Umschulungsberuf abgelehnt

von
alpengeher

Kann und darf der Amtsarzt nur nach Aktenlage eine Umschulung ablehnen? Drei meiner behandelnden Ärzte haben mir Attestiert dass ich für den Beruf bestens geeignet bin. Dies wird jedoch von der DRV komplett ignoriert. Widerspruch läuft.

Gruß
alpengeher

von
???

Ich gehe mal davon aus, das der konkrete Umschulungsberuf nur aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt wurde.

Dass der "Amtsarzt" (Gutachter der DRV) allein anhand von Unterlagen ablehnen kann, hat er Ihnen ja schon gezeigt. Sonst würden Sie sich kaum im Widespruchsverfahren befinden.

Dass Ihre 3 Ärzte das anders sehen, heißt nicht automatisch, dass sie im Recht sind.
In der Regel sind praktizierende Ärzte keine Arbeitsmediziner und können bei der Beurteilung der Eignung für einen Beruf durchaus an die Grenzen Ihrer Kenntnisse gelangen.
Da Ihre 3 Ärzte ja wohl unterschiedliche Fachrichtungen haben (z.B. Orthopäde, Internist, Kardiologe), ist es auch möglich, dass ihnen der Überblick über Ihren Gesamt-Gesundheitszustand fehlt. Das würde heißen, Sie könnten allein wegen (um beim obigen Beispiel zu bleiben) ihrer orthopädischen, internistischen oder kardiologischen Probleme durchaus in Ihrem Wunschberuf arbeiten. Wenn man allerdings alle 3 Gesundheitsprobleme zusammennimmt, geht's halt nicht mehr.

Sollten Sie noch keine Akteneinsicht beantragt haben, würde ich das mal tun. Nur so können Sie die Argumentation des Gutachters kennenlernen und sinnvoll widersprechen.
Eine andere Möglichkeit wäre über ein Praktikum (mindestens 4 Wochen) auszuprobieren, wie Sie tatsächlich in Ihrem Wunschberuf zurechtkommen. Sollte sich aus diesem Praktikum vielleicht sogar ein Umschulungsplaz ergeben, werden Ihre Chancen auf eine Genehmigung noch besser.

von Experte/in Experten-Antwort

Konkrete Einzelfälle können in diesem Forum leider nicht abschließend gelöst werden.

Sofern ein konkreter Berufswunsch besteht, muss dieser Beruf auch gesundheitlich geeignet sein. Dazu nimmt selbstverständlich auch ein Arzt des Rentenversicherungsträgers aus sozialmedizinischer Sicht Stellung. Dabei werden die medizinischen Unterlagen, die ihm zur Verfügung stehen, berücksichtigt. Eine Stellungnahme ohne medizinische Unterlagen ist nicht sachgerecht.

Eine ärztliche Beurteilung kann natürlich unterschiedlich ausfallen und durchaus von der Einschätzung ihrer behandelnde Ärzte abweichen.

Aus diesem Grund haben Sie ja offensichtlich auch Widerspruch eingelegt.

Es bleibt Ihnen unbenommen, Akteneinsicht zu beantragen oder um Übersendung sämtlicher ärztlicher Unterlagen - einschließlich der sozialmedizinischen Stellungnahme(n) des Rentenversicherungsträgers -, die der - ablehnenden -Entscheidung zu Grund liegen, zu bitten.

Diese Unterlagen können Sie mit Ihren Ärzten besprechen und ggf. Argumente für eine andere Beurteilung aus medizinischer Sicht liefern.

von
Schorsch

Zitiert von: alpengeher

Drei meiner behandelnden Ärzte haben mir Attestiert dass ich für den Beruf bestens geeignet bin. Dies wird jedoch von der DRV

Und mir haben mehrere behandelnde Ärzte vollständige Erwerbsminderung attestiert, obwohl ich mich selbst nur für teilweise erwerbsgemindert bzw. für berufsunfähig gehalten habe.

Die Sozialmediziner der DRV gaben mir Recht, woraufhin mir (nur) Rente wegen Berufsunfähigkeit bewilligt wurde.

