bedarf anerkannt wird. Ihr Job bei der DHL kann nicht prägend gewesen sein, da Sie ihn ja nicht mal 6 Monate ausgeübt haben. Es ist also egal, ob Sie diese Arbeit "nicht mehr so ganz ausführen" konnten. Wenn Sie vorher immer unterschiedliche Hilfsarbeiter-Jobs ausgeübt haben, dann ist es zumutbar, dass Sie sich eben jetzt wieder einen neuen solchen Arbeitsplatz suchen. Etwas anderes wäre es, wenn Sie in den letzten Jahren immer als Paketzusteller gearbeitet hätten. Dann hätten Sie noch Chancen.

Hallo,

ich war um genau zu sein vom 07/2014 bis 09/2015 bei der DHL. Da eine neue Firma gegründet worden ist und ich nur 8 Monate bei der Deutschen Post DHL AG war, habe ich einen Vertrag bei der DHL Delivery Bonn GmbH unterschrieben. Mündlich war es schon beschlossen, dass ich in den Wahlvorstand komme und eine Woche nach der Kündigung kam eine schriftliche Bestätigung.
Nur mal dazu.

Wie kann man sich den erklären dass ein Freund die Umschulung über die DRV finanziert bekommen hat?

von
Sergej

Ich habe noch vergessen zu erwähnen, dass ich einen Gleitwirbel habe also Spondylolisthesis L5 S1 Grad 2 nach Meyerding, deswegen kommen keine schweren Tätigkeiten mehr in Frage - auch daher der Grund, dass ich eine Umschulung machen möchte.

von
???

Stellen Sie Ihren Antrag - ob bei der DRV oder der AfA ist erst mal egal. Die Zuständigkeit machen die Behörden unter sich aus. Dann sehen Sie ja auch, ob Ihr Antrag überhaupt grundsätzlich bewilligt wird.
Jetzt schon darüber zu diskutieren, ob Sie umgeschult werden, macht wenig Sinn. Welche Leistung Ihnen angeboten wird, wird später in einem Beratungsgespräch geklärt.
Warum Ihr Bekannter eine Umschulung bekommen hat, kann ich nicht wissen. Bei einer fehlenden Vor-Ausbildung sind das immer Einzelfallentscheidungen, da hatte er wohl gute Argumente. Einen Anspruch auf eine Umschulung können Sie damit aber nicht begründen.

von
wurzelchen

Hallo Sergej,
Auch ich werde anfang 2017 eine Umschulung beginnen. Auch ich habe noch keine abgeschlossene Berufsausbildung. Und die Deutsche Rentenversicherung Bund ist zuständig.
Allerdings habe ich seit meinem 19 lebensjahr im Einzelhandel gearbeitet. Und nun bin ich 44 Jahre alt.
Durch die lange Berufstätigkeit (nach Tarif Hamburger Einzelhandel wird nach dem fünften Tätigkeitsjahr als gelernt eingruppiert) ist bei mir also eine Umschulung möglich. Insoweit kann aufgrund langer Berufstätigkeit auch eine gleichwertige Qualifikation vorliegen.

Allerdings ging mein Antrag auch nicht "glatt durch"
Ich mußte für die Bewilligung zwei Reha Maßnahmen a 5 Wochen absolvieren, und mit hilfe des VDK Wiederspruch und auch Klage erheben. hat in etwa 1 1/2 Jahre gedauert...

Ich wünsche Dir viel erfolg!
LG Wurzelchen