Versicherungspflicht bei zwei Beschäftigungen

von
jimmy

Ab dem 01.07.2011 wird meine Frau bei zwei Arbeitgebern als Physiotherapeutin berufstätig sein.
Bei dem einen mit einer wchtl. Arbeitszeit von 20-30 Stunden. Das voraussichtl. Entgelt wird je nach gearbeiteten Stunden ca. zwischen 1250 Euro und 1900 Euro liegen.
Weiterhin wird sie ab dem 01.07. bei einem anderen Arbeitgeber in einem zeitlichen Umfang von 10-20 Stunden wchtl. arbeiten. Dementsprechend wird dann der voraussichtliche Verdienst ungefähr zwischen 630 Euro und 1250 Euro liegen.
Bei der Beschäftigung, die in größerem Umfang ausgeübt wird, wird meine Frau ein abhängiges, versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis aufnehmen. Wie sieht es bei der zweiten Beschäftigung aus? Besteht (Renten-)Versicherungspflicht bei dem abhängigen Beschäftigungsverhältnis, das in einem geringeren Umfang ausgeübt wird, da hier regelmäßig die 400 Euro-Grenze und ab und an auch die 800 Euro-Grenze überschritten wird?
Und welche Konsequenz würde sich ggf. (bei weiterhin vorliegendem versicherungspflichtigem ersten Arbeitsverhältnis) ergeben, wenn sie die zweite Beschäftigung "nur" als freie Mitarbeiterin ausübt?

Experten-Antwort

Hallo jimmy,

sofern Ihre Frau zwei nicht geringfügige Beschäftigungen bei unterschiedlichen Arbeitgebern ausübt, unterliegt sie in beiden Beschäftigungen der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung maximal bis zur monatlichen Beitragsbemessungsgrenze (5500 EUR). Jeder Arbeitgeber hat also prozentual die Rentenversicherungsbeiträge abzuführen.

Sollte die zweite Tätigkeit als freier Mitarbeiter ausgeübt werden, muss zunächst geprüft werden, ob Ihre Frau der Versicherungspflicht kraft Gesetzes als selbstständige Pflegeperson oder als Selbstständige mit einem Auftraggeber unterliegt.

Versicherungspflicht kraft Gesetzes als selbstständige Pflegeperson (Physiotherapeutin) würde bestehen, wenn Ihre Frau überwiegend auf ärztliche Anweisung tätig wäre.
Wäre dies nicht der Fall, so wäre dann die Versicherungspflicht kraft Gesetzes als Selbstständiger für einen Auftraggeber zu prüfen. Bei dieser Versicherungspflicht bestünde die Möglichkeit, sich für einen Zeitraum von max. drei Jahren von der Beitragszahlung befreien zu lassen.
Sofern Ihre Frau in der selbstständigen Tätigkeit selbst einen Arbeitnehmer mehr als geringfügig beschäftigt, würde keine Versicherungspflicht vorliegen.

von
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Zitiert von: Techniker

Hallo jimmy,

sofern Ihre Frau zwei nicht geringfügige Beschäftigungen bei unterschiedlichen Arbeitgebern ausübt, unterliegt sie in beiden Beschäftigungen der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung maximal bis zur monatlichen Beitragsbemessungsgrenze (5500 EUR). Jeder Arbeitgeber hat also prozentual die Rentenversicherungsbeiträge abzuführen.

Ergänzung:

Wenn die Brutto-Gehälter beider Beschäftigungen zusammengerechnet mind. 800,00 Euro betragen, ergibt sich für jede Beschäftigung der volle Rentenbeitrag - nicht der ermäßigte Arbeitnehmeranteil bei Gleitzonenbeschäftigung.

Zitiert von: Techniker

Sollte die zweite Tätigkeit als freier Mitarbeiter ausgeübt werden, muss zunächst geprüft werden, ob Ihre Frau der Versicherungspflicht kraft Gesetzes als selbstständige Pflegeperson oder als Selbstständige mit einem Auftraggeber unterliegt.