Meine behandelnden Ärzte meinten es natürlich nur gut mit mir, hatten von sozialmedizinischen Leistungsbeurteilungen aber offenbar nur wenig bis keine Ahnung.

Deshalb sollten auch Sie die Stellungnahmen Ihrer behandelnden Ärzte nicht überbewerten.

Die schreiben nämlich meistens genau das, was der Patient (Kunde) haben möchte, ohne wirklich Ahnung von Sozialmedizin zu haben.

von
alpengeher

Zitiert von: Schorsch

Die schreiben nämlich meistens genau das, was der Patient (Kunde) haben möchte, ohne wirklich Ahnung von Sozialmedizin zu haben.

Hallo Schorsch, Danke für deinen Beitrag, Möglich dass es solche Ärzte gibt. Nur kann ich meinem Hausarzt zu hundert Prozent vertrauen. Einen ehrlicheren Menschen gibt es nicht auf der Welt. Ausserdem kennt er mich seit über 10 Jahren. Also kennt er meinen Gesundheitszustand sehr gut. Er ist nicht nur Arzt sondern auch Mensch. Er hat mich auch auf meinem Weg zur Diagnose begleitet wo die Uniklinik versagt hat.

Gruß

alpengeher

von
Schorsch

Zitiert von: alpengeher

Möglich dass es solche Ärzte gibt. Nur kann ich meinem Hausarzt zu hundert Prozent vertrauen.

Ich vertraue meinen Ärzten auch.

Trotzdem haben die weder nennenswerte Ahnung vom Rentenrecht noch von sozialmedizinischen Leistungsbeurteilungen.

Wenn Ihre Ärzte meinen, dass Sie für die Berufe "XYZ" geeignet sind, für die Berufe "ABC" aber nicht, dann ist das deren persönliche subjektive Meinung aber keine objektive Tatsache.

Die DRV-Sachbearbeiter haben ausführliche Informationen zu den einzelnen Berufsbildern vorliegen und wissen somit beser als Ihr Arzt, welche körperlichen und psychischen Anforderungen verlangt werden.

Ich war sehr überrascht, als ich im Rahmen meines damaligen Widerspruchsverfahrens erfahren habe, wie viel Mühe sich die DRV-Sachbearbeiter bei der Suche nach einer geeigneten Verweisungstätigkeit gemacht haben.

Es wurden sogar archivierte Gutachten von Berufssachverständigen herangezogen.

Dass man mir dennoch Verweisungstätigkeiten aufs Auge drücken wollte, die definitiv nicht für mich in Frage kamen, ist ein anderes Thema.

MfG

von
alpengeher

Zitiert von: Schorsch

Die DRV-Sachbearbeiter haben ausführliche Informationen zu den einzelnen Berufsbildern vorliegen und wissen somit beser als Ihr Arzt, welche körperlichen und psychischen Anforderungen verlangt werden.

Zum Beispiel: Eigene Erfahrungswerte in jedem Berufsbild? Das wäre höchst sonderbar! Die Beurteilung eines Berufes nur aufgrund einer schriftlichen Zugrundelegung ohne die konkrete Eignungsprüfung des einzelnen wäre sehr einseitig und meiner Meinung nach asozial. Und genau aus diesem Grund werde ich auch den rechtlichen Weg einschlagen wenn nötig. Einem der Kollegen bei denen ich in meinem Praktikum gearbeitet habe wurde vor 5 Jahren ebenso die Umschulung zu diesem Beruf vom Sachbearbeiter verwehrt weil er nicht in der Kirche aktiv ist. Und damit das Kind einen Namen bekommt , es ist der Beruf des Arbeitserziehers in einer Behindertenwerkstatt. Was hat dieser Beruf bitteschön mit der Kirche zu tun ??? Und jetzt kommt der Witz bei der Sache. Es ist der gleiche Berater der mich bis vor wenigen Wochen betreut hat... Ist das nicht ??? sonderbar ???

Gruß

alpengeher

von
Schorsch

Zitiert von: alpengeher

Und genau aus diesem Grund werde ich auch den rechtlichen Weg einschlagen wenn nötig.

