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Verletzten- und Altersrente

von
R. Fischer

Ich bin Jahrgang 1955, 50 % schwerbehindert und beziehe seit 38 Jahren eine Verletztenrente nach einem Arbeitsunfall von der zuständigen Berufsgenossenschaft.
Der der Unfallrente zugrunde liegende Jahresverdienst von TE 21.7 ist zu meinem jetzigen Einkommen (rund TE 60 p.a.) relativ gering. Aktuell habe ich mir lt. Auskunft rund 60 Rentenpunkte erarbeitet.
Frage 1: Ist es richtig, dass meine zukünftigen Renten nicht < als meine Altersrente sind?
Frage 2: Wird zusätzlich zu dem ermittelten Grenzbetrag (= maximale Höhe der Altersrente) weiterhin die Unfallrente gezahlt?
Frage 3: Kann ich nicht kurz vor Rentenbeginn auf die Unfallrente verzichten und erhalte die von mir erwirtschaftete Altersrente in voller Höhe?

MfG
R. Fischer

von
W*lfgang

Hallo R. Fischer,

Frage 1: ja, sie werden zusammen sogar etwas höher - siehe Antwort 3.

Frage 2: die UV-Rente wird vorrangig in vollem Umfang gezahlt.

Frage 3: das wäre finanziell nachteilig. Ihre UV-Rente wird ja nicht in vollem Umfang auf die Altersrente anzurechnen sein, ein Grundfreibetrag entsprechend Ihrem GdE aus dem Unfall wird vorab von der UV-Rente runtergerechnet, bevor der Grenzbetrag ermittelt wird (Werte von 44 EUR/mtl 10 % GdE bis 693 EUR bei 100 % GdE). Ab 65 wird auch noch ein Altersfreibetrag von der UV-Rente abgezogen. Zudem: weniger Altersrente, weniger KV/PV-Beiträge - von der UV-Rente werden keine abgezogen. Ggf. auch weniger ESt, da meines Wissens, die UV-Rente nicht zum steuerpflichtigen Einkommen zählt.

Rat: lassen Sie alles 'normal' laufen/anrechnen, letztendlich haben Sie im Rahmen der Freibeträge einen kleinen Mehrwert - denn der Grenzbetrag liegt aktuell bei nur 1265 EUR mtl. (wenn der Jahresarbeitsverdienst 21.700 tatsählich der heutige Wert ist), Ihre Altersrente aber schon bei ü1800 EUR (60 *30,45).

Tabelle zum Nachrechnen und Freibeträge (Seite 38-39):

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/BayernSued/de/Inhalt/Allgemeines/Pool_BY/Zahlen_und_Tabellen/ZuT_2016_1.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Gruß
w.

Experten-Antwort

Hallo R. Fischer,

im Rahmen der Anrechnung einer Unfallrente auf die gesetzliche Rente wird zunächst die Höhe des Grenzbetrages ermittelt. Dieser dürfte in Ihrem Fall bei 1265 EUR liegen. Sofern dieser Grenzbetrag überschritten wird, erfolgt eine Reduzierung der gesetzlichen Rente. Die Unfallrente wird in der bisherigen Höhe weitergezahlt.
Im übrigen schließen wir uns den Ausführungen von W*lfgang an.

von
R. Fischer

Zitiert von:

Hallo R. Fischer,

im Rahmen der Anrechnung einer Unfallrente auf die gesetzliche Rente wird zunächst die Höhe des Grenzbetrages ermittelt. Dieser dürfte in Ihrem Fall bei 1265 EUR liegen. Sofern dieser Grenzbetrag überschritten wird, erfolgt eine Reduzierung der gesetzlichen Rente. Die Unfallrente wird in der bisherigen Höhe weitergezahlt.
Im übrigen schließen wir uns den Ausführungen von W*lfgang an.

Erstmal vielen Dank für die schnellen und ausführlichen Antworten.

Nur noch mal für mich zur Klarstellung:
Für mich persönlich heißt das dann wohl, dass die Brutto-Rente aus der RV max. der Grenzbetrag ist. Dazu kommt dann ungekürzt die Unfallrente. Das wären dann meine gesamten zukünftigen Renteneinkünfte. Wobei es keine Rolle spielt, auf wieviel sich meine tatsächliche Brutto-Rente steigert. Das heist, wenn sich meine Rentenpunkte durch Weiterarbeit erhöhen, wirken sich diese nicht auf die tatsächlichen zukünftigen Auszahlungsbeträge aus, da jede Erhöhung sich nur im Ruhensbetrag in der RV niederschlägt. Aus rententechnischer Sicht könnte/sollte ich also schnellstmöglich einen Rentenantrag stellen.
Habe ich das so richtig verstanden?
Vorab schon mal Danke.