Versicherungspflicht kraft Gesetzes als selbstständige Pflegeperson (Physiotherapeutin) würde bestehen, wenn Ihre Frau überwiegend auf ärztliche Anweisung tätig wäre.
Wäre dies nicht der Fall, so wäre dann die Versicherungspflicht kraft Gesetzes als Selbstständiger für einen Auftraggeber zu prüfen. Bei dieser Versicherungspflicht bestünde die Möglichkeit, sich für einen Zeitraum von max. drei Jahren von der Beitragszahlung befreien zu lassen.
Sofern Ihre Frau in der selbstständigen Tätigkeit selbst einen Arbeitnehmer mehr als geringfügig beschäftigt, würde keine Versicherungspflicht vorliegen.

Ergänzung:

Bei selbständigen Physiotherapeuten, die nicht überwiegend auf ärztliche Anordnung tätig sind, könnte sich ggf. auch eine Versicherungspflicht kraft Gesetzes als Lehrer ergeben, sofern sie Gesundes Gymnastikunterricht o.ä. (z.B. Rückenkurse) erteilen. Diese wäre vorrangig vor der Versicherungspflicht von Selbständigen mit einem Auftraggeber zu prüfen und von dieser kann man sich auch nicht befreien lassen. Auch hier gilt: bei Beschäftigung eines/meherer Angestellten mit mind. 400 Euro Gehalt tritt keine Rentenversicheurngspflicht ein.

von
jimmy

Danke für die Antworten!

Die Geringfügigkeitsgrenze von 400 Euro wird bei beiden Tätigkeiten überschritten.
Wenn ich es richtig verstanden habe, würde bei der zweiten Beschäftigung (bei der das Entgelt überwiegend unter 801 Euro liegen wird) selbst dann der volle RV-Beitrag fällig, obwohl das Entgelt für sich genommen innerhalb der Gleitzone liegt, da ja im Hintergrund immer noch die erste Beschäftigung mit mehr als 800 entlohnt wird.
Für die andere Konstelation, bei der in der ersten Beschäftigung ein abhängiges versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis besteht und die zweite Beschäftigung im Rahmen der freien Mitarbeiterschaft ausgeübt würde, würde dann bei der ersten Beschäftigung nach § 1 und bei der zweiten nach § 2 Versicherungspflicht bestehen (obwohl bei der zweiten Beschäftigung manchmal nur ein Einnahmen von ca. 630 Euro anfällt und später ggf. der Regelbeitrag gezahlt werden müsste, also der Beitrag nicht viel niedriger als die Einnahme ist).

von
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Zitiert von: jimmy

Danke für die Antworten!

Die Geringfügigkeitsgrenze von 400 Euro wird bei beiden Tätigkeiten überschritten.
Wenn ich es richtig verstanden habe, würde bei der zweiten Beschäftigung (bei der das Entgelt überwiegend unter 801 Euro liegen wird) selbst dann der volle RV-Beitrag fällig, obwohl das Entgelt für sich genommen innerhalb der Gleitzone liegt, da ja im Hintergrund immer noch die erste Beschäftigung mit mehr als 800 entlohnt wird.
Für die andere Konstelation, bei der in der ersten Beschäftigung ein abhängiges versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis besteht und die zweite Beschäftigung im Rahmen der freien Mitarbeiterschaft ausgeübt würde, würde dann bei der ersten Beschäftigung nach § 1 und bei der zweiten nach § 2 Versicherungspflicht bestehen (obwohl bei der zweiten Beschäftigung manchmal nur ein Einnahmen von ca. 630 Euro anfällt und später ggf. der Regelbeitrag gezahlt werden müsste, also der Beitrag nicht viel niedriger als die Einnahme ist).

Ja, das ist so richtig.
Aber bei freiberuflichen / selbständigen Tätigkeiten mit Rentenversicheurngspflicht muss nicht zwangsläufig der Regelbeitrag gezahlt werden. Es gibt auch die Möglichkeit bis zum Ablauf der ersten 3 Kalenderjahre ab Beginn der Tätigkeit den halben Regelbeitrag zu zahlen oder auch (zeitlich unbegrenzt) einkommensgerechte Beiträge (Beitragssatz derzeit 19,9% vom tatsächlichen Gewinn).