Umschulung und Arbeitsunfähigkeit

von
Andra

Hallo,

folgende Frage:

Ich beginne Ende Februar mit einer Umschulung (am BFW), welche der Rentenversicherungsträger finanziert.

Ich befinde mich aktuell in einem Arbeitsverhältnis, bin aber schon seit Monaten arbeitsunfähig erkrankt. Deswegen letztlich ja auch die berufliche Reha.

Jetzt meine Frage: Muss ich mich bis zum Beginn der Maßnahme am BFW unbedingt weiter arbeitsunfähig schreiben lassen und Krankengeld beziehen, oder kann ich mich auch gesundschreiben lassen, meinen Resturlaub nehmen und statt Krankengeld eben "Urlaubsgeld"durch meinen Arbeitgeber in Anspruch nehmen?

Ich bin mir unsicher, ob es für die LTA irgendwelche Nachteile haben könnte, wenn ich nicht bis zum letzten Tag vor Beginn arbeitsunfähig erkrankt bin.

Vielen Dank

Andrea

von
???

Die wenigsten Umschüler sind bis zum letzten Tag vor der Maßnahme krank geschrieben. Wenn Ihr Arbeitgeber es mitmacht und die Sache sich für Sie lohnt, spricht nichts dagegen, dass Sie Ihren Resturlaub antreten. Sicherheitshalber können Sie ja noch die DRV darüber informieren.

von
Andra

Hallo,

vielen Dank für die Info. Mir ist eines immer noch nicht ganz klar: Ich mache die Umschulung, weil sich im Antragsverfahren am Ende herausgestellt hat, dass meine Ewerbsfähigkeit erheblich gefährdet ist und ich meine letzte berufliche Tätigkeit nicht, bzw. jedenfalls nicht mehr als 6 Stunden täglich ausüben kann.

Wenn ich mich nun nicht weiter arbeitsunfähig schreiben lasse, könnte dann nicht unterstellt werden, der Rehabilitant ist wieder gesund, da ja nicht mehr arbeitsunfähig, also braucht er nun wohl doch keine Umschulung mehr?!
Vielleicht sehe ich hier Gespenster wo keine sind, ich bin einfach nur ein wenig vorsichtig.

Wenn nicht mehr die Arbeitsunfähigkeit gegeben ist, dann bliebe meinem Arbeitgeber doch nicht mehr viel anderes übrig, als meinem Urlaubsantrag zuzustimmen, von daher weiß ich nicht, wieso er in dem Sinne "mitspielen" müsste. Es wäre ja auch unsinnig nach langer Krankheit jetzt ein paar Wochen ins Büro zu gehen und dann in die Umschulung.

Wenn Sie sagen, dass die meisten Umschüler nicht bis zum letzten Tag vor der Umschulung arbeitsunfähig sind, was machen die denn, Ihrer Erfahrung nach, dann? Sicherlich sind sie gerade nicht noch ein paar Wochen in ihrem alten Beruf tätig...

Vielleicht sind meine Fragen ein bisschen doof, ich bin mir nur gerade ziemlich unsicher und würde gerne meine Arbeitsunfähigkeit beenden, da ich dann einfach deutlich mehr Geld netto raus hätte, als ich derzeit Krankengeld bekomme....

Andra

von
KSC

diese Entscheidung kann Ihnen nun wirklich niemand abnehmen ob Sie sich gesund melden oder weiterhin krankschreiben lassen.

Ihre Befürchtung, dass der RV Träger die Bewilligung zurücknimmt, weil sie nicht bis zur Maßnahme au sind, ist jedenfalls grundlos - so was wird nicht geprüft.

Und ob es Ihrem Arbeitgeber egal ist ob Sie Krank sind, Urlaub nehmen oder nach langer Krankheit (endlich) die Arbeit wieder aufnehmen, weiß keiner im Forum.
Ihre Kollegen werden sicherlich hell begeistert sein, wenn sie nach monatelanger Krankheitsvertretung gleich wieder Urlaubsvertretung machen dürfen, weil Sie liebe Andra nun Erholungsurlaub benötigen - so gesehen könnte der Arbeitgeber auch Gründe haben, einen Urlaubswunsch abzulehnen.

