Umwandlung von Erwerbsminderungsrente in Altersrente wg. Schwerbeh. nachteilig?

von
shubande

Guten Tag,

ich habe eine Frage,die mich doch sehr drückt.
Ich bin 62 und erhalte eine volle Erwerbsminderungsrente, die mir lt. Bescheid auch bis zum Eintritt der Regelaltersrente zuerkannt ist. Ich habe bereits 45 Beitragsjahre, habe aber natürlich aufgrund der vorzeitigen Inanspruchnahme Abschläge in Kauf nehmen müssen.
Gleichzeitig mit dem Antrag auf Erwerbsminderungsrente wurde auch ein Antrag auf vorzeitige Altersrente wg. Schwerbehinderung gestellt.
Ich habe nunmehr einen GdB von 100% zuerkannt bekommen.
Ich könnte nun also die volle Erwerbsminderungsrente in eine vorzeitige Altersrente wg. 100 % Schwerbehinderung umwandeln lassen. Wie gesagt, der Antrag darauf wurde gleichzeitig mit dem Antrag auf Erwerbsminderungsrente ja schon gestellt.

Eine bekannte hat mir nun aber von so einer Umwandlung abgeraten, da die Altersrente wg. Schwerbehinderung niedriger ausfallen könnte, als augenblicklich meine Erwerbsminderungsrente.

Ist dies tatsächlich der Fall?
Ich bin mir nicht sicher, was ich tun soll.

Schon einmal vorab herzlichen Dank für jeden guten Rat.

von
MWXZ

Falschinformation ihrer Bekannten.
Die Altersrente für Schwerbehinderte fällt nicht niedriger aus als die Erwerbsminderungsrente.(Bestandsschutz)
Bei der RV Probeberechnung anfordern.

Experten-Antwort

Ihre Frage lässt sich nicht ganz einfach beantworten.

Der Beginn einer Altersrente für schwerbehinderte Menschen hängt davon ab, seit wann bei Ihnen Schwerbehinderung vorliegt. Beginnt die Altersrente für schwerbehinderte Menschen zeitgleich wie die Rente wegen voller Erwerbsminderung oder sogar davor, greift – entgegen der Aussage von MWXZ – kein Besitzschutz aus der Rente wegen voller Erwerbsminderung. Sie sollten sich daher unbedingt bei Ihrem Rentenversicherungsträger informieren, wann die Altersrente für schwerbehinderte Menschen beginnt und wie hoch sie ist.

Weiterhin ist zu beachten, dass Sie nach Ihrer Schilderung ("45 Beitragsjahre") wohl auch einen Anspruch auf eine Altersrente für besonders langjährig Versicherte haben werden. Diese Altersrente können Sie, wenn Sie Jahrgang 1954 sind, ab dem 63. Lebensjahr und 4 Monaten in Anspruch nehmen (Falls Sie Jahrgang 1953 sind, sogar ab dem 62. Lebensjahr + 2 Monate). Es kann sich durchaus lohnen, zunächst die Rente wegen voller Erwerbsminderung und später dann die Altersrente für besonders langjährig Versicherte in Anspruch zu nehmen (statt der Altersrente für schwerbehinderte Menschen). Zwar würde in diese Altersrente der Abschlag aus der vorherigen Erwerbsminderungsrente übernommen, aber etwas r e d u z i e r t, da der Abschlagszeitraum bei einer Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit (bei einem unterstellten Rentenbeginn im Jahr 2015 oder 2016) über den Rentenbeginn der Altersrente für besonders langjährig Versicherte hinausgeht.

Von einer Altersrente für schwerbehinderte Menschen können Sie hingegen nicht mehr in eine (günstigere) Altersrente für besonders langjährig Versicherte wechseln. Daher müssen Sie gut prüfen lassen, welche Variante für Sie die günstigste ist.

Ich empfehle Ihnen, sich individuell beraten zu lassen und die einzelnen Möglichkeiten durchspielen und vor allem durchrechnen zu lassen.

von
shubande

Herzlichsten Dank für beide Antworten. Das hilft mir schon etwas weiter.
Ich denke, ich werde da nichts übereilen und mir nochmals einen Beratungstermin geben lassen.

Ich würde nur gerne nochmals kurz zur Klarstellung nachfragen:
Der Antrag zur Altersrente wg. Schwerbehinderung wurde ZEITGLEICH wie der Antrag auf Erwerbsminderungsrente im Januar 2016 gestellt. Seit Januar 2016 erhalte ich auch die volle Erwerbsminderungsrente. Der Antrag auf Zuerkennung eines GdB für Schwerbehinderte folgte erst ein paar Tage später im Februar. Den Bescheid auf Anerkennung von 100 % Schwerbehinderung habe ich nunmehr im Mai erhalten.

