V 210 und Ihr Artikel von 16.01.07

von
Biene

RE: V210
Beitrag von Biene, 16.01.2007, 19:14 Uhr
Danke für die Infos,
was nachdenklich stimmt,
im heutigen Bericht zahlt man für 100 € Rentenminderung bei 5 Jahre Ausgleich ca. 27000,- € .
Beitrag zur KV+Pflege plus KV Reform 2009 geschäztt 16% +
+Steuer + Ki Steuer + Soli zweckentfremden den
schon versteuerten + RV, KV, PV Rentenausgleich gewaltig.
Sehe ich das so richtig.
Was habe ich eigentlich davon?

von
KSC

wenn Sie dieses sensationelle Angebot des Staates nicht nutzen wollen, dann zwingt Sie ja auch niemand dazu.

Ich würde an Ihrer Stelle die 27000€ anlegen und von dem Geld die monatlich 100 € abheben.

Dann können Sie ja mal ausrechnen, wann Ihre Ersparnisse aufgebraucht sind.
(ich weiß natürlich, dass diese Methode finanzmathematisch hinkt. Die Zahlen sprechen aber für sich)

von
Bernhard

Mit etwas angewandter Finanz- und Versicherungsmathematik kann ich aushelfen.

Wenn eine derzeit 60 Jahre alte weibliche Kundin ab 1.7.2007 bei den besten Direktanbietern für 27000 € eine Leibrente gegen Einmalbeitrag erwirbt, dann bekommt sie eine garantierte und dynamische private Rente von 100 € monatlich, oder eine konstante Rente von etwa 120 €.

Wenn man annimmt, dass die gesetzliche Rente ebenfalls noch dynamisch ist (es also künftig noch Rentenerhöhungen gibt), dann ist die gesetzliche Rente eine Spur günstiger, wegen des Zuschusses zur Krankenversicherung, den Rentner derzeit zusätzlich zur Bruttorente erhalten. Wenn man hingegen annimmt, dass es keine oder nur noch minimale Rentenerhöhungen geben wird, dann ist das private Angebote klar besser.

Die private Leibrente ist für eine Lebenserwartung von 93 Jahren berechnet, bei Ihnen (Jahrgang 1952) wären es schon 94 Jahre. Das ist weit mehr, als die derzeitige Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung, so alt wird diese Kundin also wahrscheinlich nicht.

Wenn diese 27000 Euro stattdessen zu 4,45 % verzinslich angelegt werden, dann reicht das Kapital ewig, d.h. man kann die 100 € monatliche Entnahme alleine mit den Zinsen finanzieren.

Beträgt der Zinssatz nur 3,5 %, dann reicht das Kapital immerhin noch 45 Jahre lang, bis es aufgezehrt ist, die Kundin könnte also 105 Jahre alt werden, bevor ihr das Geld ausgeht. Unnötig zu sagen, wie unwahrscheinlich es ist, a) so alt zu werden und b) dann noch Geld zu brauchen.

Muss diese Kundin effektiv (wegen Überschreitung des steuerlichen Grundfreibetrages) Steuern bezahlen, dann ist bei der Privatrente nur der Ertragsanteil, und beim Vermögensverzehr bzw. Nicht-Verzehr nur der Zinsanteil zu versteuern, was weit günstiger als bei der gesetzlichen Rente ist (nachgelagerte Besteuerung von über 50 % der Monatsrente).

Ist die Kundin gesetzlich krankenversichert, so ist die gesamte Rente beitragspflichtig, bei KVdR Pflichtversicherung nur im Falle einer gesetzlichen Rente.

Man kann also eine ganz eindeutige Empfehlung aussprechen:

Finger weg von Renten aller Art, gleich ob gesetzlich oder privat.

Die privaten Renten sind inzwischen ebenfalls so teuer geworden, dass man guten Gewissens das sehr kleine Risiko in Kauf nehmen kann, einen Verzehr des erforderlichen Kapitals - wenn er denn überhaupt noch nötig ist - zu überleben.

Die Betrachtung von Steuern und Krankenkassenbeiträgen spricht ebenfalls eindeutig gegen die Leibrente.

Auch die Frage nach der Sicherheit gibt dieselbe Antwort:

Langfristig ist eine beitragsäquivalente gesetzliche Rente extrem unsicher, das Umlageverfahren kann jederzeit kollabieren, und dann gibt es z.B. nur noch eine niedrige steuerfinanzierte und bedürftigkeitsorientierte Grundrente.

Eine private Leibrente ist zwar sicher, unterliegt aber dem Risiko von Sonderbelastungen durch zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge; man denke an das Schicksal der Betriebsrenten.

Privates Vermögen hingegen ist Eigentum und in diesem Staat unantastbar und heilig.

Experten-Antwort

Sofern Sie bei einer vorzeitigen Inanspruchnahme einer Altersrente von Abschlägen betroffen sind und die Rente somit gemindert würde, haben Sie die Möglichkeit diese Rentenminderung durch die Beitragszahlung auszugleichen. Die Rente würde demnach ohne Abschlag berechnet.