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Verhalten, wenn Rentenbescheid als nicht i.O. befunden

von
zwilling

Hallo,
es gibt ja zu diesem Thema viele Aussagen in unzähligen web-Seiten. Insbesondere wird oftmals empfohlen, bereits bei einem Widerspruch anwaltliche Hilfe, VDK oder Rentenberater oder was weis ich in Anspruch zu nehmen, da man in diesem Stadium bereits große Fehler machen kann. Ferner habe ich gelesen, daß aus dem Bescheid oftmals der genaue Grund der Entscheidung nicht konkret benannt ist? Dies wäre nur bei Akteneinsicht zu erkennen und somit auch ein Widerspruch ohne Akteneinsicht im Grunde gar nicht möglich. Wie bekommt man Akteneinsicht? Ich kann ja einen Widerspruch auch selbst formulieren, aber ist dies überhaupt ratsam? Andererseits halte ich z.B. vom VDK aufgrund bisheriger Erfahrungen nicht sehr viel. Da wird Post verschlampt, auf Schreiben überhaupt nicht reagiert usw.
Kann jemand zu dem Widerspruchverfahren nähere Auskünfte geben?
Danke und Grüße

von
Lara

Mit folgendem Schreiben habe ich in eine Kopie von Gutachten bei der DRV, bzw. MdK erhalten.
An den
MdK/DRV /welche Behörde auch immer....

Sehr geehrte D....

Ich bitte um Auskunft über die bei Ihnen gespeicherten Daten. Hinweisen möchte ich auf SGB V § 276 Abs. 3 und SGB X § 25:
Die Behörde hat den Beteiligten Einsicht in die das Verfahren betreffenden Akten zu gestatten, soweit deren Kenntnis zur Geltendmachung oder Verteidigung ihrer rechtlichen Interessen erforderlich ist.
Zum Ersatz Ihrer Aufwendungen bin ich gerne bereit. Ich bitte zum Zusendung an meine Adresse.

Hier sind die Datenschutzrechte der PatientInnen umfassend aufgeführt:
https://www.datenschutzzentrum.de/medizin/arztprax/dsrdpat2.htm
Im Widerspruchsverfahrend würde ich mich an einen Fachanwalt wenden. Persönlich habe ich mit dem VdK keine guten Erfahrungen gemacht.
FG Lara

von
no name

Wenn Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden sind, können Sie innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen. Die Begründung muss da nicht unbedingt dabei sein, es reicht, wenn Sie schreiben, dass Sie Widerspruch gegen den Bescheid vom XX.XX.XXXX einlegen möchten, Begründung folgt. Dies reicht zur Wahrung der Frist.

Dann würde ich mich an Ihrer Stelle genau informieren, was die Voraussetzungen für die betreffende Rentenart, die Ihnen abgelehnt wurde, betrifft. Dies können Sie auch in einer Auskunfts- und Beratungsstelle der DRV erfahren. Oder aber, Sie rufen Ihren zuständigen Sachbearbeiter in der DRV an und verlangen eine Erklärung, warum die Rente genau abgelehnt wurde (oder warum auch sonst der Bescheid nicht stimmt). Ihr Sachbearbeiter kennt die Aktenlage und kann Ihnen das genau erklären. Viele Missverständnisse sind damit oft gleich aus dem Weg geräumt und evtl. muss gar kein Widerspruch eingelegt werden (= spart viel Zeit und Nerven).

Wenn Sie hier Ihr Problem kurz schildern, wird man Ihnen sicher sagen können, ob ein Widerspruch Aussicht auf Erfolg hat.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man bei einem Widerspruch viel falsch machen kann... einen Rechtsanwalt brauchen Sie dazu vorerst nicht!

Experten-Antwort

Sind Sie mit der Entscheidung Ihres Rentenversicherungsträgers nicht einverstanden, können Sie hiergegen natürlich Widerspruch einlegen. Der Widerspruch ist innerhalb 1 Monats nach Bekanntgabe schriftlich beim Rentenversicherungsträger einzureichen. Sie können Ihren Widerspruch natürlich auch bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle oder einem Versichertenältesten in Ihrer Nähe abgeben oder dort formulieren lassen.
Wichtig ist zunächst, dass Ihr Widerspruch innerhalb dieser Monatsfrist beim Rentenversicherungsträger eingeht. Eine nähere Begründung kann dann in angemessener Frist nachgereicht werden.

Allerdings würde auch ich Ihnen raten, bei Unstimmigkeiten zunächst einmal zu versuchen, ob diese ggfs. bei einem Gespräch (auch telefonisch) mit dem zuständigen Sachbearbeiter zu klären sind.

Grundsätzlich gilt, dass alle getroffenen Entscheidungen auch ausführlich und verständlich zu begründen sind. Allerdings ist zuzugeben, dass dieses wegen der regelmäßig schwierigen Materie nicht immer vollständig gelingt. Gerade für diesen Fall ist ein klärendes Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter oft hilfreicher als ein direkter Widerspruch.

Sie haben aber natürlich grds. auch das Recht auf Einsicht in Ihre Verwaltungsakten. Die Akteneinsicht kann direkt bei Ihrem Versicherungsträger oder aber auch z.B. bei Ihrer Stadt- oder Gemeindeverwaltung erfolgen. Eine Zusendung der Akten direkt zu Ihnen nach Hause ist aus datenschutzrechtlichen Gründen in der Regel nicht zulässig. Haben Sie einen Rechtsanwalt, Rentenberater oder Sozialverband (z.B. VdK) mit Ihrer Vertretung beauftragt, kann dieser grds. Akteneinsicht in seinen Geschäftsräumen nehmen.

Ob Sie einen solchen Vertreter beauftragen, liegt in Ihrem Ermessen. Zwingend erforderlich ist dieses nicht. Maßgebend für Ihre diesbezügliche Entscheidung ist sicherlich die Art und Bedeutung Ihres Problems.
Wie oben bereits erwähnt, würde ich Ihnen aber raten - auch um ggfs. unnötige Kosten zu ersparen - zunächst eine direkte Klärung beim zuständigen Rentenversicherungsträger (auch Auskunfts- und Beratungsstellen, Versichertenälteste) zu versuchen. Die Beratung hier ist natürlich kostenlos.

von
Zwilling

Hallo,
danke vielmals für die informativen Antworten. Ich hoffe, daß der zuständige Sachbearbeiter genauso nett, kompetent, auskunftsbereit und erreichbar ist, wie die Leute hier im Forum.
Nochmals vielen Dank und Grüße