Welches Datum würde denn nun für einen Rentenbeginn der Altersrente wg. Schwerbehinderung gelten; das Datum der Antragstellung beim Rentenversicherungsträger (also Januar 2016/zeitgleich mit der Antragstellung bzw. nunmehr Genehmigung der Erwerbsminderungsrente), oder das Datum der Beantragung der Festellung eines GdB (Februar 2016) oder das Datum der eigentlichen Anerkennung des GdB (Mai 2016)?

Nochmals herzlichen Dank für jeglichen guten Rat.

Experten-Antwort

Zitiert von: shubande

Herzlichsten Dank für beide Antworten. Das hilft mir schon etwas weiter.
Ich denke, ich werde da nichts übereilen und mir nochmals einen Beratungstermin geben lassen.

Ich würde nur gerne nochmals kurz zur Klarstellung nachfragen:
Der Antrag zur Altersrente wg. Schwerbehinderung wurde ZEITGLEICH wie der Antrag auf Erwerbsminderungsrente im Januar 2016 gestellt. Seit Januar 2016 erhalte ich auch die volle Erwerbsminderungsrente. Der Antrag auf Zuerkennung eines GdB für Schwerbehinderte folgte erst ein paar Tage später im Februar. Den Bescheid auf Anerkennung von 100 % Schwerbehinderung habe ich nunmehr im Mai erhalten.

Welches Datum würde denn nun für einen Rentenbeginn der Altersrente wg. Schwerbehinderung gelten; das Datum der Antragstellung beim Rentenversicherungsträger (also Januar 2016/zeitgleich mit der Antragstellung bzw. nunmehr Genehmigung der Erwerbsminderungsrente), oder das Datum der Beantragung der Festellung eines GdB (Februar 2016) oder das Datum der eigentlichen Anerkennung des GdB (Mai 2016)?

Nochmals herzlichen Dank für jeglichen guten Rat.

Im Bescheid über die Anerkennung der Schwerbehinderung wird genau festgelegt, ab welchem Zeitpunkt die Schwerbehinderung besteht. Meist ist dies das Datum der Antragstellung, bei Ihnen also Februar 2016. Sehen Sie mal nach.

Die Altersrente könnte dann mit dem Folgemonat der Schwerbehinderung beginnen (Ausnahme: Liegt die Schwerbehinderung bereits vor Oktober 2015 vor, beginnt die Altersrente frühestens am 01.01.2016).

von
MWXZ

Hallo Experte,
bei einer Umwandlung der Erwerbsminderungsrente in eine Altersrente ist die Summe der bisherigen Entgeltpunkte besitzgeschützt.
Warum soll dies nicht mehr stimmen?

Experten-Antwort

Zitiert von: MWXZ

Hallo Experte,
bei einer Umwandlung der Erwerbsminderungsrente in eine Altersrente ist die Summe der bisherigen Entgeltpunkte besitzgeschützt.
Warum soll dies nicht mehr stimmen?

Ich habe geschrieben:
"Beginnt die Altersrente für schwerbehinderte Menschen z e i t g l e i c h wie die Rente wegen voller Erwerbsminderung oder sogar d a v o r, greift – entgegen der Aussage von MWXZ – kein Besitzschutz …"

In den beschriebenen Fällen liegt k e i n e Umwandlung von einer Erwerbsminderungsrente in eine Altersrente vor: Eine Umwandlung setzt voraus, dass die Vorrente, aus der sich der Besitzschutz ableitet, einen f r ü h e r e n Rentenbeginn als die Folgerente hat. Wenn die Altersrente aber zeitgleich mit der Rente wegen Erwerbsminderung oder sogar früher beginnt, ist sie keine Folgerente im Sinne des § 88 SGB VI.

Es kommt für den Besitzschutz nicht darauf an, welche Rente zuerst festgestellt wurde, sondern welche Rente den früheren Rentenbeginn im Sinne von § 99 SGB VI hat.

Auch wenn der Bescheid über die Bewilligung der Altersrente erst im Mai oder im Juni diesen Jahres ergeht, kann der Rentenbeginn dieser Altersrente nach § 99 SGB VI vor dem Rentenbeginn der Rente wegen Erwerbsminderung (Januar 2016) liegen, wodurch ein Besitzschutz auf die persönlichen Entgeltpunkte der Rente wegen Erwerbsminderung ausgeschlossen ist.

von
shubande

Vielen herzlichen Dank einmal für die ausführlichen Rückmeldungen und die Mühe der Beantwortung meiner Fragen.