MfG
R. Fischer

von
W*lfgang

Zitiert von: R. Fischer
Habe ich das so richtig verstanden?

Nein.

Beispiel: Ihre UV-Rente hat einen festen Betrag, sagen wir 500 EUR, der natürlich jedes Jahr nur dynamisch erhöht wird, wie die Altersrente auch. Sollten - vereinfacht - die 500 EUR komplett von Ihrer Altersrente abgezogen werden, steigt doch aber für jedes weitere Beschäftigungsjahr Ihre Altersrente, bei 60 T um rd. 55 EUR/mtl. Bis zur Regelaltersrente 65 + 9 (2020/21) erhöhen Sie Ihre Altersrente doch noch um 250/300 EUR ...dann werden immer nur noch die 500 UV-Rente abgezogen, Ihre Altersrente ist einfach höher und die 500 von der UV bekommen Sie auch noch.

Ob 500 (oder welcher Betrag auch immer) von 1800 oder 2100 abgezogen werden, macht doch einen kleinen Unterschied - oder?

> Für mich persönlich heißt das dann wohl, dass die Brutto-Rente aus der RV max. der Grenzbetrag ist.

Eben nicht, der Grenzbetrag regelt nur, in welchem Umfang die UV-Rente abzuziehen ist - der kürzt nicht Ihre steigende Rente ein.

Gruß
w.

von
ATZler

"Eben nicht, der Grenzbetrag regelt nur, in welchem Umfang die UV-Rente abzuziehen ist - der kürzt nicht Ihre steigende Rente ein."

@Wolfgang:
Das kann man nicht generell so pauschal beantworten.

Im oben erläuterten Fall von R. Fischer übersteigt der berechnete Ruhensbetrag offenbar die Höhe der Unfallrente.
Fiktive Altersrente: 60 * 30,45 Euro = 1827 Euro
Fiktiver Grenzbetrag: 1265 Euro
Fiktiver Ruhensbetrag: 1265 Euro - 1827 Euro = -562 Euro
Fiktive Unfallrente: 500 Euro

Es kann also sein, dass bei hoher Lebensarbeitsleistung und niedrigem fiktiven Bruttogehalt zum Zeitpunkt des Unfalles der Ruhensbetrag den Wert der Unfallrente übersteigt. Hoffentlich ist den Sachbearbeitern klar, dass der Ruhensbetrag auf den Wert der Unfallrente (evtl. incl. Freibeträge ?) zu deckeln ist. Das ist in den angeführten Berechnungsbeispielen und Anleitungen nämlich nirgends erwähnt.

Im obigem Beispiel von R. Fischer ist es nun tatsächlich so, dass höhere fiktive Altersrenten zu höheren Zahlungsbeträgen führen, aber nur wenn der Ruhensbetrag auf die Höhe der Unfallrente gedeckelt ist. Wenn der Ruhensbetrag jedoch geringer ausfällt als die Unfallrente, oder sogar gegen 0 geht, dann kann es durchaus sein, dass höhere Altersrenten vom Ruhensbetrag zumindest teilweise aufgefressen werden.

Ich bin kein Rentenexperte, aber dümmer und komplexer geht es wohl nicht mehr. Wer so etwas erfindet, na ja ich weiß nicht.

von
rosebud

Zitiert von: ATZler

Ich bin kein Rentenexperte, aber dümmer und komplexer geht es wohl nicht mehr. Wer so etwas erfindet, na ja ich weiß nicht.

Das merkt man! Bitte verwirren Sie den Fragesteller nicht.

Gemäß § 93 Abs. 3 Satz 2 SGB VI ist der MINDESTGRENZBETRAG der Monatsbetrag der (Alters-)Rente. Ihr Beispiel müsste also wie folgt aussehen:

Fiktive Altersrente: 60 * 30,45 Euro = 1827 Euro
Fiktiver Grenzbetrag: 1265 Euro, aber Mindestgrenzbetrag 1827 Euro!