Das steht Ihnen natürlich frei.

Sie sollten allerdings bedenken, dass der Rechtsweg sehr langwierig sein kann und dass Sie nicht jünger werden.

Der Arbeitsmarkt wird zunehmend schlechter und deshalb sollte man den Umschulungsbeginn (für einen anderen Beruf) nicht unnötig lange hinauszögern.

Je älter Sie sind, desto schlechter sind Ihre Vermittlungschancen.

Trotzigkeit ist deshalb in diesem Fall nicht angebracht.

MfG

von
alpengeher

Zitiert von: Schorsch

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Wenn Ihre Ärzte meinen, dass Sie für die Berufe "XYZ" geeignet sind, für die Berufe "ABC" aber nicht, dann ist das deren persönliche subjektive Meinung aber keine objektive Tatsache.

Die DRV-Sachbearbeiter haben ausführliche Informationen zu den einzelnen Berufsbildern vorliegen und wissen somit beser als Ihr Arzt, welche körperlichen und psychischen Anforderungen verlangt werden.

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Wie objektiv ist dann die Tatsache dass sich der Amtsarzt auf einen Rehabericht beruft der 2 Jahre alt ist und mich noch nicht einmal gesprochen, geschweige denn gesehen hat.
Dessweiteren, wie kann er in seinen Bericht hineinschreiben und als Grund angeben dass ich Übergewicht habe. Diese Unterlagen sind wie gesagt 2Jahre alt. Würden Sie das so akzeptieren.
Also wenn eine Rehaklinik einem eine Krankheit bescheinigt die man nie hatte ist man abgestempelt... Mal ehrlich wer kennt denn schon alle medizinischen Fachbegriffe. Der Abschlussbericht kommt per Post und man hat nicht die Möglichkeit vorher im Internet zu recherchieren oder seinen Arzt zu fragen was das alles bedeutet. Ich hätte auch nie gedacht dass mir dieser Bericht noch solche Schwierigkeiten bereitet. Desshalb kann ich allen nur raten den Entlassungsbericht der Rehaklinik sorgfältig zu überprüfen und mit dem Arzt ausführlich besprechen... das haben wir leider versäumt.

Zitiert von: Schorsch

Trotzigkeit ist deshalb in diesem Fall nicht angebracht.

Trotzigkeit ist nicht der richtige Ausdruck.
Ich würde es eher zielgerichtete Entschlossenheit nennen.

Im Widerspruchsverfahren hat der Amtsarzt zum zweiten mal ohne eine Vorsteillgkeit meinerseits das selbe Formular noch einmal ausgefüllt und diesmal noch 2 Diagnosen mehr hinzugefügt. U.A. Übergewicht... und das per Ferndiagnose ... oder so... oder ... Fernwage ??? Ah, Scotty, scannen sie die Akte. Bip bip .. Herr X wiegt XXKilo: Achtung! Zu schwer, zu schwer, zu schwer Bip...Find ich persönlich beeindruckend. Hatte gestern dann bei der Verkündung der Ablehnung, Akteneinsicht. Danach telefonisch die Unterlagen dieses Amtsarztes für meinen Hausarzt angefordert... Der hat heute die Hände über dem Kopf zusammengeklatscht. Beurteilungen von Ärzten die mich teils schon mehrere Jahre und Monate kennen werden ausser Acht gelassen. Aber Ärzten einer Rehaklinik in der ich vor 2 Jahren knapp 4 Wochen gewesen bin und mit denen ich gerade mal 5 Stunden Kontakt hatte, denen schenkt man Gesicht... Also den Akten. Wenn ich es nicht selbst erleben würde könnte ich meinen es ist eine Reportage von Herrn Wallr..f. Hm..appropos Wallr f... da kommt mir ein Gedanke... ja so siehts aus... jetzt hab ich einen Termin beim Amtsarzt der mir schon längst zugesichert war aber irgend wer hat den wohl nicht für wichtig erachtet und nicht festgelegt. Und wieder gehen 2 Wochen ins Land... da kann man doch meinen Unmut verstehen... oder nicht ???

LBG alpengeher