Verhältnis von § 71 SGB VI und 74 SGB VI

von
Andrea

Hallo,
ich habe ein paar allgemeine Verständnisprobleme mit der Gesamtleistungsbewertung.
1. Nach §71 S.1 Nr.2 SGB VI wird für eine berufliche Ausbildung monatlich mindestens 0,0833 Entgeltpunkten zugrundegelegt.
Nach §74 S.2 SGB VI darf die berufliche Ausbildung monatlich 0,0625 Entgeltpunkte nicht übersteigen.
Wie sind die beiden Tatbestände voneinander abzugrenzen?
2. Daneben verstehe ich nicht, wieso § 71 nur die berufliche Ausbildung erfasst, während § 74 weitere Tatbestände erfasst.
3. Wie können sich die Entgeltpunkte nach §71 S.1 Nr. 2 (Wortlaut: "mindestens") erhöhen?
4. Ist es möglich, dass beitragsfreie Zeiten mit einer beruflichen Ausbildung zusammenfallen? Und wie wirkt sich das dann aus?

von
chi

Zu 1: Mit „§71 S.1 Nr.2“ ist wohl § 71 *Abs. 3* S. 1 Nr. 2 gemeint. In Absatz 3 geht es um die Berechnung des Gesamtleistungswerts. Nur für diese Berechnung wird die Zeit der beruflichen Ausbildung aufgewertet. Das andere (womit sich der Rest des § 71 und der § 74 befassen) ist dann, welcher Wert für diese Zeiten für die eigentliche Berechnung der Rente angenommen wird.

Zu 2: Gesetzgeberische Entscheidung …

Zu 3: Auch wenn es in der Praxis unwahrscheinlich ist – prinzipiell spricht nichts dagegen, daß ein Azubi z.B. 4000 Euro Ausbildungsvergütung im Monat bekommt, also mehr als 0,0833 EP. Dann wird nicht aufgewertet, weil er den Mindestwert ja schon aus eigener Kraft erreicht hat.

Zu 4: Wenn die berufliche Ausbildung bezahlt ist (und das ist sie normalerweise), kann es keine beitragsfreie Zeit sein. Sie ist aber immer eine beitragsgeminderte Zeit – auch ohne parallele Anrechnungszeit –, wegen § 54 Abs. 3 S. 2.

Experten-Antwort

Hallo Andrea,

der Antwort von chi kann ich mich anschließen.

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