Einen (fiktiven) Ruhensbetrag gibt es bei einer Anrechnung nach § 93 SGB VI nicht. Vielmehr wird die Summe der zusammentreffenden Rentenbeträge ermittelt, wobei bei der Verletztenrente die entsprechende BVG-Grundrente unberücksichtigt bleibt.

Um es verständlich zu machen führe ich das Beispiel mal mit folgenden Annahmen fort:

Bei einem Jahresarbeitsverdienst von 21.700,00 EUR beliefe sich eine Verletztenrente mit 40 % MdE derzeit auf monatlich 482,22 EUR. Die BVG-Grundrente beträgt bei diesem MdE monatlich 189,00 EUR. Die Summe der Altersrente und "bereinigten" Verletztenrente beläuft sich also auf mtl. 2.120,22 EUR. Die Altersrente wird um den - den Mindestgrenzbetrag übersteigenden - Betrag, also um 293,22 EUR (= 2.498,22 EUR - 1.827,00 EUR) gekürzt.

Der Fragesteller hätte also folgende mtl. (Brutto-)Ansprüche:

Altersrente 1.533,78 EUR
Verletztenrente 482,22 EUR

Die Aussagen von Wolfgang stimmen, besonders auch die Aussage, dass die weitere rv-pflichtige Beschäftigung zu höheren Gesamt-Ansprüchen führt!

von
ATZler

Danke, dass ist nachvollziehbar. Man merkt, dass Sie Experte sind und sie kommen auch auf das richtige Ergebnis.

Ihr Zitat:
"Die Altersrente wird um den - den Mindestgrenzbetrag übersteigenden - Betrag, also um 293,22 EUR (= 2.498,22 EUR - 1.827,00 EUR) gekürzt."

2.498,22 EUR - 1.827,00 EUR = 293,22 EUR Wie bitte ????
Hier haben Sie vergessen, die Verletztenrente um die BVG-Grundrente zu bereinigen.
Das errechnet sich so:
2.120,22 EUR - 1827,00 EUR = 293,22
oder auch
482,22 EUR - 189,00 EUR = 293,22

Sogar Sie haben scheinbar Probleme, den komplexen Sachverhalt einem Laien richtig zu erklären. Aber das Ergebnis offenbar richtig. Sicher gibt es dafür Tabellen oder IT-Programme.

von
W*lfgang

Zitiert von: ATZler
Sicher gibt es dafür Tabellen oder IT-Programme.
ATZler,

die verlinkte Broschüre/Anrechnung UV auf RV reicht schon, um das zuverlässig vorab/mit alternativen RV-Renten zu errechnen - weiß man/frau/BeraterIn aber auch so, je höher die RV-Rente, umso mehr kommt hinten bei raus - so hoch kann eine UV-Rente gar nicht sein, dass da kein Zuwachs der Gesamtsumme mehr ist, zumindest nicht in der Praxis :-)

Und natürlich wird das DRV-intern maschinell bei Bescheiderteilung abgewickelt.

Gruß
w.

von
R. Fischer

Hallo Wolfgang und ATZler,
vielen Dank für eure Beiträge. Ich habe das Gefühl, dass ich die Systematik so langsam verstanden habe, auch wenn sich mir die dahinter stehende Logik nicht erschließt.
In Kurzform habe ich für mich jetzt folgende Altersbezüge ermittelt:
Die Altersrente wird max. um die UV-Rente (nach Anzug des entsprechenden Freibetrages) gekürzt ausgezahlt zuzüglich der vollständigen UV-Rente.
Dies ergibt sich m.E. nach aus euren Rechenbeispielen.
Nur, woraus ergibt sich das (Gesetz?). Bei der Rentenberatung wurden mir gesamte Altersbezüge (Alters- und UV-Rente) in Höhe von Euro 1.260 errechnet.
Für eine nochmalige Information/Quellenangabe wäre ich euch schon jetzt dankbar, da ich mich so langsam mit der Planung meines nächsten Lebensabschnittes (RENTNER) befassen muss.

Nochmals vielen Dank und MfG
R. Fischer

von
rosebud

Logik des Gesetzgebers:

"Rentenleistungen der gesetzlichen Rentenversicherung dienen grundsätzlich als Ausgleich für wegfallendes Entgelt (Lohn), Einkommen oder Unterhalt. Sie haben in diesem Sinne eine Ersatzfunktion oder Zuschussfunktion. Im Falle der Entgelt-, Einkommens- oder Unterhaltsersatzfunktion soll gänzlich wegfallendes Entgelt oder Einkommen durch die Rente ersetzt werden.

