Unterstützungskassenvertrag kündigen

von
Stefan Brillke

Hallo liebe Forenleser und Experten,

meine Freundin ist seit 2002 bei einer Versicherung mit eben diesem Rentenmodell.
Da dieses aber zunehmend unattraktiv ist und Sie die 50 Euro monatlich aufgrund gestiegener Lebenshaltungskosten nicht weiter entbehren kann würden wir gerne wissen, ob Sie die Versicherung auch ohne Arbeitgeberwechsel kündigen kann und ob ein, zumindest anteiliger, Anspruch auf Auszahlung besteht.

Dabei wird die Sache kompliziert, denn die Versicherung geht, nach deren Unterlagen, wohl davon aus, dass es sich um eine Arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge handelt, was aber de facto nicht zutrifft.

Aus den Gehaltsabrechnungen geht klar hervor, dass der Monatsbeitrag von 50 Euro vom Nettogehalt abgezogen wird, ich vermute es handelt sich hier um eine Bruttoentgeltumwandlung.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns weiterhelfen könnten Klarheit über den bestehenden Anspruch zu bekommen.

Vielen Dank im Voraus!

von
HLRT67

Folgende Punkte wären zu beachten:
- wenn der Vertrag seit 2002 läuft und (was zu vermuten ist) eine Lebensversicherung dahinter steht, hätte diese noch den Garantiezins von damals 3,25% (wenn auch nur auf den sog. Sparanteil)
- wenn die 50 € ins normale Gehalt fliessen anstatt in den U-Kassen-Vertrag, kommt im Geldbeutel nach Abzug von Steuer und SV enstprechend weniger an, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten abzufangen
- würde das in der U-Kasse einbezahlte Geld ausbezahlt, würden sofort Steuer und SV darauf fällig - es käma also auch hier (mal ganz abgesehen von der Höhe des Brutto-Rückzahlungsbetrags von der Versicherung) vermutlich deutlich weniger heraus als erwartet.
Einen Anspruch haben Sie im Alter - darauf sind diese Verträge konzipiert. Ich würde, auch wenn es schwer fällt, den Vertrag im Zweifel stehen lassen bis zur Rente, überlegen, ob ich weiter einzahle oder nicht (beitragsfrei stellen kann man jede Lebensversicherung) und von einer Rückzahlung die Finger lassen.

von
nee

ebenso: Betragsfrei stellen ist immer die bessere Lösung, sonst bleibt ihr kaum etwas davon.

von
Helmut Bogdanovic

Nur als Hinweis am Rande:

Aus bereits verbeitragtem Geld (grob gesagt, Geld, das nicht direkt im Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis steht bzw. aus dem Nettogehalt bezahlt wird) sollte man nie eine betriebliche Altersvorsorge ansparen.

Denn in den Rente zahlt man als gesetzlich Krankenversicherter darauf volle Sozialversicherungsbeiträge (ca. 17,5 % zur Zeit). Es findet dann eine doppelte Verbeitragung statt.

Man zahlt also 2mal Sozialversicherungsbeiträge auf seine Betriebsrente. Dies ist im Sozialrecht im Gegensatz zum Steuerrecht ausdrücklich zulässig.

Es gibt zwar unter bestimmten Bedingungen Ausnahmen bei der Altersvorsorge in Form der Direktversicherung.

Man läßt aber besser die Finger weg davon, weil man nie weiß, wann der begehrliche Staat mal wieder an der Schraube "Sozialversicherungsbeiträge" dreht.

Experten-Antwort

Sehr geehrter Herr Brillke,
bei Fragen zur bertrieblichen Altersvorsorge (zum Beiopiel bei einer Unterstützungskasse) wenden Sie sich bitte an den Arbeitgeber oder den Betriebsrat.

von
Leser

Haben Sie noch Fragen?

von
Stefan Brillke

Vielen Dank für die vielen Antworten, aber uns stellt sich da noch eine Frage.

Werden denn die Steuern bei Eintritt des Rentenalters nicht sowieso fällig?
Anmerkung: Es handelt sich nicht um eine Lebensversicherung.

Dass sie mit erheblichen Abzügen bei einer Auszahlung zu rechnen hat ist uns bewusst, jedoch ist einem der Spatz in der Hand manchmal lieber als die Taube auf dem Dach ;)

Dazu kommt, dass Sie Post von der Versicherung erhalten hat, dass die Beiträge ab sofort um 5 Euro auf nunmehr 55 Euro pro Monat angehoben werden, was in ihrem Fall ja 10% ausmachen würde.
Besteht in einem solchen Fall nicht sowieso ein Sonderkündigungsrecht?

Danke schon mal für die vielen kompetenten und hilfreichen Antworten.