Ich hoffe, es nervt nicht zu sehr, aber ich habe mir nun von einer Rentenberatungsstelle den §89 SGBVI nennen lassen lt. dem ich mir wohl keine Gedanken machen müsste, auch wenn beide Renten gleichzeitig beginnen würden. Ist dies denn wirklich so oder mißverstehe ich da evtl. etwas in dem Text?

Experten-Antwort

Zitiert von: shubande

Vielen herzlichen Dank einmal für die ausführlichen Rückmeldungen und die Mühe der Beantwortung meiner Fragen.

Ich hoffe, es nervt nicht zu sehr, aber ich habe mir nun von einer Rentenberatungsstelle den §89 SGBVI nennen lassen lt. dem ich mir wohl keine Gedanken machen müsste, auch wenn beide Renten gleichzeitig beginnen würden. Ist dies denn wirklich so oder mißverstehe ich da evtl. etwas in dem Text?

Wie ich schon sagte, ist die ganze Sache nicht so einfach. Das gilt auch für die Vorschrift des § 89 SGB VI.

Ich möchte Ihnen das gerne kurz beispielhaft erläutern:

1. Alternative:
Ihre Rente wegen Erwerbsminderung und Ihre Altersrente für schwerbehinderte Menschen beginnen gleichzeitig im Januar 2016. Die Altersrente ist geringfügig niedriger als die Rente wegen Erwerbsminderung. Das scheint auf den ersten Blick irrelevant zu sein, da nach § 89 SGB VI ohnehin nur die höhere Rente wegen Erwerbsminderung gezahlt wird.

Allerdings besteht der Anspruch auf die Rente wegen Erwerbsminderung nur bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze. Anschließend fällt sie weg und es wird "nur noch" die niedrigere Altersrente für schwerbehinderte Menschen geleistet. Sie können nicht mehr in eine andere Altersrente wechseln, da ein solcher Wechsel gesetzlich ausgeschlossen ist (§ 34 Absatz 4 SGB VI). Da die Altersrente keine Folgerente von der Rente wegen Erwerbsminderung ist (gleicher Rentenbeginn, paralleler Anspruch), greift kein Besitzschutz, d. h. die Altersrente wird nicht mindestens in Höhe der Rente wegen Erwerbsminderung geleistet.

2. Alternative:
Sie nehmen die Altersrente für schwerbehinderte Menschen nicht in Anspruch (indem Sie den Antrag zurücknehmen). Es ergibt sich nun Folgendes: Ab Januar 2016 wird die Rente wegen Erwerbsminderung gezahlt. Insofern ändert sich gegenüber der ersten Variante erst mal nichts. Ab Erreichen der entsprechenden Altersgrenze beantragen Sie die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Diese Rente ist wahrscheinlich höher als die Altersrente für schwerbehinderte Menschen, da sie mit einem geringeren Abschlag behaftet ist. Sie kann also auch höher als die Rente wegen Erwerbsminderung sein. Aber selbst wenn diese Altersrente niedriger als die Rente wegen Erwerbsminderung ist, greift jetzt die Besitzschutzregelung (§ 88 SGB VI), da die Altersrente eine "Folgerente" zur Rente wegen Erwerbsminderung ist. Das heißt, die Altersrente wird mindestens in Höhe der Rente wegen Erwerbsminderung gezahlt. Auswirkungen auf die Rentenzahlbeträge hat das gegenüber der 1. Alternative spätestens mit Erreichen der Regelaltersrente, wenn die Rente wegen Erwerbsminderung wegfällt.

Fazit: Bei der 2. Alternative erhalten Sie spätestens ab Erreichen der Regelaltersgrenze eine höhere (Alters-)Rente als bei der 1. Alternative – und das für den Rest Ihres Lebens.

Daher lautet meine Empfehlung weiterhin: Lassen Sie sich individuell beraten und die Renten (probe-)berechnen. Denn es kann auch ganz anders aussehen: Wenn die Altersrente für schwerbehinderte Menschen vor der Rente wegen Erwerbsminderung beginnt, dürfen Sie nicht mehr in die Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit wechseln (§ 34 Absatz 4 SGB VI). Das wäre schlecht, wenn die Rente wegen Erwerbsminderung höher ist. Wenn die Altersrente für schwerbehinderte Menschen höher als die Rente wegen Erwerbsminderung ist, kann es hingegen auch überlegenswert sein, diese Rente von Anfang an in Anspruch zu nehmen.

von
shubande

Vielen Dank für die sehr ausführliche und fundierte Rückmeldung. Das hat mir wirklich sehr geholfen!