Wenn Anspruch auf mehrere Geldleistungen aus unterschiedlichen Quellen besteht, kann die Häufung von Ansprüchen unter Umständen dazu führen, dass der Berechtigte durch den Hinzutritt der Rentenzahlung über höhere Einkünfte als vorher verfügt. Um eine finanzielle Besserstellung ("Überversorgung") durch Rentenzahlungen zu vermeiden, hat der Gesetzgeber durch die Vorschriften über das Zusammentreffen von Renten und Einkommen entsprechende Begrenzungen vorgenommen."

Rechtsgrundlage:

§ 93 Sozialgesetzbuch (SGB) VI

Welcher "Rentenberater" hat Ihnen das errechnet? Gehen Sie mit dem aktuellen Verletztenrentenbescheid (Beträge ab 01.07.2016) in eine Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung oder zum Berater im Versicherungsamt Ihrer Gemeinde. Dort wird Ihnen geholfen!

von
ATZler

@W*lfgang, @rosebud

"so hoch kann eine UV-Rente gar nicht sein, dass da kein Zuwachs der Gesamtsumme mehr ist, zumindest nicht in der Praxis"

Doch, sie kann. Hier mal eine Grenzwertrechnung, welche das Beispiel von rosebud (s.o.) ergänzt. Die angenommene Unfallrente ist die gleiche, aber die Altersrente ist geringer, so dass sich aus der Ruhensberechnung der Wert 0 ergibt.

Altersrente: 31,914 * 30,45 Euro = 971,78 Euro (z.B. unterbrochene Erwerbsbiografie bei Frauen)
Verletztenrente: 482,22 Euro (siehe Beispiel nach rosebund)
Summe der Altersrente plus "bereinigte" Verletztenrente: (482,22 - 189) + 971,78 = 1265 Euro

Hier ist der fiktive Grenzbetrag genau der Mindestgrenzbetrag von 1265 Euro (siehe Beispiel nach rosebund). Die Rubensrechnung ergibt 0.

Resultat:
Altersrente: 971,78 Euro (bleibt ungekürzt!)
Verletztenrente: 482,22 Euro

Fallstudien:
Altersrenten < 971,78 Euro - Die Altersrente bleibt ungekürzt.
Altersrente > 971,78 Euro - Die Altersrente wird linear zu Rentenanstieg gekürzt von 0 bis 293,22 Euro
Altersrente > (971,78 Euro + (482,22 - 189) = 1265 Euro) - Der Grenzwert obere ist überschritten. Die Rente wird konstant um 293,22 Euro gekürzt

Wenn die Altersrente den Mindestgrenzbetrag (in diesem Fall 1265 Euro) unterschreitet, dann kann man schon darüber nachdenken, ob und in welchem Maße eine weitere Beitragszahlung vom Ruhensbetrag aufgefressen wird.

Das kann meiner Ansicht nach in der Praxis passieren, wenn Erwerbsbiografien unterbrochen sind, so dass die Rente relativ niedrig ausfällt, aber vor dem Unfall ein normaler oder höherer Verdienst vorhanden war.

von
W*lfgang

Zitiert von: ATZler
Das kann meiner Ansicht nach in der Praxis passieren, wenn Erwerbsbiografien unterbrochen sind, so dass die Rente relativ niedrig ausfällt, aber vor dem Unfall ein normaler oder höherer Verdienst vorhanden war.
ATZler,

kann rechnerisch durchaus passieren, dass die UV-Rente (bei hoher JAV und hoher MdE *)) die ganze gesetzliche Rente 'frisst', weil anschließend nur noch geringwertige/Teilzeittätigkeiten möglich waren. Aber in der Praxis - und schon gar nicht bei R. Fischer - der Fall.

Deswegen sollte man auch konsequent beim Thema bleiben, um den Fragesteller nicht unnötig zu verwirren – mache ich doch auch ;-)

*) dann könnte die UV-Rente höher sein, als jemals bei der DRV erreichbar - deswegen auch die Gründe für etwaige Kürzungen/Nullzahlungen, wie von rosebud einschlägig dargelegt.

Gruß
w.