Das würde aber auch niemand etwas helfen, weil Sie dann sicherlich sofort wieder einen Krankenschein hätten- oder?

von
Andra

Hallo KSC,

vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag.
Ich habe mich schon gefragt, wie ich Ihre Ironie, zumindest habe ich Teile Ihrer Worte so empfunden, verstehen soll.
Ich hoffe, es war Ihrerseits nur ein wenig provozierend gemeint und nicht bösartig.

Fest steht doch, dass ich meinen Job nicht mehr machen kann. Wenn ich nun nicht da bin, weil ich erkrankt bin, oder nicht da bin, weil ich meinen Urlaub nehme, dann macht das in meinen Augen keinen Unterschied, denn ich bin schlicht nicht an meinem Arbeitsplatz, dieses in beiden Fällen.
Auch ist es ja nun so, dass ein normaler Arbeitgeber über Monate hinweg und ohne das eine Genesung absehbar war, auch irgendwann durchaus in der Lage ist, den durch meine Erkrankung entstehenden Arbeitsausfall zu kompensieren. Urlaubs- oder Krankheitsvertretung funktioniert in einer kleinen Firma sicher über einen überschaubaren Zeitraum, ein dauerhaftes krankheitsbedingtes Fehlen einer Mitarbeiterin (38 Stunden) mit zwei Kolleginnen aus der Abteilung auszugleichen ist ohnehin nicht möglich.

Letztlich geht es auch nicht um Erholungsurlaub. Die letzten Monate meiner Erkrankung waren alles andere als erholsam und schon gar nicht Urlaub. Letztlich habe ich die Zeit aber benötigt, um gesundheitlich wieder auf eine solide Basis zu kommen, die mir jetzt die notwendige Sicherheit gibt der Umschulung gewachsen zu sein. Ich könnte also einen Erholungsurlaub durchaus gebrauchen.
"Urlaub" im Sinne meines Anliegens hätte, schlicht und einfach, den Vorzug, dass ich für diese Zeit 100 Prozent meines Gehaltes bekäme. Das ist nicht üppig, aber das Krankengeld ist es noch viel weniger.

Soviel vielleicht zu meiner Motivation.

Freundliche Grüße

Andra

Experten-Antwort

Hallo Andra,

ob sie zu Beginn der Umschulung im Berufsförderungswerk arbeitsunfähig sind hat keinen direkten Einfluss auf die Entscheidung hinsichtlich der Bewilligung der Umschulungsmaßnahme.

Der zuständige Reha-Fachberater ihres Rentenversicherungsträger ist jedoch über die eventuelle Inanspruchnahme ihres Erholungsurlaubes bis zum Beginn der Umschulungsmaßnahme zu informieren.

Nur eine kurze Anmerkung zur Feststellung der Arbeitsunfähigkeit.

Die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit und die Bescheinigung über ihre voraussichtliche Dauer erfordern wegen ihrer Tragweite für den Versicherten und ihrer arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen sowie wirtschaftlichen Bedeutung besondere Sorgfalt.
Dem ausstellenden Arzt obliegt daher eine besondere Sorgfaltspflicht, die nicht von sachfremden Erwägungen beeinflusst sein sollte.

von
Eva

Hallo,

ich bin Selbstständig, ich kann aus gesundheitlichen Gründen meine Arbeit als Lehrer für Fitness nicht mehr ausführen. Gibt es Informationen oder wer kann mir da weiterhelfen?
Eva

Experten-Antwort

Sicher ist in Ihrem Fall die gesetzliche Rentenversicherung ein Ansprechpartner.
Zur individuellen Abklärung Ihrer Situation sollten Sie vorsorglich einen Termin bei einer Reha-Servicestelle vereinbaren. Die Ihrem Wohnort am nächsten gelegene Reha-Servicestelle können Sie unter dem Link "Service/Beratungsstellen" ermitteln.
Dort werden Sie auch über weitere Ansprechpartner bei anderen Leistungsträgern informiert.

Gerne können Sie auch vorab bei Ihrem Rententräger einen Antrag auf Rehaleistungen ("Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben" - LTA) stellen, auch formlos. Entscheidend ist, dass Sie grundsätzlich einen entsprechenden Bedarf geltend machen.

Ob und welche Leistungen möglich sind, wird sich dann zum Beispiel im Gespräch mit einem Rehaberater ergeben.